Agrario Energy GmbH
Gerichtsstr. 2
65185 Wiesbaden
Ausgangssituation: Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein. Dafür müssen bis dahin rund 2 % der Landesfläche für Wind- und Solarenergie bereitgestellt werden, überwiegend auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Die Identifikation und Sicherung geeigneter Grundstücke ist jedoch ein zentraler Engpass des Ausbaus: Flächen werden bislang durch aufwendige Kaltakquise der Projektentwickler gesichert, während der Branche zugleich Fachkräfte fehlen.
Defizite und Hemmnisse: Eigentümer:innen und Landwirt:innen können die Eignung ihrer Flächen für Erneuerbare Energien kaum selbst bewerten, da ihnen planungsrechtliche, technische und topografische Fachdaten sowie Auswertungswerkzeuge fehlen. Sie bleiben passiv, verhandeln aus einer Position der Informationsasymmetrie und erzielen oft keine fairen Konditionen. Bestehende Prüfangebote waren auf einzelne Technologien beschränkt, nicht interessenneutral oder setzten Fachwissen voraus. Eine unabhängige, technologieübergreifende Plattform zur Eignungsprüfung und Vermittlung gab es in Deutschland nicht.
Zielsetzung: Ziel des Vorhabens war die Entwicklung einer IT-Plattform, die land- und forstwirtschaftliche Grundstücke bundesweit und flurstücksgenau auf Basis von Geodaten weitgehend automatisiert auf ihre Eignung für Windenergie, Freiflächen-Photovoltaik sowie Batterie- und Wasserstoffspeicher prüft. Eigentümer:innen sollen ihr Flächenpotenzial kostenfrei erkennen und aktive Mitgestalter:innen der Energiewende werden. Geeignete Flächen werden anschließend über ein transparentes Gebotsverfahren an ein Netzwerk geprüfter Projektentwickler vermittelt, was die Akquise beschleunigt und Ressourcen in der Planung spart.
Umweltrelevanz: Im Mittelpunkt steht die Beschleunigung des Ausbaus Erneuerbarer Energien und damit die Vermeidung von CO2-Emissionen aus fossiler Stromerzeugung. Wird monatlich je ein zusätzliches 5-MW-Wind- und PV-Projekt realisiert, ergeben sich nach zehn Jahren kumuliert rund 13.200 GWh Grünstrom und über 9,7 Mio. t vermiedenes CO2. Zugleich werden Schutzgebiete, Siedlungsabstände und Bodengüte bereits bei der Flächenauswahl berücksichtigt, um Konflikte zwischen Energiewende, Naturschutz und Landwirtschaft frühzeitig zu vermeiden. Zusätzliche Pachterlöse stärken zudem landwirtschaftliche Betriebe im Strukturwandel.
Das Vorhaben lief vom 24.06.2024 bis 24.09.2026 (kostenneutral um drei Monate verlängert) in vier aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten: 1) Aufbau einer Geodatenbank mit Flurstücken als Bezugseinheit, zunächst für das Bundesland NRW, ab 2025 für alle Flächenbundesländer; 2) Entwicklung eines Algorithmus, der Flurstücke über Ausschluss-, Restriktions- und Gunstkriterien (u. a. Schutzgebiete, Abstände, Netzanschluss, Wind, Einstrahlung) je Technologie bewertet; 3) iterative Plattformentwicklung vom Minimum Viable Product - MVP (1. Hj. 2025) bis zum Go-live für Eigentümer (08/2025) und Energieunternehmen (10/2025); 4) Markteinführung mit Pilotprogramm, Exklusivmandaten und Gebotsverfahren.
Arbeitsteilung: Chris Weber verantwortete Technik und Daten, Alexander von Breitenbach Netzwerk, Vertrieb und Partnerschaften.
Neu gegenüber dem Stand der Technik ist die unabhängige, technologieübergreifende und bundesweite Eignungsprüfung, die die Flächenakquise und damit den Ausbau Erneuerbarer Energien beschleunigt.
