cirplus GmbH
Altonaer Poststr. 13 a
22767 Hamburg
Im Rahmen des Vorhabens „Podcast Circular Plastics“ wurde die zwölfteilige,
englischsprachige Podcast-Serie „GRANULAR – Breaking Down Plastics“ konzipiert und
produziert. Ziel war es, ein übertragbares Modell dafür zu entwickeln, wie GreenTech-Startups der DBU Förderung ihre Lösung über die Fachöffentlichkeit hinaus in jene gesellschaftlichen Räume tragen, in denen regulatorische und wirtschaftliche Weichen gestellt werden. Ausgangspunkt war die Beobachtung einer Kommunikationslücke zwischen emotional mobilisierender Breitenkommunikation (Level 1) und fachlich tiefer, aber binnenorientierter Expertenkommunikation (Level 3). GRANULAR erprobt eine dazwischenliegende „Level-2-Kommunikation“: evidenzbasiert, erzählerisch und lösungsorientiert. Sie zielt auf eine intelligente Breitenwirkung beim neugierigen Teil der
Öffentlichkeit, die so viel Aufmerksamkeit erzeugt, dass sich auch Entscheider mit den
Inhalten auseinandersetzen und in Ihre Erwägungen zur Reorganisation der Kunststoffmärkte einfließt.
Entstanden ist eine Serie aus sechs Storytelling-Episoden, die den Weg des
Gründers der cirplus GmbH von der Gründung 2018 bis zur Liquidation 2026 aus der
Innenperspektive erzählen, und sechs alternierenden Deep-Dive-Episoden mit Expertinnen und Experten aus Sortiertechnik, Kunststofferzeugung, Kreislaufwirtschaftsforschung, Recyclingmaschinenbau, Umweltpolitik und Werkstoffwissenschaft. Inhaltlich kristallisieren sich über alle Gespräche hinweg konsistente Befunde heraus: Offizielle Recyclingquoten überzeichnen den tatsächlichen Kreislauf erheblich; Rezyklat bleibt gegenüber Neuware strukturell zu teuer, solange externe Kosten nicht eingepreist sind; chemisches Recycling wird von allen befragten Expertinenn und Experten allenfalls als Ergänzung für schwer recycelbare Stoffströme gesehen; und der entscheidende Hebel liegt in verbindlicher, marktbasierter Regulierung (Rezyklatquoten, öko-modulierte Herstellerverantwortung, Preisgarantiemodelle nach EEG-Vorbild). Die Liquidation der cirplus GmbH im März 2026 fiel in den Projektzeitraum und wurde redaktionell nicht verschwiegen, sondern zum dramaturgischen Kern der Serie gemacht; sie ermöglicht einen offeneren Blick hinter
die Kulissen, als ihn ein üblicher Unternehmerpodcast bieten könnte.
Der Antrag sah einen Videopodcast mit zunächst 12 bis 18 Folgen vor, aufgezeichnet überwiegend in einem in den Räumen der cirplus GmbH einzurichtenden Studio sowie anlässlich relevanter Fachmessen. Als thematische Struktur waren elf Problemfelder benannt – von der linearen Kunststofferzeugung über die Rolle von Markenherstellern, Verarbeitern, Handel und Verbraucher:innen, die formelle und informelle Abfallwirtschaft, Sortier- und Recyclingtechnik und die Rolle der Digitalisierung bis zu Regulierung und Zukunftsperspektiven der Kunststoffwirtschaft. Das Format war als Gesprächspodcast mit wechselnden Gästen angelegt.
In der Konzeptphase wurde die im Antrag angelegte Idee der Thought Leadership zu einem expliziten Kommunikationsmodell weiterentwickelt (Abbildung 1). Es unterscheidet drei Ebenen der Umweltkommunikation nach Zielgruppe, Tiefe und Verortung im Problem- oder Lösungsraum. Daraus leitet sich die zentrale Hypothese des Vorhabens ab: Die entscheidende Lücke zwischen guten Lösungen und ihrer Skalierung liegt nicht in fehlendem Fachwissen, sondern in fehlender Übersetzung dieses Wissens in die Räume, in denen Regulierung, Beschaffung und Investitionen entschieden werden („to be in the room where it happens“). Startups verfügen dabei über einen besonderen Zugang: Sie können aus eigener Erfahrung erzählen, wie das System auf Veränderung reagiert. Diese Innenperspektive ist in der Fachkommunikation kaum vertreten und in der Mobilisierungskommunikation nicht verfügbar.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung der Zielgruppe. Level-2-Kommunikation richtet sich nicht ausschließlich an Entscheider:innen. Ein reines Entscheider:innen-Format bliebe eine Nische: Nach Einschätzung des Projektteams arbeiten EU-weit in der Größenordnung von kaum mehr als 1.000 Personen in entscheidenden Funktionen tatsächlich an den Problemen der Kunststoff-Kreislaufwirtschaft. GRANULAR setzt deshalb auf eine intelligente Breitenwirkung: Während Level 1 die breite Masse mobilisiert, aber oft wenig zielgerichtet und lösungsorientiert in die Entscheidungsräume hineinwirkt, erreicht Level 2 zwar weniger Menschen – den neugierigen, informierten Teil der breiten Öffentlichkeit –, aber immer noch deutlich mehr als ein Fachpodcast auf Level 3. Die so erzeugte Aufmerksamkeit und das positive, fachlich fundierte Feedback sollen ein Maß erreichen, bei dem sich Entscheider:innen mit den Inhalten auseinandersetzen müssen.
Obwohl die sechs Expert:innen aus sehr unterschiedlichen institutionellen Perspektiven sprechen – Anlagenbau, Industrieverband, Wissenschaft, Beratung, Maschinenbau, Werkstoffforschung –, ergeben sich bemerkenswert konsistente Befunde. Sie sind im Folgenden als Synthese dargestellt.
