Projekt 37522/01

besser spenden statt wegwerfen

Projektdurchführung

Bildungsakademie der Tafel Deutschland gGmbH
Germaniastr. 18
12099 Berlin

Zielsetzung

07.09.2023

Das Projekt "besser spenden statt wegwerfen" wurde von der Tafel-Akademie und Zachraň jídlo durchgeführt und zielte darauf ab die Lebensmittelverschwendung im Gastronomie-Sektor zu reduzieren, indem dort anfallende Lebensmittelüberschüsse durch wohltätige Organisationen an armutsbetroffene Menschen verteilt werden. Zachraň jídlo führte das Projekt in Tschechien durch. Die Tafel-Akademie unterstützte und beriet Zachraň jídlo basierend auf langjähriger Erfahrung im Projektmanagement sowie in politischer Kommunikation und digitaler Lebensmittelrettung.

Die Lebensmittel, die vom Verkauf in einem Gastronomiebetrieb ausgeschlossen werden, die aber kein Lebensmittelabfall sind, sind nach wie vor für den Verzehr geeignet. Es handelt sich dabei um zubereitete Gerichte und Mahlzeiten, die strengen Hygienestandards unterliegen. Für 2020 hat das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft die Lebensmittelverschwendung im Außer-Haus-Verzehr in Deutschland auf 1,9 Millionen Tonnen beziffert. Auch in Tschechien wurde das Spendenpotential von zubereiteten Gerichten bislang nicht genutzt. Ein Hindernis waren die rechtlichen Rahmenbedingungen. die Spenden nur dann zulassen, wenn Gerichte im heißen Zustand waren oder unmittelbar nach dem Kochen abgekühlt wurden. Direkt nach dem Kochen weiß der Gastronomiebetrieb jedoch noch nicht, ob das Gericht verkauft oder gespendet wird. In anderen europäischen Ländern wie Portugal oder Italien ist das Abkühlen und anschließende Spenden von Mahlzeiten unter klaren Hygieneauflagen bereits erlaubt.

Dieses Projekt nutzte einen mehrphasigen Ansatz. In der ersten Projektphase wurden Beratungen mit Jurist:innen und Besprechungen mit Regierungsvertreter:innen durchgeführt. Der Austausch mit Akteuren aus der Gastronomie und von wohltätigen Organisationen begann, um Bedarfe zu analysieren. Danach wurden zwei Modelle zum Spenden von Gerichten pilotiert und evaluiert. Mikrobiologische Tests wurden von einem staatlichen Labor durchgeführt, um die sicherste und hygienischste Transportmodalität zu identifizieren. Anschließend wurde eine Web-Applikation entwickelt, um das Spendenangebot möglichst effektiv mit den Bedarfen der wohltätigen Organisationen zu matchen. Durch die zu Beginn des Projekts aufgebauten politischen Netzwerke konnten die Erkenntnisse der mikrobiologischen Tests und die Ergebnisse der Spendenmodellpilotierung an staatliche Akteure weitergegeben und so effektiv auf die Gesetzgebung eingewirkt werden.

Tafel-AkademieZachran jidloLebensmittelverschwendung in Deutschland nach Sektor

Arbeitsschritte

Problemdefinition und Netzwerkaufbau:
Zuerst wurde der Austausch mit Vertreter:innen aus staatlichen Landwirtschafts- und Lebensmittelaufsichtsbehörden, mikrobiologischen Labors und Gastronomiebetrieben eingerichtet. Im Anschluss fanden zwei Beratungen mit Jurist:innen und zwei Treffen mit Regierungsvertreter:innen statt.

Pilotprojekt zur Weitergabe von Fertiggerichten:
Für die Entwicklung der Pilotmodelle wurden sechs Interviews mit Vertreter:innen wohltätiger Organisationen geführt. Außerdem wurden fünf Interviews mit Vertreter:innen von Gastronomiebetrieben durchgeführt. Zwei Pilotmodelle zum Spenden von Fertiggerichten wurden durchgeführt: Modell 1 konzentrierte sich auf das Spenden von warmen Gerichten direkt an Wohltätigkeitsorganisationen in der Nähe. Es wurde geprüft, zu welchem Zeitpunkt die Gerichte am besten zu transportieren sind, welche Behälter sich am besten für den Transport eignen, wie man ihre potenzielle Rückgabe organisieren kann und wie die Route richtig geplant wird. Modell 2 konzentrierte sich auf das Spenden von abgekühlten Gerichten. Im Rahmen dieses Modells wurden Gerichte in einem Gastronomiebetrieb und bei der Prager Tafel gekühlt. Es wurde getestet, wann es am sinnvollsten ist, die Gerichte zu transportieren, welche Einweg- oder Mehrwegbehälter für den Transport am besten geeignet sind und wie die Route optimal geplant werden muss. Im Rahmen der mikrobiologischen Tests wurden 72 Stunden nach der Kühlung Proben entnommen und im Labor untersucht. Es wurde festgestellt, dass die Kühlung in der Praxis durchführbar und sicher ist. Beide Pilotmodelle wurden intern evaluiert und die Machbarkeit einzelner langfristiger Lösungen bewertet. Basierend auf den Erkenntnissen der Modelle wurde ein Leitfaden „Wie spendet man Fertiggerichte?“, mit Empfehlungen für Gastronomiebetriebe, Wohltätigkeitsorganisationen und Tafeln veröffentlicht und an relevante Akteure verschickt.

