Projekt 37522/01

besser spenden statt wegwerfen

Projekttr├Ąger

Bildungsakademie der Tafel Deutschland gGmbH
Germaniastr. 18
12099 Berlin
Telefon: 030 200 59 7620

Zielsetzung

14.11.2022

Das deutsch-tschechische Projekt "besser spenden statt wegwerfen" wird von der Tafel-Akademie und Zachra┼ł j├şdlo durchgef├╝hrt und zielt darauf ab die Lebensmittelverschwendung im Gastronomie-Sektor zu reduzieren, indem dort anfallende Lebensmittel├╝bersch├╝sse durch wohlt├Ątige Organisationen an armutsbetroffene Menschen in der Tschechischen Republik verteilt werden.

Die Lebensmittel, die von der Weiterverarbeitung oder dem Verkauf in einem Gastronomiebetrieb ausgeschlossen werden, die aber kein Lebensmittelabfall sind, sind nach wie vor f├╝r den Verzehr durch Personen geeignet. Dabei handelt es sich meist um Fertiggerichte, die strengen Hygienestandards unterliegen. Untersuchungen ├╝ber Lebensmittelverschwendung in der ├Âffentlichen Gastronomie zeigen, dass die Menge dieser Gerichte zwischen 1,8 und 24,9 kg pro Betrieb und Tag liegt. 2019 hat das Th├╝nen-Institut im Auftrag des Bundesministeriums f├╝r Ern├Ąhrung und Landwirtschaft festgestellt, dass die Lebensmittelverschwendung im Au├čer-Haus-Verzehr in Deutschland bei 1,7 Millionen Tonnen im Jahr liegt.

Auch in der Tschechischen Republik wird das Spendenpotential von Fertiggerichten bislang nicht genutzt. Ein Hindernis sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach den geltenden tschechischen Rechtsvorschriften d├╝rfen Gerichte nur unmittelbar nach dem Kochen abgek├╝hlt werden. Zu diesem Zeitpunkt wei├č der Gastronomiebetrieb jedoch noch nicht, ob das Gericht verkauft oder gespendet wird. Wenn eine sp├Ątere Abk├╝hlung erlaubt w├Ąre, w├╝rde sich die Zeit f├╝r die Weitergabe von Gerichten an Wohlt├Ątigkeitsorganisationen verl├Ąngern und die Transportkosten w├╝rden sinken. In anderen europ├Ąischen L├Ąndern wie Portugal oder Italien ist das abk├╝hlen und anschlie├čende Spenden von Fertiggerichten unter klaren Hygieneauflagen allerdings erlaubt. Auch in Tschechien k├Ânnte sich die Rechtslage bald ver├Ąndern. Im November 2021 wurde ein Entwurf einer neuen Verordnung ├╝ber die Anforderungen an Gerichte durch das Landwirtschaftsministerium ins Gespr├Ąch gebracht.

Die aktuelle Rechtslage erschwert die Spendenlogistik. Da die fertigen Gerichte sofort abgek├╝hlt, gefroren oder bei einer Temperatur von ├╝ber 60┬░C gehalten werden m├╝ssen und diese Temperaturen auch w├Ąhrend des gesamten Transports, der Lagerung und bis zur endg├╝ltigen Verteilung konstant gehalten werden m├╝ssen, ist es f├╝r die Lebensmittelbanken und gemeinn├╝tzige Organisationen extrem Ausstattungs- und Kostenintensiv.

Dieses Projekt nutzt einen mehrphasigen Ansatz, um ├╝bersch├╝ssige Lebensmittel aus der Gastronomie schnell, sicher und m├Âglichst unaufw├Ąndig an wohlt├Ątige Organisationen zu verteilen.

In der ersten Projektphase im Winter 2021 werden Beratungen mit Rechtsexpert:innen, Jurist:innen und Besprechungen mit Regierungsvertreter:innen durchgef├╝hrt, um hygienerechtlichen Fragen zu identifizieren und politische Netzwerke zu mobilisieren. Gleichzeitig beginnt ein Austausch mit Akteuren aus der Gastronomie und von wohlt├Ątigen Organisationen, um W├╝nsche und Bedarfe f├╝r den Lebensmittelspendenprozess zu identifizieren.

