Deutscher Alpenverein (DAV) e. V.
Bundesgeschäftsstelle
Ressort Hütten und Wege
Anni-Albers-Str. 7
80807 München
Die Auswirkungen des Klimawandels stellen die alpinen Vereine in der Erhaltung Ihrer Schutzhütten vor großen Herausforderungen. Die veränderten Rahmenbedingungen erfordern neue Wege z. B. im Umgang mit Wasserressourcen. Wir mussten die Neue Prager Hütte (2.796 m) die letzten 3 Jahre aufgrund akuten Wassermangels früher als geplant schließen. Um den Wasserverbrauch deutlich zu reduzieren, wollen wir die Spültoiletten durch Trockentoiletten ersetzen. Dazu müssen wir ein neues, zweigeschossiges Nebengebäude errichten. Die Erfahrungen im Umgang mit Trockentoiletten auf Schutzhütten sind derzeit noch überschaubar. Wir arbeiten gerade an verschiedenen Hütten an unterschiedlichen Konzepten.
Der laufende Betrieb wird uns zeigen, welche Konzepte am geeignetsten sind. Bei der Neue Prager Hütte werden wir mit und ohne Trenntoiletten arbeiten, um beide Systeme vergleichen zu können. Eine weitere Herausforderung ist die Sammlung, Zwischenlagerung, die Nachbehandlung und die Logistik der Fäzes. Auf der Neue Prager Hütte wollen wir die Fäzes im Stufenvererder zwischenlagern und mittels Wurmkompostierung nachbehandeln. Der Rest wird mit Hilfe der Materialseilbahn ins Tal gebracht. Auf Hubschraubertransporte wollen wir im Naturschutzgebiet möglichst verzichten. Ziel soll sein, die einzelnen TC-Konzepte nach Inbetriebnahme zu evaluieren, um daraus Best-Practice-Beispiele für Schutzhütten zu entwickeln.
In der ersten Phase (Baupahse 2025) werden die Toiletten von Spültoiletten auf Trockentoiletten umgebaut. Hierzu entsteht ein neues Nebengebäude mit 2 Stockwerken und Winter und Sommerbereich. In diesen Bereichen werden zwei unterschiedliche Trockentoiletten-Systeme angewandt. im Winterbereiche werden wartungsarme Komposttoiletten installiert, die mit einer konventionellen kompostierung unter Zugabe von Rinderschrot arbeiten. Im Sommerbereich werden zwei Trockentrenntoiletten und wasserlose Urinale aufgebaut. Hier werden die Feststoffe und Urin in der Toilettenschüssel getrennt.
In der zweiten Phase (Anwendung 2026) wird die Umstellung von Spültoiletten auf Trockentoiletten erfolgen. Die Hüttenwirtsleute werden in Anwendung, Betrieb und Wartung geschult. Die Gäste werden über Infotafeln informiert und auf die richtige Anwendung hingewiesen. Während der Nutzung werden schon erste Nutzungszahlen sowie Fäzesmengen erhoben und ein Fragebogen zur Nutzungserfahren durch die Gäste erstellt. Parallel werden die Spültoiletten rückgebaut, der Stufenvererder wird zur Nachkompostierung neu positioniert und in seinem Aufbau angepasst. Im umgebauten Vererder wird die Anwendung von Würmern getestet
In der dritten Phase (Monitoring 2027) wird die Kompostierung der Fäzes im Stufenvererder überwacht und dokumentiert. Hierzu wird die Temperatur im Kern des Kompost, sowie die Feuchtigkeit.
Das Nebengebäude konnte in 2025 fertiggestellt werden. Der Umstellung auf Trockentoiletten in 2026 steht nichts mehr im Wege.
Über die Bauphase in 2025 wird auf dem jährlichen Hüttenfachsymposium der Alpenvereine berichtet. Hierdurch soll den Sektion des Alpenvereins die Umsetzung eines Umbaus auf Trockentoiletten geschildert und die Diskussion über eine Sanitärwende im Alpinen als Folge des Klimawandels weitergeführt werden.
Zusätzlich fand während des Umbaus im Rahmen des übergreifende Jahresthemas "Berge in Bewegung" eine Pressereise zur Neue Prager Hütte statt. In der Folge entstanden mehrere Zeitungsartikel in Österreich und Deutschland sowie Videobericht im Fernsehen und in den sozialen Medien, die die Problematik des Wassermangels und deren Auswirkungen beschreiben.