Projekt 11646/01

Arbeitsplätze durch Naturschutz

Projektdurchführung

Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V.Landesverband Baden-Württemberg
Tübinger Str. 15
70178 Stuttgart

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Ziele des Projektes bestanden darin,
· die Idee der Biosphärenreservate als Modell für ein Miteinander von Schutz, Nutzung und Entwick-lung im Ländlichen Raum in Baden-Württemberg zu etablieren und
· an Beispiel der Modellregion Mittlere Schwäbische Alb die Potentiale einer nachhaltigen Entwicklung sowie deren positive Auswirkungen auf die regionale Wertschöpfung und die Erhaltung ge-wachsener Kulturlandschaften aufzuzeigen. Dies geschah modellhaft an der Schnittstelle Natur-schutz, Landwirtschaft und Tourismus, im Teilprojekt Alb-Guides.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFachliche Grundlage und Lobby-Instrument war die Publikation Arbeitsplätze durch Naturschutz, die anhand von sieben Fallbeispielen das wirtschaftliche Potential der Verknüpfung von Arbeit, Umwelt und Sozialem beleuchtet. Die Publikation wurde zu Beginn des Projektes veröffentlicht und in der Region lobbyiert.
Im Rahmen des Teilprojektes Alb-Guides wurde ein VHS-Kurs zur Ausbildung von Besucherführern (Alb-Guides) konzipiert und umgesetzt. Parallel dazu wurden Bausteine zur Besucherlenkung und -information (z. B. geführte Tagestouren, Mithilfe auf landwirtschaftlichen Betrieben) entwickelt, die dazu beitrugen
· die regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte zu verbessern,
· eine nachhaltige Tourismuswirtschaft zu etablieren,
· die Besucherströme umweltverträglich zu lenken und auch
· das Bewusstsein für Region, Natur und Landschaft und den Gedanken der Nachhaltigkeit zu stärken.
Die Qualität der Ausbildung, die Umsetzbarkeit und Effizienz der Bausteine wurde anschließend in der Praxis getestet. Eine Fachtagung diente schließlich dem Erfahrungsaustausch sowie der Diskussion und Umsetzung weiterer nachhaltiger Entwicklungsmodelle für die Region.
Das Projekt wurde von intensiver Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Die Gesamtbevölkerung sowie alle relevanten Interessensgruppen in der Region wurden einbezogen.