Befund 1: Die Quoten verdecken die Kreislauflücke
Befund 2: Die Technik ist weiter als der Markt
Befund 3: Neuware ist künstlich billig
Befund 4: Chemisches Recycling ist bestenfalls Ergänzung und eher Nebelkerze
Befund 5: Regulierung ist der entscheidende Hebel
Befund 6: Resilienz als neuer Treiber
Befund 7: Das Drei-Säulen-Modell als Zukunftsbild (biobasierte Neuwarekunststoffe; hochwertige mechanische Rezyklate; moderne Verbrennung samt CCS/CCU)
Die Storytelling-Episoden liefern eine Innenansicht, die in Fachdiskursen selten sichtbar wird. Sie zeigen, wie ein etabliertes Industriesystem auf ein Startup reagiert, das es verändern will. Aus Sicht des Protagonisten verlief das Verhältnis der Branche zu cirplus in drei Phasen: Umarmung (Einladung auf die Hauptbühne der K-Messe, Kontaktaufnahme großer Chemiekonzerne), Spannung (Ablehnung durch Teile der Recyclingbranche, die Standardisierung als Bedrohung ihrer Differenzierung empfanden; Kritik aus der Umweltbewegung, Recycling legitimiere mehr Kunststoff) und schließlich Ausgrenzung (geschlossene Absagen zum Panel auf der K 2025).
Für andere GreenTech-Startups sind insbesondere folgende Beobachtungen relevant:
Normung als Hebel. Die DIN SPEC 91446 und ihre Überführung in die EN 18065 zeigen, dass ein kleines Startup über Standardisierung die Architektur eines Marktes mitgestalten kann. Die Norm überdauert das Unternehmen – ihr Nutzen fällt jedoch anderen zu.
Freundliche Aufnahme ist kein Erfolgsindikator. Die Offenheit etablierter Akteure kann auch dem Prinzip „keep your enemies close“ folgen.
Taktische Wendigkeit ersetzt keine Marktbedingungen. Der schlanke, improvisierende „Pirate Mode“ gewinnt einzelne Gefechte, kann aber die Grundökonomie – billige Neuware – nicht ändern.
Integrität unter Druck. Die Asien-Episode zeigt, dass Umsatzdruck die Bereitschaft erhöhen kann, Warnsignale zu übersehen, und dass im Abfallhandel ein Wettbewerbsnachteil sein kann.
Scheitern ist erzählbar. Die offene Darstellung der Liquidation erhöht nach Einschätzung des Projektteams die Glaubwürdigkeit der Serie und macht strukturelle Hürden sichtbar, die in Erfolgsgeschichten verborgen bleiben.
Erfolgte Maßnahmen:
- K Messe 2025, Düsseldorf (Oktober 2025): Panel zur Zukunft der Kunststoffe am Stand der DBU; Einladung von Führungskräften der Kunststoffindustrie. Das Ereignis ist zugleich Gegenstand von Episode 11.
- Gäste- und Partnernetzwerk: Durch die Briefing-Arbeit wurden sechs Expert:innen, ein Sondergast sowie weitere angefragte Persönlichkeiten aus Industrie, Wissenschaft und Politik mit dem Format vertraut gemacht; sie sind als Multiplikator:innen für den Launch vorgesehen.
- Zweisprachige Episodenzusammenfassungen (EN/DE) als Grundlage für Shownotes, Presse- und Partnerkommunikation.
- Website: Domain www.granularpodcast.com erworben; der Livegang der Website ist für Oktober 2026 vorgesehen.
Geplante Maßnahmen:
Launch der Serie am 04.11.2026 auf den gängigen Plattformen
Launch-Veranstaltung: Vorstellung des Podcasts (ca. 15–20 Min.), anschließend Podiumsdiskussion zu aktuellen Fragen der Kreislaufwirtschaft.
Gastauftritte und Distribution: Für die Phase Oktober 2026 bis März 2027 sieht Launch- und Projektleitung, Gründerpositionierung sowie systematische Platzierung des Protagonisten in reichweitenstarken Podcasts und eine LinkedIn-Strategie vor.
Das Vorhaben hat gezeigt, dass sich ein komplexes umweltpolitisches Thema wie die Kunststoff-Kreislaufwirtschaft in einem Format aufbereiten lässt, das fachlich belastbar und zugleich erzählerisch zugänglich ist. Mit „GRANULAR – Breaking Down Plastics“ liegt eine zwölfteilige Serie vor, die persönliche Innenansicht und strukturelle Analyse verbindet und deren inhaltliche Befunde über sehr unterschiedliche Expert:innenperspektiven hinweg bemerkenswert konsistent sind: Das Problem ist weniger technischer als ökonomischer und regulatorischer Natur.
Für zukünftige Arbeiten werden folgende Schritte als notwendig erachtet: (1) ein professionell begleiteter Launch mit systematischer Distribution und Messung von Reichweite und Anteil erreichter Entscheider:innen; (2) die Nachmeldung der Kennzahlen an die DBU und eine Auswertung der Level-2-Hypothese auf empirischer Grundlage; (3) die Vertiefung des Leitfadens zu einer Fallstudie nach Abschluss der Launch-Phase; (4) die Prüfung, ob das Format – etwa mit einer zweiten Staffel zu Themen wie Verbraucher:innen, Handel und globalem Plastikabkommen – fortgeführt und internationalisiert werden kann. Für die DBU ergibt sich die Anregung, Kommunikations- und Distributionsbudgets in der Green-Start-up-Förderung als eigenständigen Förderbaustein zu prüfen.