Projekt 37279/01

Förderinitiative Pestizide: Analyse der Nachhaltigkeitswirkung von Alternativen zum Pestizideinsatz und darauf aufbauende Untersuchung mehrdimensionaler Zielkonflikte

Projektdurchführung

Öko-Institut e. V.
Institut für angewandte Ökologie
Merzhauser Str. 173
79017 Freiburg



Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Der Pestizideinsatz in der konventionellen Landwirtschaft ist ein wesentlicher Grund für den Rück-gang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und für Belastungen von Oberflächengewässern mit Pestiziden. Wesentliche Ziele der Förderinitiative „Vermeidung und Verminderung von Pestiziden in der Umwelt“ der DBU waren daher
• der Schutz der Biodiversität durch eine Verringerung des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft und
• die Entwicklung ressourcen- und energieeffizienter, nicht-chemischer Methoden des Pflanzenschutzes.

In der Initiative der DBU wurden dafür zehn Projekte gefördert, die auf ganz unterschiedliche Weise Beiträge zur Erreichung der beiden oben genannten Ziele leisten können. Im Rahmen dieser Initiative wurde zusätzlich dieses Projekt zur Analyse der Nachhaltigkeitswirkungen gefördert. Es hatte folgende Ziele:
• Der Aufbau bzw. die Stärkung der Nachhaltigkeits-Bewertungskompetenzen der einzelnen Fördernehmer und -nehmerinnen der Förderinitiative;
• die Erfassung, Darstellung und Dokumentation der Nachhaltigkeits-Beiträge, die die einzelnen Teilprojekte leisten (bezogen auf Landwirtschaft/Einsatz von Pestiziden) - berücksichtigt werden hierbei ökobilanzielle Aspekte, gefahrstoffbezogene Aspekte (REACH Radar) und weitere qualitative Aspekte;
• die Identifizierung und möglichst weitgehende Umsetzung von Möglichkeiten, innerhalb der Laufzeit der Teilprojekte die Nachhaltigkeits-Beiträge zu steigern;
• die Erarbeitung eines generellen methodischen Zugangs zur Aufarbeitung von potenziellen Zielkonflikten von Forschungsvorhaben zu Alternativen zum Pestizideinsatz, die Beschreibung positiver wie negativer Beiträge der einzelnen Teilprojekte in Hinblick auf die Sustainable Development Goals (SDG) der Agenda 2030 sowie das Aufzeigen von vorhandenen konkreten Zielkonflikten von Möglichkeiten ihrer Lösung;
• die Identifizierung von Spin-offs: Übertragungsmöglichkeiten der Ansätze und Erfahrungen aus den Teilprojekten in verwandte Bereiche des Themenfeldes “Vermeidung und Verminderung von Pestiziden in der Umwelt“ werden herausgearbeitet, und
• die Erarbeitung der Grundlage für eine transparente Kommunikation der tatsächlich oder potenziell erreichten Nachhaltigkeitswirkungen der einzelnen F&E-Projekte sowie damit einhergehend eine stärkere Sicht-barkeit der Thematik bei wichtigen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern.






Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFür jedes Forschungsprojekt erfolgt eine Erfassung und Bewertung der Nachhaltigkeitsbeiträge in mehreren Stufen:
• Stufe 1: Orientierende Nachhaltigkeitsbetrachtung auf qualitativer Ebene
• Stufe 2: Schwerpunktsetzung und orientierende Quantifizierung der Nachhaltigkeitsbewertung
• Stufe 3: Vertiefte Quantifizierung der Nachhaltigkeitsbeiträge, Signifikanzanalyse und Gesamtbewertung.

Bei der orientierenden Nachhaltigkeitsbewertung in Stufe 1 wurden als Bezugspunkt für die Bewertung die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 gewählt. Die Schwerpunktsetzung und orientierende Quantifizierung geschah auf der Grundlage von Selbsteinschätzungen, die die geförderten Projektnehmer mit unserer Unterstützung durchführten. Die vertiefte Quantifizierung erfolgte durch ökobilanzielle Auswertungen, die wir für mehrere der geförderten Projekte vorgenommen haben. Die Gesamtbewertung und die Ableitung von Handlungsempfehlungen bildeten den Abschluss der Arbeiten.



