Projekt 04858/01

Klärschlammvererdung im Schilfbeet

Projektträger

Gemeinde SpiegelbergB√ľrgermeisteramt
Sulzbacher Str. 7
71579 SpiegelbergZielsetzung und Anlass des Vorhabens In der Vererdung des Kl√§rschlamms in Schilfbeeten sieht die Gemeinde Spiegelberg ein √∂kologisch und √∂konomisch interessantes Verfahren, das auch langfristig Entsorgungssicherheit bietet. Dieses Verfahren ist derzeit nicht gen√ľgend bekannt. Die Ursachen des Funktionierens oder Versagens der Schlammvererdung im Schilfbeet sind bisher nicht ausreichend erforscht und wissenschaftlich belegt. Um die n√∂tigen Erkenntnisse f√ľr den Bau und Betrieb einer solchen Anlage zu gewinnen, werden Versuchsfelder mit unterschiedlichem Aufbau und verschiedenen Pflanzen angelegt. Der Versuch wird durch die Hochschule f√ľr Technik FH Stuttgart wissenschaftlich betreut. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEin mit Schilfpflanzen bewachsener Sand/Kies/Boden-Filter dient als Ansiedlungsraum f√ľr abwasserreinigende Bakterien. Dabei √ľbernimmt die Schilfpflanze die Aufgaben der Sauerstoffversorgung und der Offenhaltung des Filters. Die Pflanzen durchwurzeln dabei den gesamten Filterraum und bilden entlang anwachsenden Schlammschicht neue Wurzeln aus. Die maximale Beschickungsh√∂he betr√§gt ca. 1 m. Dies entspricht einer Beschickungsdauer von 8 - 10 Jahren. W√§hrend des Versuchs sollen insbesondere das Wachstumsverhalten, die Belastungsgrenzen und die Anwuchssicherheit der Schilfpflanzen erkundet, die Auswirkungen von Wetter und Klimadaten festgestellt, sowie die Messwerte f√ľr Sickerwasser und die Schlammschicht im Becken ermittelt werden. Des weiteren soll die Versuchsanlage dahingehend optimiert werden, dass das entstehende Sickerwasser die Direkteinleitergrenzwerte f√ľr CSB und BSB erreicht. Dar√ľber hinaus sollen verschiedene Schichtaufbauten Aufschl√ľsse √ľber Reinigungsleistung, Wuchsverhalten und Standfestigkeit erbringen. Untersucht wird auch die Eignung verschiedener Schilfpflanzen im Vergleich zueinander. Ergebnisse und Diskussion Das Ziel, entstehendes Sickerwasser so zu reinigen, dass eine Direkteinleitung in den Vorfluter m√∂glich ist, wurde nicht erreicht. Zwar lag der CSB-Gehalt mit Ausnahme der Sommermonate unter den f√ľr die Direkteinleitung genehmigten 100mg/l, aber insbesondere bez√ľglich des Ammoniumgehaltes zeigte das Sickerwasser eine permanente und gro√üteils sehr deutliche √úberschreitung der erlaubten Direkteinleiterwerte. Als Anhaltspunkt f√ľr eine bez√ľglich der Ausbringungsmenge und der Beschickungsintervalle optimierten Beschickungsfolge sollten maximal 15 Beschickungen w√§hrend der Vegetationsperiode von Ende M√§rz/Anfang April bis Ende Oktober/Anfang November in mindestens zweiw√∂chigem Abstand vorgenommen werden, wobei im aufzubringenden Schlamm mit einem durchschnittlichen Trockengewichtsanteil von ca. 4 Gewichts-% (bezogen auf die Trockensubstanz) und einer Auftragsh√∂he von ca. 5 cm pro Versuchsparzelle kalkuliert wurde. In den Sommermonaten wirkt sich eine d√ľnne Schlammkonsistenz aufgrund des hohen Wasserbedarfs der Schilfpflanzen und der Verdunstungsrate g√ľnstiger aus, wobei in den anderen Monaten Dickschlamm durch die weiter auseinanderliegenden Beschickungsintervalle zur Vereinfachung des Arbeitsablaufes vorzuziehen ist. Zwischen der