Projekt 19151/01

Sichtweisenintegrierende Kommunikation und Information von multifunktionalen Umweltleistungen naturnaher Landnutzung, untersucht an ausgewählten Zielsetzungs-, Vereinbarungs- und Planungsszenarien in kommunalen Forstbetrieben

Projektdurchführung

Deutsches Forschungszentrum für künstlicheIntelligenz GmbH (DFKI)Abt. Deduktion und Multiagentensysteme
Stuhlsatzenhausweg 3
66123 Saarbrücken

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Anlass sind die negativen Entwicklungen am Holzmarkt, Entstehung neuer Großanlagen bei der Holzverwertung, erhöhte Technisierung in Holzernte und Logistik, und infolge gravierende Rationalisierungen und Privatisierungsbestrebungen im Bereich der öffentlichen Forstbetriebe. Um öffentliche Wälder vor dem direkten Zugriff der Industrie zu schützen und ihr multifunktionales Leistungsspektrum zu stärken, wird ein öffentlicher Wald- und Landschaftsnutzungsdiskurs mittels Internettechniken vorgeschlagen. Zielsetzung des Projektes war es, das am Beispiel der Selbstdarstellung eines kommunalen Forstbetriebes zu untersuchen, dafür ein Paket geeigneter Softwaretools prototypenhaft zu testen und eine konzeptionelle Untersuchung der kommunikativen Problemstellung vorzunehmen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Eingangsdaten für die Selbstdarstellung im Internet entstammen vor allem zwei Quellen: den vorhan-denen Forsteinrichtungsunterlagen des blieskasteler Forstbetriebs (Forsteinrichtung, Waldbiotopkartierung, Karten, Orthophotos etc.) und eigene digitale Bilder und Texte zu Objekten, Szenarien und Einzelthemen im blieskasteler Wald. Es wurden öffentlich tätige Förster der Region zu Einzelthemen des Projektes befragt, insb. zu ihrer Einschätzung der aktuellen Entwicklung in den Betrieben. Die Softwarefamilie ZOPE / CMS/ PLONE wurde protytypenhaft eingesetzt (für Präsentation und Organisation der Objekt- und Themeninhalt des WEB-Auftritts), sowie MapServer (für interaktive Kartographie, Luftbilder etc.). Umfangreiche Betrachtungen der kommunikativen (= gesellschaftlichen) Problemstellung wurden vorgenommen. Dazu wurde der systemtheoretische Ansatz von LUHMANN angewendet. Ein konzeptioneller Vorschlag zur Kommunikation mittels Internet wurde entworfen.


