Projekt 08591/01

Umweltgerechte Lösung von Pflanzenschutzproblemen in Winterraps und Mais in Systemen mit reduzierter Bodenbearbeitung

ProjekttrÀger

Georg-August-UniversitĂ€t GöttingenInstitut fĂŒr Phytopathologie und Pflanzenschutz
Grisebachstr. 6
37077 GöttingenZielsetzung und Anlass des Vorhabens Verfahren der pfluglosen Bodenbearbeitung erhöhen die GefĂŒgestabilitĂ€t und TragfĂ€higkeit des Bodens, hemmen die Bodenerosion und den Austrag von Pflanzenschutzmitteln, schonen die Bodenlebewesen und verringern Arbeits- und Maschinenkosten. Trotz ihrer Vorteile werden diese Verfahren nur zögernd von der Praxis angenommen. Ein wichtiger Grund hierfĂŒr dĂŒrfte die Zunahme der Verunkrautung und des Befalls mit Schadorganismen sein, die nach pflugloser Bodenbearbeitung auftreten kann. FĂŒr den Anbau von Raps und Mais wurden die Konsequenzen einer pfluglosen Bodenbearbeitung fĂŒr den Pflanzenschutz wenig bearbeitet und keine Lösungen vorgeschlagen. Dies war daher der Schwerpunkt des abgeschlossenen Projektes. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenWinterraps wurde an zwei Standorten (Braunschweig, Göttingen) in der ĂŒblichen dreigliedrigen Fruchtfolge (Raps, Weizen, Gerste) angebaut. In den drei Kulturen wurden drei Bodenbearbeitungs- und Aussaatverfahren (Pflug/Drillsaat, Grubber/Drillsaat, Direktsaat) angewendet. Am Standort Göttingen wurden auf den Versuchsanlagen Torland und Weendelsbreite die Verunkrautung sowie das Auftreten von Pilzkrankheiten, RapsschĂ€dlingen und ausgewĂ€hlten Gegenspielern erfaßt. Um ausreichende Bestandesdichten zu erzielen, wurden vor der Rapsaussaat bzw. nach der Aussaat Maßnahmen zur gleichmĂ€ĂŸigen Verteilung der Strohauslage sowie zur SchneckenbekĂ€mpfung durchgefĂŒhrt. Am Standort Braunschweig wurde neben dem Raps auch Mais in einer dreigliedrigen Fruchtfolge (Mais, Weizen, Gerste) angebaut. Auch hier wurde in den oben genannten Bearbeitungs- und Aussaatverfahren das Auftreten von UnkrĂ€utern, Krankheiten und SchĂ€dlingen erfaßt. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die Verunkrautung vor allem mit Ackerfuchsschwanz, das Auftreten von Fusariosen in Mais und Getreide sowie die AktivitĂ€t von Ackerschnecken und deren BekĂ€mpfung Ergebnisse und Diskussion In dem Projekt traten vor allem nach Direktsaat erhebliche Probleme mit der Etablierung der RapsbestĂ€nde auf. Die aussaattechnischen Probleme sind von Seiten der Landtechnik lösbar. Besondere Probleme kann dagegen das Auftreten von Ackerschnecken bereiten, deren AktivitĂ€t in Rapsdirektsaaten vor allem bei anhaltender NĂ€sse wĂ€hrend der Keim- und Auflaufphase zu einem Totalausfall fĂŒhrte. MolluskizideinsĂ€tze zum Zeitpunkt der Aussaat sicherten zwar die Bestandesentwicklung, fĂŒhrten aber nicht zu einer nachhaltigen Verminderung der SchneckenaktivitĂ€t oder deren Abundanz. Fruchtfolgen mit Winterraps und Wintergetreide fördern wegen der fast ganzjĂ€hrigen Bodenbedeckung die SchneckenaktivitĂ€t, die bei Verzicht auf das PflĂŒgen sowie bei kĂŒhlfeuchter Witterung und entsprechenden BodenverhĂ€ltnissen weiter zunimmt und sich auch in dem auf den Raps folgenden Winterweizen auswirken kann. RegelmĂ€ĂŸige Kontrollen der SchneckenaktivitĂ€t sind dann unerlĂ€ĂŸlich, um ĂŒber den Molluskizideinsatz zu entscheiden. Die pfluglose Bodenbearbeitung fĂŒhrte zu einer zunehmenden Vergrasung der Raps- und nachfolgenden GetreidebestĂ€nde, die vor allem durch lĂŒckige RapsbestĂ€nde begĂŒnstigt wurde. In Raps sind GrĂ€ser -einschließlich des Ausfallgetreides- relativ leicht mit Herbiziden zu