Projekt 06883/01

Stoff- und Energieflußanalyse einer Universität: Erstellung einer ökologischen Gesamtbilanz von Hochschulen am Beispiel der Universität Osnabrück

Projektdurchführung

Universität OsnabrückInstitut für Umweltsystemforschung
Artilleriestr. 34
49069 Osnabrück

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Hochschulen verursachen mit ihren Energie- und Stoffumsätzen Umweltbelastungen, die durch systematischen Einsatz organisatorischer und technischer Maßnahmen erheblich reduziert werden könnten. Während an vielen Hochschulen schon einzelne Umweltschutzmaßnahmen umgesetzt werden, fehlte bisher ein ressourcensparendes Gesamtkonzept für ein professionelles Umweltmanagement einer Hochschule.
Die Hauptziele des Projektes waren die Erstellung eines Umweltmanagementkonzeptes für die Universität, die Durchführung einer Stoff- und Energieflußanalyse der Universität sowie die Entwicklung von nicht-investiven Maßnahmen. Untergeordnete Ziele waren die Berücksichtigung der EMAS-Verordnung, die Übertragbarkeit auf andere Hochschulen sowie die praktische Umsetzung an der Universität selber.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFast durch das ganze Projekt hinweg zog sich die (hochschulinterne) Öffentlichkeitsarbeit und die Stoff- und Energieflußanalyse (SUE) mit Erstellung der Ökobilanz. Letzteres lag daran, daß immer wieder Teilbereiche bearbeitet wurden, je nachdem wann welche Daten vorlagen. Die SUE wurde für die Bereiche Energie, Verkehr, Wasser und Abwasser mit der Software Umberto durchgeführt; Materialien und Abfälle wurden mittels Excel analysiert. Nach Abschluß der Ökobilanzierung wurden Umweltziele und -programm entwickelt. Der Prozeß der Erarbeitung der Umweltleitlinien dauerte etwa ein Jahr. Kleinere Abschnitte waren die Konzeption des Umweltinformationssystems (UIS) und der Organisationsstrukturen. Schließlich mußten die einzelnen Bausteine aufeinander abgestimmt und zum Gesamtmodell zusammengeführt werden.
Die Umsetzungsphase begann Ende 1997 mit der Vorbereitung des Abfallkonzeptes; die konkrete Durchführung fand im ersten Halbjahr 1998 statt. Die Vorbereitung und Durchführung der Abschlußtagung, die Herausgabe des Tagungsbandes sowie das Schreiben des Projektberichts bestimmte die letzten Monate des Projektes, die kostenneutral bis April 1999 verlängert werden mußte.


