Projekt 10866/01

Erfassung des Ist-Standes der Nutzung und Akzeptanz für regenerative Energien sowie Erstellung eines Reiseführers für erneuerbare Energien in Sachsen

Projektdurchführung

VEE Sachsen e. V.Vereinigung zur Förderungder Nutzung Erneuerbarer EnergienGESCHÄFTSSTELLE Umweltzentrum
Schützengasse 16 - 18
01067 Dresden
Telefon: 0351/4445760

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Erfassung des Ist-Standes der Nutzung erneuerbarer Energien; Erfassung der lokalen Akzeptanz der Nutzung; Dokumentation ausgewählter, vorbildlich und konfliktminimierend konzipierter Anlagen in einem Entwurf Reiseführer erneuerbarer Energien in Sachsen.
Eine der vordringlichen Aufgaben besteht darin, durch eine problemadäquate Aufarbeitung von Informationen über die Potentiale der regenerativen Energien den Ist-Stand der Erschließung und die dabei auftretenden Hemmnisse zu ermitteln sowie für beispielhafte Anlagenkonzepte unterstützend tätig zu werden. Hierbei ergeben sich im wesentlichen die folgenden Problembereiche und Optionen:
· Erfassung des aktuellen Standes der Nutzung der erneuerbaren Energien (Option: Aufbereitung in Form eines Entwurfes Reiseführers Erneuerbare Energien in Sachsen)
· Analyse der lokalen Akzeptanz für die Nutzung der verschiedenen Formen der erneuerbaren Energien (Option: Entwicklung von konfliktminimierenden Nutzungsstrategien)


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliedert sich in drei Module auf:
1. Erfassung des Ist-Standes der Nutzung der erneuerbaren Energien (Festlegung der je nach Energieform zu ermittelnden relevanten Anlagen- und Nutzungsdaten; Befragungen von Betreiberverbänden, Ministerien, Kommunen, Landratsämtern und in Forschung und Gewerbe tätigen Fachleuten; Sammlung der Hinweise auf den Betrieb von Anlagen zur Nutzung der regenerativen Energien; je nach Möglichkeit schriftliche bzw. mündliche oder fernmündliche Datenermittlung)
2. Erfassung der lokalen Akzeptanz der Nutzung der erneuerbaren Energien (Festlegung des Untersuchungsdesigns und realisierbarer Anforderungen an die Repräsentativität der Stichproben; Auswahl der Stichproben - aufbauend auf den Ergebnissen des Schritts 1. -; Durchführung der Stichproben; Analyse des ermittelten Datenmaterials)
3. Dokumentation ausgewählter, vorbildlich und konfliktminimierend konzipierter Anlagen in einem Entwurf Reiseführer erneuerbare Energien in Sachsen
Der Endbericht ( 175 Seiten) ist auf Datenträger beim VEE Sachsen e.V. erhältlich.


Ergebnisse und Diskussion

In Sachsen werden z.Zt. ca. 2,4% des Stromverbrauches vorwiegend durch Wind- und Wasserkraftanlagen bereitgestellt, das sind ca. 397 GWh/a von 16.582 GWh/a. Um die regenerativen Energien stärker als bislang einzusetzen, bedarf es aus Sicht
der VEE Sachsen e.V. mindestens folgender Ansätze:
- Bewußtseinsbildung
- Akzeptanzerhöhung
- Überwindung verwaltungstechnischer Behinderung oder Benachteiligung der erneuerbaren Energien (z.B. bei Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen und Wasserkraftanlagen)
- Schaffung günstigerer finanzieller Rahmenbedingungen auf gesetzgeberischem Wege (z.B. Gewährleistung der kostengerechten Vergütung für Wind- und Solarstrom)
- Einsatz fiskalischer Mittel für Förderprogramme, die sich im Zuge erreichter Wirtschaftlichkeit wieder erübrigen sollen.
Aus diesen Gesichtspunkten wurde die Notwendigkeit erkannt, für Sachsen Untersuchungen anzustellen, um Grundlagen für eine objektive Planung zu erhalten. Das Projekt Erfassung des Ist-Standes der Nutzung und Akzeptanz für regenerative Energien sowie Entwurf eines Reiseführers für regenerative Energien in Sachsen sollte dazu die erforderlichen Voraussetzungen schaffen.
Die Bearbeitung des Projektes wurde deshalb in drei Abschnitte gegliedert:
· Erfassung des Ist- Standes der Nutzung der EREQ in Sachsen
· Akzeptanzanalyse zu regenerativen Energien
· Erarbeitung eines Entwurfes zum Reiseführer regenerative Energien in Sachsen

Erfassung des Ist-Standes per 31.12.1997
In 6.059 Anlagen sind nach den vorliegenden Aussagen 170.338 kW elektrische Leistung und
48.004 KW thermische Leistung, plus 27.900 m² installierte Fläche bei Solarthermischen Anlagen für die Energiegewinnung und Umsetzung nutzbar. 397 GWh/a in 1997 eingespeister Strom aus regenerativen Energien entspricht etwa 2,4% des Stromverbrauches in Sachsen. Im Energiebericht 1998 wird als Endenergieverbrauch für Sachsen für 1997 ein Wert von 353,0 PJ/a angegeben. Die Gesamtförderung umfaßt nach Angaben des sächsischen Landtages 7.234 Anlagen.