Bestockungsdichte, der Durchwurzelung und der Schlammh√∂he besteht ein eindeutiger Zusammenhang. Die nicht oder nur unzureichend bestockten Versuchsparzellen am Rand sowie an den Trennw√§nden waren praktisch √ľberhaupt nicht oder nur unzureichend durchwurzelt. Entsprechend war hier auch keinerlei Vererdungst√§tigkeit vorhanden, sondern der Schlamm weitgehend nur mechanisch entw√§ssert und in seiner urspr√ľnglichen Struktur erhalten. In Teilfl√§chen fand aufgrund einer √úberlastung kein Schilfwachstum mehr statt (unzureichende Entw√§sserung aufgrund zu hoher Schlammschichten). Bei den Schilfpflanzen ist die heimische Schilfpflanze aus der Umgebung gegen√ľber dem Zuchtschilf zu bevorzugen. Neben dem Kostenfaktor f√ľr die Zuchtpflanzen von ca. 3,-- DM/Pflanze und einer gepflanzten St√ľckzahl von 6-7/m¬≤ erwiesen sich die kostenneutralen Standortpflanzen als wesentlich standfester und wuchsst√§rker. Die Ballenpflanzung ergibt sofort eine hohe Standfestigkeit und eine gr√∂√üere Halmzahl pro m¬≤ , ist jedoch mit einem viel gr√∂√üeren Zeitaufwand zu verpflanzen und vergrast durch die in den Ballen mit eingebrachten Wurzeln erheblich st√§rker und schneller. Ebenso gew√§hrleistet sie gerade bei d√ľnnen Substratschichten die abschlie√üend geforderte Ebenheit nicht immer. Die Rhizomansaat hingegen kann sehr schnell und ohne Anwuchsrisiko bei geeigneter Saatzeit ausgebracht werden. Die Abdeckung der Rhizome mit der Erdschicht erh√§lt dabei die gew√ľnschte Ebenheit der Beete in vollem Ma√üe. Au√üerdem werden praktisch keinerlei Beikr√§uter mit eingebracht.F√ľr die Kl√§rschlammvererdungsanlage √ľberschl√§gig ermittelten Baukosten von etwa 400,-- DM/m¬≤ mittlerer Nutzfl√§che haben sich nach Abschluss des Versuchs auf knapp 350,-- DM/m¬≤ nach unten revidiert. Bei einer zehnj√§hrigen Nutzungsdauer mit einer realistischen Gesamtbetrachtung von mindestens 9 - 10 m¬≥ Kl√§rschlamm/m¬≤ Beetfl√§che erreicht man spezifische Entsorgungskosten von ca. 35 - 45 DM/m¬≥ . Dabei ist zu beachten, dass nach R√§umung der Kl√§rschlammvererdungsanlage bei einer Weiternutzung die Kosten durch die wegfallenden Baukosten wesentlich geringer sind. √Ėffentlichkeitsarbeit und Pr√§sentation Ver√∂ffentlichung von zwei Berichten in der Fachzeitschrift Wasser/Abwasser/Praxis 6/96 und 1/98 Tag der offenen T√ľr auf der Kl√§ranlage Spiegelberg am 17.09.1995 Durchf√ľhrung von mehreren F√ľhrungen/Besichtigungen an der Versuchsanlage Fazit Aus der von 5 auf 10 Wochen verz√∂gerten Bauphase resultierte Zeitdruck und Detailfehler in der Planung der Anlage. Besonders in der Auswahl und bei der Verarbeitung der Abdichtmaterialien ergaben sich erhebliche M√§ngel. Als Basisabdichtung wird eine HD-PE-Folie empfohlen, die durch einen vom Hersteller beauftragten Verleger eingebracht werden sollte. Die Vergabe der Tiefbauma√ünahmen an eine Tiefbaufirma wird empfohlen, damit bei auftretenden Baum√§ngeln die Fachfirma zur Nachbesserung herangezogen werden kann. Die Versuchsergebnisse ergaben, dass eine Direkteinleitung in den Vorfluter nicht m√∂glich ist. Eine r√§umliche Trennung von Vererdungsbeet und Kl√§ranlage kann somit nicht stattfinden.

√úbersicht

Telefon

07194/9501-0

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Bundesland

Baden-W√ľrttemberg

Fördersumme

149.570,77 ‚ā¨

Förderzeitraum

21.11.1994 - 10.01.2001