Projekt 10079/01

Durchführung des Umweltbildungsprojekts Schule und Öko-Audit

Projektträger

Forschungsstätte der evangelischenStudiengemeinschaft e. V.Institut für interdisziplinäre Forschung
Schmeilweg 5
69118 HeidelbergZielsetzung und Anlass des Vorhabens Entsprechend der EMAS-Verordnung wurden im Rahmen des Projektes Schule und Öko-Audit an der Dammrealschule Heilbronn und der Internationalen Gesamtschule Heidelberg unter Beteiligung von SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern und der jeweiligen Stadtverwaltung ein Umweltmanagementsystem aufgebaut. Weitere Ziele dieses Projektvorhabens waren es, SchülerInnen zu einer Auseinandersetzung mit der Thematik Umweltschutz in einem ihrer unmittelbaren Lebensbereiche zu motivieren, anwendungsorientiertes, fächerübergreifendes Umweltwissen zu vermitteln, die Förderung sozialer Kompetenz durch Zusammenarbeit von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern, das Erkennen von Umweltauswirkungen des Betriebes Schule und deren Reduzierung zu erreichen. Mit diesem Projekt wurden Möglichkeiten, Hemmnisse und Grenzen des Öko-Audits für den Dienstleistungssektor Schule evaluiert und beschrieben. Ferner wurden mit ihm die schulischen Interessengruppen (wie LehrerInnen, SchülerInnen, Eltern) am Umweltschutz beteiligt. Daneben wurde den SchülerInnen praxisrelevantes Wissen zum Umweltschutz und zur Notwendigkeit eines Umweltmanagementsystems in aktiver Form vermittelt. Dies fördert das Verständnis für die Umweltprobleme und befähigt sie, die Kenntnisse in der späteren beruflichen Praxis anzuwenden. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliederte sich in sechs Phasen: In Phase 1 (Erste Umweltprüfung) wurde die gegenwärtige Umweltsituation an beiden Schulen ermittelt und in eine Öko-Bilanz überführt. Die Phase 2 (Formulierung der Umweltpolitik) beinhaltete die Aufstellung der Umweltpolitik unter Beteiligung von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern. Diese beiden Phasen fanden im Schuljahr 1996/97 statt. Im Schuljahr 1997/98 lag der Schwerpunkt auf der Entwicklung und dem Aufbau eines Umweltmanagementsystems (Phase 3) unter der Beteiligung von SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern und den beteiligten Stadtverwaltungen. Phase 4 (Aufstellung eines Umweltprogramms) und Phase 5 (Erstellung einer Umwelterklärung) wurden ebenfalls im Schuljahr 1997/98 durchgeführt. Im Schuljahr 1998/99 fand schließlich die Validierung beider Schulen durch einen externen Umweltgutachter statt (Phase 6). Ergebnisse und Diskussion Seit September 1996 wurde zusammen mit der Dammrealschule Heilbronn und der Internationalen Gesamtschule Heidelberg erstmals an zwei Schulen ein Umweltmanagementsystem nach der EMAS-Verordnung aufgebaut. Um die Umweltsituation auch über das Projekt hinaus kontinuierlich zu verbessern, wurde an beiden Schulen ein Umwelt-Team geschaffen, das sich aus SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern, jeweils einem Vertreter des Umweltamtes der beteiligten Städte und einem Managementvertreter der Schulleitung zusammensetzt. Weiter wurde die von den beiden Schulen festgelegte Umweltpolitik von der Gesamtlehrerkonferenz, der Schulkonferenz und vom Gesamtelternbeirat angenommen. In einer ersten Umweltprüfung wurden mittels Checklisten an beiden Schulen die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht und bewertet. Als Konsequenz aus den gewonnenen Erkenntnissen erarbeiteten beide Schulen ein Umweltprogramm, in dem genau aufgelistet wurde, welche Verbesserungen in den nächsten drei Jahren erreicht werden sollen. Mit einem Umweltmanagementsystem, angepasst an die Situation der beiden Schulen, wurden schulische Strukturen und Abläufe so aufgebaut, dass die umweltpolitischen Grundsätze und Ziele möglichst gut erreicht werden können. In einer Umwelterklärung dokumentieren die Schulen öffentlich, welche Belastungen von ihnen ausgehen und wie mit Umweltpolitik, -programm und -management darauf reagiert wird. Die Umwelterklärung wurde mittlerweile für gültig erklärt und bei der jeweils zuständigen nationalen Registrierungsstelle, der Industrie- und Handelskammer