Akzeptanz

Die Akzeptanz in der Bevölkerung zum Einsatz erneuerbarer Energien hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Akzeptanzdiskussionen konzentrieren sich auf:
· Auswirkungen des Baues von Windkraftanlagen auf
- das Landschaftsbild,
- physiologische und psychologische Befindlichkeiten Betroffener,
- auf Biotope, Fauna und Flora;
· Auswirkungen durch den Betrieb von Wasserkraftanlagen auf
- Biotope, Flora und Fauna,
- das Landschaftsbild;
· Auswirkungen der Installation von Solar- und PV- Anlagen hinsichtlich
- Gewöhnungsbedürftigkeit,
- Denkmalschutzaspekte
Aus diesen Gründen wurden in Sachsen mehrere Befragungen durchgeführt.
Dafür wurde in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Hochschul Institut Zittau ein Fragebogen entwickelt, der nach Maßgabe des gegenwärtigen Wissenstandes eine möglichst umfassende Aussage zur Akzeptanz ermöglicht.
· An 974 sächsische, nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Adressen, wurden diese Fragebogen versandt. Parallel dazu wurden in weiteren qualitativ getrennten 4 Gruppen Fragebögen ausgegeben, um vergleichende Ergebnisse zu erhalten.
· Aus der Befragung mit einem 13,45%igen Rücklauf, die mathematisch-statistisch ausgewertet wurde, wurden anteilig mehr Fragebögen aus Landkreisen zurückgeschickt, in denen das Vorhandensein von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien bestätigt wurde und die für eine künftig stärkere Nutzung EREQ auch hinsichtlich der Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt besonders relevant sind.
Es kann festgestellt werden, daß die im Rahmen der Erhebung Befragten der Nutzung erneuerbarer Energien durchaus aufgeschlossen gegenüberstehen. Dies wird aus den wichtigsten, hier noch einmal kurz zusammengefaßten Ergebnissen deutlich:
- In der Erhebung konnte eine allgemein positive Einstellung zu Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien festgestellt werden.
- In der Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien wird eine sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Technologien gesehen. Rund 83% der Befragten befürworten, daß es politisches Ziel sein solle, die erneuerbaren Energien in Sachsen verstärkt auszubauen.
- In der ersten Linie werden hier Perspektiven für die Solarenergie gesehen.
- Bei gleichen Preisen und einer Wahl zwischen mehreren Stromanbietern würde mehr als Hälfte der Befragten den aus regenerativen Energien erzeugten Strom auswählen.
- Nur eine Minderheit der Befragten fühlt sich durch die Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in ihrer Lebensqualität gestört
- Rund 49% stimmen der Aussage zu, daß Windkraftanlagen harmonisch in die Landschaft eingefügt seien, ohne das Landschaftsbild wesentlich zu stören; 14,7% sind hierbei unentschieden und 37% stimmen nicht zu.
- 28% der Befragten sind der Auffassung, daß Windkraftanlagen durch Geräuschentwicklung belästigen, 22,9% sind unentschieden, 49,2% widersprechen dieser Aussage.
- 67,1% widersprechen der Aussage, daß Windkraftanlagen durch Lichtspiegelung und Schattenwurf belästigen.
- Einer Errichtung von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien könnte mehr als Hälfte der Sachsen zustimmen, wenn sie Bürgern aus ihren Gemeinde gehört. Einen gro-ßen Einfluß auf Akzeptanz hat die Einbeziehung in den Planungsprozeß.
- Ein allgemeines Interesse für die Energieversorgungsstruktur äußert sich im bereits vorhandenen Wissen der Befragten. Bekanntenkreis und Energieversorgungs-unternehmen sind dabei die Hauptinformationsquelle.
- Die Mehrheit der Befragten (67,67%) erklärte eine freiwillige Zahlungsbereitschaft in Höhe von monatlich 2 DM, sofern diese Mittel einer neutralen Kontrolle unterliegen und ausschließlich für den Ausbau erneuerbarer Energien genutzt werden.
- Von knapp der Hälfte der Befragten (43,7%) wurde eine, für alle Stromverbraucher verbindliche, Preiserhöhung (Ökosteuer) für Strom, Benzin und Öl um bis zu 5% befürwortet, sofern dies der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien zugute kommt (Ablehnungsquote: 50,8%). Im Falle einer Ökosteuer zugunsten der Senkung der Lohnnebenkosten betrug die Zustimmungsquote dagegen nur 24%.
- Rund 59% der Befragten sind nicht der Auffassung, daß die Nutzung erneuerbarer Energien im Saldo zu einer Beschäftigungserhöhung führt.
- Eine Mehrheit der Befragten sieht die Möglichkeit, daß durch die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien ein umweltverträglicher Tourismus entwickelt werden könnte.
- Die Untersuchung zeigt somit, daß die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien deutlich höher ist, als gemeinhin angenommen oder befürchtet.

