Projekt 05994/01

DurchfĂŒhrung des Vorhabens: Zukunftsprojekt Jugendherberge – Aufbau einer Sustainable Living Herberge als modellhafte Umweltbildungseinrichtung in Mirow (Mecklenburg-Vorpommern)

ProjekttrÀger

Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)Hauptverband fĂŒr Jugendwandern undJugendherbergen e. V.im GILDE Zentrum
Leonardo-da-Vinci-Weg 1
32760 DetmoldZielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes war es, einen in sozialer u. ökologischer Hinsicht optimierten Lern-, Lebens- und Erfahrungsraum fĂŒr Jugendliche u. andere GĂ€ste zu schaffen (Projektantrag). Bereits im jetzt verwendeten Namen Ökologische-WohlfĂŒhl- Jugendherberge kommt zum Ausduck, das das BedĂŒrfnis von Jugendlichen u. anderen GĂ€sten nach Spaß, Erlebnissen und WohlfĂŒhlen in Übereinstimmung gebracht werden soll mit dem Anspruch einer Nachhaltigen Lebensweise im Sinne der Agenda 21. Darin wird das Leitbild einer nachhaltigen Gesellschaft ĂŒber eine integrierte ökonomische, soziale u. ökologische Entwicklung definiert. AngeknĂŒpft wurde dabei an die Aussage von Prof. Dr. E. U. WeizsĂ€cker, nach der sich eine nachhaltige Lebensweise nur dann durchsetzen wird, wenn das Konzept nicht primĂ€r auf Verzicht, sondern auf dem Wunsch nach Genuss, Luxus und Wohlstand aufbaut. Ein weiterer Anlass des Projektes war die Kritik an einer eher wissens- und bewusstseinsbezogene Umwelterziehung, der wir eine stĂ€rker lebenswelt- und verhaltensbezogene Bildung fĂŒr nachhaltige Entwicklung entgegenstellen wollen. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliederte sich in drei Phasen: 1. Planungsphase 2. Bauphase 3. Erprobungsphase 1. Da das Projekt gleich auf vielen Feldern Neuland betreten hat (Energiekonzept, Architektur, Fraktale SeminarrĂ€ume, Konzept und Praxis Bildung fĂŒr Nachhaltige Entwicklung etc.), kam der interdisziplinĂ€ren Planungsphase eine besondere Bedeutung zu. So mussten in der Architektur z. B. ökologische und WohlfĂŒhl-Kriterien, in der Programmentwicklung umweltpĂ€dagogische AnsĂ€tze mit Spaßkonzepten aus der ReisepĂ€dagogik und mit Jugendkultur verbunden werden. 2. Die Bauphase war geprĂ€gt durch die Erstellung der Ausschreibungen fĂŒr die Teilgewerke, die Feinplanung der Einrichtung, die Absicherung der Finanzierung und die begleitende Weiterentwicklung des Programmkonzeptes. Alle Ausschreibungen wurden mit ökologischen Anforderungen an Material und Energietechnik verbunden. FĂŒr das energetische Controlling wurde ein Sonderauftrag verge-ben. Bereits wĂ€hrend der Bauphase konnte ein hochqualifizierter Programmkoordinator gefunden werden. 3. Dadurch, dass sich Planungs- u. Bauphase verlĂ€ngert hatten, konnte die auf ein Jahr festgelegte Erprobungsphase nicht mehr mit der vorgesehenen Finanzierung hinterlegt werden. Dennoch konnten wesentliche Inhalte durchgefĂŒhrt und zu einem Abschluss gebracht werden (Anschaffung der pĂ€d. und multimedialen Einrichtung, Entwicklung u. Erprobung von Programmbausteinen, GĂ€stebefragung, Entwicklung einer Agenda 21 mit den Mitarbeitern von mirow 21, Evaluation des Gesamtprojektes). Ergebnisse und Diskussion Wirtschaftlichkeit: Kosten, QualitĂ€t und Nachfrage Die Gesamtbaukosten von mirow 21 belaufen sich auf 5.218.960,7 EURO. Bei 140 Betten ergibt dies Kosten pro Bett von 37.899,1 EURO. Den Kosten stehen erhebliche innovative Bau-QualitĂ€ten gegenĂŒber: · Nahezu COÂČ-neutrale Energiezentrale, Niedrigenergiehausstandard, Energie-Controlling zur Verhinderung von BaumĂ€ngeln, 3 fraktale SeminarrĂ€ume, organische, flurlose WohlfĂŒhl-Architektur mit GrĂŒndach und Erdkeller, Auswahl von Baustoffen und Einrichtung nach Umwelt- und Gesundheitskriterien, Möblierung mit Vollholz oder Tischlerplatte, geölt, 2 großzĂŒgige EntspannungsrĂ€ume im Dachgeschoss und Labor-/Werkraum, Innenarchitektur und Farbgestaltung nach neuesten Forschungsergebnissen. Der Vergleich der Baukosten pro Bett mit Jugendherbergen in anderen BundeslĂ€ndern ist schwierig. Hier reicht die