Ergebnisse und Diskussion

Die Publikation wurde bei zahlreichen Veranstaltungen präsentiert und allen wichtigen Entscheidungsträgern nahe gebracht. Das Pilotprojekt konnte die durch die Publikation angeregte Diskussion durch praktische Erfahrungen befruchten und aufzeigen, wie nachhaltige Regionalentwicklung an der Schnitt-stelle Tourismus, Landwirtschaft und Naturschutz funktionieren kann. Es wurde in Partnerschaft mit der Volkhochschule Münsingen und der Touristikgemeinschaft Großes Lautertal umgesetzt.
Die Ausbildung umfasste einen zweisemestrigen Kurs an der Volkshochschule, der die Teilnehmer befähigt, qualitativ hochwertige Wanderungen, Rad- und Bustouren in der Region zu führen. Kursinhalte waren die natur- und kulturgeographischen Besonderheiten der Region, die Situation der heimischen Land- und Forstwirtschaft, die Grundzüge einer nachhaltigen Regionalentwicklung und des Agenda 21-Prozesses sowie Aspekte der Umweltpädagogik und Gruppenführung. Das didaktische Prinzip sah keinen Frontalunterricht vor, sondern vielmehr die Befähigung zur Eigeninitiative, die Förderung von Kreativität und einen gemeinsamen Prozess der Fortentwicklung unter den Teilnehmern. Besonderer Wert wurde auf die Vermittlung von Zusammenhängen zwischen den Naturfaktoren, der regionalen Geschich-te und der Landwirtschaft gelegt. Zentrales Element der Ausbildung waren fächerübergreifende Exkursionen, die Kulturlandschaft erlebbar machen und die Wechselwirkungen zwischen den Landschaftsfaktoren aufzeigen. Dozentenworkshops sicherten die Qualität dieses Ausbildungsteils.
Der Kurs richtete sich an Menschen aus der Region, die ein neues Betätigungsfeld oder eine attraktive Freizeitbeschäftigung suchten. In der Projektregion wurden bisher zwei Kurse durchgeführt, ein dritter Kurs startet im Frühjahr 2003. An den Grundkursen nahmen rund 60 Personen teil. Bisher wurden 29 Alb-Guides zertifiziert. Grundlage für die Zertifizierung sind u. a. die Ausarbeitung einer individuellen Alb-Guide-Tour und ein Praxistest. Das Tourenangebot wird in einem jährlich erscheinenden Programmheft zusammen gefasst. Momentan sind 29 Wanderungen, sechs Radtouren und drei Bustouren im Angebot. Die Touren werden an festen Terminen angeboten, können aber auch individuell von Gruppen gebucht werden. Für die Touren wird ein Teilnehmerbetrag erhoben, der den Guides zugute kommt. Die Angebote werden gut besucht bzw. gebucht. Im Jahr 2002 kamen über 80 Gruppenbuchungen zustande. Zur Bewältigung der organisatorischen Aufgaben hat der NABU einen Alb-Guide als freien Mitarbeiter ange-stellt, der die regionale Touristinfo unterstützt. Die ausgebildeten Guides werden weiterhin im Rahmen von Stammtischen und Fortbildungen betreut. Im Jahr 2003 startet zusammen mit dem DAI Tübingen eine Fortbildung in Englisch, die die Teilnehmer zur Führung von ausländischen Gruppen befähigen soll.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Publikation wie auch das Alb-Guide-Projekt wurden bei zahlreichen regionalen und überregionalen Veranstaltungen vorgestellt, darunter Tagungen und Messen. Die Publikation ist bis auf einen kleinen Restbestand vergriffen. Über die Alb-Guide-Touren und das Projekt erschienen über 100 längere Pres-seartikel. Mehrere Präsentationssysteme und Marketingmaterialien sorgen für eine professionelle Projektdarstellung. Darüber hinaus wurden zahlreiche Kooperationen umgesetzt, z. B. Kombiticket mit der Schwäbischen Albbahn, Pauschalangebot Alb-Guide-Tour für Reiseunternehmen zusammen mit der TG Schwäbische Alb, Infopoints über das Projekt in Gomadingen und Münsingen.
Mit dem VHS-Verband Baden-Württemberg und dem Netzwerk Erdgeschichte e.V. wurden gemeinsame Qualitätsstandards für die Übertragung der Projektidee auf andere Regionen verabschiedet. Eine Über-tragung fand bereits am westlichen Bodensee und im Nordschwarzwald statt. Das Alb-Guide-Projekt ist als Starterprojekt im neuen Geopark Schwäbische Alb anerkannt und gilt als zentrales Umweltbildungsprojekt im Rahmen der Förderprogramme PLENUM und REGIONEN AKTIV im Landkreis Reutlingen.
Hervorzuheben ist die Multiplikatorfunktion der ausgebildeten Guides. Die Region kann auf einen einzig-artigen Pool interessierter und qualifizierter Menschen zurück greifen, was auch als Wertschöpfungsfak-tor anzusehen ist. Eine konkrete Evaluierung der Effekte des Projektes auf die Bewusstseinsbildung beim Gast und die Wertschöpfung in der Region erfolgt im Jahr 2003 im Rahmen einer Diplomarbeit.


Fazit

Mit der Publikation und dem Pilotprojekt Alb-Guides konnte das Bewusstsein für die Bedeutung und Chancen einer nachhaltigen Regionalentwicklung gestärkt und die Wertschöpfung in der Region erhöht werden. Dies betrifft sowohl die regionale landwirtschaftliche Direktvermarktung, die Gastronomie und Hotellerie als auch die Guides selbst als in der Region tätige Menschen. Ausbildungskonzept und Umsetzung der Projektkonzeption haben sich bewährt. Der finanzielle und personelle Rahmen wurde ge-mäß dem Projektantrag eingehalten. Eine Folgefinanzierung im Rahmen des Förderprogramms REGI-ONEN AKTIV ist sicher gestellt. Dies ermöglicht die räumliche Ausdehnung und die inhaltliche Fortent-wicklung des Projektes.

Übersicht

Fördersumme

70.167,65 €

Förderzeitraum

30.03.2000 - 15.07.2003

Bundesland

Baden-Württemberg

Schlagwörter

Naturschutz
Umweltkommunikation