Projekt 38551/01

Action Kids: Entwicklung und Umsetzung eines innovativen Bildungsprojektes für benachteiligte Jugendliche zur Resilienzförderung, Stärkung politischer Kompetenzen und Teilhabe sowie des Nachhaltigkeitsbewusstseins und -handelns

Projektdurchführung

FAIR.STÄRKEN e. V.
Hohenstaufenring 6
50674 Köln

Zielsetzung

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) stellt ein unverzichtbares Element bei den Bemühungen zur Begrenzung des Klimawandels dar. Gleichzeitig bestehen ungleiche Ausgangsbedingungen: In Köln sind in einigen Stadtteilen 80% der Kinder und Jugendlichen arm; bildungsferne Elternhäuser, Fluchterfahrungen, Bindungsstörungen, Traumatisierung, Gewalterfahrung prägen die Benachteiligung. Sie wachsen unter Bedingungen auf, die Bildungswege, Gesundheit und alltägliche Handlungsspielräume einschränken (beengter Wohnraum, erhöhte Hitzebelastung in schlecht gedämmten Gebäuden, eingeschränkter Zugang zu Grünflächen).

Klimafolgen wie Hitzebelastung, mangelnder Zugang zu Grünräumen und erhöhte Umweltbelastungen treffen diese Zielgruppe besonders. Daraus entstehen belastende Zukunftsbilder sowie Gefühle von Ohnmacht und Kontrollverlust. Hier zeigt sich ein zentrales Hemmnis: BNE erreicht bislang diejenigen am wenigsten, die von ökologischen Krisen besonders betroffen sind.

Das Projekt „Action Kids“ von FAIR.STÄRKEN e. V. setzte genau an diesem Spannungsfeld an und verfolgte eine mehrdimensionale, wirkungslogisch aufgebaute Zielsetzung:

1. Soziales Lernen und Resilienzförderung
Erlernen und Stärkung von Bewältigungs- und Konfliktlösungsstrategien sowie Frustrationstoleranz und Umgang mit belastenden Emotionen im Kontext von Klimawandel und der eigenen Lebenslage, erleben von Selbstwirksamkeit, erweitern soziale Kompetenzen

2. Politische Bildung und Teilhabe
Beteiligungswege und Möglichkeiten für politisches Engagement kennenlernen, eigene Meinungen wahrnehmen und äußern, Mitbestimmung lernen - auch im Sinne sozial-ökologischer Gerechtigkeit

3. Umweltbildung und Nachhaltigkeits-Action
Im Fokus standen die zwei Themenfelder:
- Bäume, Wälder und urbane Natur (Stadtklima, Biodiversität, Klimaanpassung)
- Plastik und Müll (Ressourcennutzung, Umweltbelastung, globale Gerechtigkeit)

Ziele waren der Erwerb von differenziertem Wissen über ökologische Zusammenhänge und deren soziale sowie ökonomisch-politische Dimensionen, das Erkennen von Wechselwirkungen zwischen eigenem Handeln und Umweltfolgen, die Einordnung und Bewertung von Zielkonflikten nachhaltiger Stadtentwicklung, die Identifikation von Bezügen zur eigenen Lebenswelt. Der Stadtraum wurde als Lern- und Handlungsort erschlossen. Die Teilnehmenden erprobten nachhaltige Praktiken, identifizierten Gestaltungsspielräume im eigenen Umfeld und erlebten sich als handlungsfähig.
(zu 4. Wissenschaftliche Begleitung und Transfer mehr im Abschlussbericht).

BNE bei FAIR.STÄRKEN

Arbeitsschritte

Das Projekt wurde wöchentlich mit insg.22-24 Teilnehmenden in zwei unterschiedlichen Settings umgesetzt: in einer Gruppe im Wohnheim für Geflüchtete im Kuckucksweg (10-14 J.) sowie einer Mädchengruppe (11-14 J.) in Meschenich mit anschließender Nachfolgegruppe „Action Kids“ in der Innenstadt (11-14 J.). Ziel war die Erprobung von BNE mit intersektional benachteiligten Kindern und Jugendlichen unter verschiedenen Bedingungen.