Ergebnisse und Diskussion

Im Projekt wurden zum einen die zehn Projekte der Initiative untersucht. Zum anderen wurden methodische Hilfen für die Nachhaltigkeitsbewertung erarbeitet. Sie können auch in anderen Projekten, die von der DBU gefördert werden, eingesetzt werden. Die Projektpartner können sie auch eigenständig anwenden.
In mehreren der geförderten Projekte werden Alternativen ausgearbeitet, die zu deutlichen Verringerungen der Pestizideinsatzmengen führen. Im Beispiel der Nützlingsrollwiese können das bis zu 100 % der sonst benötigten Insektizide sein. Im Beispiel des Precision Weedings kann auf das kostenaufwändige und für die Arbeiter körperlich sehr anstrengende manuelle Jäten verzichtet werden.
In allen untersuchten Fällen sind mit diesen positiven Auswirkungen erhöhte Aufwendungen verbunden. Zum Beispiel Flächen, die nicht mehr für die Kulturen zur Verfügung stehen bei der Rollwiese, erhöhter Wasser- und Energieverbrauch beim Precision Weeding. Dadurch kommt es zu Zielkonflikten. Das Ziel, Pestizide einzusparen, wird erreicht. Zu den Zielen, Energieverbräuche und Wasserverbräuche zu redu-zieren, können allerdings im Einzelfall keine positiven Beiträge geleistet werden, In einigen Fällen sind auch die Kosten höher. Diese Zielkonflikte sind mehrdimensional. Die Verfahren haben gegensätzliche Auswirkungen auf die Dimensionen Biodiversität, menschliche Gesundheit, Gesundheit von Tieren und Pflanzen, Flächenbedarf, Rohstoffeinsätze und Kosten.
Die im Austausch mit den Projektpartnern erzielten Ergebnisse haben bestätigt, dass es diese Zielkon-flikte gibt, aber auch Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Umgang mit den Zielkonflikten ist es, sie darzustellen und nach Möglichkeit auch zu quantifizieren. Dies konnte bei den beteiligten Projekten gemacht werden. Dadurch wurde deutlich, dass in vielen Fällen der Preis für die Pestizid-Einsparungen annehmbar ist und es in vielen, wenn auch nicht allen Fällen, Möglichkeiten gibt, ihn auszugleichen.



Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Im Projekt sind die Ergebnisse bei mehreren Gelegenheiten einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt worden. Ausserdem wurden Vorschläge für die zukünftige Kommunikation entwickelt.

Das Vorgehen und die Ergebnisse des Projektes waren auch auch auf der von der DBU veranstalteten Woche der Umwelt (vom 4. Bis 5. Juni 2024) in Berlin im Park Bellevue vertreten. Das Fachforum hatte den Titel: „Biologische Vielfalt und Landwirtschaft: Möglichkeiten zur Vermeidung von Pestiziden“. Ziel war es, den Teilnehmern die Wichtigkeit der Einsparung von Pestiziden zu verdeutlichen und Möglichkeiten hierfür aufzuzeigen. Hierzu konnten erfreulicherweise entsprechende Erfahrungen aus den Projekten der Förderinitiative genutzt werden. Das Thema und die verteilten Materialien fanden beim Publikum großes Interesse.



Fazit

Im Projekt konnte gezeigt werden, dass es eine Vielzahl von nachhaltigen Möglichkeiten gibt, auf unterschiedlichen Wegen die eingesetzten Pestizidmengen in unterschiedlichen Kulturen zu verringern. Mit der Umsetzung dieser Möglichkeiten können wichtige Beiträge geleistet werden, die Belastungen von Mensch und Umwelt durch Pestizide zu senken und die biologische Vielfalt in der Agrar-landschaft zu steigern. Anhand von begleitenden ökobilanziellen Berechnungen konnte gezeigt werden, dass die mit dem Pestizidverzicht verbundenen Mehraufwendungen bei den betrachteten Methoden vertretbar sind. Einige der Methoden bieten auch die Möglichkeit, die aktuell aufwändige ma-nuelle Beikrautbekämpfung zu verringern und bestehende oder zukünftige Wirkstoff-Lücken zu schließen. Daher sollten die in den Projekten aufgezeigten Möglichkeiten genutzt und möglichst umfassend eingesetzt werden.

Übersicht

Fördersumme

216.428,00 €

Förderzeitraum

18.06.2021 - 30.11.2025

Bundesland

Baden-Württemberg

Schlagwörter

Landnutzung
Naturschutz