Projekt 06363/01

Energieberatung für Kommunen in den neuen Ländern

Projektdurchführung

Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N.
Arnswaldstr. 28
30159 Hannover

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Durch beispielhafte Beratung und Betreuung in der Umsetzung von Energieeinsparmaßnahmen in 15 bis 20 Kommunen sollen Möglichkeiten zur Realisierung aufgezeigt und bundesweit den Kommunen vorgestellt werden. In 100 Gutachten von öffentlichen Gebäuden in Brandenburg aus 1993/94 wurden klimarelevante Energieeinsparpotentiale ( CO2-Minderung um ca. 5.000 t/Jahr) aufgezeigt, die sich im Mittel in 12 Jahren amortisierten. Darüber hinaus bestand ein weiteres erhebliches Energieeinsparpotential in anderen öffentlichen Objekten. Derzeit besteht eine Überdimensionierung der Heizzentralen nach dem Stand der Technik , obwohl diese seit 1990 teilweise neu installiert wurden. Diese Erkenntnis gepaart mit einem generellen Misstrauen gegenüber Beratern, Gutachtern, Energieversorgern und erfolgversprechenden Prognosen, stellt sich als Hemmnis zur Umsetzung von rentierlichen energiesparenden Maßnahmen in den kleinen und mittleren Kommunen in den neuen Bundesländern dar. Dieses Projekt dient der fachlichen Unterstützung der Kommunen zur Umsetzung festgestellter o.g. energiesparender Maßnahmen unter Berücksichtigung der kommunalen Belange mit Kosten-Nutzen-Analyse und ggf. einer Einbindung von Investoren.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der Phase 1 soll dieses Projekt mit einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der U.A.N. und der BEA, sowie schriftlicher und direkter Kontaktaufnahme zu Kommunen mit umsetzungsreifen Objekten, unter Berücksichtigung der Förderprogramme des Landes Brandenburg, die beratende gutachterliche Unterstützung zur Realisierung von Energiesparmaßnahmen den Kommunen anbieten. 15 bis 20 Kommunen können nach Projektierung durch die U.A.N., mit Umsetzungszusage durch ihren Rat in der Phase 1, an der Umsetzungsbetreuung in der Phase 2 teilnehmen. Neben der technisch, wirtschaftlichen und fachlichen Unterstützung soll in Qualifizierungsseminaren für Verwaltung, Bediener und Nutzer von öffentlichen Gebäuden mit Einführung von Controllinginstrumenten und Fachgesprächen mit den Installationshandwerken die Grundlage zur nachhaltigen Emissions- und Betriebskostensenkung in den Kommunen geschaffen werden. Den Kommunen und Investoren wird mit einer Fachbörse (Veranstalter: BEA) zum Contracting für die bearbeiteten Projekte die Möglichkeit einer Kooperation angeboten.


