Projekt 38016/01

Planetary Health – Transdisziplinäre Evaluation von Kiezblocks als städtebauliches Konzept zur kommunalen Gesundheitsförderung und Nachhaltigkeitstransformation: Pilotprojekt zur Etablierung konzeptueller und empirischer Grundlagen

Projektdurchführung

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Medizinische Fakultät Mannheim Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit
Röntgenstr. 7
68167 Mannheim
Telefon: +49 621 383 71837

Zielsetzung

Starkregenereignisse und Hitzewellen: Die Klimakrise stellt bereits heute viele Städte vor große Herausforderungen. Insbesondere stark versiegelte Innenstadtbezirke mit wenigen Grünflächen und Gebäuden aus Stein, Beton, Glas und Stahl können sich extrem aufheizen. Zudem können durch die starke Versiegelung Niederschläge nur eingeschränkt versickern. Dies hat Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit: Hitze kann das körpereigene Kühlsystem überlasten und u.a. zu Herz-Kreislaufproblemen führen. Starkregenereignisse können mit einem erhöhten Unfallrisiko einhergehen und beeinträchtigen zunehmend die psychische Gesundheit.

Um die vielfältigen negativen Auswirkungen der Klimakrise auf Umwelt und Gesundheit abzufedern, braucht es insbesondere strukturelle Veränderungen urbaner Räume – wie flächendeckende Verkehrsberuhigung als Grundlage für Flächenentsiegelungen und die Schaffung zusätzlicher Grünräume. Als vielversprechendes Konzept zur Klimafolgenanpassung werden immer häufiger die in Berlin gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern entwickelten Kiezblocks diskutiert. Ein Kiezblock ist ein städtisches Quartier ohne Durchgangsverkehr durch Autos. So können Straßen und Parkplätze umgenutzt werden – beispielsweise als Grünflächen, Fußgänger- oder Fahrradzonen.

Bisher wurden vorrangig Verkehrseffekte von Kiezblocks untersucht. Wir verstehen jedoch nur unzureichend, wie sich Kiezblocks auf Umwelt, Gesundheit und das Zusammenleben im Kiez auswirken, wie die einzelnen Effekte zusammenwirken und wie Bürgerinnen und Bürger in Zusammenarbeit mit der Verwaltung zu einer raschen und flächendeckenden Umsetzung von Kiezblocks beitragen können. Es fehlt u.a. an konzeptuellen und methodischen Grundlagen, um ein komplexes städtebauliches Konzept wie Kiezblocks umfassend wissenschaftlich begleiten zu können.

Das Pilotprojekt „Planetary Health – Transdisziplinäre Evaluation von Kiezblocks als städtebauliches Konzept zur kommunalen Gesundheitsförderung und Nachhaltigkeitstransformation“ der Universität Heidelberg setzt genau an diesen Lücken an und bereitet die Untersuchung der Effektivität von Kiezblocks in Bezug auf Umwelt und Gesundheit und der damit einhergehenden Umsetzungsprozesse vor. Gemeinsam mit relevanten kommunalen Akteurinnen und Akteuren wie der Kommunalverwaltung, lokalen Unternehmen und der Zivilgesellschaft, werden mögliche Wirkweisen von Kiezblocks identifiziert, die Nutzung unterschiedlicher Datentypen zu Evaluationszwecken untersucht und mit hochauflösenden Citizen-Science-Daten experimentiert. Der multiperspektivische Forschungsansatz fördert darüber hinaus die Anwendbarkeit der Projektergebnisse im Kontext verwandter städtebaulicher Initiativen in Deutschland und international (u.a. Superblocks in Barcelona, Low Traffic Neighborhoods in London). Das Projekt wird in Kooperation mit Changing Cities und der Anlauf- und Koordinationsstelle für öffentliche Räume (AKöR) durchgeführt.

