Projekt 05123/01

Erstmalige Praxiserprobung des neuartigen Konzepts Dezentrale Hochwasserschutzma├čnahmen am Beispiel der Bauna

Projekttr├Ąger

Universit├Ąt KasselFachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft
Postfach 10 13 80
34109 KasselZielsetzung und Anlass des Vorhabens Am 31.07.1992 verursachte ein schweres Hochwasserereignis im Einzugsgebiet der Bauna einen Schaden von ca. 13 Mio. DM. In den Jahren von 1993 bis 1995 wurde vom Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft ein Hochwasserschutzkonzept f├╝r das Niederschlagsgebiet der Bauna (Auftraggeber: Stadt Baunatal und Gemeinde Schauenburg) bearbeitet. Folgende Ma├čnahmen wurden vorgeschlagen: Renaturierung der Bachl├Ąufe, Regenwasserbewirtschaftung, Klein- und Kleinstr├╝ckhalte und lokale Ma├čnahmen. Dabei wurden mit Kleinstr├╝ckhalten Staur├Ąume mit maximal 2 m Wassertiefe und mit Kleinr├╝ckhalten Staur├Ąume mit maximal 5 m Wassertiefe bzw. maximal 100.000 m┬│ Volumen bezeichnet. Die beiden Bauherren beabsichtigen, j├Ąhrlich 200.000,- DM bis 300.000,- DM zu investieren, um das Konzept umzusetzen. Mit der Planung und dem Bau einzelner lokaler Ma├čnahmen wurde begonnen. Mit dem hier vorgestellten Projekt wird die Umsetzung der Ma├čnahmen begleitet und die Auswirkungen auf das Abflussverhalten erfasst. Die dabei gewonnenen Erfahrungen k├Ânnen f├╝r weitere Projekte dieser Art nutzbar gemacht werden und damit zu Einsparungen bei Planung und Umsetzung dezentraler Hochwasserschutzma├čnahmen f├╝hren. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliedert sich in drei Teile: a) MessprogrammMit vier Niederschlagsschreibern und 2 Pegeln werden Abflussbildung und -verlauf pr├Ąziser erfasst. b) AuswertungDas Niederschlag-Abfluss-Modell wird geeicht. Alternative technische L├Âsungen werden bei den beauftragten Ingenieurb├╝ros angeregt und hydrologisch/hydraulisch ├╝berrechnet. Damit wird eine angepasste umweltgerechte Planung m├Âglich. c) Vorschl├Ąge f├╝r die bauliche und betriebliche Umsetzung Die gemeinsam erarbeiteten Ausf├╝hrungsvorschl├Ąge werden mit den Fachbeh├Ârden unter Einbeziehung der ├ľffentlichkeit er├Ârtert und abgestimmt. Zu Beginn des Projektes wurden drei Niederschlagsschreiber aufgestellt, zwei Pegelmessstellen und eine Wetterstation installiert. Zur Einrichtung der Pegelmessstellen wurden ein Modellversuch und Ab-flussmessungen vor Ort durchgef├╝hrt. Die Wetterstation ist ├╝ber Telefonleitung mit einem Rechner in der Universit├Ąt Kassel verbunden; die Wetterdaten k├Ânnen jederzeit von dort abgerufen werden. Die anderen Stationen werden mit Memorykarten ausgelesen. Zur Beurteilung der statistischen Wiederkehrdauer einzelner gemessener Niederschlagsereignisse wurden langj├Ąhrige Aufzeichnungen von Tageswerten und Niederschlagsstatistiken ausgewertet. Die in den Jahren 1997 bis 1999 gewonnenen hydrologischen und hydraulischen Messwerte wurden ├╝berpr├╝ft und f├╝r die Verwendung im Niederschlag-Abfluss-Modell aufbereitet. Da f├╝r das untersuchte Einzugsgebiet keine Bodenkarten vorliegen, wurden eigene Bodenuntersuchungen und Messungen der Bodenfeuchte durchgef├╝hrt. Neben den zwei kontinuierlich betriebenen Abflussmessstellen wurde das Abflussverhalten des ganzen Einzugsgebietes an ausgew├Ąhlten Tagen erfasst. Die im Einzugsgebiet vorhandenen versiegelten Fl├Ąchen wurden f├╝r die einzelnen Ortslagen er-fasst, damit ist eine genauere Abbildung dieser Fl├Ąchen im Modell m├Âglich. Dar├╝ber