Ausgangspunkt bildeten Maßnahmen des sozialen Lernens und der Resilienzförderung:
Regelerarbeitung, Reflexionsphasen, Befindlichkeitsabfragen, Übungen zur Selbstwahrnehmung, Grenzsetzung und Konfliktlösung sowie erlebnispädagogische und partizipative Ansätze. Diese stärkten Selbstwirksamkeit und soziale Kompetenzen. In Meschenich verhinderten unregelmäßige Teilnahme, familiäre Verpflichtungen und Konfliktdynamiken (u. a. Ausgrenzung eines behinderten Mädchens) eine stabile Entwicklung, sodass die Arbeit in der Gruppe nicht fortgeführt wurde.

Darauf aufbauend wurde politische Bildung umgesetzt:
Methoden waren Klassenrat, demokratische Gesprächsregeln und partizipative Themenwahl. In der Jugendgruppe „Action Kids“ konnten diese schnell greifen, da viele Jugendliche bereits Sozialtrainings durchlaufen hatten. Es entwickelten sich eigenverantwortliche Teilnahme, Peer-Learning und selbstinitiierte Themen und Aktionen.

Parallel wurde Umweltbildung und Nachhaltigkeits-Action handlungsorientiert umgesetzt.
Fokusthemen waren Müll/Plastik sowie Bäume, Biodiversität und urbane Natur. Methoden umfassten Upcycling, Nähen, Holzverarbeitung, Bau von Vogelfutterstationen, Gartenarbeit, Müllsammelaktionen, Besuche bei Imker, Freiluga und Abfallwirtschaftsbetrieben sowie Ferienfahrt/ausflüge. Im Kuckucksweg erfolgte der Zugang über praktisches Tun und Fragen wie „Warum selber machen?“. Sichtbare Ergebnisse (Müllreduktion, Verschönerung, Beete, Baumpflanzung) wirkten besonders motivierend. Ein zentraler Wirkmechanismus war die Verknüpfung von Wissen und Handeln: Jugendliche gestalteten ihr unmittelbares Umfeld aktiv. Besonders wirksam war die Initiative zur Mülltrennung im Wohnheim, die Einbindung der Eltern, der Besuch der AWB und die Installation einer gelben Tonne.

Der Verlauf folgte der Logik: Soziales Lernen → Partizipation → thematische Arbeit/Vertiefung → eigene Aktionen
Das Projekt geht über Wissensvermittlung hinaus, indem BNE mit Sozialem Lernen verschränkt wird und zu konkreter Umweltentlastung durch Müllvermeidung, Ressourcenschonung und Begrünung führt.

Ergebnisse

Die Projektergebnisse zeigen eine hohe Übereinstimmung zwischen praktischen Erfahrungen und den identifizierten Gelingensbedingungen wirksamer BNE in benachteiligten Lebenslagen. Die gesetzten Ziele wurden in unterschiedlichem Umfang erreicht: Im Bereich soziales Lernen und Resilienzförderung konnten in allen Gruppen deutliche Fortschritte erzielt werden, insbesondere in Bezug auf Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenzen und nachhaltige Teilnahme. Die politische Bildung konnte vor allem dort umgesetzt werden, wo sie konkret, lebensweltbezogen und handlungsorientiert gestaltet war. Die Umweltbildung führte zu sichtbaren, praktischen Ergebnissen und Verhaltensänderungen.

Zentral für die Zielerreichung waren die Faktoren Lebensweltanpassung, kleinschrittige Didaktik und lokale Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig zeigte sich, dass die ursprünglichen Zielsetzungen teilweise zu ambitioniert waren und stärker an den realen Lebenslagen ausgerichtet werden mussten. Die Projektlogik wurde deshalb im Verlauf konsequent an den Bedürfnissen der Jugendlichen ausgerichtet (z. B. Fokus auf Kochen, Austausch, Mikroprojekte).

