Projekt 35600/36

ESD for 2030: Dilemmas between Energy and Biodiversity: Adressing, Transforming, Engaging! DEB:ATE!

ProjektdurchfĂŒhrung

EuropÀische Akademie Berlin e. V.
Bismarckallee 46/48
14193 Berlin
Telefon: +49 30 89595145

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Obwohl Erneuerbare Energien (EE) fĂŒr die Energiewende unverzichtbar sind, wurden im Jahr 2020 in Deutschland auffĂ€llig wenig neue EE-Anlagen errichtet. Grund dafĂŒr ist ein Nachhaltigkeitsdilemma zwi-schen Artenvielfalt und Klimaschutz, das bei BĂŒrger*innen oft heftigen Widerstand gegen den Bau von Windkraftanlagen hervorruft. Das Ziel des Projektes DEB:ATE! besteht darin, gemeinsam mit BĂŒrger*innen und Expert*innen in Sachsen und Nordböhmen nach Auswegen aus diesem Dilemma zu suchen, das im Erzgebirge seit Jahren besonders greifbar ist. Da sich die politischen Rahmenbedingungen fĂŒr eine Ener-giewende sowohl in Sachsen als auch in Tschechien bestĂ€ndig im Wandel befinden, bietet sich hier ein neues Gelegenheitsfenster zur Kompromissfindung zwischen Natur- und Klimaschutz


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenProjektauftakt bildete ein halbtĂ€tiger Digitaler Runder Tisch, mit dem Ziel, das Dilemma zwischen Erneu-erbaren Energien und Naturschutz grenzĂŒberschreitend zu erfassen. Bei dieser Zusammenkunft wurde sowohl das Bewusstsein fĂŒr die Thematik bei den Teilnehmenden geweckt als auch die Wichtigkeit der Erneuerbaren Energien fĂŒr Klimaschutz und den Erhalt der Artenvielfalt erörtert.

Im Anschluss an den Digitalen Runden Tisch fand eine Reihe von halbtĂ€gigen öffentlichen vor-Ort-Debatten statt, die in einer Kombination aus Informations- und Beteiligungsformaten organisiert wurden. Im Zuge der Debatten hatten BĂŒrger*innen die Gelegenheit, sich mit Expert*innen aus Tschechien und Deutschland ĂŒber die vor Ort konkret umstrittenen Fragen auszutauschen und zu informieren. Eine dieser Veranstaltungen konnte mit SchĂŒler*innen einer tschechischen Gesamtschule organisiert werden.

Aufgrund der Entwicklung der pandemischen Lage im Herbst 2021 konnte das Vorhaben, einen Study Trip, um sich gemeinsam ein Bild von Best Practice Beispielen zu machen, zu unternehmen, nicht realisiert werden.

Um die wĂ€hrend der vor-Ort gewonnenen Erkenntnisse dennoch einer breiteren Öffentlichkeit zugĂ€nglich zu machen und die gelungenen Projekten im EE Bereich auf beiden Seiten der Grenze als Inspiration zu nutzen, wurden Interviews mit Akteur*innen gefĂŒhrt, die in einen 30-minĂŒtigen Videocast eingebettet wur-den. (https://youtu.be/7Y3pFAXDTk0)

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe lud die EAB erneut zu einer öffentlichen halbtÀgigen Abschluss-Konferenz, um die wÀhrend verschiedenen Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen gewonnenen Er-kenntnisse zu reflektieren und in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen.

Um nicht nur ein Fachpublikum, sondern vor allem Teilnehmer*innen aus unterschiedlichsten Bereichen und zu adressieren, wurde fĂŒr alle Veranstaltungen eine deutsch-tschechische Simultanverdolmetschung bereitgestellt.



Ergebnisse und Diskussion

Besonders hervorzuheben sind folgende Ergebnisse: Insgesamt nahmen 132 Personen an den Projektak-tivitĂ€ten (drei BĂŒrgerdialoge, Auftakt- und Abschlussveranstaltung) teil, diskutierten gemeinsam mit den deutschen und tschechischen Expert:innen, sowie untereinander. Aus den Debatten gingen einige Erkennt-nisse in Bezug auf das Nachhaltigkeitsdilemma hervor:

Erstens, bereits in der Kick-Off Veranstaltung wurde durch die BeitrÀge der Experten und in der Diskussion der Facettenreichtum des angesprochenen Nachhaltigkeitsdilemmas sichtbar. Zentral war dabei, dass sich das Dilemma nicht auf den Konflikt zwischen Klimaschutz vs. Naturschutz reduzieren lÀsst. Das tat-sÀchliche Dilemma bezieht sich somit auf Zielkonflikte zwischen Klimaschutz und vielen anderen Interes-sen. Zugleich wurde die Verzahnung und AbhÀngigkeit der beiden Ziele Klimaschutz und Naturschutz sichtbar. Daraus leitete sich ab, dass es im Falle von Nachhaltigkeitsdilemmata um eine Balance zwischen KomplexitÀt und Facettenreichtum sowie KomplexitÀtsreduktion und ZugÀnglichkeit geht.

