Projekt 11135/01

Öko-Audit in der mittelständischen Praxis – Evaluierung und Ansätze für eine Effizienzsteigerung von Umweltmanagementsystemen in der Praxis –

Projektdurchführung

Unternehmerinstitut e. V.
Postfach 20 01 54
53131 Bonn
Telefon: 0228/95459-0

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Aufgrund der umfangreichen Beteiligung deutscher Unternehmensstandorte am EMAS-System ist die Bundesrepublik Deutschland in besonderem Maße gefordert, die vorliegenden Erfahrungen auszuwerten und bei der Überprüfung und Weiterentwicklung der EMAS-Verordnung einzubringen. Ziel der Untersuchung war es daher, die Erfahrungen der am Öko-Audit beteiligten Akteure - Geschäftsführer, Umweltexperten und Mitarbeiter - primär aus dem Bereich der mittelständischen Wirtschaft zu ermitteln. Dabei sollten die Ökoeffizienz, die Wirtschaftlichkeit und der mit dem System verbundene bürokratische Aufwand analysiert und Ansätze für eine Effizienzsteigerung erarbeitet werden. Aufbauend auf den Erfahrungen der Unternehmen sollte eruiert werden, welche Maßnahmen ergriffen werden müßten, um die Teilnahmebereitschaft kleiner und mittlerer Unternehmen an formalisierten Umweltmanagementsystemen (UMS) wie dem EG-Öko-Audit zu erhöhen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Studie basiert im wesentlichen auf einer empirischen Analyse der Praxiserfahrungen kleiner und mittlerer Unternehmen mit UMS. In einem ersten Schritt wurde die Befragung als weitgehend standardisierte schriftliche Befragung durchgeführt. Jedes der beteiligten Unternehmen erhielt drei Teilfragebogen, jeweils einen für den für Umweltschutz verantwortlichen Geschäftsführer, für den operativ verantwortlichen Umweltmanager sowie für den Betriebsrat. Die Fragen stellten auf die Motivation zur Implementierung von UMS im allgemeinen, seiner Wirkungen und organisatorischen Umsetzung sowie auf die Erfahrungen mit der EMAS-Verordnung im speziellen ab. Im Nachgang zu den Antworten auf die im Rahmen der standardisierten schriftlichen Befragung gestellte offene Frage: Wo sollte Ihrer Meinung nach der Staat Erleichterungen für validierte Unternehmen gewähren?, empfahl der das Projekt begleitende Fachkreis, zusammengesetzt aus Experten aus der Wirtschaft, dem Verbandswesen und der Umweltbürokratie, eine ergänzende Blitzumfrage bei Experten des betrieblichen Umweltschutzes durchzuführen und sie um Gewichtung der eingegangen Vorschläge zu bitten. In einem dritten Befragungsschritt wurden zur Vertiefung der Erkenntnisse und Klärung noch offener Fragen insgesamt neun leitfadengestützte Interviews mit Geschäftsführern und Umweltexperten aus Unternehmen geführt. Auf einer Fachtagung im Dezember 1997 wurden die Untersuchungsergebnisse vorgestellt und mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Umweltbürokratie diskutiert.