Hinsichtlich Arbeits- und Zeitplan wurde deutlich, dass insbesondere in belasteten Settings längere Phasen des Sozialen Lernens und der Resilienzförderung erforderlich sind. Dies wirkte sich auf die Umsetzungsgeschwindigkeit aus. Die Kostenkalkulation erwies sich insgesamt als tragfähig, zusätzliche Mittel ermöglichten jedoch wichtige Ergänzungen (z. B. Ferienmaßnahmen).

Die Umweltentlastung ist qualitativ und quantitativ belegbar, wenn auch kleinräumig: Müllreduktion im direkten Wohnumfeld, Einführung von Mülltrennung (inkl. Infrastruktur), Begrünungsmaßnahmen (Beete, Baumpflanzungen) sowie ressourcenschonende Praktiken (Upcycling, Selbstherstellung). Diese Maßnahmen gehen über reine Wissensvermittlung hinaus und führen zu nachhaltigen Verhaltensänderungen.

Das Vorhaben geht über gesetzliche Anforderungen hinaus, da es Umweltbildung mit politischer Teilhabe und Resilienzförderung verbindet und strukturelle Barrieren adressiert. In der ganzheitlichen Betrachtung zeigt sich: Ökologische Ziele (Müllvermeidung, Ressourcenschonung) wurden mit sozialen Wirkungen (Selbstwirksamkeit, Teilhabe) verknüpft, wodurch nachhaltige Effekte im Alltag der Zielgruppe verankert werden konnten.

Öffentlichkeitsarbeit

Im Rahmen der Projektlaufzeit haben wir die Aktivitäten, Zwischenergebnisse und Bildungsinhalte über unsere Social-Media-Kanäle, unserer Website und auf LinkedIn begleitet. Dabei wurden sowohl die im Projekt umgesetzten Aktionen als auch die Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sichtbar kommuniziert. Die öffentliche Berichterstattung diente dazu, die Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) einer breiten Zielgruppe zugänglich zu machen und unsere Community für Umwelt-, Natur- und Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren. Die Resonanz auf die Beiträge zeigt, dass praxisnahe Umweltbildungsangebote auf großes Interesse stoßen und Anregungen für nachhaltiges Handeln im Alltag liefern. Beispiele veröffentlichter Beiträge finden Sie bei den externen Links.

WeltrecyclingtagBNE - Beitrag InstaBNE-Beitrag Insta 2Umweltbildung für alle, Website

Fazit

Im Projekt wurde ein praxisnahes Wirkverständnis entwickelt und durch ein Monitoring gestützt, das die pädagogische Arbeit in allen Gruppen strukturiert und reflektierbar macht. Zentral bestätigt sich ein ressourcenorientierter Zugang: Selbstwirksamkeit ist die Grundlage für gelingende BNE unter ungleichen Bedingungen. Sie entsteht durch erlebte Wirksamkeit im konkreten Handeln – individuell und kollektiv.
Drei wirksame Gelingensbedingungen lassen sich ableiten: Lebensweltorientierung, kleinschrittige didaktische Gestaltung und lokale Handlungsmöglichkeiten. Diese greifen ineinander und verbinden Wissen, Haltung und Handlung.
Dies zeigt sich auch in der politischen Bildung: Wirksam wird sie dort, wo Teilhabe konkret erfahrbar ist und an den Alltag anknüpft. In der Gruppe Kuckucksweg geschieht dies über kleine, sichtbare Erfolge (z. B. Mülltrennung, Gestaltung des Wohnumfelds). In der Gruppe „Action Kids“ steuern die Jugendlichen Themen und Prozesse selbst; hohe Aktivität und Themenvielfalt spiegeln gelingende Partizipation.
Übertragbarkeit besteht unter klaren Rahmenbedingungen: langfristige Angebotsstruktur, tragfähige Beziehungen durch kontinuierliche Emotionsarbeit und stabiler Zugang zur Zielgruppe.
Beide Gruppen werden fortgeführt, Mikroprojekte verstetigt und auf weitere Gruppen übertragen. So entfaltet das Vorhaben nachhaltige Wirkung im Sinne sozialer Teilhabe und konkreter Umweltentlastung.

Übersicht

Fördersumme

70.438,00 €

Förderzeitraum

01.04.2023 - 30.03.2026

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Schlagwörter

Umweltkommunikation