Ko.Holz – Kommunaler Holzbau; Transfer von Erfahrungen und Wissen/Erkenntnissen für das Planen und Bauen öffentlicher Holzgebäude in größeren Gebäudevolumina
Projektdurchführung
Technische Universität Berlin
Natural Building Lab
FG Konstruktives Entwerfen und
Klimagerechte Architektur
Str. des 17. Juni 152
10623 Berlin
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens
Vor dem Hintergrund der notwendigen Dekarbonisierung des Gebäudesektors und der steigenden Anforderungen an öffentliche Bauherr:innen zielt das deutsch-tschechische Kooperationsprojekt Ko.Holz auf den gezielten Wissenstransfer zum nachhaltigen Bauen mit Holz im kommunalen Kontext.
Der Bau- und Gebäudesektor trägt in ganz Europa wesentlich zum Ressourcenverbrauch, zu CO₂-Emissionen und zur Erzeugung von Abfällen bei. Kommunale Bauvorhaben spielen dabei eine zentrale Rolle für den klimafreundlichen Umbau des Sektors: Sie tragen nicht nur zur Umsetzung politischer Klimaziele bei, sondern genießen auch eine besondere Sichtbarkeit – und können als Impulsgeber für eine breitere Transformation wirken.
Der nachwachsende Rohstoff Holz bietet in beiden Ländern großes Potenzial zur Reduktion von Emissionen und zur Förderung kreislauforientierter Bauweisen. In der Praxis stehen dem jedoch häufig strukturelle Hürden, Unsicherheiten im Planungsprozess und fehlende Erfahrungswerte entgegen. Ko.Holz setzt hier an und adressiert kommunale Akteur:innen mit praxisnahen Formaten wie Exkursionen, Austauschveranstaltungen, Videodokumentationen und Informationsmaterialien. Ziel ist es, positive Beispiele sichtbar zu machen, übertragbare Lösungsansätze aufzuzeigen und das Vertrauen in den kommunalen Holzbau zu stärken.
Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem Zeitraum von 14 Monaten wurden kommunale Holzbauprojekte in Deutschland und Tschechien doku-mentiert und Interviews mit Planenden und Bauverantwortlichen geführt. Begleitend fanden Exkursionen, Fach-konferenzen und Schulungsveranstaltungen statt, die den Austausch zwischen relevanten Akteur:innen förderten und zentrale Rahmenbedingungen wie Planung, Genehmigung und Förderung thematisierten. Ergänzt wurde dies durch multimediale Formate wie Videoreportagen, 3D-Scans und Projektsteckbriefe.
Es wurden die folgenden Schlüsselaktivitäten durchgeführt:
AP1. (ADMD + NBL)
Zwischenevaluationen der gemeinsamen Projektstruktur sowie finale Abstimmung von Kooperationsvereinbarungen, Aufgabenverteilung und Kommunikationsstrategien.
AP2. (ADMD + NBL)
Planung und Durchführung von zwei Exkursionen nach Deutschland mit tschechischen Teilnehmer:innen aus Verwaltung und Planungspraxis zu wegweisenden kommunalen Holzgebäuden. Inklusive Fachvorträgen, Diskussionen und Austausch mit den Projektbeteiligten vor Ort.
AP3. (ADMD + NBL)
Konzeption und Realisierung von fünf Videoreportagen mit Interviews von Planenden, Auftraggeber:innen und Nutzer:innen sowie zwei virtuellen 3D-Rundgängen von inspirierenden Großbauten aus Holz. Die Beiträge sind öffentlich zugänglich und zweisprachig aufbereitet.
AP4. (ADMD)
Durchführung von acht Fachkonferenzen in sieben tschechischen Regionen zur Weiterbildung und Vernetzung kommunaler Entscheidungsträger:innen mit Fokus auf den Holzbau im öffentlichen Sektor.
AP5. (ADMD)
Organisation von 18 themenspezifischen Online-Seminaren („WOOD CAMP“) mit über 490 Teilnehmenden aus Architektur, Planung und öffentlicher Verwaltung. Die Inhalte reichten von technischen Lösungen über rechtliche Fragen bis hin zu Nachhaltigkeit und Best Practices.
AP6. (ADMD + NBL)
Planung und Umsetzung der zweitägigen internationalen Konferenz „WOOD CAMP LIVE“ in Brünn mit über 250 Teilnehmenden, 30 Vorträgen und Diskussionsrunden sowie simultaner Übersetzung in drei Sprachen durch den ADMD mit Teilnahme des NBL.
AP7. (ADMD + NBL)
Transfer zur Weitergabe von Wissen und Erfahrungen im Bereich öffentlicher Ausschreibungen zur Förderung des Holzbaus. In gemeinsamer Arbeit wurde ein kompaktes, praxisorientiertes Dokument erstellt, das den Stand der Forschung und Praxis in Deutschland und Tschechien zusammenführt.
AP8. (ADMD)
Durchführung einer crossmedialen Informationskampagne über LinkedIn, Facebook und Instagram mit Beiträgen zu nachhaltigem Bauen, Videoreportagen, 3D-Scans und Praxisbeispielen des öffentlichen Holzbaus.
AP9. (ADMD)
Erweiterung der digitalen Holzbaukarte auf der ADMD-Website um 20 inspirierende kommunale Holzbauprojekte in der Tschechischen Republik.