Heilbronn bzw. Rhein-Neckar, eingetragen. Mit diesem Projekt konnten mehrere Ziele erreicht werden: So wird der Umweltschutz in den Schulen systematisch und kontinuierlich verbessert. Es erfolgt eine fächerübergreifende Vermittlung ökologischer Lerninhalte in Teamarbeit. Vernetztes Denken wird gefördert und neue Lernformen erprobt und eingeübt. Die Mitverantwortung und die Mitgestaltungsmöglichkeiten von SchülerInnen und Eltern wird gefördert. Darüber hinaus werden SchülerInnen, LehrerInnen, Hausmeister, Eltern und Schulverwaltung für Umweltfragen verstärkt sensibilisiert und zu entsprechenden Verhaltensänderungen motiviert. Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation Bereits während des Öko-Audits fanden von der Dammrealschule mehrere Aktionen statt, in denen das Modellvorhaben innerhalb verschiedener Zusammenhänge der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: · Auf dem Markt der Möglichkeiten im November 1996 in Obersulm-Willsbach wurde das Modellvorhaben über Graphiken und Textbeiträge an einer Schautafel präsentiert, ein Video gezeigt und erste Auswertungen der Schüler-Arbeitsgruppen den anwesenden Eltern, LehrerInnen sowie Vertretern des Staatlichen Schulamtes und Oberschulamtes auf Computern vorgestellt. · Von der Stiftung Landesgirokasse Natur und Umwelt wurde das Modellvorhaben Schule und Öko-Audit im Dezember 1996 mit 10.000 DM gefördert. · Im Oktober 1997 fand eine überregionale und interdiziplinäre Lehrerfortbildung statt, auf der am Vormittag in einer Arbeitsgruppe das Modellvorhaben den LehrerInnen der anderen Realschulen des Schulamtsbezirks Heilbronn vorgestellt wurde. · Die SchülerInnen der Dammrealschule haben sich im Schuljahr 1996/97 an mehreren Umwelt-Preisausschreiben beteiligt. Bei der Aktion Der Umweltpreis, der von der Heilbronner Stimme, S 4 Frankenradio Heilbronn, den Stadtwerken Heilbronn und der Gasversorgung Süddeutschland ausgeschrieben wurde, erhielt die Dammrealschule im April 1998 für ihren Beitrag den ersten Preis, ei-nen Scheck über 1.000,- DM. · Im März 1998 wurde bei einem Gespräch mit der Stadt Heilbronn vereinbart, dass die Dammrealschule beim Umweltschutz eine Pilotschule im Stadtkreis Heilbronn werden solle. Ergebnis dieser Besprechung war es, dass die Schule ab 1. Januar 1999 am fifty-fifty-Modell der Stadt Heilbronn teilnehmen wird. · Seit Anfang 1998 bemühte sich die Dammrealschule um das Sponsoring ihrer Umweltaktivitäten. Von der Kreissparkasse Heilbronn wurde das Vorhaben mit 2.000,- DM gefördert; zusätzlich wurde der Dammrealschule von der Firma Läpple bei erfolgreicher Validierung eine finanzielle Unterstüt-zung in Höhe von DM 500,- zugesagt. · Am 21. Juli 1999 fand eine Pressekonferenz statt, auf der die offizielle Validierung der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Von der Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH) wurden folgende Öffentlichkeitsaktionen durchgeführt: · Am 20. Mai 1998 wurde der IGH durch die Lincoln GmbH eine Spende in Höhe von 2.000,- DM für ihre schulischen Aktivitäten übergeben. · Am 16. Juni 1999 fand unter Anwesenheit von Frau Oberbürgermeisterin Beate Weber und Umweltbürgermeister Thomas Schaller eine Pressekonferenz statt, auf der die offizielle Validierung der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Drucklegung der Umwelterklärung erfolgte durch eine Spende der Heidelberger Druckmaschinen AG. Veröffentlichungen · Umwelterklärung der Dammrealschule Heilbronn · Umwelterklärung der Internationalen Gesamtschule Heidelberg · Umweltmanagement in Schulen. Arbeitshilfe zur Umsetzung der EMAS-Verordnung am Beispiel der Dammrealschule Heilbronn und der Internationalen Gesamtschule Heidelberg. Texte und Materialien, Reihe A, Nr. 46. Heidelberg 2000: Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft · (zusammen mit Wolfgang Kammerer) Gemeinsam lernen. In: MüllMagazin, Heft 3 (1997), S. 9-12 · (zusammen mit Wolfgang Kammerer) Schule und Öko-Audit. Erfahrungen aus einem Modellprojekt an zwei baden-württembergischen Schulen. In: Zeitschrift für berufliche Umweltbildung, Heft 2 (1997), S. 15-17 · Umweltschutz in der Schule. In: