Projekt 05564/01

Entwicklung und Erprobung eines Verfahrens zur boden- und wasserschonenden Direktsaat von Zwischenfrüchten in Verbindung mit dem Mähdrusch

Projektdurchführung

Universität Hohenheim Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre FG Analyse, Planung und Organisation der landwirtschaftlichen Produktion
Schloß Osthof Süd
70593 Stuttgart
Telefon: 0711/459-2566

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Landwirtschaft steht unter starkem Anpassungsdruck: Dieser zwingt sie einerseits, alle Möglichkeiten zur Kostensenkung und Rationalisierung auszuschöpfen. Andererseits fordert die Gesellschaft verstärkt ressourcen- und umweltschonende Bewirtschaftungsformen, wobei der Zwischenfruchtanbau zunehmend an Bedeutung gewinnt. Diese Herausforderung kann sie nur dann bestehen, wenn ihr hierfür zukünftig neue technische Verfahren zur Verfügung stehen. Ziel des Vorhabens ist es, ein Zusatzaggregat zum Mähdrescher zu entwickeln, das die Aussaat von Zwischenfrüchten in Verbindung mit dem Mähdrusch ermöglicht.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf der Grundlage des verfahrensbedingt vorgegebenen Anforderungsprofils und des daraus abgeleiteten Lastenheftes wird in einem ersten Projektabschnitt ein Prototyp entwickelt. Mit diesem werden in der anschließenden Vegetationsperiode umfangreiche Feldversuche auf 4 verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichen Nutzpflanzen bzw. Zwischenfrüchten in Baden-Württemberg durchgeführt. Mit einem auf der Grundlage dieser Versuchsergebnisse und -erfahrungen verbesserten Prototyp werden die Versuche auf den gleichen Standorten und mit denselben Nutzpflanzen bzw. Zwischenfrüchten in einer 2. Vegetationsperiode wiederholt. Unter Einbeziehung aller gewonnenen Daten und Erfahrungen wird der Prototyp zur Serienreife weiterentwickelt.Die im Zusammenhang mit den zweijährigen Feldversuchen gewonnenen Daten bilden zugleich auch die Grundlage für die acker- und pflanzenbauliche Verfahrensbeurteilung. Dabei konzentriert sich das Interesse besonders auf die damit korrespondierende Nitratproblematik und Grundwasserneubildung, weil diese für eine ökologische Verfahrensbeurteilung von zentraler Bedeutung sind. Die ermittelten produktionstechnischen Kenndaten sind letztlich auch Grundlage für entsprechende Wirtschaftlichkeitsberech-nungen unter verschiedenen Einsatzbedingungen, um die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten beurteilen zu können. Ergänzend dazu werden zielgruppenorientierte Bedarfs- und Akzeptanzstudien durchgeführt.


