Projekt 05621/01

Untersuchungen zur Minderung der Keimemission in Leichtstoffsortieranlagen

Projekttr├Ąger

Rheinisch-Westf├Ąlische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Aachen Forschungsinstitut f├╝r Wasser- und Abfallwirtschaft
Mies-van-der-Rohe-Str. 17
52056 AachenZielsetzung und Anlass des Vorhabens Die fl├Ąchendeckende Einf├╝hrung des Dualen Systems f├╝r die Entsorgung von Verkaufsverpackungen f├╝hrte zu tiefgreifenden Ver├Ąnderungen in der Abfallwirtschaft. Die Belange der im Bereich der manuellen Sortierung besch├Ąftigten Arbeitnehmer, insbesondere deren Anspruch auf Schutz ihrer Gesundheit, geraten zunehmend in die Diskussion. Als Problem wurde in erster Linie, neben den klassischen Themen wie L├Ąrmemissionen, statische und dynamische Muskelarbeit sowie Klimafaktoren, die Exposition gegen├╝ber luftgetragenen Keimen erkannt. Erste Studien in Abfallbehandlungsanlagen, speziell in Sortieranlagen, wurden zu Beginn der 90er Jahre in D├Ąnemark durchgef├╝hrt. Diese f├╝hrten zu dem Ergebnis, dass ein erh├Âhtes Erkrankungsrisiko f├╝r dort besch├Ąftigte Arbeitnehmer nicht ausgeschlossen werden kann. Aktuelle Arbeiten aus dem deutschen Sprachraum besch├Ąftigen sich vorwiegend mit der Erfassung und Bewertung des Gesundheitsrisikos. Eine vergleichende Untersuchung ├╝ber die Wirksamkeit technischer Ma├čnahmen in Wertstoffsortieranlagen fehlte g├Ąnzlich. Um diese grundIegenden Erkenntnisdefizite zu minimieren, sollten emissionsmindernde Verfahrensentwicklungen im Handsortierbereich von Wertstoffsortieranlagen untersucht und beschrieben werden, um diese Ergebnisse in ein Sicherheitskonzept f├╝r solche Anlagen einflie├čen lassen zu k├Ânnen. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der ersten Phase des Vorhaben wurden die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Sortierung von Leichtstoffgemischen aus dem Dualen System beschrieben. Dabei wurden insbesondere Recherchen zum Stand der Technik in der Keimemissionsminderung durchgef├╝hrt und Leichtstoffsortieranlagen ausgew├Ąhlt, in denen einzelne Komponenten dieser Technik bereits installiert waren. Gleichzeitig wurde auch der Einfluss dieser Ma├čnahmen auf den technischen Betriebsablauf der Sortieranlage und der damit verbundene Aufwand ber├╝cksichtigt. In der zweiten Projektphase wurden an den ausgew├Ąhlten Anlagen Keimemissionsmessungen so durchgef├╝hrt, dass durch die Auswertung der Messergebnisse R├╝ckschl├╝sse auf die Wirksamkeit der Minderungsma├čnahmen m├Âglich waren. Auf der Grundlage des recherchierten Stands der Technik und der Keimuntersuchungen wurde abschlie├čend modellhaft f├╝r eine Leichtstoffsortieranlage ein sicherheitstechnisches Konzept zur Minimierung des Expositionsrisikos entwickelt. Das Konzept soll als ein allgemeiner Leitfaden f├╝r die Umsetzung derartiger Nachr├╝stungsma├čnahmen in bestehenden Anlagen ├Ąhnlichen Typs angewendet werden und hat daher einen ├╝bertragbaren Charakter. Ergebnisse und Diskussion Um die Wirksamkeit der vorhandenen baulichen bzw. technischen Elemente zur Keimemissionsminderung/-vermeidung innerhalb des Handsortierbereichs von Wertstoffsortieranlagen darzustellen, war es notwendig, an geeigneten Messpunkten die bestehenden Keimkonzentrationen zu erfassen und mit der Struktur des Arbeitssystems in Beziehung zu setzen. Die Formulierung von Empfehlungen zum Arbeitsschutz f├╝r die Betreiber von Wertstoffsortieranlagen erfordert bei der Vielzahl von Ma├čnahmen Schwerpunkte und Priorit├Ąten. Die Ma├čnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer lassen sich unterteilen in : 1. Emissionsmindernde Ma├čnahmen 2. Raumlufttechnische Ma├čnahmen 3. Begleitende Ma├čnahmen 4. Messtechnische ├ťberwachung Zu den emissionsmindernden Ma├čnahmen z├Ąhlt vor allem die Vermeidung von hohen Staubkonzentrationen durch das Aufwirbeln von anhaftenden Staubpartikeln bei der mechanischen Vorsortierung. Ein weiterer entscheidender Ansatzpunkt zur Minderung der Keimbelastung ist die Hygiene in der gesamten Anlage. Alle im Rahmen des Forschungsvorhabens untersuchten Wertstoffsortieranlagen waren mit unterschiedlich ausgepr├Ągten raumlufttechnischen Anlagen ausgestattet. Grundlage f├╝r die Beurteilung der raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) war jeweils das H├Âhenprofil, mit dem die prozentuale Reduktion der Keimzahlen in Abh├Ąngigkeit der H├Âhe ├╝ber dem Band aufgenommen wurde. Eine Orientierung zur Bewertung der ermittelten Keimzahlen bot der durch das Land Niedersachsen vorgegebene L├╝ftungstechnische ├ťberwachungswert von 10.000 KBE/m┬│. L├╝ftungstechnische Anlagen, mit denen der genannte ├ťberwachungswert deutlich unterschritten wurde, sind dem L├╝ftungstyp Verdr├Ąngungsl├╝ftung zuzuordnen und mit Erfassungseinrichtungen kombiniert. Unabh├Ąngig von der Keimkonzentration am Band konnte die Keimzahl im Atembereich z. T. um bis zu 99 % reduziert werden. Die gefundenen Keimkonzentrationen in den beprobten Wertstoffsortieranlagen, die mit raumlufttechnischen Anlagen des L├╝ftungstyps Verd├╝nnungsl├╝ftung ausger├╝stet sind, lagen mit ihren Mittelwerten im Atembereich z. T. deutlich ├╝ber den Anlagen, welche mit einer Verdr├Ąngungsl├╝ftung ausgestattet sind. Zur L├╝ftungstechnik ergeben sich die folgenden Empfehlungen: 1. RLT-Anlagen sollten nach dem Prinzip der turbulenzarmen Verdr├Ąngungsstr├Âmung arbeiten. 2. St├Ârungen durch Querstr├Âmungen m├╝ssen vermieden werden. 3. Die gezielte Abf├╝hrung der kontaminierten Luft erfolgt mit Erfassungseinrichtungen. 4. RLT-Anlagen sind einer anlagenspezifischen Wartung und Pflege zu unterziehen. 5. Die lufttechnische Einrichtung sollte die M├Âglichkeit zur Konditionierung der Zuluft bieten. Raumlufttechnische Anlagen sind das Kernst├╝ck des sicherheitstechnischen Konzepts. Sie k├Ânnen jedoch nicht allein stehen. Begleitende Ma├čnahmen im Bereich arbeitsmedizinischen Vorsorge, Hygiene sowie Unterrichtung der Arbeitnehmer sind daher immer parallel zu ergreifen. Neben den Empfehlungen zum Arbeitsschutz wurden Empfehlungen zur messtechnischen ├ťberwachung der Keimemissionen f├╝r den Handsortierbereich in Wertstoffsortieranlagen erarbeitet. Zur messtechnischen Erfassung der Keimemissionen und mikrobiologischen Analytik der Luftproben wurde das in der BIA-Arbeitsmappe (Kennzahl 9420) ver├Âffentlichte Messverfahren f├╝r Schimmelpilze/Hefen angewendet, das vom Ausschuss f├╝r biologische Arbeitsstoffe beim Bundesministerium f├╝r Arbeit und Sozialordnung (BMA) als Standardverfahren eingestuft wurde. Die Ermittlung der Belastungssituation f├╝r das Sortierpersonal erfolgt auf Basis der repr├Ąsentativen Schichtmittelwerte. Um zu repr├Ąsentativen Schichtmittelwerten zu gelangen, sollten Langzeitmessungen im Stundenbereich mit der indirekten Filtrationsmethode nach BIA durchgef├╝hrt werden. Die Messungen sollten personenbezogen erfolgen. Um die Effektivit├Ąt keimemissionsmindernder Ma├čnahmen anhand vergleichender Messungen in verschiedenen Wertstoffsortieranlagen zu bestimmen, d├╝rfen die hierf├╝r vorgesehenen Messungen nicht personenbezogen durchgef├╝hrt werden. Der unterschiedlichen Aktivit├Ąt bei der Durchf├╝hrung der Sortiert├Ątigkeit entsprechend variiert die Aufwirbelung von keimbelastetem Staub und damit die Belastungssituation deutlich. Daher m├╝ssen die Messungen grunds├Ątzlich unter standardisierten Bedingungen, d.h. statisch durchgef├╝hrt werden. Fazit Auf der Grundlage eines umfangreichen Messprogramms in sieben ausgew├Ąhlten Wertstoffsortieranlagen konnte deutlich gemacht werden, dass in erster Linie durch geeignete Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) eine signifikante Reduzierung der Keimzahlen im Atembereich der Besch├Ąftigten erreicht werden kann. Der Untersuchungsbericht beschreibt die Arbeitssysteme in den einzelnen Wertstoffsortieranlagen sowie das Messprogramm und nennt die wesentlichen Merkmale einer ad├Ąquaten RLT-Anlage sowie weitere Empfehlungen zum Arbeitsschutz, etwa aus dem Bereich der arbeitsmedizinischen Vorsorge und der Hygiene. Abschlie├čend werden Empfehlungen zur messtechnischen ├ťberwachung ausgesprochen. Betreibern von Wertstoffsortieranlagen werden damit Hinweise an die Hand gegeben, um eigene betriebliche Arbeitsschutzkonzepte zu ├╝berpr├╝fen und zu modifizieren.

├ťbersicht

Telefon

0241/806825

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Bundesland

Bundesrepublik Deutschland

F├Ârdersumme

99.082,23 ÔéČ

F├Ârderzeitraum

01.07.1995 - 30.06.1996