Ergebnisse und Diskussion

Die Sorge um die öffentlichen Forstbetriebe scheint begründet. Nicht nur Forstbetriebe und ihr Wald sind betroffen, sondern auch die offene Landschaft, aus der sich in den Mittelgebirgen die Landwirtschaft zurückzieht. Lösungen für die zukünftige Landnutzung müssen gefunden werden. Ein kommunikativer Weg, bei dem gezielt das Internet eingesetzt wird, scheint hier angemessen zu sein.
Die aktuellen kommunalen Möglichkeiten zu Internetplattformen sind relativ ernüchternd: die kommunale Internetnutzung ist im Bereich kleiner und mittelgroßer Gemeinden aus personellen und finanziellen Gründe unterentwickelt. Internetforen zu Wald und Landschaft stehen z.Zt. nicht in der Prioritätenliste. Die Selbstpräsentation des Forstbetriebs im Internet hätte ein Chance, wenn sie als Teil der periodischen Forsteinrichtungen und anderer Wald- und Landschaftsplanungen mitbearbeitet werden würde.
Aus dem Opensource-Bereich stehen sehr leistungsfähige kostenlose Softwaretools zur Verfügung. ZO-PE und die darauf aufsetzenden Systeme ContentManagementSystem (CMS) und PLONE (zur Gestaltung von Standard-Internetplattformen) sind ausgereift, inzwischen gut dokumentiert und zuverlässig be-nutzbar - auch für andere kommunale IT-Anwendungen. Für die Internetkartographie eignet sich das Opensource-verfügbare MapServer. Es kann inzwischen direkt in ZOPE, respektive CMS und PLONE, integriert werden. Kommunale WEB-Auftritte sind trotzdem weiterhin kostspielige Unternehmungen, weil sie professioneller IT-Begleitung und laufender inhaltlicher Pflege bedürfen.
Der systemtheoretische Ansatz von LUHMANN über die gesellschaftliche Ausdifferenzierung autopoietischer funktionaler Kommunikationssysteme eignet sich zur Erklärung von einzelfunktionaler und multifunktionaler Kommunikation über Wald- und Landnutzung. Auf dem Hintergrund der aktuellen Veränderungen findet quasi zwangsläufig eine permanente Verstärkung der forstlichenbetrieblichen Kommunikation um die Rohstofffunktion des Waldes statt. Dadurch werden die anderen Waldfunktionen zurückgedrängt. Das Projekt beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Rolle der ökologischen Waldfunktion im Walddiskurs. Hierzu werden am Beispiel von todholzbewohnenden Arten die ökologischen Geltungsansprüche an den Wald gesondert ausgearbeitet. Da die funktionalen Kommunikationssysteme nicht unter-einander gekoppelt sind, scheint eine multifunktionale Kommunikation nur möglich, wenn Multifunktionali-tät neben die drei Waldhauptfunktionen als vierte eigenständige Funktion gesetzt wird. In der Multifunktions-Kommunikation sollte als primäre Zielsetzung der naturnahe Wald selbst (aus der Ökologiefunktion abgeleitet) integriert werden, und nicht nur ein naturnaher Waldbau (der, aus der Rohstofffunktion abgeleitet, ja lediglich zum funktionalen Gesellschafts-Teilssystem Wirtschaft gehört).
Abschließend wird aus dem luhmannschen Konzept der Kommunikationssysteme ein Vorgehensvor-schlag für den regionalen einzel- und multifunktionalen Landschafts- und Waldnutzungsdiskurs abgeleitet. Dabei sollte eine Moderation stattfinden, die die Einzelthemen der verschiedenen Funktionen für brei-te Gruppen kommunikativ attraktiv verarbeitet. Das Projekt schlägt ein Geschäftsmodell in Anlehnung an die Massenmedien vor.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Kommunen kleiner und mittlerer Größenordnung haben erhebliche Schwierigkeiten mit komplexen und längerfristigen Internetanwendungen. Es wurde versucht, mit den IT-Verantwortlichen der Kommunen zusammenzuarbeiten. Dazu fanden verschiedene Gespräche mit einzelnen Kommunalvertretern und mehrfach Präsentationen der angesprochen Softwareinstrumente mit kommunalen Anwendungen statt. In einem bundesweiten Verbundprojekt zur Waldforschung wurde anlässlich von Workshops (Göttingen, Eberswalde) ein Konzept zur Internetkommunikation in Forschungsverbunden mit Hilfe der im Projekt eingesetzten Internettechniken vorgeschlagen, sowie erste Versuche mit Internetkommunikation zwischen den über die Bundesrepublik verteilten Gruppen durchgeführt.
Ein waldspezifischer Anwendungsversuch des Kommunikationskonzeptes fand auf einem WebPortal http://landford.landford.de statt. Das Projektkonzept und eine erste Internetanwendung wurden auf der CBIT 2003 präsentiert.
Mit einer regionalen Arbeitsgruppe zur Ausweisung einer Biosphärenregion Bliesgau (Saarland) wird z.Zt. ein weiterer Internet-Anwendungsversuch vorbereitet.


Fazit

Die IT-Voraussetzungen für eine internetbasierte einzel- und multifunktionale Wald- und Landnutzungskommunikation sind durchaus gegeben. Erhebliche Mängel bestehen aber weiterhin auf institutioneller Ebene (wenige kommunale Internetanwendung, geringe einzelthematische Erfahrungen) Theoretische sozialwissenschaftliche Ansätze (systemtheoretisches Gesellschaftsmodell von LUHMANN) können helfen, das Problem der multifunktionalen Kommunikation besser zu verstehen und für die internetbasierte Kommunikation zu formalisieren. Es besteht weiter Bedarf nach konkreten Realisierungsbeispielen, Erfahrungen mit dem Betrieb kommunikativer Internetanwendungen u. ä. Integrative Moderation und Orien-tierung an Geschäftsmodellen von Massenmedien können hier ggf. einen Ausweg finden helfen.

Übersicht

Fördersumme

114.763,00 €

Förderzeitraum

01.05.2002 - 31.12.2005

Bundesland

Saarland

Schlagwörter

Landnutzung
Naturschutz
Umweltkommunikation