Projekt 37168/01

Kommunikations- und Bildungskonzept zur Ressourcenschonung in stationären Pflegeeinrichtungen: Entwicklung und Erprobung in drei Pilotregionen mit Praxispartnern des Pflegesektors

Projektdurchführung

Solites - Forschung, Beratung und Transfer für
zukunftsfähige thermische Energiesysteme
Meitnerstr. 8
70563 Stuttgart

Zielsetzung

Ob beim Wasser- und Energieverbrauch oder den Lebensmittelabfällen in der Großküche, in stationären Altenpflegeeinrichtungen gibt es viele Ansätze für einen effizienten Einsatz von Ressourcen. Und das Potenzial in der Pflegebranche ist groß: In Deutschland gibt es rund 15 380 stationäre Alten- und Pflegeheime mit rund 970 000 zu Pflegenden (Pflegestatistik Statistisches Bundesamt, 2019) und die Anzahl wird aufgrund des demografischen Wandels weiter ansteigen.

Die Umweltrelevanz von Ressourceneinsparungen in der stationären Altenpflege zeigt sich durch folgende Zahlen und Erkenntnisse:
Jeder Pflegeplatz verbraucht bis zu vier- bis sechsmal so viel Wärme und Strom wie eine Person in einem Privathaushalt. Energieeinsparungen von 15 % sind möglich; durch energiebewusstes Verhalten und gering investive Maßnahmen wie z.B. die Optimierung der Heizungsregelung. Solites beschäftigt sich bereits seit 2010 mit dem Thema Energieeinsparungen in der stationären Altenpflege und hat ein Umwelt-Kommunikationskonzept für energiebewusstes Verhalten erarbeitet (siehe www.ee-fuer-pflege.de, DBU AZ 31596/01).
Ein weiterer wichtiger Bestandteil zur Ressourcenschonung in Pflegeeinrichtungen ist die Hauswirtschaft. Die IN VIA Akademie beschäftigt sich seit 2014 mit dem Thema „Nachhaltigkeit in der Gemeinschaftsgastronomie“ und hat festgestellt, dass nachhaltiges Wirtschaften in Großküchen sozialer Einrichtungen möglich ist (siehe DBU AZ 32022/01). Das Umstellen von Einzelportionspackungen auf größere Gebinde ist z.B. eine effektive Maßnahme. Für den Erfolg von Maßnahmen spielen das Bewusstsein und Engagement der Mitarbeitenden eine große Rolle; die Weiterbildung von hauswirtschaftlichen Fach- und Führungskräften kann daher zu Ressourceneinsparungen führen.

Im Projekt KomBiNa wird erstmals ein Kommunikations- und Bildungskonzept zur ganzheitlichen Ressourcenschonung in stationären Altenpflegeeinrichtungen entwickelt und auf den methodischen Erfahrungen der beiden vorherigen Projekte aufbaut. Mit technischen Maßnahmen und Sensibilisierung durch Kommunikation und Weiterbildung wird das Konzept für Altenpflegeeinrichtungen ein erster Schritt zu einem Nachhaltigkeitsmanagement sein. Dabei stehen die Themen Energie, Hauswirtschaft, Lebensmittelverschwendung, Abfälle, Verpflegung und Weiterbildung im Fokus. Dieses Projekt erhebt jedoch nicht den Anspruch, ein komplettes Nachhaltigkeitsmanagement zu etablieren.