Ergebnisse und Diskussion

Phase 1 diente der konkreten Feststellung des Handlungsbedarfes und des Umsetzungswillens in kleinen Kommunen unter 10.000 Einwohnern. Mit energetischen Schwachstellenanalysen ihrer öffentliche Einrichtungen wurden den Kommunen nichtinvestive und rentierlich investive Maßnahmen zur Realisierung in der Phase 2 vorgeschlagen. 18 Kommunen hatten mit Ratsbeschluss Maßnahmenpakete beschlossen und sich dafür ausgesprochen, dass die U.A.N. im Rahmen des Pilotvorhabens die planerische und fachliche Betreuung für die Umsetzung in der Kommune durchführt.
Gesamtenergie- und CO2 - Bilanz der betreuten Kommunen von 1995 bis 1998In der Bilanz konnten von 18 Kommunen 17 mit insgesamt 96 Liegenschaften in der Phase 2 ausgewertet werden. Die Verbrauchsentwicklung aller Liegenschaften im Berichtszeitraum zeigt fallende Tendenz, obwohl in einigen Kommunen keine Einsparerfolge zu verzeichnen waren. In der Spitze konnten im Wärmeverbrauch bis zu rd. 33%, im Stromverbrauch bis zu rd. 22% und bei der CO2-Emission bis zu rd. 33% eingespart werden (Im Vergleich der Kommunen: Summe aller Gebäude aus Phase 1 und 2). Die höchste Einsparquote lag auf spezifischer Gebäudeebene für den Wärmeverbrauch in der Gemeinde Beeskow bei 63,2%. Der witterungsbereinigte Wärmeverbrauch ging in den Vergleichsjahren um 12,5%, entsprechend 4.051 MWh zurück. Der Stromverbrauch reduzierte sich im Vergleichszeitraum um 0,9%, entsprechend 24 MWh.
Die CO2-Emission konnte insgesamt um 14,7% entsprechend 1.626 t in den Vergleichsjahren 1995 zu 1998 gesenkt werden. Im Bereich der Wärme ist ein Rückgang um 17,2% zu verzeichnen. Der überproportionale Rückgang der CO2-Emission im Bereich der Wärme ist auf die noch nicht abgeschlossene Umstellung der Energieträger Braunkohle auf Erdgas oder Heizöl, bzw. der Umstellung von Heizöl auf Erdgas zurück zuführen. Im Strombereich konnte die CO2-Emission überproportional um 1,3% reduziert werden, im wesentlichen bedingt durch die Reduzierung des Stromverbrauchs für Heizzwecke, der aufgrund eines anderen Strommixes im Vergleich zu Lichtstrom eine stärkere CO2-Reduzierung bewirkt.
Rund 2/3 der betrachteten Kommunen (11 von 17 Kommunen) haben Einsparungen an Wärmeenergie in den Vergleichsjahren erzielen können. Die prozentuale Verbrauchsentwicklung Wärme zeigt, welches Einsparpotential für die einzelne Kommune, die bisher nicht so gut in Erscheinung getreten ist, noch zu erschließen ist.
Im Bereich der Stromverbräuche konnten nur 1/3-tel der betrachteten Kommunen in den Vergleichsjahren Einsparungen nachweisen. Gründe hierfür sind:
· allgemeine Zunahme der technischen Ausstattung der Gebäude mit Computern, etc.
· geringe Investitionsbereitschaft im Bereich der dringend notwendigen Beleuchtungssanierung in allen Schulen. Obwohl mit einem standardisierten Konzept der U.A.N., eine preiswerte Umsetzungshilfe vorhanden war, die eine rentierliche Sanierung ermöglichen kann, haben nur zwei Kommunen (Beeskow und Plessa) in drei Schulen im Sommer 1999 Beleuchtungssanierungen durchgeführt.
Zusammenfassung der Beratungsergebnisse
In den 18 Kommunen haben wir ein breites Spektrum an Umsetzungsbereitschaft vorgefunden, von kurzfristig umfassender Umsetzung auch mit knappen Finanzmitteln bis zur Ausnutzung aller Hemmnisse des Verwaltungshandelns. Die größten Erfolge waren in den Kommunen zu erzielen, in denen einzelne Entscheider mit hoher Motivation und persönlicher Überzeugungskraft Hemmnisse nicht entstehen ließen.
Die erfolgreichste Bilanz der Aktivitäten konnten wir in Beeskow in allen Bearbeitungsbereichen feststellen. Hier war die Motivation, vertreten durch den Kämmerer, am höchsten, mit rentierlichen Maßnahmen kurzfristig Einsparmaßnahmen umzusetzen, die mittelfristig den Verwaltungshaushalt erheblich entlasten. Hier konnten besonders die von der U.A.N in Phase 1 festgestellten hohen Kosten der Fernwärmelieferungen, durch deutliche Minderung der Vertragsleistungen gegen den Widerstand des Wärmelieferanten, minimiert werden. Die Wärme - Einsparerfolge an Beispiel von vier Gebäuden belaufen sich hier auf rd. 102.000 DM pro Jahr, rd. 57% Minderung der Wärmekosten in 1998 gegenüber 1996, eingeschlossen waren hier auch investive Maßnahmen. Diese Einsparerfolge hätten in der Summe über alle Objekte noch höher ausfallen können, wenn immer das Beraterpotential der U.A.N. im Vorfeld von Planerbeauftragungen hinzu gezogen worden wäre. Weiterhin sind in Beeskow überwiegend alle vorgeschlagenen organisatorischen Maßnahmen in der Verwaltung und in den Objekten integriert worden. Das Energiemanagement mit kontinuierlicher Verbrauchserfassung und einem technischen Oberhausmeister für alle Objekte, sichert die erzielten Erfolge und ermöglicht weitergehende Optimierungen, die bisher noch nicht realisiert werden konnten.
Die Einsparungen in der Stadt Herzberg betrugen für die untersuchten Objekte rd. 36.000 DM pro Jahr an Wärmeverbrauchskosten und zusätzlich rd. 58.999 DM pro Jahr an Einsparung der Wärmevertragsleistungen.
In den Kommunen wird auf Grundlage der gemeinsam mit der U.A.N. erarbeiteten Erkenntnis kontinuierlich der Energieeinspargedanke im Sinne der Betriebskostenminimierung und der CO2-Minderung in der Folgezeit fortgeführt.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Während der Projektlaufzeit wurde in den Medien über Inhalte berichtet. Die Ergebnisvorstellung sollte in Form einer Pressekonferenz in Potsdam durchgeführt werden.


Fazit

Die erzielten Einsparerfolge in den Kommunen mit hochmotivierten Entscheidern zeigen das mittelfristig erzielbare Klimaschutzpotential mit einer CO2-Minderung um ca. 35% auf. Die Arbeitsmethoden und-instrumente der Berater haben sich bewährt und zeigen den Bedarf für die notwendige neutrale und unabhängige Beratung unter Berücksichtigung der kommunalen Belange auf.

Übersicht

Fördersumme

468.380,18 €

Förderzeitraum

10.05.1996 - 02.02.2000

Bundesland

Neue Bundesländer

Schlagwörter

Klimaschutz
Neue Bundesländer
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umweltkommunikation
Umwelttechnik