Gesellschaft für Gemeinsinn e. V.
Heinrich-Budde-Str. 5
04157 Leipzig
Deutschlandweit bestand zu Beginn der Projektlaufzeit ein erheblicher Mangel an Betreuungsplätzen in der Kindertagesbetreuung. Gleichzeitig standen und stehen Kommunen vor der Herausforderung, zusätzliche Bildungsinfrastruktur zu schaffen, trotz hohen Flächendrucks, steigender Baukosten und begrenzter finanzieller Ressourcen. Hinzu kommt, dass Kinder immer seltener unmittelbare Naturerfahrungen machen und ökologische Zusammenhänge zunehmend theoretisch statt praktisch vermittelt werden. Dadurch gehen wichtige Lern- und Erfahrungsräume für die Entwicklung von Umweltbewusstsein, Selbstwirksamkeit und nachhaltigem Handeln verloren.
Vor diesem Hintergrund verfolgte das Pilotprojekt Kleingarten-Kita das Ziel, ein bundesweit übertragbares Modell für naturnahe frühkindliche Bildung weiterzuentwickeln und für eine spätere Umsetzung vorzubereiten. Ausgangspunkt war die Annahme, dass Kleingartenanlagen als bestehende Natur- und Sozialräume ein bislang weitgehend ungenutztes Potenzial für die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze bieten. Durch die Nutzung vorhandener Gartenflächen und Vereinsinfrastruktur sollte ein ressourcenschonendes Modell zur Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze entwickelt werden.
Das Konzept sieht vor, Kinder dauerhaft in Kleingartenanlagen zu betreuen und Naturerfahrung, Bildung und Gemeinschaft miteinander zu verbinden. Bestehende Vereinsheime können als Kita-Standorte genutzt und durch die umliegenden Gartenflächen ergänzt werden.
Im Förderzeitraum von Dezember 2022 bis Februar 2026 sollte auf Grundlage einer bereits entwickelten Blaupause die Entwicklung von 8 bis 10 potenziellen Standorten vorbereitet werden. Ziel war es, die rechtlichen, organisatorischen, räumlichen, finanziellen und pädagogischen Voraussetzungen für spätere Pilotstandorte zu prüfen sowie belastbare Entscheidungsgrundlagen für Kommunen, Träger und Kleingartenvereine zu schaffen. Gleichzeitig sollte die Übertragbarkeit des Konzepts auf unterschiedliche kommunale und regionale Rahmenbedingungen untersucht werden.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den umweltbezogenen Zielsetzungen des Vorhabens. Kindern sollten unmittelbare Naturerfahrungen ermöglicht und Bildung für nachhaltige Entwicklung im Alltag verankert werden. Gleichzeitig sollte das Konzept zur ressourcenschonenden Nutzung bestehender Infrastruktur, zum Erhalt urbaner Grünflächen und zur Stärkung des Umweltbewusstseins beitragen.
Grundlage des Vorhabens war eine bereits gemeinsam mit Expert:innen aus Pädagogik, Architektur und dem Kleingartenwesen entwickelte Blaupause für Kleingarten-Kitas. Diese bündelte die wesentlichen rechtlichen, baulichen und pädagogischen Anforderungen und bildete die fachliche Grundlage für die standortbezogene Weiterentwicklung des Konzepts.
Die Standortprüfung erfolgte in mehreren aufeinander aufbauenden und teilweise parallel verlaufenden Phasen. Zunächst wurden Regionen mit erhöhtem Ausbaubedarf in der Kindertagesbetreuung identifiziert und bundesweit 221 Kommunen kontaktiert. Gemeinsam mit den zuständigen Fachverwaltungen, insbesondere der Jugenhilfeplanung, dem Kita-Fachbereichen sowie dem Bau- und Grünflächenämtern, wurden Bedarf, Rahmenbedingungen und Umsetzungsmöglichkeiten analysiert.
Darauf aufbauend wurden kommunale Arbeits- und Abstimmungsstrukturen etabliert sowie Kleingartenvereine und -verbände als zentrale Kooperationspartner eingebunden. Durch Vor-Ort-Termine, Flächenbegehungen und Abstimmungsgespräche wurden die standörtlichen Voraussetzungen bewertet. Parallel erfolgte die Einbindung potenzieller Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe zur Klärung von Betreibermodellen sowie organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen.
Die einzelnen Arbeitsschritte bauten systematisch aufeinander auf: Die kommunale Bedarfsermittlung bildete die Grundlage für die Standortsuche, die Einbindung der Kleingartenstrukturen ermöglichte die Prüfung konkreter Flächenpotenziale und die Beteiligung potenzieller Träger schuf die Voraussetzungen für belastbare Umsetzungsmodelle. Auf dieser Basis wurden für ausgewählte Standorte Entscheidungsgrundlagen für kommunale Beratungs- und Beschlussprozesse erarbeitet. In insgesamt sieben Kommunen konnten vertiefte Entwicklungsprozesse initiiert werden.
