Förderverein Klimakommune Saerbeck e. V.
Ferrières-Str. 11
48369 Saerbeck
Die Wärmewende ist ein zentraler Baustein zur Erreichung der Klimaschutzziele, stellt Kommunen jedoch vor große Herausforderungen. Die Umstellung von fossilen auf klimafreundliche Wärmesysteme ist mit technischen, finanziellen und sozialen Hürden verbunden. Besonders in kleineren Kommunen fehlen häufig personelle und fachliche Ressourcen, um komplexe Beteiligungsprozesse zu organisieren. Gleichzeitig bestehen in der Bevölkerung Unsicherheiten, Informationsdefizite und Akzeptanzprobleme gegenüber neuen Wärmelösungen. Erfahrungen zeigen, dass mangelnde Bürgerbeteiligung und unzureichende Kommunikation wesentliche Hemmnisse für eine erfolgreiche und sozialverträgliche Wärmewende darstellen.
Die Klimakommune Saerbeck hat seit 2022 einen mehrstufigen Bürgerbeteiligungsprozess zur Wärmewende durchgeführt und gemeinsam mit der Bürgerschaft ein Handlungsprogramm entwickelt, das 2023 vom Rat beschlossen wurde und heute, zusammen mit den Ergebnissen der kommunalen Wärmeplanung, umgesetzt wird. Dabei wurde deutlich, dass transparente Information, frühzeitige Beteiligung und praxisnahe Unterstützung entscheidend sind, um Vorbehalte abzubauen und die Umsetzung klimafreundlicher Maßnahmen zu beschleunigen.
Das Projekt „Aus der Praxis für die Praxis – Neue Wege der Bürgerbeteiligung für die Wärmewende“ knüpft an diese Erfahrungen an und möchte diese an andere Kommunen weitergeben. Ziel ist es, insbesondere kleine Kommunen unter 20.000 EinwohnerInnen aus NRW zu befähigen, ihre Bürgerschaft aktiv, konstruktiv und sozialverträglich in die Wärmewende einzubeziehen. Hierfür werden niedrigschwellige, praxisorientierte Bildungsformate wie Workshops und Vorträge sowie unterstützende Materialien (Erklärvideos, Leitfäden) entwickelt und erprobt – unter anderem am Lernort des Klima.Campus im Bioenergiepark Saerbeck. Zielgruppen für die Formate sind KlimaschutzmanagerInnen, kommunale Verwaltungen, Vereine, Verbände und Bürgerinitiativen. Diese Akteure sollen dadurch in die Lage versetzt werden, Beteiligungsprozesse eigenständig umzusetzen.
Die umweltrelevante Zielsetzung des Projekts besteht darin, durch höhere Akzeptanz und Beteiligung die Umsetzung klimafreundlicher Wärmelösungen zu beschleunigen und so den Ausstoß von Treibhausgasen im Wärmesektor zu reduzieren. Langfristig soll das Vorhaben dazu beitragen, die Wärmewende praxisnah, handlungsorientiert, positiv und für alle zugänglich zu gestalten sowie erfolgreiche Ansätze auf andere Kommunen zu übertragen.
Das dreijährige Vorhaben (01.01.2026 – 31.12.2028) gliedert sich in acht systematisch aufeinander aufbauende Arbeitspakete (AP), die eine iterative Entwicklung und Qualitätssicherung gewährleisten: Der Prozess startet mit einer Bedarfsermittlung (AP 1: 01-03/26) durch qualitative Interviews, um die spezifischen Anforderungen kleiner Kommunen und Bürgerinitiativen zu identifizieren. Darauf basierend erfolgt die inhaltliche Konzeption (AP 2: 04-08/26) des modularen Bildungsprogramms (Vorträge, Workshops, Zusatzmodule) sowie der Transfer-Materialien wie Checklisten und Erklärvideos. In einer Testphase (AP 3: 09-12/26) werden diese Formate erstmals mit realen Zielgruppen erprobt. Das dort gewonnene Feedback wird in einer Weiterentwicklungsphase (AP 4: 01/27 – 03/27) systematisch eingearbeitet. Die optimierten Formate durchlaufen einen zweiten Durchlauf (AP 5: 04-08/27), gefolgt von einer umfassenden Abschluss-Evaluation (AP 6: 09-12/27). Das finale Jahr widmet sich der Vernetzung und Verstetigung (AP 7: 01-12/28), auch um das Programm dauerhaft im „Klima.Campus Saerbeck“ zu verankern. Die Projektkoordination (AP 8) begleitet alle Phasen kontinuierlich.
Methoden und Zusammenwirken
Zentrales Element ist das modulare Baukastenprinzip, das eine flexible Anpassung an unterschiedliche Vorkenntnisse ermöglicht. Ein interdisziplinärer Beirat begleitet das Projekt kritisch-konstruktiv. Methoden wie ein Planspiel, Best-Practice-Radtouren („Bürger beraten Bürger“) und die Nutzung des Bioenergieparks als authentischer Lernort fördern den praxisnahen Wissenstransfer auf Augenhöhe.
Innovation und Umweltentlastung
Das Projekt geht in mehreren Punkten über die bisherige Praxis hinaus:
• Frühzeitigkeit: Während Bürgerbeteiligung oft erst in späten Planungsphasen erfolgt, setzt dieses Projekt am Anfang des Prozesses an, um Akzeptanz proaktiv aufzubauen.
• Fokus auf kleine Kommunen: Es adressiert gezielt Gemeinden unter 20.000 Einwohnern, die oft über geringe Kapazitäten für komplexe Beteiligungsverfahren verfügen.
• Positivbesetzung: Durch kreative Ansätze (z. B. Improtheater) wird die Wärmewende als gemeinschaftlicher, gewinnbringender Prozess statt als Pflichtaufgabe vermittelt.
• Praxisbezug: Die praktischen Erfahrungen des eigenen Bürgerbeteiligungsprozesses werden niedrigschwellig weitervermittelt.
Nachhaltige Umweltentlastung
Durch die gesteigerte Akzeptanz wird die Umsetzungsrate für energetische Sanierungen und der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme beschleunigt.