Ergebnisse und Diskussion

Hauptziel 1: Erstellung eines Umweltmanagement-Konzeptes für Hochschulen am Beispiel der Universität Osnabrück
Mit dem »Osnabrücker Umweltmanagement-Modell für Hochschulen« wurde ein integratives Gesamtkonzept für ein UMS an Hochschulen entwickelt. Es ist zunächst auf die Situation an der Universität Osnabrück zugeschnitten, läßt sich aber ohne wesentliche Änderungen auf andere Hochschulen übertragen. Der besseren Übersichtlichkeit halber wurden die verschiedenen Maßnahmen zu zehn Bausteinen zusammengefaßt, die in der Summe das UM-Modell ergeben. Dadurch wurde der Universität ein Handlungsschema bereitgestellt, nach dem sie bei der endgültigen Einführung und späteren Fortführung des UM vorgehen kann. Ebenso ist über die Aufteilung in Bausteine eine klare Abgrenzung von Teilbereichen vorgenommen worden. Dadurch ist eine weitgehende Integration in die bisherigen Arbeitsgebiete und -abläufe der Verwaltung möglich, so daß keine eigene Umweltschutz-Abteilung geschaffen werden muß. Zur übergreifenden Koordination und konzeptionellen Umweltplanung wird ein »Koordinator Umweltmanagement« vorgesehen, der Dreh- und Angelpunkt des gesamten UMS.
Hauptziel 2: Erfassung der Stoff- und Energieflüsse der Universität und ihre Bilanzierung und Bewertung
Die Stoff- und Energieflußanalyse mit anschließender Erstellung einer Ökobilanz, die als einer von zwei Schwerpunkten des Projekts festgelegt wurde, ist sowohl vom Zeitaufwand als auch von der Datenmenge her erheblich umfangreicher ausgefallen als geplant. Es konnte jedoch die bisher weitestgehende Stoff- und Energieflußbilanzierung einer Hochschule durchgeführt werden. Insbesondere die sich an die Sachbilanz anschließende Bewertung der Stoffflüsse mit Hilfe der ISO-Methode der Wirkungskategorien wurde erstmals auf eine Hochschule angewendet. Auch wenn nicht alle Stoff- und Energieflüsse berücksichtigt wurden, konnten den Entscheidern der Universität eindeutige Empfehlungen zur Reduzierung der Umweltbelastungen gegeben werden.
Hauptziel 3: Erarbeitung von Instrumenten zur Senkung der Umweltbelastungen
Dieser Bereich konnte nicht mit der geplanten Intensität bearbeitet werden. Dies wirkte sich insbesondere im Bereich der nicht-investiven Maßnahmen negativ aus, da sie erheblich umfangreicher hätten durchgeführt werden müssen, um eine nachhaltige Wir-kung bei den Hochschulangehörigen zu erzielen. Es konnten jedoch zumindest im Rahmen der Umsetzung eines neuen Abfallkonzepts beispielhaft auf die Universität zugeschnittene Maßnahmen der Mitarbeiterinformation, -weiterbildung, -motivation und -beteiligung entwickelt, durchgeführt und evaluiert werden. Sie können von der Universität auch für zukünftige Aktionen, z.B. einer Energiesparkampagne, eingesetzt werden. Neben diesen Instrumenten, die direkt zur Anwendung kamen, wurden weitere Beispiele erarbeitet, die direkt oder indirekt zur Senkung der Umweltbelastungen der Universität beitragen könnten. Im Bereich der Informations- und Anreizsysteme sind dies z.B. der Energiesparfonds oder - erheblich umfangreicher - das Konzept für ein Umweltinformationssystem (UIS). Weiterhin wurde die Umstellung der Dienst-KFZ auf Erdgas, die Beteiligung am Car-Sharing oder der Einsatz von Photovoltaik untersucht.
Unterziel 1: Berücksichtigung der EG-Öko-Audit-Verordnung
Fast zeitgleich mit dem Beginn des Projekts im November 1995 wurde die deutsche Ausführungs-Verordnung zur EG-Öko-Audit-Verordnung verabschiedet. Auch wenn sie zunächst nicht für öffentliche Einrichtungen vorgesehen war, wurde es als sinnvoll erachtet, die Anforderungen der VO an den Aufbau eines UMS mit in die Bearbeitung des Projekts einfließen zu lassen. Die schon im Gesetz vorgesehene Erweiterung auf »andere Bereiche« fand schließlich Anfang 1998 statt, und insbesondere auf Bemühen des Präsidenten der Universität Osnabrück konnte über die Hochschul-Rektoren-Konferenz erreicht werden, daß auch Hochschulen in die VO mit aufgenommen wurden. Die Anforderung der VO wurden nicht nur weitgehend berücksichtigt, sondern das entwickelte UM-Modell geht noch weit über die dort vorgesehenen Maßnahmen hinaus.
Unterziel 2: Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Hochschulen
Angesichts der heterogenen Struktur der Hochschullandschaft war eine Berücksichtigung sämtlicher Hochschultypen und -größen nicht möglich, da in Osnabrück keine technischen Fachbereiche und keine Medizin existieren. Die Übertragung des Konzepts auf Hochschulen ähnlicher Struktur wird jedoch durch das modulare System der zehn Bausteine ermöglicht. Während die äußere Form vorgegeben wurde, kann die konkrete Ausgestaltung nach eigenen Prioritäten erfolgen.
Unterziel 3: Praktische Umsetzung der Projektergebnisse
Bisher kann nur von einer zaghaften Umsetzung an der Universität die Rede sein. Während es zunächst viel Unterstützung bei der Entwicklung und Verabschiedung der Umweltleitlinien gab, hat das Interesse an der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung der eher abstrakten Leitlinien nachgelassen. Positiv gesehen werden kann andererseits, daß die Universität sich zum Aufbau eines UMS bekannt hat (auch wenn die Stelle des »Koordinators Umweltmanagement« zunächst nur teilweise und befristet eingerichtet wird) und daß sie das Projekt mit erheblichen Eigenmitteln unterstützt hat.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Als zentrale Veranstaltungen wurden an der Universität Osnabrück zwei Workshops durchgeführt. Am 13./14. Februar 1997 wurde mit einem »Halbzeit-Workshop« Zwischenbilanz der bisherigen Arbeit gezogen (Teilnehmer: 40 Hochschullehrer, Fachkräfte des Umweltschutzes und Studierende aus verschiedenen Hochschulen). Die Abschlußtagung am 27./28. November 1998 schließlich stellte die Gesamtergebnisse des »Osnabrücker Umweltmanagement-Modells« vor (Teilnehmer: 70 Vertreter von 32 Hochschulen und einiger externer Institute).
Beim HIS-Praxisseminar »Umweltmanagement in Hochschulen«, das am 9./10. Juni 1997 an der TU Clausthal durchgeführt wurde, konnte zudem auf Einladung von HIS und ZTW (Zentrum für Technologietransfer und Weiterbildung der TU Clausthal) die Arbeitsgruppe Energie moderiert und anhand der bisher erarbeiteten Ergebnisse die Einführung eines Energiemanagements an Hochschulen mit den Teilnehmer/inne/n erarbeitet werden.
Zur Verbreitung der Ergebnisse des Projekts in der eigenen Universität, an anderen Hochschulen und über die Hochschulebene hinaus wurden eine Reihe von Vorträgen und Präsentationen durchgeführt sowie Zeitschriftenartikel und andere Beiträge veröffentlicht. Insbesondere durch die Unterstützung der Pressestelle der Universität konnte in fast jeder Ausgabe der Unizeitung ein Artikel zu einem bestimmten Aspekt des Umweltmanagements untergebracht werden. Nach und nach werden die Ergebnisse auch im Internet zur Verfügung gestellt (http://www.usf.Uni-Osnabrueck.DE/projects/sue).
In einer sechsteiligen Serie »Umweltmanagement an Hochschulen« in der Zeitschrift »Umweltwissenschaften und Schadstoff-Forschung« (Hrsg. Prof. Hutzinger, ecomed-Verlag) werden seit Anfang 1999 wesentliche Ergebnisse der Fachöffentlichkeit vorgestellt (z. B. Ausgabe 1: VIEBAHN, PETER; MATTHIES, MICHAEL, 1999: Das Osnabrücker Umweltmanagement-Modell für Hochschulen - von den Umweltleitlinien bis zur Mitarbeiterbeteiligung (Überblick über die zehn Elemente); Beitragsserie: Umweltmanagement an Hochschulen, Teil I; UWSF - Z. Umweltchem. Ökotox. 11 (1); 55-62; ecomed: Landsberg).
Im März 1999 ist eine Publikation mit den Beiträgen der Abschlußtagung erschienen (VIEBAHN, PETER; MATTHIES, MICHAEL (Hrsg.) 1999: Umweltmanagement an Hochschulen. Konzepte, Strategien, Lösungen. Bochum: projekt verlag. ISBN 3-89733-021-0.). Der 600-seitige Abschlußbericht wird etwas gekürzt im Herbst 1999 als Buchveröffentlichung erscheinen.
Die weiteren Schritte hängen davon ab, ob das vorgeschlagene Umweltmanagementsystem von der Universität aufgebaut wird; in dem Rahmen könnten weitere umfangreiche PR-Maßnahmen stattfinden.


