Projekt 17400/10

Demonstration umweltgerechter Ver- und Entsorgungssysteme für ausgewählte Berg- und Schutzhütten am Beispiel der Brunnenkopf-Häuser auf 1.602 m ü. NN in den Ammergauer Alpen/Deutschland

Projektdurchführung

Deutscher Alpenverein (DAV) e. V. Sektion Bergland
Kyreinstr. 6
81371 München

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Brunnenkopfhäuser liegen im bayerischen Naturschutzgebiet Ammergebirge. Sie werden seit 1920 von der Sektion Bergland des Deutschen Alpenvereins betreut und bewirtschaftet. Die DAV-Unterkunftshütte (Kategorie I) ist während der Saisonmonate (Mai-Oktober) aufgrund ihrer attraktiven Lage (Naherholungsgebiet, Fernwanderwege) extrem stark frequentiert. Um bei dem stetig wachsenden Besucheraufkommen einen umweltgerechten Hüttenbetrieb aufrecht erhalten zu können und gleichzeitig den behördlich geforderten Auflagen gerecht zu werden, wurden umfangreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen im Bereich der Abwasserentsorgung sowie der Energie- und Wasserversorgung notwendig.
Ziel des Projektes war es, unter den schwierigen gegebenen Voraussetzungen (Lage im Naturschutzgebiet, hohe Besucherzahlen, kein Strom, extrem wenig Wasser) eine ganzheitliche Ver- und Entsorgungslösung für den sensiblen Hüttenstandort zu finden und umweltgerecht umzusetzen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen der Sanierung der sanitären Anlagen wurde das ehemalige Plumpsklo durch eine neue Toilettenanlage, bestehend aus drei Komposttoiletten und einem Urinal, ersetzt. Die anfallenden Abwässer (Sickerwasser der Komposttoiletten, Urin, Abwässer aus der Küche und den Waschgelegenheiten) werden in einer neu errichteten biologischen Kläranlage abgereinigt. Die Abwasserbehandlungsanlage besteht aus Sammel- und Beschickungsschächten, zwei seriell beschickten und vertikal durchströmten Bodenfiltersystemen (Pflanzenbeete) mit Rezirkulationseinheit und einem Ablauf- und Kontrollschacht. Die Pflanzenbeete wurden einige Höhenmeter unterhalb der Hütte in einem Südwest exponierten Hanggelände terrassenförmig angelegt und durch ingenieurbiologische Maßnahmen gesichert. Die Energieversorgung der Hütte erfolgt durch eine Photovoltaikanlage. Die alte bestehende Anlage wurde, um den Erfordernissen einer zeitgemäßen Hüttenbewirtschaftung gerecht zu werden, modernisiert und erweitert. Das bestehende alte Dieselaggregat ersetzte man durch einen umweltfreundlichen, mit pflanzenölbetriebenen Stromerzeuger der Firma KW-Energietechnik, der zur Abdeckung etwaiger Verbrauchsspitzen bzw. als Backup-System eingesetzt wird.
Im Bereich der Wasserversorgung wurde das Verteilungssystem innerhalb der Hütte angepasst und erneuert, die Trink- und Brauchwasserreserve um 1.000 l erweitert und die Wasserbehandlungsanlagen (Filteranlagen, UV-Desinfektionsanlage) auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.
I