AP10. (NBL)
Überarbeitung der Website, die bisher unter dem Namen Holzbauatlas Berlin-Brandenburg bekannt war und bundesweite Erweiterung, sowie Neuveröffentlichung
als „Holzbau Atlas DE“ mit rund 30 neuen Projekten aus dem kommunalen Holzbau.
Der Relaunch wurde am 16. April 2025 mit einer hybriden Veranstaltung präsentiert.
Ergebnisse und Diskussion
Das Projekt ermöglichte durch eine Vielzahl an Aktivitäten einen praxisorientierten Austausch zu Potenzialen, Herausforderungen und Handlungsansätzen im kommunalen Holzbau. In Tschechien wurden 20 kommunale Holzbauprojekte dokumentiert und auf der bereits existierenden digitalen Karte eingebunden. In Deutschland wurden über 30 bundesweite Projekte dokumentiert, multimedial in Form von Videoreportagen, Projektsteckbriefen und 3D-Scans aufbereitet und über die neu strukturierte und bundesweit erweiterte Plattform Holzbau Atlas DE öffentlich zugänglich gemacht.
Ergänzend dazu wurden in Deutschland und Tschechien mehrere Veranstaltungen durchgeführt – darunter Exkursionen, Fachkonferenzen und Schulungen –, die gezielt kommunale Akteur:innen, Planende und Entscheidungsträger:innen ansprachen. Neben aktuellen Herausforderungen – wie rechtlichen und strukturellen Hemmnissen, der Reduktion grauer Energie, nachhaltiger Materialwahl oder der Bewertung von Lebenszykluskosten – standen dabei vor allem konkrete Projektbeispiele im Fokus. Diese wurden hinsichtlich ihres Planungs- und Bauprozesses, technischer Details, Betriebsmodellen, Nutzung und Übertragbarkeit beleuchtet und diskutiert.
Die Gespräche mit Bauherr:innen, Planer:innen, Nutzer:innen und Vertretenden der öffentlichen Verwaltung zeigten, dass vielerorts ein hohes Interesse an klimafreundlichen Bauweisen besteht, es jedoch häufig an konkretem Wissen, Vorbildern und politischen Rahmenbedingungen mangelt. Besonders wirksam erwiesen sich Formate, die Austausch und konkrete Erfahrung miteinander verknüpfen – etwa kombinierte Exkursionen mit Vor-Ort-Gesprächen und digitaler Nachbereitung in Form von Videos.
Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation
Die Ergebnisse und Inhalte wurden systematisch aufbereitet und über verschiedene Kommunikationskanäle der Projektpartner:innen ADMD und NBL veröffentlicht. Ziel war es, die Sichtbarkeit des öffentlichen Holzbaus zu stärken und zentrale Projektergebnisse langfristig zugänglich zu machen. Neben zielgerichteten E-Mail-Kampagnen und Social-Media-Aktivitäten (LinkedIn, Instagram, Facebook) kamen Veranstaltungswebseiten, Newsletter und Presseverteiler zum Einsatz. Ein Schwerpunkt lag auf der crossmedialen Verbreitung der Videoreportagen und 3D-Scans sowie auf der dokumentierten Erweiterung der digitalen Holzbaukarte in Tschechien. Der Relaunch der Plattform Holzbau Atlas DE wurde umfassend begleitet und über Fachplattformen, Printmaterialien und universitäre Kanäle verbreitet. Auch die internationale Konferenz WOOD CAMP LIVE erhielt durch eine gezielte Informationskampagne große öffentliche Aufmerksamkeit.
Auch über den offiziellen Projektzeitraum hinaus beabsichtigen der ADMD und das NBL, die im Rahmen von Ko.Holz entwickelten Inhalte aktiv weiter zu nutzen. Die Ergebnisse sollen in künftige Bildungsformate wie Workshops, Fachveranstaltungen oder Lehrangebote einfließen. Darüber hinaus ist geplant, die digitalen Plattformen kontinuierlich zu aktualisieren und zu erweitern, um den Wissenstransfer im Bereich des kommunalen Holzbaus langfristig zu sichern.
Fazit
Ko.Holz leistet einen relevanten Beitrag zur Förderung des klimafreundlichen Bauens mit Holz im öffentlichen Sektor. Durch ein vielfältiges Maßnahmenpaket konnten Wissenstransfer, Vernetzung und Informationsvermittlung wirksam miteinander verbunden werden. Die Kombination aus analogen und digitalen Formaten – darunter Videoreportagen, Exkursionen, Seminare und Plattformentwicklungen – erwies sich als besonders geeignet, unterschiedliche Zielgruppen praxisnah zu erreichen und zentrale Themen des kommunalen Holzbaus zu adressieren.
Die internationale Zusammenarbeit zwischen ADMD und NBL ermöglichte wertvolle Einblicke in unterschiedliche Planungskulturen, aber auch in strukturelle Herausforderungen. Trotz begrenzter Laufzeit konnten alle wesentlichen Arbeitspakete umgesetzt und teils erweitert werden – insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung digitaler Werkzeuge wie des Holzbau Atlas DE.
Ko.Holz schafft eine belastbare Grundlage für zukünftige Aktivitäten im Bereich kommunalen Holzbaus. Auf-bauend auf den erzielten Ergebnissen könnten kommende Vorhaben auf die Begleitung konkreter Pilotprojekte und die strategische Verankerung nachhaltiger Bauweisen in der kommunalen Praxis abzielen. Auch eine stärkere institutionelle Verankerung von Weiterbildungsangeboten und ein fortlaufender bilateraler Austausch bieten Potenzial, um den begonnenen Transformationsprozess weiterzutragen.