Ergebnisse und Diskussion

Insgesamt 756 Fragebogen aus 368 angeschriebenen Unternehmen wurden bis zum Ende des Befragungszeitraums (Juli 1997) zurückgesandt, darunter 326 Geschäftsführer-Bogen, 258 Umweltmanager-Bogen und 172 Betriebsrats-Bogen. Aus 135 Unternehmen erhielt das UNI komplette Fragebogen-Sätze zurück, die alle drei Teilfragebogen umfassen. Darüber hinaus erreichten das UNI eine Vielzahl von Rückantworten, in denen die Unternehmen differenziert begründeten, warum sie sich nicht an der Umfrage beteilgen würden. Berücksichtigt man alle Unternehmen, aus denen dem UNI eine Resonanz zuteil wurde einschließlich der Teilnehmer des Pretests, so entspricht dies einer Rücklaufquote von 10,8 % bei der standardisierten schriftlichen Unternehmerbefragung.
Die wichtigsten Untersuchungsergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
· Umweltmanagement wird auch von kleinen und mittleren Unternehmen professionell gehandhabt. Die Erfahrungen der Unterneh- men mit Umweltmanagementsystemen sind durchweg eher positiv.
· Deutliche Erfolge sind in Bezug auf die ökologische Effizienz zu verzeichnen. Bei den bereits erzielten Umweltentlastungen stellen die Befragten mit deutlichem Abstand Erfolge bei der Verringerung von Abfällen in den Vordergrund (46%), gefolgt von Erfolgen bei Reduktionen im Bereich Wasser/Abwasser (31,6%), bei der Reduzierung des Energieeinsatzes (25,9%) und bei der Emissions- minderung (21,6%). Die zahlreichen in Planung befindlichen Maßnahmen lassen für die Zukunft weitere bedeutende, von der Imple- mentierung von UMS induzierte umweltentlastende Effekte erwarten.
· Umweltmanagement erweist sich unter ökonomischen Kriterien als äußerst wirtschaftlich. Knapp die Hälfte der Befragten berichten von Einsparungen über 100.000 DM und erreichen damit - bezieht man diese Effekte auf die durchschnittlich aufzuwendenden Kosten der Einrichtung des UMS (160.680 DM) - Amortisationszeiten von durchschnittlich weniger als 1,5 Jahren.
· Positive Effekte werden im Zusammenhang mit der Organisationsentwicklung und der Motivation der Mitarbeiter gesehen. Diese weichen Faktoren spielen im Umweltmanagement eine den harten wirtschaftlichen und technischen Fakten gleichgewichtige Rolle.
· Die Integration der Managementsysteme für Qualität und Umwelt wird zum state of the art; die Einbeziehung der Arbeitssicherheit ist abzusehen.
· Um den Zugang zum Öko-Audit zu erleichtern, werden Vereinfachungen in der EG-Verordnung, aber auch eine umfassende Lichtung des Regulierungsdickichts im Umweltbereich angemahnt. Überhaupt scheinen die Hindernisse für eine zügige weitere Verbreitung eher im administrativen Bereich der Behörden und beim Gesetzgeber zu liegen. Zusätzliche Nachprüfungen seitens der Behörden, wie in der ASU-Umfrage von 1996 festgestellt, scheinen keinen relevanten Umfang angenommen zu haben. Gleichzeitig wird aber auch keine signifikante Verbesserung im Verhältnis zu Behörden konstatiert.
· Die Unternehmen akzeptieren die hohen Umweltstandards in Deutschland. Sie kritisieren jedoch die Verzettelung der Zuständig- keiten, die Vielfalt und Uneinheitlichkeit der Berichts- und Informationspflichten. Die insbesondere von Umweltpolitikern im Kontext der sog. Deregulierungsdebatte befürchtete Aufweichung der hohen deutschen Umweltstandards im Gefolge einer Erfüllung von Deregulierungswünschen aus der Wirtschaft findet in den in der Befragung artikulierten Forderungen der mittelständischen Unternehmen keine Grundlage.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Am 9. Dezember 1997 wurden die Untersuchungsergebnisse auf einer Pressekonferenz in Bonn der Öffentlichkeit vorgestellt und auf einer sich anschließenden Fachtagung mit Umweltexperten aus Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und Politik kritisch erörtert. Bundesumweltministerium sowie die Umweltministerien der Länder wurden aufgefordert, die Untersuchungsergebnisse in ihre Beratungen zur Effektivierung, Entschlackung und Entbürokratisierung zahlreicher ordnungsrechtlicher Bestimmungen des Umweltrechts sowie zur Novellierung der EMAS-Verordnung einfliessen zu lassen. Im akademischen Raum erhielten Hochschul- lehrer und Forschungsinstitute mit den Arbeitsschwerpunkten Umweltökonomie und betrieblicher Umweltschutz eine Zusammen- fassung der UNI-Studie. Ferner wurden die Ergebnisse der Untersuchung vor dem Arbeitskreis Umweltmanagement in der Schmalenbach-Gesellschaft/ Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. vorgestellt.


Fazit

Spektakuläre Ergebnisse waren aufgrund des Forschungsgegenstandes nicht zu erwarten. Allerdings konnte gegenüber früheren Untersuchungen die Datenbasis bedeutend erweitert werden, so daß die Verläßlichkeit der Aussagen zur Ökoeffizienz, der Wirtschaftlichkeit und dem bürokratischen Aufwand von Umweltmanagementsystemen deutlich erhöht hat. Die UNI-Untersuchung ist von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Umweltbürokratie positiv aufgenommen worden. Das Anliegen, einen nützlichen Beitrag sowohl zum allgemeinen Wissen um die Verbreitung und die Auswirkungen von Umweltmanagementsystemen zu leisten und diesen Systemen in der Praxis zu gesteigerter Wirksamkeit und Verbrei-tung zu verhelfen, sowie die politischen Instanzen zu unterstützen, die die Aufgabe haben, Umweltpolitik in Europa künftig nicht nur effektiver zu gestalten, sondern auch deren Akzeptanz in der Wirtschaft und der Bevölkerung insgesamt zu verbessern, scheint damit erfüllt.

Übersicht

Fördersumme

86.178,25 €

Förderzeitraum

15.01.1997 - 16.07.2001

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Schlagwörter

Umweltkommunikation