Ziele:
• Entwicklung eines Konzepts zur Ressourcenschonung in Pflegeeinrichtungen gemeinsam mit zehn Piloteinrichtungen aus den Regionen Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Es soll ein Baukasten an Lösungsansätzen entstehen, der für die individuelle Situation jeder Einrichtung passende Maßnahmen enthält.
• Modellhafte Erprobung des Konzepts in zehn Piloteinrichtungen mit Reduzierung des Ressourcenverbrauchs und der berechneten Treibhausgas-Emissionen um 15 % (Durchschnitt)
• Innovationssprung durch die Entwicklung und Anwendung spezifischer Nachhaltigkeitsindikatoren und eines Ergebnis-Monitors, anhand derer die Wirksamkeit von Maßnahmen eindeutig und durch die Einrichtungen selbst überprüft und dokumentiert werden kann.
• Förderung des Bewusstseins für Ressourcenschonung in den Pilotheimen durch Weiterbildungen und Kommunikationsmaßnahmen. Mit digitalen Methoden und innovativen Ansätzen werden die Zielgruppen von der Einrichtungsleitung bis zu den Pflege- und Betreuungskräften angesprochen und beteiligt. Für einen effizienten Einsatz von Ressourcen ist besonders das Verhalten der hauswirtschaftlichen Fachkräfte wichtig. Die Förderung des Bewusstseins für Ressourcenschonung bei Einzelpersonen als Multiplikatoren hat auch eine Verbreitung innerhalb der Belegschaft und positive Effekte auf den privaten Bereich zur Folge.
• Erreichen von min. 5000 Menschen über Publikationen und Veranstaltungen. Die Zielgruppe ist dabei die Branche der stationären Altenpflege mit Trägerorganisationen und den Einrichtungen selbst. Insbesondere die Einrichtungsleitungen müssen für das Thema gewonnen werden, damit Maßnahmen begonnen werden. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist das Engagement der Mitarbeitenden entscheidend. Multiplikation und Impulse zu Ressourceneinsparungen in weiteren Einrichtungen erfolgt auch über die Trägerorganisationen der Pilotheime.
• Aufbau eines echten sozialen Netzwerks für die stationäre Altenpflege, das erstmals unkompliziert den Austausch in der Branche ermöglicht und zu einer breiten Multiplikation beiträgt.
• Bereitstellung des evaluierten und optimierten Konzepts über den Verein Wir Sind Altenpflege e.V., wodurch ein starker Impuls für die ganze Branche und eine langfristige Verbreitung erwartet wird.
• Leisten eines Beitrags zum Einhalten der planetaren Grenzen im Bereich „Klimawandel“ und Adressierung von acht der 17 Sustainable Development Goals (SDGs).

Arbeitsschritte

Die Projektbeteiligten:
• Solites - Steinbeis Innovation gGmbH (Koordination)
• IN VIA Akademie/Meinwerk-Institut gGmbH
• Wir Sind Altenpflege e.V.
• Johannes Nowak, Beratungsbüro für Sozialunternehmen

Und acht Piloteinrichtungen:
AWO Niederrhein Seniorenzentrum Karl-Jarres-Straße Duisburg
Senioren-Park carpe diem Rommerskirchen
Evangelische Altenheimat: Seniorenzentrum Am Rosengarten in Bondorf
Evangelische Heimstiftung: Luise-Wetzel-Stift Tübingen, Haus am Schlösslesbrunnen Sersheim und Seniorenzentrum Goldscheuer Kehl
Seniorendomizil Riepenblick Hameln
Pflegewohnheim St. Josef Herzebrock-Clarholz

Für das Gesamtkonzept zur Ressourcenschonung in stationären Pflegeeinrichtungen
wurden elf Komponenten während der Pilotumsetzung erarbeitet, erprobt und in Abstimmung
mit den Pilotheimen weiterentwickelt. Darunter sind Ist-Analyse, Bildungsangebote,
Online-Community zur Vernetzung, Handlungsempfehlungen, Leitfäden und ein Maßnahmenkatalog möglichen Maßnahmen. Durch regelmäßige Datenerhebung und Auswertung über den Ergebnis-Monitor wurden Indikatoren mit der Ist-Analyse verglichen.

