Projekt 06065/01

Energieverbrauchskennwerte für Gebäude in der Bundesrepublik Deutschland

Projektdurchführung

AGES Gesellschaft für Energieplanung und
Klosterstr. 3
48143 Münster



Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Energieverbrauchskennwerte (EKW) geben den spezifischen Jahresenergieverbrauch bezogen auf eine Bezugsgröße - in der Regel ein Flächenmaß - an. Sie stellen insofern ein wichtiges Hilfsmittel dort dar, wo bei der Bewirtschaftung größerer Gebäudebestände eine rationelle Energieverwendung, Kostensenkungen und eine Verringerung der Umweltbelastung erreicht werden sollen.
Empirische Untersuchungen zu EKW von Gebäuden in der Bundesrepublik Deutschland sind nicht nur ver-gleichsweise selten, sie sind zudem aufgrund der sehr unterschiedlichen methodischen Ansätze nur eingeschränkt verwendbar. Insbesondere fehlen belastbare empirische Daten, die auf der Grundlage der VDI 3807 Blatt 1 aufgenommen und aufbereitet worden sind.
Im Rahmen dieses Forschungsprojektes sollten auf der Grundlage empirischer Daten Energieverbrauchskennwerte von Gebäuden nach der Methode der VDI-Richtlinie 3807 Blatt 1 ermittelt werden. Dabei war eine Differenzierung der Gebäudearten entsprechend der Systematik des Richtlinienausschusses VDI 3807 Blatt 2 vorgesehen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFür die Bildung der Verbrauchskennwerte wurden Daten aus folgenden Quellen genutzt:
· Daten kommunaler öffentlicher Gebäude aus örtlichen Energiekonzepten,
· Daten aus dem Kreis der Mitglieder des VDI-Richtlinienausschusses 3807 Blatt 2,
· Daten von Liegenschaften im Zuständigkeitsbereich von sonstigen Kommunen, Kreisen und Bundesländern,
· Daten von Liegenschaften aus sonstigen Untersuchungen.
Gegenüber den bislang vorliegenden Untersuchungen zeichnet sich das Projekt dadurch aus, daß:
· Verbrauchsdaten von 7.000 Gebäuden bundesweit gesammelt wurden,
· aktuelle Verbrauchswerte überwiegend aus den Jahren 1992 bis 1994 vorliegen,
· eine differenzierte statistische Auswertung der Daten erfolgt und
· das Projekt fortschreibbar angelegt ist


Ergebnisse und Diskussion

Von den ca. 15.000 zugesagten Objektdaten wurden etwa 10.000 tatsächlich zur Verfügung gestellt. Davon waren 7.340 aus 66 Quellen für Auswertungen verwendbar. Es liegen insgesamt 15.846 Verbrauchsdaten (Wärme 6.286, Strom 5.502, Wasser 4.058) überwiegend aus dem Zeitraum 1992 bis 1994 vor. Dabei handelt es sich vorwiegend um Daten von öffentlichen Gebäuden in Trägerschaft von Bund, Ländern und Gemeinden. Darüber hinaus umfaßt der Gebäudekatalog z.B. auch Verkaufsstätten.
Der umfangreiche - insbesondere auf differenzierte technische Ausstattungsmerkmale ausgerichtete - Fragenkatalog blieb weitgehend unbeantwortet. Es zeigte sich, daß Gebäudedaten in dieser Differenzierung zur Zeit - noch - nicht verfügbar sind. Überhaupt gestaltete sich die Datenbeschaffung schwieriger und langwieriger als erwartet, da die Kooperationswilligkeit angesichts der Arbeitsbelastung der zuständigen Sachbearbeiter teilweise unerwartet gering war und weil die Daten teilweise nicht belastbar waren.
Die mittleren Heizenergieverbrauchskennwerte liegen im Niveau 30 bis 40% unter den bislang bekannten Werten. Das ist - wegen der Verwendung von Modalwerten als Mittelwerten - teilweise methodisch bedingt, teilweise aber auch Ausdruck von erfolgreichen Sparbemühungen. Gleichwohl sind auch immer noch erhebliche Einsparpotentiale erkennbar.
Für die praktische Arbeit von Interesse sind sicherlich auch die hier ermittelten elektrischen Leistungskennwerte. Ebenso dürften die im Rahmen des Projektes ermittelten und zusammengestellten Flächenumrechnungsfaktoren von Interesse sein, da diese vergleichsweise tief nach Gebäudearten differenziert werden konnten.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Über die enge Zusammenarbeit mit dem VDI Richtlinienausschuß 3807-2 und die breit angelegte Datenanfrage war das Projekt bereits während der Durchführung in Fachkreisen bekannt. Durch Präsentation der vorläufigen Ergebnisse im Rahmen der VDI Fachtagung Energiekennwerte - Instrumente für den Gebäudebetrieb wurde großes Interesse an der Untersuchung geweckt. Mit Vorlage des Gründrucks der VDI 3807 Blatt 2 im Frühjahr 1997 und über den Vertrieb des Forschungsberichtes ist darüber hinausgehend gewährleistet, daß die Ergebnisse der Arbeit interessierten Fachkreisen zugänglich gemacht werden.


Fazit

Mit den im Rahmen dieses Projektes gewonnenen Ergebnissen werden den Interessenten Verbrauchskennwerte zur Verfügung gestellt, die in den kommenden Jahren als Orientierungswerte in der Praxis verwendet werden können. Die in der VDI Richtlinie 3807 Blatt 1 beschriebene Vorgehensweise für die Ermittlung von Verbrauchskennwerten hat sich dabei als praktikabel erwiesen. Bei einer Durchsetzung des Verfahrens ist in Zukunft eine breitere Datengrundlage für statistische Auswertungen nach dem hier durchgeführten Verfahren zu erwarten.
Insbesondere über die breite Anwendung des hier im Anhang dokumentierten Bauwerkzuordnungskataloges nach ARGE BAU dürfte in den kommenden Jahren ein Datenfundus entstehen, der auch für die hier unberücksichtigt gebliebenen Gebäudearten die Ausweisung von Richt- und Mittelwerten erlaubt.
Geprüft werden sollte allerdings, ob nicht der Aussagegehalt von Strom- und Wasserverbrauchskennwerten dadurch erhöht werden sollte, daß über eine Differenzierung nach Gebäudearten (z.B. Verwaltungsgebäude mit niedriger/hoher technischer Ausstattung) hinausgehend Merkmale zum Technisierungsgrad oder zum Funktionsumfang (z.B. mit/ohne Außenbewässerung) berücksichtigt werden.

Übersicht

Fördersumme

47.245,41 €

Förderzeitraum

27.02.1995 - 13.01.1997

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Schlagwörter

Klimaschutz
Ressourcenschonung
Umweltforschung
Umwelttechnik