Paris-Aligned Scope 3 CO2e Data Protocol
Projektdurchführung
Universität Hamburg
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Rentzelstr. 7
20146 Hamburg
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens
Das Projekt "Paris-Aligned Scope 3 CO2e Emissions Data Protocol" wurde vor dem Hintergrund der dringenden Notwendigkeit, die Erfassung von Scope-3-Emissionen zu verbessern und damit einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, initiiert.
Das Projekt zielt darauf ab, die Erfassung von Scope 3 Emissionen zu verbessern, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Angesichts der aktuellen Defizite in der Datenerfassung und -berichterstattung von Scope 3 Emissionen ist es das Projektziel, einen wissenschaftlich systematischen und fairen Prozess zur vollständigen Erfassung (bzw. Schätzung) von Scope 3 Emissionen unter konsequenter Anwendung des Vorsorgeprinzips zu entwickeln. Das Verfahren wird kooperativ unter Beteiligung aller relevanter Stakeholder erarbeitet.
Das Projekt soll dazu beitragen, die Umweltauswirkungen von Unternehmen und Investoren besser zu verstehen und effektive Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen ergreifen zu können.
Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDa das "Paris-Aligned Scope 3 CO2e Emissions Data Protocol" kooperativ unter Beteiligung aller relevanter Stakeholder erarbeitet wird, ist der Kern des Projekts die Durchführung von Workshops. Die Umsetzung des Projekts gliedert sich in 3 Projektphasen: Phase 1: Vorbereitung der Workshops: Identifizierung relevanter Fragen und Probleme, Literaturrecherche und Strukturierung der Workshop-Phasen, Phase 2: Durchführung der Workshops: kooperative Erarbeitung des Protokolls unter Beteiligung aller relevanten Stakeholder, insb. Vertreter*innen von Datenanbietern, Investoren, der Politik, Unternehmen (insb. KMU) und Akademiker*innen. Zwischen den Workshops wird intensiv mit verschiedenen Teilnehmer*innen gearbeitet, insb. zur konkreten Anwendung des Protokolls (Steigerung der Marktannahme/Risikoreduktion) Phase 3 Nachbereitung, Fertigstellung & Verstetigung: Nachbereitung der Workshops, Fertigstellung des Prozesses in Rücksprache mit Workshop-Teilnehmer*innen (Feedbackschleife).
Das Projekt wird durchgehend von informellen Gesprächen begleitet und abschließend auf einer Abschlusskonferenz vorgestellt.
Ergebnisse und Diskussion
Das “Paris-Aligned Scope 3 CO₂e Emissions Data Protocol” adressiert die Problematik der Scope 3 Emissionen – dem mit durchschnittlich 75 – 80 % größten Emissionsanteil von Unternehmen.
Die ineinandergreifenden Prinzipien des Protokolls ermöglichen eine robuste und glaubwürdige Berichterstattung. Das Vorsorgeprinzip dient als methodische Leitlinie: Bei Datenunsicherheit wird zugunsten des Klimaschutzes geschätzt – ein Anreiz für Unternehmen zur vollständigen Offenlegung. Ergänzt wird dies durch ambitionierte Abdeckungsgrade (75 %, 90 %, 95 %), verbindliche Fristen für die Datenverarbeitung (max. 180 Tage) und die Harmonisierung mit der Finanzberichterstattung, um Konsistenz und Vergleichbarkeit sicherzustellen.
Ein wesentlicher Fortschritt ist der Perspektivwechsel: Unternehmen werden als Portfolios wirtschaftlicher Aktivitäten betrachtet. Dies erlaubt eine differenzierte Emissionszuordnung, vermeidet Doppelzählungen und lenkt den Fokus auf materiell wirksame Aktivitäten.
