Hochschule Geisenheim University
Institut für Landschaftsplanung und Naturschutz
Von-Lade-Str. 1
65366 Geisenheim
Die Umsetzung globaler und europäischer Biodiversitätsziele stellt Deutschland vor erhebliche Herausforderungen. Trotz klar definierter Zielvorgaben, insbesondere zur Wiederherstellung degradierter Ökosysteme (EU-Wiederherstellungsverordnung), bestehen weiterhin strukturelle Defizite. Dazu zählen fragmentiertes Wissen zwischen Disziplinen und Akteursgruppen, divergierende Interessen in der Landnutzung sowie institutionelle und regulatorische Hemmnisse. Insbesondere die unzureichende Verknüpfung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit politischen Entscheidungsprozessen und praktischer Umsetzung erschwert die effektive Realisierung von Maßnahmen. Gleichzeitig mangelt es an aufbereitetem, handlungsorientiertem Wissen, das unterschiedlichen Zielgruppen zugänglich und anwendbar ist.
Diese Defizite führen dazu, dass notwendige Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität und zur Wiederherstellung von Ökosystemen verzögert oder unzureichend umgesetzt werden, wodurch zentrale umweltrelevante Probleme wie Biodiversitätsverlust, Degradation von Ökosystemen und der Verlust von Ökosystemleistungen weiter verschärft werden. Zudem spitzen sich Zielkonflikte zwischen Biodiversitätsschutz, landwirtschaftlicher Nutzung, Infrastrukturentwicklung und Klimaschutzmaßnahmen weiter zu.
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt „DialoBio“ das Ziel, die Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft systematisch zu stärken und dadurch die Umsetzung von Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz und zur Ökosystemwiederherstellung wirksam zu unterstützen. Im Zentrum steht die Entwicklung und kommunikative Aufbereitung von integriertem Handlungswissen, das wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Rahmenbedingungen und praktische Erfahrungen zusammenführt.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie ein transformativer Wandel gelingen kann, der bestehende Strukturen, Praktiken und Sichtweisen nachhaltig verändert. Durch die Identifikation und Aufbereitung von Lösungsansätzen in zentralen Themenfeldern wie integrierter Landnutzung (Nexus-Governance), Finanzierung von Wiederherstellungsmaßnahmen und gesellschaftlicher Transformation sollen umsetzbare Strategien entwickelt und skaliert werden.
Das Projekt „DialoBio“ verfolgt einen strukturierten, transdisziplinären Ansatz, der analytische, dialogorientierte und kommunikative Methoden miteinander verzahnt. Die Arbeit gliedert sich in vier eng miteinander verknüpfte Arbeitspakete.
Im Rahmen des Projektmanagements (AP 1) erfolgt die kontinuierliche strategische Steuerung und Abstimmung zwischen den Projektpartnern sowie relevanten Netzwerkakteuren.
Parallel dazu werden in AP 2 bestehende Science-Policy-Society-Schnittstellen analysiert und weiterentwickelt. Eine systematische Akteursanalyse sowie die Evaluierung bestehender Austauschformate dienen dazu, Bedarfe, Hemmnisse und Potenziale zu identifizieren und darauf aufbauend tragfähige Vernetzungsstrukturen zu entwickeln. Ein zentrales Element ist ein jährlich stattfindendes Vernetzungsforum, das den interdisziplinären Austausch fördert.
Im operativen Kern des Projekts (AP 3) werden zwei regionale Fallstudien in Auen- und Weinbauökosystemen durchgeführt. Methodisch basieren diese auf moderierten Expert:innenworkshops, Fokusgruppen und einem iterativen Syntheseprozess. Dabei werden unterschiedliche Wissensformen zusammengeführt, strukturiert und in Form von Thesenpapieren verdichtet. Die Ergebnisse der Fallstudien werden anschließend in einem übergreifenden Syntheseprozess zusammengeführt, um generalisierbare Lösungsansätze abzuleiten.
Die zeitliche Abfolge ist so gestaltet, dass Analyse- und Vernetzungsprozesse frühzeitig starten und kontinuierlich die inhaltliche Arbeit der Fallstudien unterstützen. Die Ergebnisse der Fallstudien fließen wiederum iterativ in die Weiterentwicklung der Netzwerke und Kommunikationsformate ein.
AP 4 umfasst die kommunikative Aufbereitung und Verbreitung der Ergebnisse über digitale Plattformen, Newsletter, soziale Medien und gezielte Medienformate. Dadurch wird sichergestellt, dass die gewonnenen Erkenntnisse zielgruppengerecht aufbereitet und breit zugänglich gemacht werden.
Die Arbeitsteilung zwischen den Projektpartnern Hochschule Geisenheim University, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sowie dem Museum für Naturkunde Berlin erfolgt komplementär entsprechend der fachlichen Expertise in Forschung, Kommunikation und Netzwerkmanagement.
Das Projekt geht über den Stand von Wissenschaft und Technik hinaus, indem es nicht nur Wissen generiert, sondern dieses systematisch in handlungsorientiertes, anwendbares Wissen übersetzt.
Die Verbreitung der Projektergebnisse erfolgt über eine integrierte Kommunikationsstrategie, die verschiedene Formate und Zielgruppen adressiert. Zentrale Elemente sind eine öffentlich zugängliche Online-Plattform, regelmäßige Newsletter sowie Aktivitäten in sozialen Medien, über die kontinuierlich über Fortschritte, Ergebnisse und relevante Entwicklungen informiert wird.
Ergänzend werden die Ergebnisse in zielgruppenspezifischen Formaten aufbereitet, darunter Thesenpapiere, Veranstaltungsdokumentationen und Fachbeiträge. Ein besonderer Fokus liegt auf der adressatengerechten Aufbereitung von Handlungswissen für Entscheidungsträger:innen in Politik und Praxis.
Zur Erhöhung der Reichweite werden gezielt Medien als Multiplikatoren eingebunden, unter anderem durch Pressebriefings und die Zusammenarbeit mit Journalist:innen. Darüber hinaus dienen Fachveranstaltungen und ein jährliches Vernetzungsforum als Plattformen zur Präsentation und Diskussion der Ergebnisse.
Durch diese Maßnahmen wird sichergestellt, dass die im Projekt entwickelten Erkenntnisse nicht nur wissenschaftlich rezipiert, sondern auch in gesellschaftliche und politische Prozesse integriert werden und langfristig zur Umsetzung von Biodiversitätszielen beitragen.