Projekt 04847/01

Regionalkonferenzen: Die Strategie einer umweltschonenden wirtschaftlichen Entwicklung entlang der Elbe

ProjekttrÀger

Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland(BUND) e. V.Landesverband Niedersachsen
Postfach 11 06
30011 HannoverZielsetzung und Anlass des Vorhabens In Regionen mit hohen ökologischen Potentialen und geringer wirtschaftlicher EntwicklungsfĂ€higkeit sollen Impulse zur eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung gegeben werden. Ziel dieses Projektes ist es, eigenstĂ€ndige Regionalentwicklung durch den BUND als Initiator in drei Regionen entlang der Elbe zu verankern und zusammen mit den Akteuren Leitbilder und ein Motto zu entwickeln, um darauf aufbauend Handlungskonzepte zu entwerfen. Aus der möglichen Vielfalt konkreter Projekte sind realisierbare Möglichkeiten identifiziert worden. Durch eine zĂŒgige Realisierung erster Einzelprojekte aus dem Gesamtrahmen sollen nun erste Erfolge sichtbar werden und weitere Interessierte fĂŒr den Prozeß der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung gewonnen werden. Mit Regionalkonferenzen am Ende dieser Projektphase wurde ein zeitlicher Kristallisationspunkt fĂŒr die Arbeit geschaffen und das Ziel einer öffentlichen Diskussion ĂŒber die Ergebnisse erreicht. Das Vorhaben möchte die regionalen IdentitĂ€ten der Regionen wieder wecken oder neu entwickeln und so durch neu gewonnenes Selbstbewußtsein die Eigenverantwortlichkeit der Region stĂ€rken. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAls erster Arbeitsschritt wurde eine Literaturauswertung der Veröffentlichungen deutschsprachiger Projekte und Beispielregionen durchgefĂŒhrt, um Erfahrungen und beispielhaftes Vorgehen anderer Regionen nutzbar zu machen. Eine projektĂŒbergreifende Steuerungsgruppe aus Projektleitung, beratenden Hochschulen und Akteuren der Modellregionen, hatte die interdisziplinĂ€re Aufgabe, den fachlichen, methodischen und organisatorischen Zusammenhalt zwischen den ausgewĂ€hlten Modellregionen sowie deren fachlichen Erfahrungsaustausch zu sichern. Die Steuerungsgruppe tagte alle zwei Monate. Die zur Bestimmung der drei Modellregionen entwickelten Kriterien der Regionsauswahl und -abgrenzung wurden hier und in den Regionen diskutiert. FĂŒr die einzelnen Regionen wurden zusammen mit den regionalen Arbeitsgruppen, auf die Region abgestimmte Arbeitsweisen und methodische Vorgehensweisen entwickelt. In den Regionen waren die regionalen Arbeitsgruppentreffen das zentrale Arbeitsinstrument. In diesen, als Vorkonferenzen bezeichneten Treffen wurde alle Arbeitsschritte und fachlichen Inhalte (in Form einer StĂ€rken-SchwĂ€chen-Analyse) kritisch diskutiert. Die regionalen Arbeitsgruppen hatten das Ziel, Leitbilder und Motti fĂŒr die Region zu entwerfen, die die Grundlage einer umfassenden Gesamtstrategie fĂŒr die langfristige Erhaltung und Verbesserung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Lebensbedingungen in der Region darstellen. Alle Sitzungen wurden in moderierter Form durchgefĂŒhrt und haben so zu einer neuen Kommunikations- und Streitkultur in den Regionen beigetragen. Die Arbeitsergebnisse und der Arbeitsprozeß wurden erst in der Regionalkonferenz öffentlich prĂ€sentiert, da die Mitglieder der regionalen Arbeitsgruppen ĂŒbereinstimmend der Auffassung waren, nur mit vorzeigbaren und motivierenden Ergebnissen das Interesse an der Mitgestaltung einer eigenstĂ€ndi-gen Regionalentwicklung wecken zu können. Dieses Vorgehen hat sich als sinnvoll herausgestellt. Ergebnisse und Diskussion Das Vorhaben konnte in zwei der drei gewĂ€hlten Modellregionen in der ersten Projektphase erfolgreich abgeschlossen werden. Der BUND hat als Initiator und Impulsgeber erreicht, daß durch die VorĂŒberlegungen zukunftsfĂ€hige Entwicklungen