Ein Beispiel: die Ist-Analyse ergibt einen hohen Gasverbrauch und die Erkenntnis, dass die Heizungsanlage nicht regelmäßig gewartet wurde. Als technische Maßnahme wird die Heizungsregelung überprüft, die Vorlauf-Temperatur wird reduziert und nachts abgesenkt, die Heizung wird in den Sommermonaten ausgeschaltet. Über die Eingabe der monatlichen Gaszählerstände in den Ergebnis-Monitor durch die Haustechnik kann die Reduzierung des Gasverbrauchs nachgewiesen werden. Zusätzlich werden die Beschäftigten mit Kommunikationsmaßnahmen auf das effiziente Heizen und Stoßlüften im Haus aufmerksam gemacht, wodurch der Gasverbrauch weiter reduziert werden kann.

Das Projekt wurde in vier Arbeitspaketen durchgeführt:

Konzept Ressourcenschonung:
Entwicklung und Optimierung von Gesamtkonzept, Inhalten sowie Ergebnis-Monitor in Abstimmung mit den Pilotheimen. Vernetzung mit anderen Projekten.

Bildungsangebote:
Entwicklung und Optimierung von Weiterbildungsangeboten (auch digital) in Abstimmung mit den Pilotheimen
Schwerpunkt der IN Via Akademie und des Wir Sind Altenpflege e.V.

Pilotumsetzung:
Betreuung der Umsetzung des Gesamtkonzepts in den Pilotheimen sowie Evaluation der Pilotumsetzung.
Die Betreuung der Pilotheime erfolgte durch Solites, Herrn Nowak und die IN Via Akademie.

Bundesweite Verbreitung:
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen. Wir Sind Altenpflege e.V.

Ergebnisse

Bildungsangebote

Verschiedene Bildungsangebote, wie Webinare, Seminare, Workshops und eine Weiterbildung wurden erarbeitet, den Pilotheimen angeboten und anschließend optimiert. Die Angebote beinhalten praxisnahe Informationen und Anleitungen zur Ressourcenschonung für die verschiedenen Arbeitsbereiche in Pflegeheimen.



Ergebnisse der Pilotumsetzung

Durch die umgesetzten Maßnahmen und die Sensibilisierung im Rahmen des Projekts KomBiNa konnten bereits in den Jahren 2022 und 2023 Ressourceneinsparungen erzielt werden. Die durchschnittliche Einsparung im Jahr 2024 in den Bereichen Wärme und Wasser beträgt 7 % im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2021. Im Bereich Strom konnte durchschnittlich 14 % im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2021 eingespart werden. In einer Einrichtung konnte der Lebensmittelmüll um 22 % reduziert werden, indem gezielte Analysen durchgeführt, das Bewusstsein im Team geschärft und Abläufe angepasst wurden. Eine weitere Einrichtung senkte den Einsatz von Frischhaltefolie um 45 %. Diese Beispiele verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit im hauswirtschaftlichen Bereich konkret umsetzbar ist, wenn das Thema gezielt verfolgt wird.



Gesamtergebnisse

Das Gesamtkonzept zur Ressourcenschonung besteht aus elf Komponenten, die während der Pilotumsetzung erarbeitet, erprobt und weiterentwickelt wurden. Dabei gibt es Komponenten, die weitere Pflegeeinrichtungen direkt für sich umsetzen können (Hellgrün) und Komponenten, für deren Umsetzung eine externe Betreuung empfehlenswert ist (Dunkelgrün).

Das Gesamtkonzept ist in einer Präsentation auf 65 Seiten beschrieben und steht der Pflegebranche als Handlungsleitfaden auf der Website www.KomBiNa.de zur Verfügung. Darin enthalten ist eine Erklärung, Planungstabellen eigene Aktionen, Abbildungen und Verweise zu den verfügbaren Komponenten. Die Texte sind bewusst kurz gehalten, um einen niedrigschwelligen Einstieg in das Thema zu ermöglichen. Das Dokument kann als digitales Arbeitsdokument verwendet werden und einzelne Seite z.B. mit Planungstabellen können einzeln ausgedruckt werden.