Zweitens, ein wiederkehrendes und zentrales Ergebnis der Vor-Ort Debatten war die Notwendigkeit der Beteiligung betroffener BĂŒrger:innen und Stakeholder:innen bei der Planung und Umsetzung von Anlagen Erneuerbarer Energien. Dabei geht es sowohl um eine Mitsprache und Informationsteilhabe im Planungs-prozess, offene Austausche und Diskussionsrunden (wie die durchgefĂŒhrten Debatten), als auch um eine Beteiligung bei der Umsetzung durch finanzielle Vorteile (vergĂŒnstigter Strom, Gewinne, Investition) oder in Form von Energie-Genossenschaften.

Drittens, die BĂŒrgerdebatten vor Ort zeigten insbesondere ein enormes Informationsdefizit der Betroffe-nen und Interessierten. Zwar waren eine grundlegende Informationen bekannt, diese waren jedoch hĂ€ufig oberflĂ€chlich und/oder undifferenziert. Durch den Einbezug von Experten in die Debatten konnte zu Beginn zunĂ€chst eine gemeinsame Wissensbasis geschaffen werden, um damit auch eine Grundlage fĂŒr die Dis-kussion zu schaffen.

Viertens, im Abschluss der BĂŒrgerdebatten und auch in Auftakt- und Abschlussveranstaltung Ă€ußerten die Beteiligten widerholt eine WertschĂ€tzung fĂŒr den regionalen, grenzĂŒbergreifenden Austausch, der bis-her nicht stattgefunden hatte. Der Ansatz entlang gemeinsamer Grenzen auch gemeinsame Lösungen zu finden, löste bei den Beteiligten eine positive Resonanz aus.



Öffentlichkeitsarbeit und PrĂ€sentation

Die EAB hat die ProjektaktivitÀten umfassend auf ihren sozialen Medien und in den wöchentlichen Newslet-tern begleitet.
FĂŒr die vor-Ort Begegnungen mit BĂŒrger*innen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet wurden Anzeigen in den lokalen Medien geschaltet. DarĂŒber hinaus wurden die KanĂ€le der Austragungs- und Veranstaltungs-partner vor Ort (Kulturzentrum, Stadtverwaltung) genutzt, um auf die Veranstaltung hinzuweisen und lokal Veranstaltungshinweise in öffentlichen GebĂ€uden ausgelegt.


Fazit

Im Projekt DEB:ATE! gelang es einen neuen Zugang zur Diskussion um das Nachhaltigkeitsdilemma zwi-schen Klimaschutz und Naturschutz zu ermöglichen und damit einen Beitrag zu einem notwendigen Aus-tausch in einer stark betroffenen Region zu leisten. Trotz der EinschrĂ€nkungen durch die Covid-19-Pandemie konnten PrĂ€senzformate erfolgreich durchgefĂŒhrt werden, die einige Erkenntnisse und hilfreiche Erfahrungen hervorbrachten. Die gesteckten Projektziele konnten mehrheitlich erreicht werden. Bei einer erneuten DurchfĂŒhrung wĂ€ren dennoch Anpassungen in Bezug auf die Zusammensetzung der Teilnehmen-den sinnvoll, um eine breite, lösungsorientierte Debatte zu ermöglichen. ZusĂ€tzlich wĂ€re eine Kombination mit vorgelagerten Informationsformaten sinnvoll, um eine Basis fĂŒr einen differenzierten Austausch zu schaffen und dadurch auch noch konkretere Ergebnisse zu erreichen. Ziel sollte es dann sein, die ergeb-nisoffenen Formate zugĂ€nglich zu gestalten und durch eine flankierende öffentliche Kommunikation die relevanten Themen niedrigschwellig zu vermitteln.

Übersicht

Fördersumme

27.900,00 €

Förderzeitraum

01.12.2020 - 31.03.2022

Bundesland

GrenzĂŒberschreitend

Schlagwörter

GrenzĂŒberschreitend
Klimaschutz
Landnutzung
Naturschutz
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umwelttechnik