Projekt 35755/01

Konstruktive, energetische und funktionale Ertüchtigung des Fachwerkgebäudetyps Schwarzmeerhaus in der Schwarzmeerregion mit ganzheitlicher Umweltbilanz einschließlich handwerklichem Wissenstransfer

Projektdurchführung

Georgi Georgiev M. Sc. Berater Innovation, Gebäudesanierung Berater Nachhaltige Gebäude- und Siedlungsentwicklung
Oberreit 6 b
83620 Feldkirchen-Westerham

Zielsetzung

Die Bautypologie des Schwarzmeerhauses entstand im damaligen Osmanischen Reiches entstanden, und ist heute hauptsächlich in Bulgarien und Türkiye erhalten, wobei diese ebenfalls über die gesamte Süd-West-Schwarzmeerküste zu finden war.
Es sind heute tausende solche Gebäude zu finden, vor allem relative gut erhalten in Bulgarien.
Das Alleinstellungsmerkmal des Bautypen ist die Fachwerkkonstruktion mit einer abschließenden schindelartigen Holzschalung.
Der Protoyp des Schwarzmeerhauses sind die sog. Strandzha-Häuser - in Pfosten-Riegel-bauweise ausgeführt, und in den Bergen zwischen Bulgarien und Türkiye, unweit von der Schwarzmeerküste, zu finden.
Beide Bautypen wurden hierbei gründlich untersucht, sodass eine solide Verständnisbasis zur Entwicklung des replizierbaren Kontzeptes zur nachhaltigen Ertüchtigung dieser Häuser erarbeitet werden konnte.
Die Gebäude dieser Typologie werden heutzutage von ihren Eigentümern (meist in Eigentümergemeinschaften) meist überhaupt nicht saniert, weil die jetzigen Sanierverfahren viel zu teuer in der Anschaffung und Umsetzung sind. Eben deswegen stellt sich das Gesamtkonzept, das das Projektteam vorschlägt, inkl. des Einsatzes von TYPHABOARD, als besonders attraktiv dar. Dieses kann größtenteils von nicht speziell ausgebildeten Personen realisiert werden (Do it yourself), was weitere Kosten und umfangreiche Schulungen einspart.
Ein geeignetes ganzheitliches Sanierungskonzept hat Projektteam im Rahmen des Projekts erarbeitet. Die Basis dafür bildet das durch die DBU geförderten 1. Sanierungs-Projekt in der Pfeifergasse in Nürnberg und 2. Machbarkeitsstudie TYPHABOARD für ie Sanierung von Mehrfamilienhäusern in Bulgarien. Bei 1. handelte es sich um ein Fachwerkhaus und damit eine recht ähnliche Bauweise, das sich aber aufgrund der anderen Klimabedingungen in wesentlichen Details unterscheidet.
Ziel des Projekts war die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzepts zur nachhaltigen Erhaltung und Betrieb, am Beispiel eines konkreten Gebäudes an der Schwarzmeerküste Bulgariens – des Ethnologischen Museums in Sozopol - als Vertreter der sog. Bautypologie des Schwarzmeerhauses. Dieses Konzept und die damit verbundene Strategie ist an Eigentümer/Betreiber von Schwarzmeerhäusern, sowie Planer, Unternehmer und relevante Behörden gerichtet und soll als Leitfaden dienen.
Das Konzept wurde im Rahmen eines regen Fachaustausches mit Experten aus Deutschland, Bulgarien und Türkiye erarbeitet.