Die technischen Ziele wurden im Zeit- und Kostenrahmen erreicht; die Laufzeit wurde wegen Elternzeit kostenneutral um drei Monate verlängert. Die Eignungsprüfung deckt alle Flächenbundesländer ab (> 600 Datenpunkte je Flurstück) für Wind, PV und Batteriespeicher, ergänzt um Kompensationsflächen. Wasserstoffspeicher wurden mangels Marktnachfrage zurückgestellt. Bis 08/2026: > 3.000 ha exklusiv mandatiert, > 60 registrierte Unternehmen, erste Vermittlung eines 100-MW-Batteriespeichers (07/2026). Der Break-even wurde noch nicht erreicht; das Erlösmodell wurde zu Zugangsgebühr plus Erfolgshonorar weiterentwickelt.
Umweltentlastung: Sie wirkt zeitversetzt ab Inbetriebnahme der Anlagen. Würden 10 % der mandatierten Fläche als PV realisiert, entspräche dies ca. 300 GWh Strom bzw. rund 207.000 t vermiedenem CO2 pro Jahr. Die Berücksichtigung von Schutzgebieten und Bodengüte unterstützt eine naturverträgliche Flächenwahl.
Die zentrale Maßnahme zur Verbreitung der Ergebnisse ist die frei zugängliche Website mit der kostenlosen Plattform von Agrario Energy. Eigentümer:innen und Landwirt:innen können dort ohne Vorkenntnisse das Potenzial ihrer Flächen für Wind, PV, Speicher und ökologische Aufwertung prüfen. Die Ergebnisse stehen damit dauerhaft und unentgeltlich allen Flächeneigentümer:innen zur Verfügung, insbesondere kleinen und mittleren Betrieben. KMU-Projektentwickler und Energiegenossenschaften erhalten Zugang zu geprüften Flächen ohne aufwendige Akquise.
Fachbeiträge in der Agrarpresse:
- top agrar, 07.08.2025: „Vergleichsportal für Landwirte: Start-up Agrario Energy prüft Eignung von Flächen für Neue Energien“
- agrarheute, 23.09.2025: „Wind- und Solarparks auf dem Acker: So viel ist Ihr Land wert"
- Bauernzeitung, 31.08.2026: „Was ist meine Fläche wert? Plattform vergleicht Angebote für Landwirte“
Zudem Pitches in Accelerator-Programmen (u. a. Genesis, Growth Alliance, Seedhouse, ESA BIC Hessen), LinkedIn sowie Kooperationen mit Multiplikatoren wie dem Maschinenring.
Mit Land2Energy(Agrario Energy) ist es gelungen, eine bundesweite, flurstücksgenaue und technologieübergreifende Eignungsprüfung für Erneuerbare Energien zu entwickeln und als kostenlose Plattform in den Markt zu bringen. Über 3.000 ha exklusiv mandatierte Fläche, mehr als 60 registrierte Unternehmen und die erste abgeschlossene Vermittlung zeigen, dass beide Zielgruppen das Angebot annehmen.
Die Vorgehensweise hat sich bewährt: Die iterative Entwicklung vom MVP zur Plattform in enger Abstimmung mit Landwirt:innen und Projektentwicklern ermöglichte einen frühen Markteintritt. Die Kombination aus automatisierter Geodatenanalyse und persönlicher Begleitung der Eigentümer:innen erwies sich als entscheidend, da Vertrauen in der Landwirtschaft der wichtigste Erfolgsfaktor ist.
Kritisch ist, dass die wirtschaftlichen Ziele innerhalb der Laufzeit noch nicht erreicht wurden, da Vermittlungen erst Jahre später in realisierte Anlagen münden und die erfolgsbasierten Provisionen erst dann anfallen.
Künftig sollen die Flächenbasis über Partnerschaften mit landwirtschaftlichen Organisationen skaliert und vermittelte Projekte bis zur Inbetriebnahme begleitet werden.