kontrollieren. Der Einsatz der Graminizide muß allerdings relativ frĂŒh erfolgen. Anwendungen im SpĂ€therbst oder FrĂŒhjahr sind nicht in der Lage, Konkurrenzwirkungen, die vor allem vom Ausfallgetreide ausgehen, und ErtragsausfĂ€lle zu vermindern. Verfahren der pfluglosen Bodenbearbeitung können auch Vorteile fĂŒr den Pflanzenschutz mit sich bringen. Dies war in diesem Projekt vor allem bei der Auswirkung auf RapsschĂ€dlinge erkennbar: Nach pflugloser Bestellung wurden RapsflĂ€chen weniger stark vom Rapserdfloh besiedelt als gepflĂŒgte Felder. Der Befall der Pflanzen mit Larven und die Schlupfabundanz der JungkĂ€fer waren vermindert. Beim RapsglanzkĂ€fer wurden reduzierte Schlupfraten der JungkĂ€fer in den pfluglosen Systemen im Vergleich zur Pflugvariante festgestellt. Dies könnte auf dem Einfluß von Gegenspielern, von Parasitoiden oder epigĂ€isch lebenden RĂ€ubern beruhen. Es ist aber auch möglich, dass bodenphysikalische Faktoren fĂŒr die Effekte verantwortlich sind. Bei der Rapserdflohpopulation dĂŒrfte aber in erster Linie die Ansiedlung der adulten KĂ€fer auf den Rapsfeldern beeinflußt werden. Es ist bekannt, dass FlĂ€chen mit einer Mulchauflage von den Imagines eher gemieden werden. In der Maisfruchtfolge war die Zunahme des Befalls des auf den Mais folgenden Winterweizen mit Fusarium sp. nach pflugloser Bestellung das auffĂ€lligste Ergebnis des Projektes. Dies bestĂ€tigt erneut die Ge-fahr einer zunehmenden Bedeutung von Fusariosen in Maisfruchtfolgen mit pflugloser Bodenbearbeitung. GrundsĂ€tzlich muß bei der Etablierung pflugloser Systeme davon ausgegangen werden, dass von den vermehrt auf der BodenoberflĂ€che verbleibenden Pflanzenresten ein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht. Dies ist vor allem auch deshalb der Fall, weil die Pflanzenreste auf der BodenoberflĂ€che hĂ€ufig austrock-nen und dann verlangsamt mikrobiell abgebaut werden. Eine möglichst intensive Zerkleinerung der Pflanzenreste kann neben einer Anpassung der Fruchtfolge dieser Gefahr entgegenwirken. In diesem Projekt traten zwischen den ErtrĂ€gen der Pflug- und Grubbervariante meistens keine signifikanten Unterschiede auf. Nach Direktsaat kam es dagegen sowohl in Mais als auch in Raps in der Mehrzahl der Versuche zu signifikanten Ertragsminderungen. Die ökonomischen Vorteile der Direktsaat wurden teilweise durch höhere Pflanzenschutzkosten kompensiert. Voraussetzung fĂŒr eine ökonomische KonkurrenzfĂ€higkeit der Direktsaat ist das Ausbleiben ĂŒberproportionaler Ertragsverluste. Nur wenn es gelingt, die Ertragssicherheit zu verbessern, wird sich dieses System in grĂ¶ĂŸerem Maße in der Praxis durchsetzen. Öffentlichkeitsarbeit und PrĂ€sentation 10 Wissenschaftliche Publikationen 9 VortrĂ€ge und Poster Fazit Das Interesse an Systemen mit reduzierter Bodenbearbeitung wird in Zukunft zunehmen. Entwicklungen der Produktionstechnik, Anpassungen der Fruchtfolge sowie eine an den Standort angepaßte, flexible Handhabung der Systeme mit einem Wechsel zwischen PflĂŒgen und pflugloser Bestellung können dazu beitragen, die Pflanzenschutzprobleme zu lösen. Diese Möglichkeiten mĂŒssen genutzt werden, damit nicht durch einen allzu hĂ€ufigen und prophylaktischen Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel die ökonomischen und ökologischen Vorteile pflugloser Systeme aufgehoben oder in das Gegenteil verkehrt werden.

Übersicht

Telefon

0551/39-3702/01

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Bundesland

Niedersachsen

Fördersumme

313.959,80 €

Förderzeitraum

01.07.1996 - 11.04.2001