In einer zweiten Projektphase werden zwei Modelle zum Spenden von Fertiggerichten pilotiert und evaluiert. Bei beiden Modellen werden mikrobiologische Tests von einem staatlichen Labor durchgef├╝hrt, um die sicherste und hygienischste Transportmodalit├Ąt f├╝r Spenden aus der Gastronomie zu entwickeln.

In einer weiteren Projektphase wird nun eine Web-Applikation entwickelt, durch die das Spendenangebot der gastronomischen Betriebe m├Âglichst effektiv mit den Spendenbedarfen der wohlt├Ątigen Organisationen zusammengef├╝hrt wird. Die Web-Applikation wird zusammen mit m├Âglichen Nutzer:innen getestet. Anschlie├čend werden Angestellte der gastronomischen Betriebe und wohlt├Ątigen Organisationen durch Schulungen auf die Nutzung der Web-Applikation vorbereitet.

Durch die zu Beginn des Projekts aufgebauten politischen Netzwerke k├Ânnen die Erkenntnisse der mikrobiologischen Tests und die Ergebnisse der Spendenmodelpilotierung an staatliche Akteure weitergegeben werden und so auf die Gesetzgebung eingewirkt werden. ├ťber ihre online Auftritte und ihre Profile auf sozialen Medien werden die Tafel und Zachra┼ł j├şdlo fortlaufend ├╝ber das Projekt informieren.

Zachra┼ł j├şdlo f├╝hrt das Projekt in Tschechien durch. Die Tafel-Akademie unterst├╝tzt und ber├Ąt Zachra┼ł j├şdlo basierend auf langj├Ąhriger Projekterfahrung, politischen Kommunikation und digitaler Lebensmittelrettung. Durch das Projekt ÔÇ×Tafel macht Zukunft- gemeinsam digitalÔÇť und die daf├╝r entwickelte eco-Plattform hat die Tafel-Akademie umfangreiche Erfahrung in der praktischen Umsetzung von digitalen Ans├Ątzen zur Lebensmittelrettung und kann zudem auf ein weitreichendes Netzwerk zur├╝ckgreifen. Lebensmittelrettung in der Gastronomie ist ein Zukunftsthema auch f├╝r Deutschland. Daher wird der Erkenntnisgewinn aus diesem Projekt in Bezug auf Hygienestandards, Verteilungsmodalit├Ąten und die Web-Applikation richtungsweisend f├╝r zuk├╝nftige Initiativen in Deutschland sein.

Tafel-AkademieZachran jidloLebensmittelverschwendung in Deutschland nach Sektor

Arbeitsschritte

Problemdefinition und Netzwerkaufbau:
Um aktuelle Barrieren zu identifizieren, die das Spenden von Fertiggerichten verhindern, wird eine Arbeitsgruppe mit Vertreter:innen aus Hygienebeh├Ârden, staatlichen Landwirtschafts- und Lebensmittelaufsichtsbeh├Ârden, mikrobiologischen Labors und Gastronomiebetrieben eingerichtet.

Im Anschluss sollen 2 Beratungen mit Rechtsexpert:innen, Jurist:innen und 2 Treffen mit Regierungsvertreter:innen stattfinden, bei denen die Ergebnisse der Arbeitsgruppe geteilt werden. Gleichzeitig werden Partnerschaften mit Gastronomiebetrieben aufgebaut, damit fr├╝hzeitig die Interessen und Bedarfe der potentiellen Spender:innen identifiziert werden k├Ânnen.

Basierend auf ihrer langj├Ąhrigen Erfahrung, ber├Ąt die Tafel-Akademie Zachra┼ł j├şdlo in der Kommunikation mit den hier benannten Stakeholdern.

Pilotprojekt zur Weitergabe von Fertiggerichten:
F├╝r die Entwicklung der Pilotmodelle werden zun├Ąchst die Bedarfe der beteiligten Kooperationspartner:innen und Zielgruppen ermittelt. Dabei werden sechs Interviews mit Vertreter:innen der Organisationen gef├╝hrt, die Lebensmittelspenden entgegennehmen w├╝rden. Au├čerdem werden f├╝nf Interviews mit Vertreter:innen der Gastronomiebetrieben durchgef├╝hrt.