Arbeitsschritte

Die Arbeitsschritte im Projekt waren wie folgt:
1. Entwicklung einer ganzheitlichen Strategie zur nachhaltigen Erhaltung des Bautypus des Schwarzmeerhauses und Entwicklung einer Vision für dieses – ein Phänomen der überregionalen Bautradition Bulgariens und der Türkei
2. Entwicklung von Konzepten zur signifikanten Reduktion des PM 2,5- und PM 10-Ausstoßes, der vor allem im Winter bei diesen Häusern sehr hoch ist. Sie werden häufig mit Holz oder Kohle beheizt, nur sehr selten sind Zentralheizungen installiert. Dies ist einerseits in der finanziellen Situation der meisten Eigentümer (-gemeinschaften) begründet, aber auch in der Unkenntnis der jeweiligen Vor- und Nachteile alternativer Beheizungstechniken
Die Umweltbelastung in städtischen Regionen in Bulgarien mit Feinstaubpartikeln wird in den letzten Jahren immer signifikanter und sollte durch das hier vorgelegte Konzept verringert werden.
Deswegen wurde ein Klimatisierungskonzept auf Basis einer Luft-Luft-Wärmepumpe entwickelt, planerisch umgesetzt, und rechnerisch abgebildet.
3. Ganzheitliche Betrachtung und überschlagsmäßige Bilanzierung des ökologischen Fußabdruckes des Schwarzmeerhauses vor und nach der Implementierung der in der Strategie vorgesehenen Maßnahmen
4. Entwicklung eines systematischen Ansatzes zur ganzheitlichen Verbesserung der Bausubstanz des Schwarzmeerhauses bei gleichzeitiger Beachtung der heutigen Ansprüche an Funktion und Wohnkomfort, sowie Einsatz nachhaltiger Technologien und Bausysteme aus nachwachsenden Rohstoffen.
5. Durchführung einer Studie über das praktische Umsetzungspotential des erarbeiteten Konzeptes, die im Rahmen von multilateralen Wissenstransferformaten mit relevanten Akteuren aus den Fachbereichen Energieeffizienz, Denkmalschutz, Umweltschutz, Handwerk und Wirtschaft aus Bulgarien, der benachbarten Türkiye, in der viele Schwarzmeerhäuser vorkommen, und Deutschland erarbeitet, diskutiert und vertieft wird.
6. Wissenstransfer-Aktivitäten im Rahmen des regen Expertenaustausches mit breitem Fachpublikum aus Bulgarien, Türkiye und Deutschland mit dem Ziel der Vorbereitung des ganzheitlichen strategischen Konzeptes zur Erhaltung der Schwarzmeerhäuser. Wichtig war dabei die Sensibilisierung der Planer, Handwerker, Baustoffhersteller – für die TYPHABOARD Produktion und Verwendung in der Denkmalpflege, sowie der Landwirte zwecks der Ernte von Typha, sowie von KMUs für die mögliche dezentrale Typhaboard-Produktion.
7. Ideenkatalog Expertenkammer Holzhaus & Denkmalpflege

Ergebnisse

Die gesetzten Projektziele wurden erfolgreich erreicht:
1. Die Studie zur Bautypologie erreichte eine beachtliche Tiefe, besonders nachdem Studienreisen im Projektgebiet in Bulgarien, sowie in Tükiye duch das Projektteam unternommen wurden.
Es wurde Kontakt zur Architekturfakultät einer Technischen Universität in Türkiye aufgenommen, und es erfolgte eine Reihe relevanter Fachgespräche zum Thema und der Sichtweise der KollegInnen mit der Dekanin diesr Fakultät.
Dabei wurden auch Strukturprobleme klar, die mit der aktuellen Siedlungsentwicklung verbunden sind, und zur Vernachlässigung der traditionellen dörflichen Morphologie führen.
2. Das Konzept zur nachhaltigen Bestandsoptimierung des konkreten Referenzobjektes in Nessebar (BG) wurde erfolgreich erarbeitet, und es wurden zwei Szenarien dazu entwickelt. Bei Beiden wurde die Nachhaltigkeit in Vordergrund gesetzt, und deswegen das Typhaboard als Hauptsystem zur konstruktiven und hygrothermischen Sanierung eingesetzt.
3. Das Sanierungskonzept wurde bauphysikalisch untersucht und rechnerisch als hocheffizient nachgewiesen, besonders bei deer Beachtung bestimmter Vorgaben bei der Sanierung.
4. Das replizierbare systemische Bestandsoptimierungskonzept in seinen 2 Varianten dient als Leitfaden - Planern, Handwerkern, und relevanten Entscheidungsträgern. Es behandelt sowohl die konstruktiven und energetischen Fragestellungen, als auch die Komfort- und Nutzungsanforderungen der heutigen Zeit, und liefert intelligente Lösungen dafür.
5. Ein wichtiges Projektergebnis sind die Überlegungen zwecks der Vorbereitung zur Errichtung einer Kammerorganisation für die Holzhaus-Erhaltung: sowohl für alle relevantern Planer, als auch für die Handwerker, sodass ein Qualitätsmanagementsystem dazu entwickelt werden kann. Es würde sowohl für die Aus- und Weiterbildung, als auch für die Erlaubnis im Bereich tätig zu sein, von primärer Bedeutung sein.
6. Während der Abschlussveranstaltung aind alle zum Aufschluss gekommen, dass eine exemplarische Umsetzung des Konzeptes am Beispiel eines der sog. Strandzha-Häsuer erfolgen sollte. Das Gebäude wird seitens eines öffentlichen Betreibers zur Verfügung gestellt, und wird als Veranstaltungszentrum, z.B. für die Aus- und Weiterbildungsformate im Sinne eines Fachwerrkzentrums genutzt werden.
Das Projektteam hat die meisten anfangs gesetzten Ziele erreicht, und weitere Herausforderungen identifiziert, die im Rahmen eines Nachfolgeprojektes zu behandeln wären.

