Projekt 37391/01

Gesundes, zukunftsfähiges Wohnen in Holz, Ziegel und Lehm

Projektdurchführung

Technische Universität Berlin Natural Building Lab FG Konstruktives Entwerfen und Klimagerechte Architektur
Str. des 17. Juni 152
10623 Berlin

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Das Forschungsprojekt ist interdisziplinär mit mehreren Universitäten gestaltetet, und kooperiert mit einem Realisierungsprojekt. Ergebnisse der Forschung fließen direkt in den Planungs- und Bauprozess mit ein. Ziel ist es im sozialen Wohnungsbau auf die aktuellen Entwicklungen des Klimawandels und der Ressourcenverknappung reagieren zu können und nachhaltiges Bauen für alle Menschen zugänglich zu machen. Dabei sollen Lowtech Strategien und der Einsatz ausschließlich natürlicher Baustoffe aufwändige Gebäudetechnik ersetzen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliedert sich in 7 Arbeitspakete (AP). Im ersten Arbeitspaket werden die Grundlagen definiert. Das zweite Arbeitspakete gestaltet den transdisziplinären Entwicklungsprozess.Typologische Untersuchungen in AP03 geben Aufschluss über die historische Entwicklung von Typologien und Lowtech Strategien. In AP04 werden sondieren Untersuchungen von Materialien durchgeführt, die in AP05 durch Simulationen und raumbezogene Analysen ergänzt werden. In AP06 wird eine Ökobilanz der Gebäude erstellt. AP07 umfasst die Kommunikation und Ergebnisdokumentation des Projekts.


Ergebnisse und Diskussion

Für die beiden Gebäude konnten mithilfe der forschungsseitigen Betrachtung Entscheidungen über die Bauteilaufbauten und Typologie getroffen werden. Der Verzicht von Lüftungsanlagen hat zu der grundsätzlichen Entscheidung geführt die Bäder an der Fassade zur orientieren, um jeden Raum natürlich belüften zu können. Über hygrothermische Simulationen und die Erfahrung aus vorherigen Projekten konnte der Baustoff Lehm als wesentlicher Bestandteil zur Innenwandbekleidung eingesetzt werden, um ein gesundes Raumklima möglich zu machen. Dabei ist nicht nur die Wasseraufnahmefähigkeit Entscheidend sondern auch die Porosität der Oberfläche. Über eine begleitende Lebenszyklusanalyse konnten Einsparpotenziale in Bezug auf den ökologischen Fußabdruck des Gebäudes identifiziert werden. So wird das Gebäude ohne Unterkellerung ausgeführt. Ein Verzicht oder Reduktion von Beton konnte in der Gründung nicht erzielt werden, da der Baugrund des Grundstücks dafür nicht geeignet ist. Über die gewählte Typologie konnte ein durchschnittlicher Flächenverbrauch von unter 23m2 WF erzielt werden.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Das Projekt wurde im Rahmen folgender Veranstaltungen präsentiert:
- 05.06.2022 – 7. Fachdialog Urbaner Holzbau Klima- und Ressourcenschutz im kommunalen Woh-nungsbau
- 16.05.2022 – Low Tech Symposium, TU Berlin
- 25.08.2022 – Neubautour der Berliner Wohnungsbaugesellschaften
- 31.08.2022 – Verbandstag VdW Niedersachsen in Hannover Titel „WOHNUNGSWIRTSCHAFT ZWISCHEN KLIMAZIELEN, VERSORGUNGSSICHERHEIT + BEZAHLBAREM WOHNEN“
- 21.10.2022 – Wohnprojektetag Bayern 2022, Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
- 12.01.2023 – ZEBAU online Veranstaltung „LowTech – hohe Effekte mit weniger Aufwand?“
- 18.01.2023 – TU for Future / TU Braunschweig
- 06.02.2023 – Delegation Ukraine Experten Bau


Fazit

Das Forschungsvorhaben hat gezeigt, dass ein Verzicht auf ressourcen-intensive Baustoffe im öffentlichem Geschosswohnungsbau unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein, bzw. dass der Einsatz durch entsprechende Planung stark reduziert werden kann. Die Auswertung der Lebenszyklusanalyse hat eine unmittelbare Auswirkung auf die Design Entscheidungen. Im Realisierungsprojekt können die Mehrkosten allerdings nur über eine Baukostenförderung des Landes Berlin getragen werden. Das zeigt, dass es ein Ungleichgewicht zwischen konventionellen und ökologischen Bausystemen gibt, da Umweltauswirkungen bisher nicht eingepreist sind. Ein Ansatz zur fairen Preisgestaltung besteht beispielsweise in der Förderung auf Basis der entstehenden Klimakosten im Bereich von Einzelmaßnahmen anstatt der Förderung der reinen thermischen Qualität eines Bauteils, sodass Materialien mit geringem Treibhauspotential vermehrt Anreize bei Bauherr*innen schaffen. Durch den iterativen Prozess aus Ermittlung der optimalen Schnittmenge aus minimalem Ressourceneinsatz, Optimierung des Flächenschlüssels unter Berücksichtigung kompensatorischer Maßnahmen wie der ausreichenden Versorgung mit Tageslicht sowie der Reduzierung des Nutzenergiebedarfs, erzielt das Projekt einen verminderten pro Kopf Bedarf an Wohnfläche von ca. 23m2. Die Hypothese aus ebenbürtigem Wohnkomfort und Nutzerzufriedenheit gegenüber des durchschnittlichen Flächenschlüssels gilt es mittels Nutzer*innenbefragungen neben der Monitoringphase zu erheben.

Übersicht

Fördersumme

124.890,00 €

Förderzeitraum

21.04.2021 - 30.09.2022

Bundesland

Berlin

Schlagwörter

Ressourcenschonung
Umwelttechnik