Das Vorhaben wurde in enger Zusammenarbeit mit Kommunen, Kleingartenverbänden und -vereinen sowie Trägern der Kinder- und Jugendhilfe umgesetzt. Die Intensität der Zusammenarbeit reichte von digitalen Projektpräsentationen bis zur gemeinsamen Entwicklung standortbezogener Entscheidungsvorlagen.
Die Projektziele konnten überwiegend erreicht werden. Auf Grundlage der entwickelten Blaupause wurde die Übertragbarkeit des Konzepts Kleingarten-Kita auf unterschiedliche kommunale Rahmenbedingungen untersucht. Hierzu wurden bundesweit 221 Kommunen kontaktiert. Die Rückmeldungen zeigten, dass vielerorts aktuell kein zusätzlicher Ausbaubedarf bestand oder bereits alternative Ausbauplanungen verfolgt wurden. Gleichzeitig wurde das Konzept vielfach als innovativer Ansatz zur Verbindung von frühkindlicher Bildung, Naturerfahrung und nachhaltiger Infrastrukturentwicklung bewertet.
In sieben Kommunen konnten vertiefte Standortentwicklungen initiiert werden. Besonders weit fortgeschritten waren die Prozesse in Bayreuth und Göppingen. In Bayreuth wurden kommunale und trägerbezogene Absichtserklärungen eingeholt sowie geeignete Kleingartenflächen reserviert.
Die Ergebnisse bestätigen die grundsätzliche Umsetzbarkeit und Übertragbarkeit des Konzepts. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Entwicklung von Kleingarten-Kitas einen hohen Abstimmungsaufwand zwischen Kommunen, Trägern und Kleingartenorganisationen erfordert. Die Entwicklung tragfähiger Pilotstandorte erwies sich daher als zeitintensiver als ursprünglich angenommen, sodass innerhalb des Förderzeitraums keine vollständige Pilotreife erreicht wurde.
Aus ökologischer Sicht bietet das Konzept das Potenzial, bestehende Vereinsinfrastruktur und Grünflächen für die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze zu nutzen. Dadurch können Flächenverbrauch und Ressourcenbedarf gegenüber Neubauvorhaben reduziert sowie Naturerfahrung und Bildung für nachhaltige Entwicklung unmittelbar in den Kita-Alltag integriert werden.
Ziel der Öffentlichkeitsarbeit war es, das Konzept der Kleingarten-Kita bundesweit bekannt zu machen und potenzielle Kooperationspartner zu gewinnen. Im Rahmen der deutschlandweiten Standortsuche wurden Kommunen, Kleingartenverbände, Kleingartenvereine sowie Träger der Kinder- und Jugendhilfe gezielt angesprochen. Bestehende Kooperationen wurden gepflegt und neue Kontakte aufgebaut.
Eine wichtige Grundlage der Kommunikation bildete die bereits vorliegende 80-seitige „Blaupause Kleingarten-Kita“. Sie bündelt die wesentlichen rechtlichen, baulichen und pädagogischen Erkenntnisse und wurde als zentrales Informationsmaterial in Gesprächen und Projektvorstellungen eingesetzt.
Die laufende Öffentlichkeitsarbeit erfolgte über einen quartalsweise erscheinenden Newsletter, die Website der Gesellschaft für Gemeinsinn sowie das LinkedIn-Profil des Vereins. Dort wurden Projektfortschritte, Hintergrundinformationen und Praxisbeispiele veröffentlicht. Insbesondere die Website diente als zentrale Informationsplattform für interessierte Kommunen, Träger und Vereine und unterstützte die bundesweite Verbreitung des Konzepts.
Das Förderprojekt hat gezeigt, dass das Konzept der Kleingarten-Kita grundsätzlich umsetzbar und auf unterschiedliche kommunale Rahmenbedingungen übertragbar ist. Auf Basis der entwickelten Blaupause konnten bundesweit Kommunen, Träger und Kleingartenorganisationen angesprochen sowie konkrete Standortentwicklungen initiiert werden. Die Projektarbeit bestätigte das Potenzial von Kleingartenanlagen als Natur- und Sozialräume für naturnahe Bildungsangebote.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Entwicklung neuer Kita-Standorte stark von lokalen Rahmenbedingungen, kommunalen Prioritäten und tragfähigen Kooperationen abhängt. Die Umsetzung erwies sich als deutlich zeitintensiver als ursprünglich angenommen.
Die frühzeitige Einbindung von Kommunen, Trägern und Kleingartenorganisationen hat sich dabei als wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Entwicklungsprozesse erwiesen.
Aus ökologischer Sicht bietet das Konzept Potenziale für die ressourcenschonende Nutzung bestehender Infrastruktur und die Verankerung von Naturerfahrung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung. Zur weiteren Verbreitung werden die Projektergebnisse künftig durch einen Imagefilm und niedrigschwellige Erprobungsformate („Gartentage“) nutzbar gemacht.