Öffentlichkeitsarbeit

Das Vorhaben und seine Fortschritte wurden über die gesamte Projektlaufzeit intensiv in der Öffentlichkeit kommuniziert.
Bereits der offizielle Projektstart wurde in Nessebar, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt, wurde seitens der Schriftmedien in Bulgarien stark reflektuert.
Im Frühling 2021 hat das führende bulgarische Wirtschaftsmagazin CAPITAL einen ausführlichen Artikel über das projekt, die Potentiale des typhakonzeptes für das nachhaltige Bauen, sowie die Zukunft der historischen Gebäude in Bulgarien veröffentlicht.
Durch die Erscheinung der DBU-Pressemitteilung 8.1.2021, Nr. 2/2021, sowie den Beitrag in der DBU-Newsletter Aktuell Nr. 7/2021, wurde das Projekt seitens der DBU und des Projektteams mit gemeinsamen Kräften der breiten Öffentlichkeit präsentiert.
In 2022 wurde das Projekt im Rahmen der Fachtagung DENKMAL in Leipzig, in Form eines Vortrags seitens Dr. G. Georgiev vorgestellt.
Momentan wird eine Fachpublikation in Form eines Buches überlegt, dessen Erscheinung bei einem rennomierten Fachverlag in Deutschland vorgesehen wird.

Vortrag DENKMAL 2022, Leipzig.Publikation CAPITAL Magazin, BulgarienDBU Pressemitteilung

Fazit

Das Vorhaben "Strategisches Konzept zur nachhaltigen Erhaltung der bestehenden historischen Bausubstanz des SCHWARZMEERHAUSES durch Einsatz ressourcenschonender Technologien am Beispiel eines Referenzobjekts in Sozopol – Bulgarien " befasste sich mit:
A. der Schaffung einer soliden Verständnisbasis über die Bautypologie des Schwarzmeerhause, sowie ihre Transformation, Entwicklung und Erhaltung, sowie
B. der Entwicklung eines nachhaltigen replizierbaren Sanierungskonzeptes für das Schwarzmeerhaus, am Beispiel des Referenzprojektes in Nessebar, Bulgarien, inkl. Konstruktion, Bauphysik, Bautechnik etc., unter der Anwendung des Typhaboard-Systems las universelle und sehr geeignete Lösung, und
C. der Entwicklung eiens Ideenkatalogs über die Systematisierung der interdisziplinären Expertenaus- und -weiterbildung im Bereicgh der Baudenkmalpglege, insb. im Bereich der Fachwerkerhaltung in Bulgarien, aber auch
D. dem Wissenstransfer im Rahmen meherer Fachdiskussionen in der projektregion - Bulgarien und Türkiye
E. den Überlegungen zur Umsetzung des Konzeptes am Beispiel eines Strandzha-Hauses, das zu einem Zentrum für Wissenstransfer im Bereich der nachhaltigen Bestandsoptimierung von historischen Gebäuden umgenutz werden soll;
F. die Erstellung einer Strategie zur nachhaltigen Ertüchtigung der Schwarzmeerhäuser, wovon es tausende prachtvolle Exemplare in Bulgarien und Türkiye zu finden gibt, als Bestandteil eines künftigen Fahrplans zur nachhaltigen Holzhauserhaltung in Europa.

Übersicht

Fördersumme

118.328,00 €

Förderzeitraum

31.08.2020 - 31.05.2023

Bundesland

Bayern

Schlagwörter

Klimaschutz
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umwelttechnik