Entwicklung einer Web-Applikation:
Eine Recherche zu Web-Applikationen aus anderen Ländern wurde durchgeführt. Im Anschluss wurde eine Web-Applikation entwickelt, die durch Name, Logo und Design die Nutzer:innen anspricht. Die Funktionalität und Benutzer:innenfreundlichkeit wurden getestet. Mitarbeiter:innen von Gastronomiebetriebe und gemeinnützigen Organisationen wurden in der Nutzung der Web-Applikation geschult. Um den Start der finalen Web-Applikation zu fördern, wurde eine Crowdfunding-Aktion organisiert, die auch als eine Art der Werbung fungierte.

Ergebnisse

In seiner Laufzeit von September 2021 bis Juni 2023 hat das Projekt seine Ziele mehr als erfüllt.

Durch das Projekt ist es gelungen eine neue Lebensmittelspendenpraxis in der Tschechischen Republik zu etablieren. Nachdem gesetzliche Hürden bei der Kühlung von Lebensmittelspenden als wichtiges Problem identifiziert wurden, konnte das Projekt einen wichtigen Beitrag zu einem Erlass des Landwirtschaftsministeriums leisten, durch den das Kühlen und Einfrieren von Lebensmittelspenden seit Juli 2023 erlaubt ist. Darüber hinaus hat die Projekthandreichung „Wie spendet man Fertiggerichte?“ auf eine bisdahin unklare und wenig bekannte Situation aufmerksam gemacht.

Das Projekt wurde online, in den sozialen Medien, mit Hilfe von Influencer:innen und durch Pressemitteilungen bekannt gemacht. Anfängliche Skepsis seitens der Gastronomie konnte durch aktive Öffentlichkeitsarbeit überwunden werden, wodurch mehr Projektpartner gewonnen wurden. Eine Crowdfunding-Kampagne informierte die Öffentlichkeit über das Projekt und generierte gleichzeitig Mittel für die Weiterführung des Projekts.

Zwei Verteilmodelle für Lebensmittelspenden wurden pilotiert und evaluiert. Modell 1 zum Spenden von erhitzten Mahlzeiten zur direkten Ausgabe an Bedürftige ist nach der erfolgreichen Pilotierung bereits in die alltäglichen Praxis übergegangen. Modell 2 und die dazugehörigen mikrobiologischen Tests zur Weitergabe von gekühlten Mahlzeiten konnten wichtige Informationen zum neuen Erlass des Landwirtschaftsministeriums liefern, der seit Juli 2023 gilt.

Es ist gelungen eine funktionale Web-Applikation zum Spenden von Lebensmitteln zu entwickeln, die es ermöglicht eine große Anzahl von Gastrobetrieben und Wohltätigkeitsorganisationen einzubeziehen. Dank der Web-Applikation war es möglich, das Projekt zu skalieren und die im Zusammenhang mit dem Projekt anfallenden (operativen) Aufgaben zu erleichtern. So konnten bereits mehr als 20.000 Mahlzeiten gerettet werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Eine Kommunikationskampagne begleitete das Projekt in sozialen und traditionellen Medien.
Im Laufe des Projekts wurden vier Newsletter, 20 Posts in sozialen Medien und vier Pressemitteilungen veröffentlicht. Zusätzlich wurde auf den Webseiten der Tafel-Akademie und Zachraň jídlo regelmäßig über das Projekt informiert. Zum Projekt wurden Foto- und Videomaterialen produziert.

Die Tafel-Akademie beriet Zachraň jídlo in der Entwicklung des Medienplans und der konkreten Kommunikationsmaßnahmen. Die Tafel-Akademie arbeitete die Projektergebnisse regelmäßig auf und veröffentlichte diese über die eigenen Medien sowie denen der Tafel Deutschland (Website, Newsletter, ggf. Social Media wie facebook, Twitter, Instagram, LinkedIn).

Projektwebsite (deutsch)Projektwebsite (tschechisch)

Fazit

Die erfreulichen politisch-rechtlichen Veränderungen in Tschechien und die vielseitigen Publikationen des Projekts konnten einen Beitrag zur Lebensmittelrettung leisten und gleichzeitig dabei helfen, dass armutsbetroffene Menschen in Tschechien gespendete, warme Mahlzeiten verzehren konnten.

Eine ähnliche Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist auch in Deutschland erstrebenswert.

Übersicht

Fördersumme

115.389,00 €

Förderzeitraum

15.09.2021 - 15.06.2023

Bundesland

Grenzüberschreitend

Schlagwörter

Grenzüberschreitend
Landnutzung