Projekt 08173/01

Förderschwerpunkt Holz: Verfahrensentwicklung zur Hausbockkontrolle mit arteigenen Sexuallockstoffen

Projektdurchführung

Universität BayreuthLehrstuhl für Tierökologie II
Universitätsstr. 30
95440 Bayreuth

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Aufgrund der verschärften Umweltbestimmungen und einem gesteigerten Umweltbewusstsein bei den Verbrauchern soll ein
umweltgerechtes Verfahren als bekämpfende Schutzmaßnahme für verbautes Holz gegen den Hausbock (Hylotrupes bajulus) entwickelt werden. Ziel des Projekts war es, die Möglichkeit, Effektivität und Rentabilität einer biologischen Bekämpfung des Schädlings mit arteigenen Sexuallockstoffen zu untersuchen. Mit der Entwicklung und Optimierung eines Lockstoff-Dispensers sowie einer Lockstofffalle wurde der Einsatz biologischer Schutzmaßnahmen (Monitoring, Massenabfang oder Verwirrtechnik) überprüft.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Anlockungseffekt der Sexuallockstoffe gegenüber Weibchen unterschiedlichen Alters wurde zuerst im Windkanal in Testserien mit authentischen Pheromonkomponenten, analogen Vergleichssubstanzen, eventuell wirksamen Additiven und unterschiedlichen Stabilisierungsmitteln untersucht. Für die Kontrollverfahren des Monitoring oder des Massenabfangs wurden dann Dispenser mit den wirksamen Lockstoffmischungen hinsichtlich der Abdampfraten applizierter Testsubstanzen temperaturabhängig charak-terisiert. Eine optimale und konstante Dosierung der Substanzabgaben wurde unter Einsatz von Formulierungsmitteln bei den Lockstoffträgern eingestellt. Begleitend wurde die Stabilität der applizierten Lockstoffe als Reinstoff und unter Zusatz von Stabilisierungsmitteln untersucht. Geeignete Fallenkonstruktionen (Fallenform und -öffnung, Arretierungsvorrichtung) wurden entwickelt. Die Fängigkeit der Fallensysteme wurde zuerst im Windraum mit differenzierter Freilandsimulation getestet, da hier Untersuchungen zu kritischen Parametern, wie z. B. zu den Reichweiten der Lockstoffallen und zum Langzeitflug, durchgeführt werden konnten. Jeweils in den Sommerperioden 1997 und 1998 wurde die Fängigkeit der bisher in Laborversuchsserien erprobten Fallenprototypen durch Wiederfangversuche mit Zuchtkäfern sowie an Freilandpopulationen im natürlichen Lebensraum an stark befallenen Dachstühlen und Scheu-nen, getestet. Die entsprechenden Untersuchungsobjekte wurden durch Öffentlichkeitsarbeit in Privathaushalten rekrutiert.