Entwurf Reiseführer

Im Teilprojekt Entwurf eines Reiseführers Erneuerbare Energien wurden Lösungskonzepte für eine massenwirksame Öffentlichkeitsarbeit zur Popularisierung praktischer Ergebnisse bei der Nutzung erneuerbarer Energien untersucht. Im Ergebnis liegt ein Konzept vor, bei dessen Realisierung unter Nutzung des INTERNET ständig aktuelle und für unterschiedliche Zielgruppen interessante Informationen bereitgestellt werden (Informations-System Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe ISEE ).
- Für einen Reiseführer Erneuerbare Energien Sachsen als Bestandteil des Systems wurde ein Konzept und Gliederungsentwurf erarbeitet.
- Die Bearbeitung des Systems wird als Folge - Förderprojekt mit internationaler Beteiligung vorgeschlagen.
Die Anwendung des Systems könnte das Fremdenverkehrsgewerbe und die auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien tätigen Firmen in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit unterstützen und so einen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen in diesen Branchen leisten.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Bei der Realisierung dieses Projektes wurde von Beginn an eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt; in Konsensgesprächen mit allen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern wurden die Zielstellungen beraten und regelmäßig über den Projektstand und offene Fragen informiert.
Der Endbericht nebst Anlagen ist über Datenträger von der VEE Sachsen e.V. erhältlich.


Fazit

In der Bearbeitung des Projektes Erfassung des Ist- Standes der Nutzung und Akzeptanz für regenerative Energien sowie Erstellung des Entwurfes eines Reiseführers für erneuerbare Energien in Sachsen mit der wesentlichen Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, wurde die Entwicklung der ehrenamtlichen Arbeit der Mitglieder der VEE Sachsen e.V. wesentlich gefördert. Der hohe gesellschaftliche Einsatz wird in der Erarbeitung und ständigen Weiterentwicklung einer Datenbank mit über 1.000 Objekten sichtbar. Sie war die Voraussetzung für die Ermittlung des Ist-Standes der Nutzung, weil der Zugriff auf statistisches Material aufgrund datenschutzrechtlicher Belange äußerst kompliziert ist. Mit der Fortführung des Projektes könnte die Option erreicht werden, daß die Ergebnisse in der weiteren Entwicklung des Einsatzes regenerativer Energien in Sachsen Berücksichtigung finden.
Im zweiten Schwerpunkt in der Bearbeitung des Projektes wurde die Akzeptanz zum Einsatz erneuerbarer Energien in der Bevölkerung analysiert. Mangelnder Kenntnis- und Informationsstand und in be-stimmten Fällen Meinungsmanipulation insbesondere durch die Medien ist häufig Grund für Akzeptanzprobleme. Diese sind mit der unbegründeten Meinung verbunden, daß die breite Umsetzung regenerativer Energien viel zu teuer ist. Kenntnis- und Informationsmangel macht eine Akzeptanzdiskussion wichtig, um in breiten Bevölkerungsschichten eine Sensibilisierung für die Anwendung erneuerbarer Energien und damit verbundenen Bau entsprechender Anlagen zu erreichen. In 10 Hypothesen werden Schlußfolgerungen aus den Untersuchungsergebnissen zur Diskussion gestellt.

Nachhaltiges Interesse bei allen Beteiligten und Angesprochenen findet die Erarbeitung eines Reiseführers erneuerbare Energien in Sachsen. Ausgehend von dem im Projekt erarbeiteten Entwurf, müssen Mittel und Wege gefunden werden, das Projekt in geeigneter Weise fortzusetzen.

Übersicht

Fördersumme

76.540,39 €

Förderzeitraum

15.10.1997 - 04.08.1999

Bundesland

Sachsen

Schlagwörter

Klimaschutz
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umweltkommunikation
Umwelttechnik