Projekt 40197/01

Sanierungssprint als Prozessinnovation: Handlungsfeldanalyse für die Skalierung eines innovativen Ansatzes zur ambitionierten energetischen Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern

Projektdurchführung

Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V.
DENEFF
Alt Moabit 103
10559 Berlin

Zielsetzung

Die energetische Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern spielt eine zentrale Rolle für das Erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor. Trotz verfügbarer technischer Lösungen bleibt die Sanierungsquote jedoch seit Jahren deutlich hinter den erforderlichen Zielwerten zurück. Ein wesentliches Hemmnis liegt weniger im Stand der Technik als vielmehr in fragmentierten Marktstrukturen, unklaren Zuständigkeiten, hohen Koordinationsaufwänden und Unsicherheiten bei Eigentümerinnen und Eigentümern. Häufig werden lediglich Einzelmaßnahmen umgesetzt, wodurch erhebliche Energie- und Emissionsminderungspotenziale ungenutzt bleiben.

Der Sanierungssprint stellt einen innovativen Ansatz dar, der durch eine konsequent prozessorientierte Planung und Umsetzung eine umfassende energetische Sanierung innerhalb kurzer Zeit ermöglicht. Ein erstes Pilotprojekt in 2023 und begleitende Studien haben gezeigt, dass mit diesem Ansatz hohe CO₂-Einsparungen realisiert werden können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass für eine breitere Anwendung strukturelle, organisatorische und institutionelle Voraussetzungen fehlen.

Ziel des Fördervorhabens war daher nicht die weitere technische Erprobung des Sanierungssprints, sondern die systematische Analyse der Rahmenbedingungen für eine Skalierung. Im Mittelpunkt standen die Untersuchung der Akteurslandschaft und Marktstrukturen, die Klärung neuer Rollen auf der Sprintbaustelle sowie die Entwicklung praxisnaher Handlungsempfehlungen, um den Sanierungssprint als wirksamen Hebel zur Beschleunigung ambitionierter energetischer Sanierungen im Gebäudebestand nutzbar zu machen und damit einen relevanten Beitrag zur Umweltentlastung zu leisten.

Arbeitsschritte

Das Projekt folgte einem mehrstufigen, aufeinander aufbauenden Vorgehen aus Analyse, qualitativer Vertiefung, gemeinsamer Reflexion und der Erarbeitung konkreter Handlungsempfehlungen. Ziel war es, die Voraussetzungen für eine Skalierung des Sanierungssprints nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von Akteuren, Marktstrukturen, Rollenbildern und bestehenden Transfermechanismen zu untersuchen.

Zu Beginn wurde ein umfassendes Stakeholdermapping durchgeführt, um relevante Akteure im Umfeld des Sanierungssprints systematisch zu erfassen. Ergänzend wurde eine Marktanalyse durchgeführt, um die Organisationsstrukturen und Angebotslogiken in der energetischen Sanierung einzuordnen. Darauf aufbauend wurden bestehende Informations- und Wissensvermittlungsformate analysiert. Diese Analysen dienten als Grundlage für die Entwicklung differenzierter Interviewleitfäden.

Im Anschluss daran wurden leitfadengestützte Interviews mit zentralen Akteuren aus Praxis, Wissenschaft, Verwaltung und Beratung durchgeführt. Die Interviews ermöglichten eine vertiefte Erfassung von Hemmnissen, Erfolgsfaktoren und Skalierungsperspektiven aus unterschiedlichen Blickwinkeln, darunter Fragen zu Geschäftsmodellen, Kooperationsformen, neuen Rollen sowie zur Aktivierung von Eigentümerinnen und Eigentümern.

Ein weiterer Arbeitsschritt war die rechtliche Betrachtung der Rolle des Sanierungscoachs. Hierzu wurde zunächst ein Leistungsbild der Rolle erarbeitet. Darauf aufbauend wurden zentrale Rechtsfragen untersucht und im Rahmen einer rechtlichen Stellungnahme ausgearbeitet.

Als begleitendes Austauschformat wurde ein digitaler Sanierungssprint-Stammtisch etabliert, der den kontinuierlichen Austausch zwischen aktiven Akteuren ermöglichte und als projektbegleitendes Reflexionsgremium diente. Zentrale Zwischenergebnisse wurden dort gespiegelt, diskutiert und weiterentwickelt. Ergänzt wurde dieses Format durch einen Präsenz-Workshop, in dem die identifizierten Handlungsfelder gemeinsam konkretisiert und priorisiert wurden. Methodisch ging das Projekt damit über den Stand des bisherigen Handelns hinaus, indem vorhandenes Wissen nicht nur gesammelt, sondern systematisch strukturiert, gemeinsam reflektiert und in übertragbare Handlungsempfehlungen überführt wurde.

Die angestrebte Umweltentlastung ergibt sich dabei nicht aus der Entwicklung neuer Technologien, sondern aus der Schaffung von Voraussetzungen für eine häufigere Umsetzung umfassender energetischer Sanierungen mit hoher Sanierungstiefe.

