Projekt 10961/01

Entwicklung und Umsetzung der Prüfung von Zuckerrübensorten auf Toleranz gegen Ramularia beticola zur Reduktion des Fungizideinsatzes

Projektdurchführung

Institut für Zuckerrübenforschung Göttingen (IFZ)
Holtenser Landstr. 77
37079 Göttingen
Telefon: 0551/50562-0

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ramularia beticola ist ein wirtschaftlich bedeutender Blattfleckenerreger der Zuckerrübe. Gegen diesen Pilz werden oftmals prophylaktisch Fungizide eingesetzt. Ein Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes ist der Einsatz toleranter Sorten zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln. Auf Grund des regional und zeitlich unbestimmten Auftretens von R. beticola unter natürlichen Bedingungen sollte versucht werden, ein Verfahren zu entwickeln, das eine gleichmäßige und von äußeren Bedingungen weitgehend unabhängige Krankheitsentstehung und -entwicklung zur Prüfung von Zuckerrübensorten auf Toleranz gegenüber R. beticola zuläßt.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAls Grundlage für eine Ramularia-Inokulation wurde eine Isolatensammlung von Ramularia-Herkünften verschiedener geographischer Herkünfte angelegt sowie Protokolle zur Inokulumproduktion und zur Anlage von Dauerkulturen erarbeitet. Die Inokulation mit Ramularia beticola im Feld wurde erfolgreich mit einer Parzellenpflanzenschutzspritze durchgeführt. In den verschiedenen Phasen bzw. Fragestellungen des Projektes wurden unterschiedliche ein- oder zweifaktorielle Feldversuche mit Zuckerrüben angelegt. An mehreren Orten wurde untersucht, ob unter natürlichem Befall bzw. mit Hilfe der Inokulationsmethode sich verschieden anfällige Zuckerrübengenotypen unterscheiden lassen. In einem weiteren Feldversuch wurde geprüft, ob sich verschiedene Ramularia-Herkünfte in ihrer Pathogenität gegenüber unterschiedlich anfälligen Sorten unterscheiden. Schließlich wurde ein Feldversuch zweijährig angelegt, um die Frage zu prüfen, ob es Interaktionen zwischen Toleranz der Sorte und dem Auftreten der Blattfleckenkrankheitserreger Ramularia beticola und Cercospora beticola gibt.


Ergebnisse und Diskussion

Die Inokulation mit dem Erreger ist notwendig, um entsprechend tolerante Genotypen zu selektieren und Sorten auf Toleranz unter vertretbaren Aufwand zu prüfen, da natürlicher Befall zu unsicher in Vorkommen und Befallsstärke ist. Die Feldversuche, die in Regionen mit erwartetem natürlichen Ramularia-Befall angelegt wurden, zeigten keine deutliche Differenzierungsmöglichkeit der unterschiedlich anfälligen Genotypen.Die Feldversuche zur Prüfung verschiedener Genotypen auf Ramularia-Toleranz zeigten unter Einsatz der entwickelten Inokulationsmethode eine deutliche Differenzierung und boten somit Ansätze zur Selektion toleranter Sorten. Es wurde in den Versuchen aber auch deutlich, dass die Toleranz von Genotypen gegen Ramularia auf anderen Mechanismen beruht als gegen Cercospora und umgekehrt. Deutlich wurde zudem, dass eine Prüfung auf Ramularia-Toleranz nicht in Regionen mit natürlich hohem Infektions-potential von Cercospora möglich ist, da Cercospora sich schneller ausbreiten und die Ramularia-Effekte überlagern kann.
Die Umsetzung der Inokulationsmethode in einem umfangreichen Feldversuchsprogramm zeigte, dass es in allen Fällen möglich war, sowohl mit einzelnen Pilzherkünften als auch mit Gemischen verschiedener Pilzherkünfte bei Inokulation nach BBCH 39 der Zuckerrübe eine Infektion auf Zuckerrübenblättern auszulösen. Kühle Witterung nach der Inokulation führte gelegentlich zu Verzögerungen im Auftreten und der Ausbreitung von Schadsymptomen (Blattflecken) auf den Blättern der Zuckerrüben; unter den gegebenen Bedingungen waren die Symptome durch Cercospora beticola durchweg stärker ausgeprägt als durch Ramularia beticola. Allerdings wurde auch deutlich, dass die unterschiedlichen Ramularia-Herkünfte zu verschieden starken Symptomausprägungen führen können. Daher wird vorgeschlagen, eine Mischung verschiedener Pilzherkünfte für die Inokulation zu verwenden.
Durch die Feldversuche wurde deutlich, dass Ramularia beticola einen deutlichen Schaden an der Zuckerrübe (bis zu 25 % Ertragsverlust) verursachen kann. Durch starken Befall wird sowohl der Rübenertrag gesenkt wie auch der Gehalt der Melassebildner Natrium und Aminostickstoffverbindungen erhöht. Das insgesamt recht hohe Schadenspotential des Erregers lässt die Entwicklung von toleranten Sorten sinnvoll erscheinen. Diese Sorten könnten in Befallsgebieten zu einer deutlichen Reduzierung des Fungizideinsatzes beitragen.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

ADAMS, H. 1998: Gibt es Resistenz und/oder Toleranz gegen die Ramularia-Blattfleckenkrankheit bei Zuckerrüben? 3. Göttinger Zuckerrübentagung, Göttingen: 1./2. 9. 1998. auch: Zuckerindustrie 123 (1998) Nr. 9, S. 702-705.
ADAMS, H. & SCHÄUFELE, W.R. 1998: Reaktion von Zuckerrüben nach Inokulation mit Ramularia beticola. 51. Dt. Pflanzenschutztagung, Halle/Saale 5.-8. 10. 1998.auch: Mitt. A. d. Biol. Bundesanst. H. 357 (1998), S. 67.


Fazit

Wie die Ergebnisse der Versuche aus 1997 und 1998 zur Prüfung unterschiedlicher regionaler Herkünfte von R. beticola zeigen, ist es notwendig, für die Inokulation ein Gemisch verschiedener Herkünfte zu verwenden, da sich die regionalen Herkünfte in ihrer Aggressivität unterscheiden können.Unterschiedlich anfällige Zuckerrübengenotypen lassen sich durch Inokulationsmethode sicher unterscheiden/selektieren.Starkes Auftreten von Cercospora beticola kann die Effekte von Ramularia beticola überlagern, so dass die Prüfung auf Ramulariatoleranz im Feld nicht in Befallsregionen von C. beticola durchgeführt werden sollte.
Die genetischen Grundlagen für die Toleranz gegenüber R. beticola und C. beticola sind vermutlich unterschiedlich. Doppeltolerante Genotypen sind aber prinzipiell vorhanden.

Übersicht

Fördersumme

100.072,60 €

Förderzeitraum

01.03.1997 - 06.06.2001

Bundesland

Niedersachsen

Schlagwörter

Landnutzung