2 Pilotmodellen von Spenden von Fertiggerichten werden entwickelt und getestet: Modell 1 konzentriert sich auf das Spenden von warmen Gerichten direkt an Wohlt├Ątigkeitsorganisationen in der N├Ąhe von Gastronomiebetrieben. Es wird gepr├╝ft, zu welchem Zeitpunkt die Fertiggerichte am besten zu transportieren sind, damit sie rechtzeitig an die Emfpf├Ąnger:innen geliefert werden k├Ânnen, welche Beh├Ąlter sich am besten f├╝r den Transport eignen, wie man ihre potenzielle R├╝ckgabe organisieren kann und wie die Route richtig geplant wird.

Modell 2 konzentriert sich auf das Spenden von abgek├╝hlten Gerichten. Aktuell ist die Abk├╝hlung aus hygienischen Gr├╝nden noch nicht erlaubt, so dass es sich um eine Simulation handelt und die Fertiggerichte anschlie├čend nicht verzehrt werden. Im Rahmen des Modells 2 werden die Gerichte in einem oder zwei Gastronomiebetrieben gek├╝hlt, die sich in unmittelbarer N├Ąhe zueinander befinden. In der Praxis wird getestet, wann es am sinnvollsten ist, die Gerichte zu transportieren, welche Einweg- oder Mehrwegbeh├Ąlter f├╝r den Transport am besten geeignet sind und wie die Route optimal geplant werden muss. Im Rahmen der mikrobiologischen Tests werden 24 und 48 Stunden nach der K├╝hlung Proben entnommen und im Labor untersucht. Dabei wird festgestellt, ob die K├╝hlung in der Praxis durchf├╝hrbar ist und ob eine ├änderung der entsprechenden Verordnung angestrebt werden kann, um die K├╝hlung f├╝r Spendenzwecke zu erm├Âglichen. Das Spektrum der f├╝r das Testen geeigneten Fertiggerichten wird mit der Hygienebeh├Ârde abgestimmt.

Beide Pilotmodelle werden intern evaluiert, einzelne Schritte analysiert, die Machbarkeit einzelner langfristiger L├Âsungen bewertet und die Vor- und Nachteile beider Modelle erfasst.

Basierend auf den Erkenntnissen der Modell-Evaluation wird ein Leitfaden ÔÇ×Wie k├Ânnen Fertiggerichte gespendet werdenÔÇť, mit Empfehlungen f├╝r Gastronomiebetriebe, Wohlt├Ątigkeitsorganisationen und Lebensmittelbanken ver├Âffentlicht und an relevante Akteure verschickt. Zum Leitfaden wird zudem eine Pressemitteilung formuliert.
Die Tafel-Akademie ber├Ąt bei der Umsetzung und Evaluation der Modelle.

Entwicklung einer Web-Applikation:
Eine ausf├╝hrliche, Tiefenrecherche zu Web-Applikationen aus anderen L├Ąndern ist vorgesehen. Im Anschluss wird in der Kooperation mit IT-Fachleuten eine Web-Applikation entwickelt, die durch Name, Logo und Design die Nutzer anspricht.

In der Testphase werden von den k├╝nftigen Nutzer:innen die Funktionalit├Ąt und Benutzer:innenfreundlichkeit getestet und die Ergebnisse ausgewertet. Ausgehend vom Feedback wird die Web-Applikation angepasst.

Mitarbeiter:innen der beteiligten Gastronomiebetriebe und gemeinn├╝tzigen Organisationen werden in der Nutzung der Web-Applikation geschult.

Um den Start der finalen Web-Applikation zu f├Ârdern, wird eine Crowdfunding-Aktion organisiert, die auch als eine Art der Werbung fungiert. Im Rahmen der Crowdfunding-Aktion werden Partnerschaften mit 5 Unternehmen gesucht, die das Vorhaben mit einer Spende oder einem Produkt unterst├╝tzen.

Die Tafel-Akademie ber├Ąt Zachra┼ł j├şdlo sowohl in der Entwicklung der Web-Applikation, als auch in der Schulung f├╝r Nutzer:innen und erm├Âglicht Beratung und Erfahrungsaustausch zur Ansprache von Unternehmen.

Ergebnisse

Zu diesem Zeitpunkt (November 2022) hat das Projekt bereits erste Ergebnisse produziert.

F├╝r Modell 1 wurden verschiedene Verteilungsmodalit├Ąten und Verpackungsmaterialien pilotiert. Es konnten fast 70 noch nicht ausgegebene Mahlzeiten aus 5 Kantinen an wohlt├Ątige Organisationen ├╝bergeben werden. Der Temperaturverlust mit verschiedenen Verpackungen wurde nach Ankunft der Spenden am Zielort gemessen.