Das Protokoll wurde partizipativ unter Einbindung relevanter Stakeholder entwickelt. Es ist klar strukturiert, gewährt aber gleichzeitig die notwendige Flexibilität, damit die Akteure es an ihre spezifische Situation anpassen können. Die teilweise Übernahme zentraler Prinzipien in das EU-Handbook of Climate Transition Benchmarks belegen seine Anschlussfähigkeit und Wirkungskraft.
Es verbindet ökologische Wirksamkeit mit wirtschaftlicher Umsetzbarkeit, schafft Vertrauen, reduziert Greenwashing und bildet eine belastbare Grundlage für wirksame Klimastrategien entlang globaler Wertschöpfungsketten.
Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation
Die Öffentlichkeitsarbeit war ein integraler Bestandteil des Projekts "Paris-Aligned Scope 3 CO₂e Emissions Data Protocol". Nicht zuletzt die vier durchgeführten Workshops waren als offener und dialogorientierter Prozess konzipiert und trugen maßgeblich zur Bekanntheit des Projekts bei. Der kontinuierliche Austausch mit relevanten Stakeholdern sicherte nicht nur die Praxistauglichkeit der entwickelten Methoden, sondern steigerte auch die Sichtbarkeit des Vorhabens in den relevanten Zielgruppen.
Das “Paris-Aligned Scope 3 CO₂e Emissions Data Protocol” wurde sowohl international im Rahmen der 7th JRC Summer School on Sustainable Finance in Ispra (Italien) am 10./11.07.2025 vorgestellt, als auch auf der Abschlussveranstaltung des Förderprojekts am 24.07.2025 in den Räumlichkeiten der Universität Hamburg in Hamburg.
Das finale Protokoll fand großen Anklang, insbesondere die systematische Integration des Vorsichtsprinzips in Anlageentscheidungen und die verbesserte Transparenz von CO2e-Emissionsschätzungen wurden als dringend notwendig erachtet. Stakeholder betonten das Potenzial, die Verlässlichkeit der Schätzungen erheblich zu verbessern. In Verbindung mit seiner Kompatibilität mit EU-Empfehlungen (teilweise bereits in EU CTB & PAB übernommen) wird eine hohe Akzeptanz erwartet.
Fazit
Das “Paris-Aligned Scope 3 CO₂e Emissions Data Protocol” bietet ein wissenschaftlich fundiertes und partizipativ entwickeltes Rahmenwerk zur Erfassung, Bewertung und letztendlichen Reduzierung von Scope-3-Emissionen unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen. Es stellt einen bedeutenden methodischen Fortschritt im Umgang mit Scope 3 Emissionen dar.
Zentrale Prinzipien wie das Vorsorgeprinzip, die Fokussierung auf wesentliche Emissionsquellen und der aktivitätsbasierte Ansatz ermöglichen transparente, vergleichbare und glaubwürdige Nachhaltigkeitsinformationen – auch bei begrenzter Datenlage.
Die partizipative Entwicklung unter breiter Einbindung von Stakeholdern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Finanzwesen gewährleistet seine praktische Anwendbarkeit und seine potenzielle breite Akzeptanz in der breiten Anwendung. Die bereits erfolgte teilweise Implementierung des Protokolls auf EU-Ebene unterstreicht die Relevanz, Anschlussfähigkeit und das transformative Potenzial.
Das Protokoll kann einen signifikanten Beitrag zur Mobilisierung von Kapitalströmen in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft leisten, indem es Investoren, Datenanbietern und Unternehmen gleichermaßen eine verlässliche Grundlage für die Erfassung, Bewertung und das Management von klimabezogenen Risiken und Chancen bietet.
Das Protokoll schließt somit eine wichtige Lücke in der aktuellen Landschaft der Nachhaltigkeitsberichterstattung und ebnet den Weg für eine ambitioniertere und glaubwürdigere Verfolgung der globalen Klimaziele.
Fördersumme
289.685,00 €Förderzeitraum
01.05.2023 - 31.07.2025Bundesland
Hamburg