Ergebnisse und Diskussion

Verschiedene Ködereinsätze und Fallensysteme wurden entwickelt und in Versuchsserien zuerst im Windkanal, dann im Windraum unter Freilandsimulation und schließlich an natürlichen Standorten in Dachstühlen und Scheunen getestet und modifiziert: Um die Abdampfraten eines Dispensers einstellen zu können, wurde der Konzentrationsbereich der Sexuallockstoffe, der für Hausbockweibchen attraktiv ist, eingegrenzt. Es wurde ein Dispensersystem entwickelt, dessen Abdampfrate der Emissionsrate der Sexualpheromone von männlichen Hausbockkäfern entspricht bzw. durch Konzentrationserhöhung in der Köderformulierung variiert werden kann. Die Pheromonhauptkomponente, die unter Licht- und Temperatureinfluss schnell zerfällt, kann durch Zusatz eines Radikalfängers im Köder stabilisiert werden. Die eingestellten Abgaberaten waren über einen längeren Versuchszeitraum relativ konstant und unterlagen im Temperaturbereich von 20-30°C tolerierbaren Schwankungen. Aufgrund der unterschiedlichen Ört-lichkeiten der befallenen Holzbauteile wurden 3 verschiedene Schlitzfallen-Typen (Bodenfalle, Wandfalle und Balkenfalle) entwickelt. Eine umweltgerechte und toxikologisch unbedenkliche Arretierung bzw. Abtötung der Käfer wird durch die Kombination eines mechanischen Schleusensystems und Silikatstaub im Falleninneren erreicht. Die Fängigkeit von Hausbockweibchen durch Lockstoffallen wurde in Feldversuchen erstmalig nachgewiesen. Sowohl Weibchen an natürlichen Befallsherden als auch in Wiederfangversuchen eingesetzte Zuchtweibchen wurden von den Fallen angelockt. Die Untersuchungen unter Freilandbedingungen waren aufgrund der witterungsbedingt schlechten Fangperioden in den kühlen Sommern 1997 und 1998 problematisch und nur stark eingeschränkt durchführbar, so dass eine Einstufung der Falleneffizienz an natürlichen Populationen der Hausbockkäfer zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich ist. In Wiederfangversuchen zeigte sich, dass die Fangeffizienz der entwickelten Fallensysteme gegenüber Hausbockweibchen den verschiedensten Standortfaktoren (Lichtintensität, Temperatur, Windverhältnisse, Konkurrenz durch Pheromon-emittierende Männchen am Befallsherd) unterliegt. Auch Fallencharakteristika (z. B. Zusammensetzung und Konzentration der Lockstofformulierung) spielen bei der Fängigkeit von Hausbockweibchen eine Rolle (ca. 10-70 % Wiederfang). Da die Synthese des au-thentischen Pheromons sehr aufwändig ist, wurden zusätzlich Substanzen getestet, die im Vergleich zum authentischen Ketol entweder in der Stereochemie oder in der Kettenlänge modifiziert wurden. Diese analogen Substanzen lösten in Verhaltensversuchen unter den verschiedensten Standortbedingungen im Windkanal, Windraum und Freiland jedoch keine oder eine nur geringe Attraktion aus. Der Zusatz von wirtsspezifischen Additiven ermöglicht es wiederum, die Falleneffizienz einer kostengünstigen, jedoch nicht optimalen Zusammensetzung der Sexuallockstoffe signifikant zu erhöhen. Nichtzielorga-nismen, wie z. B. Honigbienen und xylophile Aculeaten, deren Bienenkästen bzw. Nisthilfen sich in nächster Umgebung befanden, wurden von der Pheromonfalle nicht angelockt. Unter Einbeziehung verschiedener Außenparameter wurde der Einfluss einer Fallenanwendung auf das Flugverhalten der Hausbockweibchen getestet. Als flugauslösende Stimulanzien konnten Standortfaktoren, wie z. B. hohe Lichtintensitäten und begrenzte Laufflächen, nachgewiesen werden. Die Abflugrichtung der Weibchen wurde von der Windrichtung und der Pheromonkonzentration beeinflusst. Eine Anlockung unverpaarter Weibchen aus befallenen Nachbargebäuden ist demnach nicht vollständig auszuschließen und muss nach den witterungsbedingt stark eingeschränkten Fangperioden 1997/98 in weiteren Feldversuchen getestet werden.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Öffentlichkeitsarbeit zur Rekrutierung geeigneter Versuchsflächen mit Hausbockbefall in Nordbayern und im Süden Schleswig-Holsteins erforderte einen hohen Zeit- und Arbeitsaufwand. In einer Erhebung zum Hausbockbefall wurden z. B. im norddeutschen Raum 60.000 Fragebögen an private Haushalte verteilt. Kurzvortrag in der Sektion Chemische Ökologie/Ökophysiologie bei der Entomologen-Tagung der DgaaE vom 18.-22. März 1997, Bayreuth und bei der 21. Holzschutztagung vom 21.-23. April 1998, Rosenheim; Präsentation auf der Oberfrankenausstellung 1998.


Fazit

Aufgrund der nachgewiesenen Fallengängigkeit und -effizienz bei Hausbockweibchen ist die Durchführbarkeit eines Monitorings gegenüber eines Schädlingsbestands belegt. Erfahrungen der Fallenerpro-bung in den witterungsbedingt stark beeinträchtigten Fangperioden 1997 und 1998 haben weiterhin gezeigt, dass die Verfahrenstechniken Massenabfang und Verwirrtechnik nur über einen längeren Ver-suchszeitraum überprüft werden können. Die bisherige Vorgehensweise hat sich jedoch bewährt und vielversprechende Ergebnisse für die Entwicklung eines marktreifen Produkts erzielt.

Übersicht

Fördersumme

207.310,45 €

Förderzeitraum

01.08.1996 - 31.03.1999

Bundesland

Bayern

Schlagwörter

Klimaschutz
Naturschutz
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umwelttechnik