F├╝r Modell 2 wurden mikrobiologische Tests an Gerichten, die nach der Zubereitung abgek├╝hlt wurden, durchgef├╝hrt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass auch die Abk├╝hlung eine hygienetechnische sichere Weitergabemodalit├Ąt ist.

Erste Gespr├Ąche mit Ministeriumsvertreter:innen haben stattgefunden. Die Analyse der rechtlichen und politischen Lage zeigt, dass die Ergebnisse des Projekts zu einem opportunen Zeitpunkt kommen, in dem die Gesetzeslage in Tschechien ├╝berdacht wird. Somit kann das DBU-Projekt direkten Einfluss auf die tschechische Gesetzgebung aus├╝ben. Gleichzeitig k├Ânnen die Ergebnisse und die Zusammenarbeit auf deutscher Seite zur Ausgestaltung m├Âglicher Gesetzesvorhaben als Erfahrungsgrundlage dienen und die ersten konkreten Ergebnisse zur Umsetzung des Projektes in Gespr├Ąche von deutschen Kooperationspartner:innen einflie├čen.

Erste Austauschformate mit Gastronomiebetrieben und wohlt├Ątigen Organisationen haben stattgefunden. Von Mitte April bis Ende Oktober 2022 wurden mehr als 13.000 Portionen gek├╝hlter und warmer Mahlzeiten zu Wohlt├Ątigkeitsorganisationen transportiert.

Die Entwicklung der Web-Applikation zur Verteilung der Lebensmittelspenden an wohlt├Ątige Organisationen wird weitergef├╝hrt unter Einbindung von Spendern und Empf├Ąngern.

Die Online-Pr├Ąsenz des Projektes sowie begleitende Grafikmaterialien wurden erstellt. Der Auftritt auf sozial Media Kan├Ąlen in tschechisch und deutsch hat die Bekanntheit des Projekts erh├Âht. Weitere Kommunikationsma├čnahmen sind geplant.

├ľffentlichkeitsarbeit

Eine Kommunikationskampagne begleitet das Projekt in sozialen und traditionellen Medien. In den ersten Monaten des Projekts wurde mehrfach in der tschechischen Presse dar├╝ber berichtet. Bislang wurden 5 Beitr├Ąge auf Facebook, 5 Beitr├Ąge auf Instagram und 2 Beitr├Ąge auf Twitter ver├Âffentlicht. Die Themen, die dabei behandelt wurden, fokussierten die Inhalte des Leitfaden ÔÇ×Wie spendet man Fertiggerichte?ÔÇť und den Prozess der Lebensmittelweitergabe. 8 weitere Posts sind bis zum Ende des Projekts geplant.

4 Newsletter wurden verschickt, die sich thematisch mit der Ver├Âffentlichung des Dokuments ÔÇ×Wie spendet man Fertiggerichte?ÔÇť, der Durchf├╝hrung von Lebensmitteltransporten von Kantinen an wohlt├Ątige Einrichtungen, der Erstellung unserer Website f├╝r Catering und Wohlt├Ątigkeitsorganisationen sowie der App befassten.

Zus├Ątzlich wird auf den Webseiten der Tafel-Akademie und Zachra┼ł j├şdlo regelm├Ą├čig ├╝ber das Projekt informiert. Zum Projekt werden Foto- und Videomaterialen produziertwurde , die ├╝ber das Projekt informieren und daf├╝r werben.

Die Tafel-Akademie ber├Ąt Zachra┼ł j├şdlo in der Entwicklung des Medienplans und der konkreten Kommunikationsma├čnahmen. Die Tafel-Akademie arbeitet die Projektergebnisse regelm├Ą├čig auf und ver├Âffentlicht diese ├╝ber die eigenen Medien sowie denen der Tafel Deutschland (Website, Newsletter, ggf. Social Media wie facebook, Twitter, Instagram, LinkedIn).

Projektwebsite (deutsch)Projektwebsite (tschechisch)

├ťbersicht

F├Ârdersumme

115.389,00 ÔéČ

F├Ârderzeitraum

15.09.2021 - 15.06.2023

Bundesland

Grenz├╝berschreitend

Schlagw├Ârter

,Grenz├╝berschreitend
Landnutzung