hinaus dienen diese Angaben als Grundlage f├╝r die Entwicklung verschiedener Entsiegelungsszenarien. Das mit dem Programm NASIM der Firma Hydrotec erzeugte Modell des Einzugsgebietes wurde an den aktuellen Kenntnisstand angepasst und anhand der verschiedenen gemessenen Abfl├╝sse kalibriert. Parallel zu den Untersuchungen setzen die beteiligten Gemeinden bereits erste Ma├čnahmen zum dezen-tralen Hochwasserschutz um. F├╝r die Ausweisung eines neuen Baugebietes wurde ein Handlungspapier f├╝r die Regenwassernutzung erarbeitet. Ma├čnahmen der zur Zeit durchgef├╝hrten Umweltvertr├Ąglichkeitsuntersuchung werden begleitet, ebenso wie die Vergabe von Planungsauftr├Ągen f├╝r verschiedene R├╝ckhalte. Ein 1997 angelegter Retentionsraum ist inzwischen voll begr├╝nt und hat schon bei kleineren Ereignissen seine Wirksamkeit gezeigt. Inzwischen ist auch der Bau von zwei R├╝ckhaltebecken mit 5.600 m┬│ und 234.000m┬│ weitgehend abgeschlossen. Die Umsetzung dieser Ma├čnahmen wurde im Rahmen die-ses Projektes begleitet. Im November 1997 wurde der dezentrale Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Bauna wegen seines innovativen Charakters als weltweites Projekt der EXPO 2000 registriert. ├ľffentlichkeitsarbeit und Pr├Ąsentation Mit Beginn der Einrichtung der Messstellen wurde die Presse ├╝ber die Aktivit├Ąten informiert. Das Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft ist in die politischen Entscheidungsprozesse zur Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes eingebunden und ber├Ąt die beteiligten Kommunen. Im Rahmen der Planung der verschiedenen dezentralen Hochwasserschutzma├čnahmen sind die betroffenen B├╝rger beteiligt und informiert worden. Die Presse hat regelm├Ą├čig ├╝ber das Projekt berichtet. Fazit Durch das Messprogramm wurden die wesentlichen Prozesse der Abflussbildung, insbesondere der Niederschlag, detailliert erfasst. Bei der Anpassung des Modells ergab sich, dass die oben beschriebenen zus├Ątzlichen Untersuchungen zu den Bodenverh├Ąltnissen und zu den Abfl├╝ssen in den Nebengew├Ąssern notwendig sind, um die Auswirkungen der vielf├Ąltigen dezentralen Hochwasserschutzma├čnahmen im Modell zutreffend simulieren zu k├Ânnen. Die Untersuchungen ergaben, dass durch die r├Ąumliche N├Ąhe der R├╝ckhalte eine Steuerung der einzelnen Anlagen im Verbund notwendig ist, um die optimale R├╝ck-haltewirkung zu erzielen. Durch eine solche Steuerung kann das erforderliche R├╝ckhaltevolumen und damit der Eingriff in den Naturhaushalt deutlich reduziert werden. Durch die wissenschaftliche Begleitung des Projektes konnte der modellhafte Charakter der Ma├čnahmen auch in der praktischen Umsetzung erhalten werden. Durch die fr├╝he B├╝rgerbeteiligung konnte das Verst├Ąndnis f├╝r die Ma├čnahmen zum Hochwasserschutz und die komplexen Zusammenh├Ąnge erh├Âht werden. Eine Fortf├╝hrung der Messungen ist anzustreben, um die Wirksamkeit der inzwischen umgesetzten Ma├čnahmen zu dokumentieren und mit den Modellrechnungen zu vergleichen. Neben der Untersuchung der Realisierbarkeit einer Steuerung der R├╝ckhalte im Verbund steckt auch in der Untersuchung der Wechselwirkung von Ma├čnahmen in den Ortslagen und R├╝ckhalten vor der Ortslage noch ein Potential zur Reduzierung des erforderlichen R├╝ckhaltevolumens.

├ťbersicht

Telefon

0561/804-2679

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Bundesland

Hessen

F├Ârdersumme

101.491,44 ÔéČ

F├Ârderzeitraum

01.04.1996 - 24.05.2000