Fazit

Das vorgelegte UM-Modell hat mit seinen zehn Bausteinen einen beträchtlichen Umfang erreicht. Der Schwerpunkt bei der Implementation lag dabei bei der Stoff- und Energieflußanalyse, an zweiter Stelle folgte die Entwicklung und Durchführung nicht-investiver Maßnahmen. Ziel dieses Projekts war eine fundierte Analyse der Umweltauswirkungen sowie ihre Bewertung, um einerseits der Universität Entscheidungshilfen für die Verringerung der durch sie verursachten Umweltbelastungen zu geben. Auf ihrer Grundlage sollten nun Schwerpunkte bei den technischen Maßnahmen gesetzt und ihre Umsetzung durch nicht-investive Maßnahmen begleitet werden. Andererseits sollte mit diesem Vorgehen ein Weg für Vergleiche der Hochschulen untereinander aufgezeigt werden, für den das einfache Gegenüberstellen von Verbräuchen und Verkehrsleistungen ohne ihre tiefergehende Betrachtung für die Zukunft nicht mehr ausreichend erscheint.
Nicht berücksichtigt wurden in dem UM-Modell die Bereiche Lehre, Forschung und außeruniversitäre Weiterbildung sowie ihre entsprechende Umgestaltung und Erweiterung hinsichtlich Aspekten aus der Agenda 21- und Nachhaltigkeitsdebatte (Stichwort »greening the universities«). Dies war zunächst nicht das Ziel des Projekts und wäre auch vom zeitlichen Umfang nicht leistbar gewesen. Andererseits werden auch durch diese eher »weichen« Faktoren noch keine Ressourcen eingespart und Umweltbelastungen gesenkt. Wichtiger erschien, die Hochschulangehörigen zunächst in ihrem direkten Umfeld auf die »praktischen« Auswirkungen ihres Tuns aufmerksam zu machen und vor Ort zu einer Verbesserung der Umweltsituation zu gelangen. Einer Erweiterung des Modells um Nachhaltigkeitsfaktoren steht jedoch nichts im Wege; in den Umweltleitlinien wurden die Bereiche umweltverträgliche Lehre und Forschung bereits berücksichtigt.

Übersicht

Fördersumme

91.531,47 €

Förderzeitraum

17.08.1995 - 30.04.1998

Bundesland

Niedersachsen

Schlagwörter

Umweltkommunikation
Umwelttechnik