Spannbreite mindestens von 18.000 - 48.000 EURO. Damit gehört mirow 21 mit 37.899,1 EURO zu den teureren Jugendherbergen , ist aber keineswegs die teuerste. Über die Betriebskosten liegen noch keine zuverlĂ€ssigen Daten vor, die Nachfrage entwickelt sich sehr positiv. GĂ€stezufriedenheit/Mitarbeiterzufriedenheit Befragt wurden ĂŒber 400 GĂ€ste, vornehmlich Jugendliche (Schwerpunkt 6. - 10. Klasse) aber auch Familien und Gruppenleiter. Die Durchschnittsnote von 1,4 fĂŒr Architektur und Gestaltung zeigt nicht nur eine hohe Zustimmung, Damit wurde die Rittelmeyer-These bestĂ€tigt, nach der es geschmacksunabhĂ€ngige, grundlegende sympathische Gestaltungsmerkmale (Offenheit/Transparenz, WĂ€rme/Weichheit, Anregungsreichtum/Vielfalt) gibt. Fast ebenso positiv wurden Service/Betreuung in mirow 21 bewertet (Ø1,6). Damit verbinden sich Haus und GĂ€stebetreuung zu einem stimmigen Gesamtangebot. Das Mirow-Team wurde im Rahmen eines hauseigenen Agenda-Prozesses begleitet. QualitĂ€t der Bildung fĂŒr eine nachhaltige Entwicklung Die GĂ€stebefragung zeigt, das die Verbindung von bildungsbezogenen Programmangeboten mit Jugend-kultur, selbstorganisiertem Lernen in einem ökologisch u. sozial glaubwĂŒrdigen Lernumfeld ein erfolgversprechender Weg ist .Trotz Bildungsanspruch fĂ€llt die Bewertung des Programmangebotes mit 1,9 sehr positiv aus. Durch die Bewertung des Reisesterns wird noch mal deutlich, dass Ziele im Sinne einer Bildung fĂŒr NE auf einem hohen WohlfĂŒhl-Niveau erreicht werden konnten. Dies hat zur Folge, dass immerhin 57,4% der GĂ€ste den Aufenthalt in mirow 21 fĂŒr ein sehr gutes zukunftsfĂ€higes Lebensmodell halten. Dem Anspruch einer Modellfunktion fĂŒr Schule der Zukunft (selbstorganisiertes, teamorientiertes Lernen, optimierte Lernraumgestaltung, selbstreflexives Lernumfeld etc.) genĂŒgt mirow 21 fĂŒr 60,4% der GĂ€ste in ganz besonderer Weise. Öffentlichkeitsarbeit und PrĂ€sentation Das öffentliche Interesse an mirow 21 ist gewaltig. So zĂ€hlte man seit der Grundsteinlegung im Nov. 1998 43.792 Tagesbesucher (Gruppen Familien, Einzelpersonen). Bis zum 31.10.2001 wurden in mirow 21 843 FĂŒhrungen durchgefĂŒhrt (f 5-7/Tag). Besondere Beachtung fand die Jugendherberge bei Delegationen aus dem In- und Ausland. Zudem wurden bereits mehrere Lehrerfortbildungen mit großem Erfolg durchgefĂŒhrt. Den absoluten Höhepunkt bildete 2001 die internationale PrĂ€sentation des Zukunftsprojektes Jugendherberge mirow 21. Neben der Buchveröffentlichung wurden bereits eine ganze Reihe von Fachartikeln geschrieben. AusfĂŒhrliche FernsehbeitrĂ€ge gab es von ZDF, WDR und mdr. Zudem gibt es eine DJH-eigene Videoproduktion. Im Internet-Auftritt des Deutschen Jugendherbergswerkes (www.jugendherberge.de) findet man mirow 21 an exponierter Stelle. Fazit Mirow 21 hat auf vielen Gebieten Neuland betreten. Dies betrifft vor allem die Architektur, das Einrichtungs- und Gestaltungskonzept, das Energiesystem, die Lernraumgestaltung, die Art der Bauplanung und das pĂ€dagogische Konzept einer Bildung fĂŒr NE. Die DBU hat mirow 21 als einen ganz besonders wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer Bildung fĂŒr NE bezeichnet. Sie hat dies mit dem Wunsch verknĂŒpft, mirow 21 nicht als Unikat zu sehen, sondern das Konzept auf möglichst viele Jugendherbergen u. außerschulische Bildungseinrichtungen zu ĂŒbertragen. Mirow 21 und vor allem sein Team vor Ort verdienen eine nachhaltige UnterstĂŒtzung durch den Gesamtverband. Nur so werden wir auf Dauer den hohen Erwartungen an mirow 21 gerecht werden können. Die GĂ€ste danken es uns schon heute mit hohen Sympathiewerten. Nicht zuletzt sehen wir in dem interdisziplinĂ€ren Planungsmodell einen entscheidenden SchlĂŒssel fĂŒr den erheblichen QualitĂ€tssprung gegenĂŒber vergleichbaren Einrichtungen.

Übersicht

Telefon

05231/9936-33

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Bundesland

Mecklenburg-Vorpommern

Fördersumme

1.431.617,27 €

Förderzeitraum

16.09.1996 - 27.03.2002