Das Gesamtkonzept und die umgesetzten Maßnahmen zeigen großes Potenzial für die Ressourcenschonung in Pflegeeinrichtungen. Unterstützung durch die Einrichtungsleitung und das Integrieren der Themen in den Heimalltag sind für das Ergebnis entscheidend, während Personal- und Zeitmangel eine große Herausforderung, insbesondere bei der Durchführung der Bildungsangebote darstellte.

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Öffentlichkeitsarbeit

Für den fachlichen und qualitativ wertvollen Austausch wurde das erste echte soziale Netzwerk speziell für die stationäre Altenpflege aufgebaut. Hier gibt es Raum für den öffentlichen Austausch zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen in der Altenpflege und geschlossene Gruppen für die Kommunikation der Projektpartner und Piloteinrichtungen. Alle Interessierten sind eingeladen, sich zu beteiligen.

Das Projekt KomBiNa wurde bereits in 14 Veröffentlichungen und 14 Vorträgen der Öffentlichkeit vorgestellt, z.B.:
Mehrere Artikel in der Zeitschrift Altenheim (08., 09., 10.2022 und 05., 06., 07., 11.2024)
Mehrere Artikel in der Zeitschrift Infodienst (09.2022 und 06.2023)
Artikel in Zeitschrift Gebäudeenergieberater (12.2024 und 10.2025)
Artikel in care konkret (02.2025)
01.03.2023, DBU Online-Salon, Management für die Ernährungswende in Großküchen
07.06.2023, bpa.hybrid.Kolloquium in Dortmund
07.09.2023, Vortrag und Interview: https://www.y-outube.com/watch?v=qEdfiGVMhC4
20.06.2024, Uni Paderborn, Seminar „Social Hospitality“
03.04.2025, Hauswirtschaftsleitungskonferenz Paderborn
08.04.2025, Vortrag auf Altenpflegemesse
05.05.2025, Webinar bei Berliner Energietage
02.-03.06.2025, Hauswirtschaftskongress Köln

KomBiNaCommunity der stationären AltenpflegeBeitrag im DBU Online-SalonInterview Steinbeis Lunchbreak

Fazit

Das Projekt KomBiNa hat gezeigt, dass Ressourcenschonung in stationären Pflegeeinrichtungen durch eine Kombination aus technischen Maßnahmen, Sensibilisierung, Bildung und orga-nisatorischer Unterstützung erfolgreich umgesetzt werden kann. Besonders wirksam waren niedrigschwellige Maßnahmen, die direkt im Alltag der Einrichtungen verankert wurden.
Die strukturierte Vorgehensweise mit Ist-Analyse, Befragung, Strategiegesprächen und Coaching hat sich bewährt. Hierbei ist es jedoch wichtig, die Reihenfolge der einzelnen Kompo-nenten flexibel an die Situation anpassen zu können. Dies ist in dem veröffentlichten Gesamtkonzept berücksichtigt.
Für eine nachhaltige Wirkung ist die Unterstützung durch die Einrichtungsleitung entscheidend. Bei einigen Komponenten ist auch eine externe Beratung empfehlenswert. Nur mit strategischer Verankerung und personellen Ressourcen können langfristige Veränderungen erzielt werden.
Die entwickelten Materialien, Leitfäden und Tools stehen der Branche weiterhin zur Verfügung, www.KomBiNa.de. Die Projektpartner bieten auch nach Projektende Begleitung und Bildungs-angebote an, um die Verbreitung und Verstetigung der Ergebnisse zu fördern.

Übersicht

Fördersumme

293.244,00 €

Förderzeitraum

01.03.2022 - 30.06.2025

Bundesland

Baden-Württemberg

Schlagwörter

Klimaschutz
Landnutzung
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umweltkommunikation
Umwelttechnik