WirtschaftsSpiegel. Wissen und Didaktik für Bildung und Beruf, Heft 3 (1998), S. 13-20 · Die Einbeziehung von Kommunalverwaltungen in das schulische Umweltmanagement. In: UVP-Report, Heft 3 (1999), S. 148-151 · Öko-Audit als Grundlage einer schulischen Umweltbildung. In: DGU-Nachrichten, Heft 20 (1999), S. 38-41 · Schulisches Umweltmanagement. In: WirtschaftsSpiegel. Wissen und Didaktik für Bildung und Be-ruf, Heft 1 (2000), S. 13-20 Fazit Das Umwelt-Audit erfüllt im Rahmen der schulischen Umweltbildung drei wesentliche Aufgaben: Erstens haben die LehrerInnen die Möglichkeit, die SchülerInnen in einzelnen Themenfeldern des Umwelt-Audits und des schulischen Umweltschutzes (z.B. in Fragen der Energienutzung, des Wasserverbrauchs, des Materialverbrauchs, der Abfallvermeidung und -reduzierung sowie des Umweltmanagements) zu unterrichten und auf diese Weise zu motivieren. Eine vergleichende Analyse von Jugendli-chen im Alter von 15 bis 27 Jahren in Baden-Württemberg und Sachsen, die vom Ministerium für Jugend, Kultus und Sport Baden-Württemberg und dem Sächsischen Staatsministerium in Auftrag gegeben wurde, macht deutlich, dass sich immerhin mehr als die Hälfte der Befragten für den Umwelt- und Naturschutz einsetzen würden. Die Jugendlichen engagieren sich allerdings nur dann, wenn die Mitarbeit Spaß macht. Darüber hinaus muss es ihnen auch etwas für ihr weiteres Leben bringen und sie müssen mitbestimmen können, was zu tun ist. Umweltbildung übernimmt beim Umwelt-Audit eine Querschnittsaufgabe, die fächerübergreifend, handlungsorientiert, projektorientiert und kooperativ angegangen werden kann. Auf diese Weise werden innerschulisch neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den SchülerInnen und LehrerInnen eingeübt und erprobt. Die SchülerInnen erlernen im Rahmen ihrer Datenerhebungen für das Umwelt-Audit Teamfähigkeit und sind genötigt, unterschiedlichste Informationsquellen bei kommunalen Ämtern, bei Stadt- und Wasserwerken usw. zu erheben und unter Umständen sogar eigene Messungen (etwa Boden- und Wasserproben, Lärmmessungen) durchzuführen. Die Bund-Länder-Kommission bezeichnet dieses Handeln demzufolge als Kooperationsorientierung. Zweitens steht es den Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Umwelt-Audits offen, in Form von eigenen Erhebungen und Untersuchungen auf den Unterricht und das Schulleben Einfluss zu nehmen, indem sie die Umwelt an ihrer Schule verantwortlich mit gestalten und verändern. Zwar wurden den SchülerInnen Checklisten zur Verfügung gestellt, mit denen sie die verschiedenen Teilgebiete des Umwelt-Audits (z.B. Abfall, Energie, Verkehr, Reinigung, Emissionen, Wasser und Abwasser, Wasser- und Bodenqualität, Bodenversiegelung und Materialeinsatz) untersuchen und erheben. Da jedoch an jeder Schule andere Strukturen herrschen, sind die Checklisten von den SchülerInnen und LehrerInnen eigenständig anzupassen. Diese Form der Selbstorganisation ist ein wesentlicher Teil des Umwelt-Audits. Drittens haben auch die Eltern eine neue Funktion wahrzunehmen, denn sie unterstützen und prägen zukünftig die Entwicklung hin zu einer ökologisch gestalteten Schule, indem sie im Rahmen des Umwelt-Audits Aufgaben (wie etwa im Elternbeirat oder in der Schulkonferenz) übernehmen und den Gedanken des Umweltschutzes nach außen tragen. Darüber hinaus werden sie späterhin auch am Umweltmanagementsystem mitwirken. Die Bund-Länder-Kommission spricht in dem Zusammenhang von verständigungs- und werteorientiertem Lernen, das von den Schulbeteiligten erlernt wird. Das Umwelt-Audit kann hierzu ein wichtiger Baustein sein. Durch das Umwelt-Audit können von den SchülerInnen im Rahmen ihrer Tätigkeit in den Arbeitsgruppen Schlüsselqualifikationen wie selbständiges Lernen und Präsentation von Arbeitsergebnissen, Kreativität, Team-, Konflikt-, Dialog- und Kooperationsfähigkeit sowie Verantwortungsbewusstsein erworben und eingeübt werden. Außerdem erlernen sie auch Fähigkeiten, die sie später in die Arbeitswelt einbringen können.

Übersicht

Telefon

06221/9122-43

Telefon

06221/9122-43

Bundesland

Baden-Württemberg

Fördersumme

87.533,17 €

Förderzeitraum

01.07.1996 - 09.05.2000