Ergebnisse und Diskussion

Die geplanten Baumaßnahmen wurden größtenteils in den Sommermonaten der Jahre 2005/2006 umgesetzt; Restarbeiten folgten in den Jahren 2007/2008. Erste Erfahrungen mit den neu installierten Komposttoiletten und der nachgeschalteten neu errichteten biologischen Kläranlage (Pflanzenbeete) konnten ab Sommer 2006 gesammelt werden.
Es zeigte sich, dass die Komposttoiletten von Beginn an sehr gut funktionierten und eine wesentliche Verbesserung zum ursprünglichen Zustand darstellen. Durch eine ständige (Zwangs-)Entlüftung der Kompostbehälter wird die Geruchsbelästigung in den Toiletten auf ein Minimum reduziert. Optional ist eine zusätzliche aktive Entlüftung über integrierte Ventilatoren möglich. Voraussetzung für einen weitgehend geruchsfreien Betrieb des Systems ist die regelmäßige, bei starker Frequentierung der Anlage auch tägliche Pflege des Inhaltes der Kompostbehälter (Aufgabe von Strukturmittel, Durchmengung, Umschichtung etc.) um optimale Kompostierbedingungen zu schaffen.
Die Abreinigung der Abwässer aus Toiletten- und Küchenbetrieb erfolgt über zwei nachgeschaltete Pflanzenbeete (Bodenfilter), deren einwandfreie Funktion durch eine regelmäßige Beprobung an mehreren Kontrollschächten überwacht wird. Da sich in den ersten Monaten nach Inbetriebnahme zeigte, dass es durch die Küchenabwässer zu nicht unerheblichen Fettablagerungen in den Einlaufschächten kam, wurde im Zulauf der Anlage ein Fettabscheider nachgerüstet, um einen störenden Fetteintrag in den ersten, grobkörnigen Bodenfilter zu verhindern. Der zweite, mit feinkörnigerem Material verfüllte Bodenfilter neigte anfänglich zur oberflächlichen Pfützenbildung, was durch eine Freilegung der Drainageleitung und erneutem Einbau mit homogenisiertem Filtermaterial (Blähtonkugeln/Dolomit-Gesteinsbruch) relativ leicht behoben werden konnte. Obwohl die Abwässer z. T. sehr hohe CSB-Belastungen im Einlauf aufweisen, erreicht die Kläranlage eine ausgezeichnete Reinigungsleistung mit sehr guten Ablaufwerten. Abgesehen von einer regelmäßigen Sichtkontrolle und turnusmäßigen Probenahme bedarf die Anlage keines größeren Pflegeaufwandes.
Die Erweiterung und Modernisierung der Photovoltaikanlage (neue Kollektoren, Wechselrichter, Batterien etc.) ermöglicht nun eine stabile Stromversorgung und einen weitgehend störungsfreien Betrieb der elektrischen Verbraucher. Der pflanzenölbetriebene Stromerzeuger zur Abdeckung der Spitzenlasten überzeugt neben seiner Zuverlässigkeit vor allem durch seine Laufruhe sowie geringe Emissionen.
Zur Behandlung des Trinkwassers wurde in der Sommersaison 2007 eine moderne UV-Desinfektionsanlage mit vorgeschalteter Mikrofiltration in Betrieb genommen. Optimierungsbedarf besteht hier allerdings noch bei der Filteranlage, da aufgrund der relativ hohen Schwebstofffracht des quellseitigen Wasserzulaufs die Vorfilter eine nur sehr geringe Standzeit haben.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

An mehreren Schau- und Infotafeln im Umfeld der Hütte (Infotafel über Wasserversorgung am Waschhäuschen, Schautafel über Funktionsweise der Komposttoiletten an der Toilettenanlage, Infotafel an den Pflanzenbeeten der Kläranlage) erhalten die Hüttenbesucher Informationen über die vorhandenen umweltgerechten Ver- und Entsorgungssysteme. Ergänzend wurde ein Faltblatt erstellt, das in der Hütte ausliegt. Wie sich bereits während der Bauphase gezeigt hatte, ist das Publikumsinteresse sehr groß.
Allerdings werden nicht nur Erklärungen zur Funktion der technischen Einrichtungen gegeben, sondern es wird auch auf die Schwierigkeiten eingegangen, die der sensible Hüttenstandort im Naturschutzgebiet unter den gegebenen Bedingungen (wenig Strom, sehr wenig Wasser) mit sich bringt. So soll der Hüttenbesucher u.a. auch für Themen wie Müllproblematik oder die schwierige Wasserversorgung der Hütte sensibilisiert werden (Thema: Wasser sparen).
Vorstellung der Projekt-Ergebnisse im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) Benediktbeuern am 29.02.2008; Informationen auf der Internet-Homepage der Sektion Bergland; Führungen vor Ort im Rahmen von Veranstaltungen.


Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass alle Umbau- und Sanierungsmaßnahmen planungsgemäß umgesetzt werden konnten und sich nach einer gewissen Anlaufphase im praktischen Betrieb bestens bewährt haben. Zwar hat sich in manchen Bereichen der Pflegeaufwand für den Hüttenbetreiber z. B. durch die notwendige regelmäßige Wartung der Komposttoiletten erhöht, dem gegenüber steht jedoch die wesentlich verbesserte, umweltgerechte Entsorgung der Abwässer und nicht zuletzt der gestiegene Komfort für die Hüttenbesucher.
Das Projektziel, für den sensiblen Hüttenstandort eine umwelt- aber auch praxisgerechte Ver- und Entsorgungslösung zu finden und umzusetzen, wurde erreicht.

Übersicht

Fördersumme

67.217,00 €

Förderzeitraum

23.01.2004 - 23.01.2006

Bundesland

Bayern

Schlagwörter

Klimaschutz
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umwelttechnik