Ergebnisse

Die im Projekt gesetzten Ziele wurden erreicht. Auf Basis der Analysen, Interviews und Austauschformate konnten zentrale strukturelle Voraussetzungen für die Skalierung des Sanierungssprints identifiziert und in praxisnahe Handlungsempfehlungen überführt werden. Das Projekt adressierte damit die Schnittstelle zwischen erfolgreicher Pilotierung und breiter Marktwirkung.



Als zentrales Ergebnis wurden vier Handlungsfelder herausgearbeitet: die Rolle des Sanierungscoachs als koordinierende Schlüsselfunktion, geeignete Angebotsstrukturen für umsetzende Akteure, die gezielte Aktivierung der Nachfrageseite sowie ein übergeordneter Rahmen für Marktentwicklung und Verstetigung. Ein wesentlicher Projektbaustein war zudem die rechtliche Stellungnahme zur Rolle des Sanierungscoachs. Auf Grundlage eines im Projekt entwickelten Leistungsbildes wurden zentrale Fragen der Abgrenzung zu bestehenden Rollen, der geeigneten Vertragsformen, sowie Weisungs- und Dokumentationspflichten aufgearbeitet und mit Akteuren diskutiert.



Ein weiterer Projekterfolg liegt in der aufgebauten Netzwerkarbeit. Durch einen regelmäßigen digitalen Sanierungssprint Stammtisch, einen Präsenz Workshop und eine Abschlussveranstaltung wurden relevante Akteure aus Praxis, Wissenschaft, Verwaltung und Beratung zusammengeführt. Bestehende Aktivitäten wurden sichtbar gemacht, neue Kontakte geknüpft und Kooperationen angestoßen. Die Projektergebnisse bieten damit Orientierung und Anschlussfähigkeit für bereits aktive Initiativen.



Die potenzielle Umweltentlastung ergibt sich mittelbar aus den Projektergebnissen. Durch die Klärung von Rollen, Prozessen und Strukturen wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass umfassende energetische Sanierungen umgesetzt werden, die deutlich höhere Energie und Emissionsminderungen erzielen als inkrementelle Einzelmaßnahmen. Der Sanierungssprint adressiert damit ein zentrales Defizit des bisherigen Marktgeschehens. Ökonomisch zeigen die Ergebnisse Potenziale zur Senkung von Transaktionskosten, zur Erhöhung der Planungssicherheit und zur effizienteren Koordination der Beteiligten.

Öffentlichkeitsarbeit

Ein zentrales Element der Ergebnisverbreitung war die öffentliche Abschlussveranstaltung „Sanierungssprint: Next Level!“. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die zentralen Projektergebnisse und Handlungsempfehlungen vorgestellt, eingeordnet und mit einem breiten Teilnehmendenkreis diskutiert.

Ein weiterer wesentlicher Beitrag zur Verbreitung der Vorhabensergebnisse liegt in der kontinuierlichen Netzwerkarbeit, die im Projekt aufgebaut und verstetigt wurde. Der digitale Sanierungssprint-Stammtisch sowie die im Projekt entstandenen Kontakte haben dazu beigetragen, Erkenntnisse laufend zu teilen, neue Akteure einzubinden und Anschlussstellen für weitere Aktivitäten zu identifizieren. Diese Netzwerkarbeit wird auch über das formale Projektende hinaus fortgeführt und gezielt genutzt, um Sanierungssprint-Aktivitäten weiter voranzutreiben.

Die zentralen Projektergebnisse wurden zudem in geeigneter Form öffentlich zugänglich gemacht. Die rechtliche Stellungnahme zur Rolle des Sanierungscoachs sowie die Abschlusspräsentation mit den Handlungsempfehlungen werden über die Website der DENEFF veröffentlicht und stehen dort interessierten Akteuren als Referenz und Arbeitsgrundlage zur Verfügung.

Projektseite der DENEFF

Fazit

Das Förderprojekt hat gezeigt, dass die Skalierung ambitionierter energetischer Sanierungen weniger von technischen Innovationen als von geeigneten organisatorischen und institutionellen Rahmenbedingungen abhängt. Die gewählte Vorgehensweise aus Analyse, qualitativer Vertiefung und gemeinsamer Erarbeitung von Handlungsempfehlungen hat sich als geeignet erwiesen, um komplexe Markt- und Akteurskonstellationen strukturiert aufzubereiten.

Die Projektergebnisse liefern eine belastbare Orientierung für die nächsten Schritte und schaffen eine gemeinsame Grundlage für Akteure, die den Sanierungssprint weiter vorantreiben möchten. Kritisch bleibt festzuhalten, dass die erzielten Ergebnisse zunächst überwiegend konzeptionell wirken und ihre volle Wirkung erst durch eine konsequente Operationalisierung entfalten können.

Für zukünftige Aktivitäten erscheint es sinnvoll, an die Handlungsempfehlungen anzuknüpfen und den Praxistransfer gezielt zu gestalten. Ziel sollte es sein, den Sanierungssprint als replizierbares, qualitätsgesichertes und marktwirksames Angebot zu etablieren, das die energetische Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern deutlich beschleunigt und einen messbaren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor leistet.

Übersicht

Fördersumme

31.386,00 €

Förderzeitraum

03.06.2025 - 02.11.2025

Bundesland

Berlin

Schlagwörter

Klimaschutz
Kulturgüter
Umweltforschung
Umweltkommunikation