Arbeitsschritte

Das Projekt gliedert sich in die folgenden drei Arbeitspakete:

(1) Entwicklung eines logischen Modells als Basis für die systematische Evaluation der Effektivität von Kiezblocks

Logische Modelle veranschaulichen grafisch, auf welche Endpunkte eine Intervention (hier: die Implementierung eines Kiezblocks) potenziell Einfluss ausüben könnte und welche Kontextfaktoren die Umsetzung fördern oder behindern. Die Entwicklung des logischen Modells erfolgt sequenziell in drei Phasen. (1) Zunächst wird die internationale Literatur zu verwandten städtebaulichen Interventionen im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit gesichtet und darauf aufbauend eine erste Version des logischen Modells erstellt. (2) Anschließend führen wir mit Akteurinnen und Akteuren aus Kiezblocks (u.a. Bürgerinnen und Bürgern, Mitgliedern von Kiezblockinitiativen, der Kommunalverwaltung, Unternehmerinnen und Unternehmern) semistrukturierte Interviews, um lokale Perspektiven zu potenziellen Wirkmechanismen und relevanten Kontextfaktoren zu erheben. (3) Die Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit und der semistrukturierten Interviews dienen als Grundlage für einen Workshop mit Akteurinnen und Akteuren aus Kiezblocks, in dem das logische Modell weiterentwickelt wird. Mit Abschluss des Arbeitspakets steht ein konsolidiertes logisches Modell zur Verfügung, das auf internationaler Evidenz und lokalem kontextspezifischen Wissen basiert. Das logische Modell kann als Grundlage für die Entwicklung eines Evaluationskonzepts für Kiezblocks dienen. Die evidenzbasierte Entwicklung fördert die Anwendbarkeit des Modells auf verwandte städtebauliche Maßnahmen in Deutschland und international (u.a. Superblocks in Barcelona, Low Traffic Neighborhoods in London).

(2) Entwicklung von Empfehlungen zur integrierten Nutzung von Verwaltungs-, klassischen Forschungs- und Citizen Science-Daten zur Planung und Evaluation von Kiezblocks

Die Empfehlungen zur integrierten Nutzung der drei Datentypen werden in drei transdisziplinären Workshops erarbeitet. Dabei werden in den Workshops die folgenden Schritte durchlaufen: (1) Sammlung möglicher Empfehlungen auf Basis der vielfältigen Expertise der Teilnehmenden, (2) Konkretisierung der Empfehlungen und Sammlung von Best-Practice-Beispielen sowie (3) Konsentieren der geschärften Empfehlungen. Mit Abschluss des Arbeitspakets stehen erste Empfehlungen zur integrierten Nutzung von Verwaltungs-, klassischen Forschungs- und Citizen Science-Daten zur Planung und Evaluation von Kiezblocks und verwandten städtebaulichen Konzepten zur Verfügung. Die Empfehlungen werden in Arbeitspaket 3 einem Praxistest unterzogen und auf Basis erster empirischer Ergebnisse weiterentwickelt.

(3) Erprobung der Datenerhebung mittels Citizen Science-Ansatz und klassischer Forschungsmethoden im Kontext von Kiezblocks

Auf Basis des weiterentwickelten logischen Modells und der Empfehlungen zur integrierten Nutzung von Verwaltungs-, klassischen Forschungs- und Citizen Science-Daten (1) erproben wir die Datenerhebung mittels Citizen Science-Ansatz exemplarisch für einen Endpunkt (z.B. Verkehrsaufkommen in Kiezblocks) und (2) führen eine Querschnittserhebung unter Verwendung etablierter Forschungsmethoden durch. Auf Basis der Praxiserfahrungen sollen die Empfehlungen zur integrierten Nutzung unterschiedlicher Datentypen weiterentwickelt werden. Darüber hinaus dienen die Ergebnisse der Piloterhebung der Vorbereitung einer quasiexperimentellen Studie, die im Anschluss an das Projekt durchgeführt wird. In der Studie sollen die Effekte von Kiezblocks auf Gesundheit, Umwelt und die gesundheitliche Chancengleichheit untersucht werden.

Übersicht

Fördersumme

124.976,00 €

Förderzeitraum

01.07.2022 - 01.07.2024

Bundesland

Baden-Württemberg

Schlagwörter

Umweltkommunikation