Ergebnisse und Diskussion

Das neuentwickelte Verfahren verfügt über herausragende Vorteile in acker- und pflanzenbaulicher, ökonomischer und insbesondere in ökologischer Hinsicht.
Der erforderliche Zeitbedarf zur Zwischenfruchtbestellung liegt durch den Verzicht auf eine zeit- und kostenintensive Bodenbearbeitung deutlich unter dem konventioneller Verfahren und bietet so für die Betriebe, die in der Arbeitsspitze Getreideernte meistens über geringe, zusätzliche freie Arbeitszeitkapazitäten verfügen, erst die Möglichkeit, den Zwischenfruchtanbau großflächig auszudehnen. Die Anbausicherheit ist im Vergleich mit konventionellen Verfahren sehr hoch, die Ausnutzung der verbleibenden Vegetationszeit wesentlich effektiver. So ist auch bei ungünstigen klimatischen Bedingungen eine feste Einbindung des Zwischenfruchtanbaus zur Nutzung der phytosanitären Vorteile in bestehende Getreide- und Zuckerrüben-Fruchtfolgen gegeben. Die einfach Begrünung von Stillegungsflächen ist ein weiterer Einsatzbereich. Die wirkungsvolle Unterdrückung von Ausfallgetreide und auflaufenden Unkräutern ermöglicht eine nachhaltige Reduzierung des Herbizidaufwandes in der Folgekultur.
Die Reduzierung der Arbeitsgänge im Gesamtverfahren wirkt sich durch einen geringeren Maschineneinsatz und den daraus resultierenden geringeren Kraftstoffverbrauch insgesamt sehr positiv auf die Verfahrenskosten aus. Eine Kostenreduzierung von 80-100 DM/ha ist im Hinblick auf die Verbesserung der Ertragslage im Ackerbau ein entscheidender Punkt. Hinsichtlich des effektiven Mähdreschereinsatzes in der Getreideernte werden sich im selbstmechanisierten Ackerbaubetrieb und im landwirtschaftlichen Lohnunternehmen die Organisationsformen weiter optimieren - vor allem aus wirtschaftlichen Aspekten eine insgesamt fortschreitende Entwicklung. Die Einsatzflexibilität des neuentwickelten Verfahrens in der Getreideernte kommt hier deutlich zum Tragen.
Der verfahrensspezifische Verzicht auf eine ganzflächige Bodenbearbeitung bei der Zwischenfruchtbestellung - mit entsprechend geringerem Humusabbau - führt direkt zu einer deutlich verringerten N-Freisetzung und einer stark abgeflachten Nitratdynamik im Zeitraum direkt nach der Getreideernte. Eine Gülledüngung erfolgt zu günstigen Ausbringterminen auf der tragfähigen und gut befahrbaren Getreidestoppel, direkt in einen wachsenden Pflanzenbestand. Die N-Aufnahme der Zwischenfrucht ist insgesamt deutlich schneller und sicherer, so dass die Nitratwerte im Boden extrem schnell auf ein Minimum reduziert werden. Die günstigen Wachstumsbedingungen ermöglichen, dass die ökologischen und die acker- und pflanzenbaulichen Ziele des Zwischenfruchtanbaus bereits innerhalb von 4-5 Wochen erreicht werden können.In sensiblen Bereichen der Trinkwasserschutzgebiete ist die Verfahrenssicherheit zur nachhaltigen N-Fixierung und zur Vermeidung eines unerwünschten Nitrateintrags ins Grundwasser aus Gründen der Sicherung einer hohen Trinkwasserqualität von entscheidender Bedeutung. Die breitangelegten vierjährigen Feldversuche - gerade auch in Gebieten mit intensiver Tierhaltung und entsprechender Gülleproblematik - und die daraus resultierenden Ergebnisse unterstreichen die verfahrensspezifischen Besonderheiten dieses Verfahrens zur Zwischenfruchtbestellung.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Präsentation des Verfahrens im Rahmen der Arbeitskreise der LaWiKa HannoverNorddeutscher Zuckerrübentag 2000 und 2001 - Anlage von Feldversuchen, PräsentationInternetauftritt - www.guettler.de
Produktfilm zur Verfahrenstechnik
Print-Medien: Broschüren und DokumentationenVorbereitung zur Präsentation Agritechnika 2001


Fazit

Der Zwischenfruchtanbau mit konventionellen Verfahren stagniert seit einigen Jahren auf vergleichsweise niedrigem Niveau, obwohl die acker- und pflanzenbaulichen Vorteile dieser Maßnahme überzeugend sind. Das neuentwickelte Verfahren Direktsaat von Zwischenfrüchten in Verbindung mit dem Mähdrusch verfügt hier über ein beachtliches Potential zur nachhaltigen Förderung und Ausdehnung des Zwischenfruchtanbaus in einem weiten Bereich.

Übersicht

Fördersumme

279.732,90 €

Förderzeitraum

01.05.1997 - 13.11.2001

Bundesland

Baden-Württemberg

Schlagwörter

Landnutzung
Umwelttechnik