Projekt 38686/01

Wiederansiedlung vom Aussterben bedrohter Pilze in Mitteleuropäischen Wäldern

Projektdurchführung

Universität Bayreuth
Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung
Lehrstuhl Ökologie der Pilze
Universitätsstr. 30
95447 Bayreuth

Zielsetzung

Die Degradation von Ökosystemen und der Verlust der Biodiversität zählen zu den drängendsten Problemen unserer Zeit. Die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 sieht vor, geschädigte Ökosysteme zu restaurieren und die Natur langfristig zu schützen. Für Waldökosysteme wurden bereits verschiedene Naturschutzkonzepte erarbeitet und etabliert, um die Waldwirtschaft nachhaltig und im Einklang mit der Biodiversitätsförderung zu gestalten. Unter anderem sollen der Anteil an Totholz sowie die strukturelle Vielfalt durch den Erhalt alter Bäume und die Schaffung von Lichtungen gesteigert werden. Neben der Steigerung der Habitatqualität muss jedoch auch gewährleistet sein, dass bedrohte und seltene Arten die neu geschaffenen Lebensräume besiedeln können, was insbesondere bei Arten mit individuenarmen Populationen und stark eingeschränktem Verbreitungsareal kaum möglich ist.

Im Projekt „Wiederansiedlung vom Aussterben bedrohter Pilze in Mitteleuropäischen Wäldern“ sollen seltene Pilzarten, die sich vom Abbau organischer Substanz ernähren, durch gezielte Wiederansiedlung gefördert werden. Pilze sind bisher im institutionellen Naturschutz sowie in den gängigen Naturschutzgesetzgebungen unterrepräsentiert. Ziel des Projektes ist es, ausgewählte Naturnähezeiger verschiedener Lebensräume erfolgreich im Labor zu kultivieren, in geeigneten Habitaten anzusiedeln und Artenschutzkonzepte für diese Arten zu entwickeln. Die Relevanz, für welche Arten Schutzkonzepte und Wiederansiedlungen durchgeführt werden sollen, basiert hierbei auf verschiedenen Kriterien, wie der Listung als Naturnähezeiger, der allgemeinen Seltenheit sowie der Isoliertheit bestehender Vorkommen. Es sollen gleichermaßen Arten mit einem sehr engen und einem breiten Wirtsspektrum berücksichtigt werden. Dies ermöglicht Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich Wirtsspektren durch die Forstwirtschaft im Klimawandel (z.B. durch die Nutzung klimawandelresistenter Baumarten als Wirt) verändern könnten. Die ausgewählten Pilzarten haben über das Projektgebiet Bayerischer Wald hinaus große naturschutzfachliche Relevanz in ganz Deutschland und stellen somit geeignete Modellorganismen dar. Übergeordnetes Ziel ist es, ein wissenschaftlich fundiertes Modellkonzept zur Erhaltung besonders seltener, wirtsgebundener Baumpilze zu entwickeln. Die im Anschluss an und auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse ausgearbeiteten Artenhilfsprogramme sollen ein Zeichen für eine stärkere Beachtung des Reiches der Pilze im Naturschutz setzen.

Arbeitsschritte

Die Pilzarten wurden unter kontrollierten Bedingungen auf Holzdübeln kultiviert. Durch genaue Dokumentation des Kultivierungserfolgs sowie der ständigen Nachjustierung äußerer Parameter (z.B. Feuchtigkeit, Temperatur, Beschaffenheit der Holzdübel) können Protokolle zur Artvermehrung erstellt werden. Die Spenderpopulationen werden mittels qPCR untersucht, um diese später mit den wieder angesiedelten Populationen zu vergleichen.

In Absprache mit dem Praxis-Projektpartner Nationalpark Bayerischer Wald wurden 20 Standorte, die unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen und verschiedene Waldnutzungsintensitäten repräsentierten, für das Wiederansiedelungsprojekt ausgewählt. Die Wiederansiedlungsversuche wurden ausschließlich an eigens zu diesem Zwecke vor Ort produziertem Totholz durchgeführt, um den Einfluss auf andere Arten im Untersuchungsgebiet zu minimieren. Die ausgelegten Baumstämme wurden durch Ausbringen der Holzdübel mit den darauf gezüchteten Pilzarten inokuliert.

Die Untersuchung der totholzbewohnenden Gemeinschaften vor und nach der Inokulation mittels Metabarcoding ist ein integraler Bestandteil des Projektes, da standardisierte Wiederansiedlungen seltener Pilze erst umgesetzt werden können, wenn die Risiken und Chancen solcher Ansiedlungsprojekte hinreichend bekannt sind. Das angedachte Design ermöglicht uns, die Umweltparameter (Mikroklima, Waldnutzungsintensität) zu bestimmen, mit denen wir (1) die Wiederansiedlung bestmöglich umsetzen können und zeitgleich (2) eine negative Beeinflussung vorhandener Gemeinschaften weitestgehend vermeiden.

Projektbegleitend sind ein mykologisches Monitoring sowie ein Citizen-Science-Projekt vorgesehen, bei dem Funde von Fruchtkörpern mittels Fotonachweis gemeldet und bestimmt werden können. Der Citizen-Science-Ansatz soll das Bewusstsein für Pilze als Teil naturnaher Wälder sowie für die Seltenheit der Fokusarten erhöhen.

Sämtliche Projekterkenntnisse sollen in Artenhilfsprogrammen zusammengefasst werden, die einerseits zum Erhalt der Arten beitragen und andererseits als Grundlage für Schutzmaßnahmen seltener Pilze für WaldbesitzerInnen, Forstverwaltungen und Naturschutzverbände dienen. Zudem bieten die Projektmethoden eine Basis für weitere Untersuchungen, um ein tieferes Verständnis der Ökologie anderer seltener Arten zu gewinnen und deren Populationen auf ähnliche Weise zu stützen.

Öffentlichkeitsarbeit

Beispiele für Öffentlichkeitsarbeit zur Bekanntmachung des Projektes:
- Fachzeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung, Artikel von J. Schenkenberger: Artenhilfsprogramm für bedrohte Pilze – Zehn Pilze für den Bayerischen Wald
- Nationalpark Bayerischer Wald, Pressemitteilung Nr. 68/2024
- Campus Magazin der Universität Bayreuth, UBT aktuell
- Universität Bayreuth – Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG), Ausstellung “Bayreuther Pilztage (BayPilz)”

Fachzeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung, Artikel von J. Schenkenberger: Artenhilfsprogramm für bedrohte Pilze – Zehn Pilze für den Bayerischen WaldNationalpark Bayerischer Wald, Pressemitteilung Nr. 68/2024Campus Magazin der Universität Bayreuth, UBT aktuellUniversität Bayreuth – Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG), Ausstellung “Bayreuther Pilztage (BayPilz)”

Übersicht

Fördersumme

351.250,00 €

Förderzeitraum

01.03.2024 - 28.02.2027

Bundesland

Hessen

Schlagwörter

Landnutzung
Naturschutz