auf regionaler Ebene konkretisiert und Leitbildvorstellungen sowie zukunftsweisende Projekte entwickelt wurden. Durch rahmensetzende Leitbilder, die in den jeweiligen Regionen verankert werden konnten, wurde es möglich, die denkbaren regionalen Projekte auf wenige umsetzbare Beispiele zu reduzieren und somit machbare Lösungen zu finden. Die Leitbilder sichern, daß diese Projekte insgesamt den Anforderungen einer umweltschonenden wirtschaftlichen Entwicklung folgen und die Kriterien der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung erfĂŒllen. Diese schon in kurzer Zeit (Projektzeitraum zehn Monate) erreichten Erfolge, stĂ€rken das Selbstbewußtsein der regionalen Akteure. Eine neue oder wiedergewonnene "regionale IdentitĂ€t" lĂ€ĂŸt fĂŒr die folgende zweite Projektphase erwarten, daß die eigenstĂ€ndige Regionalentwicklung zu einem sich selbst tragenden Prozeß wird. Als Bedingungen, die eine solche erfolgreiche Arbeit stabilisieren, seien hier benannt: 1. Es ist eine Gesamtkonzeption fĂŒr die jeweilige Region zu erarbeiten, die Leitbilder, Motto und Projekte benennt und ein Handlungskonzept enthĂ€lt. Die Vernetzung mit vorhanden Strukturen und den zu realisierenden Projekten muß hergestellt werden. 2. Die Gesamtkonzeption ist durch die regionalen Akteure zu erarbeiten, wobei die UnterstĂŒtzung und Anregungen von außen genutzt werden können (BUND als Initiator, UniversitĂ€ten als Berater, positive Beispiele anderer Regionen). 3. Die regionalen Akteure mĂŒssen bereit sein, Zeit, Ideen und Initiative in den Prozeß der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung zu investieren und die Bereitschaft mitbringen an gemeinsamen und konsensfĂ€higen Überlegungen weiterzuarbeiten. 4. Die Akteure der regionalen Arbeitsgruppe sollten in der Region bekannt und verankert sein, dies stĂ€rkt die Akzeptanz der Arbeit und kann in einer folgenden zweiten Projektphase die Verbreitung und Verankerung der Ideen in der Region unterstĂŒtzen. 5. Die entwickelten Überlegungen sollten in der Regel in die existierenden Planungsabsichten der Region eingefĂŒgt werden und den zustĂ€ndigen Stellen und Institutionen vorgestellt werden. 6. Die Begleitung und Beratung des Prozesses der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung ist fĂŒr die Ergebnisse der Arbeit entscheidend. Voraussetzung dafĂŒr ist, daß der Impulsgeber in der Region anerkannt ist, und ihm konsensfĂ€higes, positives Agieren zugestanden wird. Ohne diese regionale Akzeptanz ist die DurchfĂŒhrung eigenstĂ€ndiger Regionalentwicklung nicht möglich (vgl. Scheitern in der Modellregion 3). 7. Zwischen den alten und neuen BundeslĂ€ndern besteht ein Unterschied im Umgang mit Verwaltungen und Behörden. WĂ€hrend den regionalen Akteuren in den neuen BundeslĂ€ndern eine frĂŒhzeitige Zusammenarbeit und Information der Verwaltungen und Ämter wichtig war, lag in den alten LĂ€ndern eher Skepsis vor, ob eine solche Zusammenarbeit produktiv sein wĂŒrde. 8. FĂŒr die Akteure in den Regionen ist es wichtig einer interessierten Öffentlichkeit vorzeigbare Ergebnisse zu prĂ€sentieren, um damit fĂŒr die weitere Arbeit zu motivieren. Dies schloß eine offensive Öffentlichkeitsarbeit in der ersten Projektphase aus. 9. Regionalkonferenzen sind sich aus verschiedenen GrĂŒnden wichtige Kristallisationspunkte. Durch die Regionalkonferenzen kann ein ĂŒberschaubarer Zeithorizont fĂŒr den Arbeitsprozeß abgesteckt werden, in dem Ergebnisse erzielt werden soll und auf den ergebnisorientiert hingearbeitet wird. 10.Die fachliche und strukturelle Arbeit im Rahmen der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung wird durch Inputs "von außen" und durch eine wissenschaftliche Begleitung und Beratung der Hochschulen gefördert. 11.Die Umsetzung der entwickelten Konzepte und Projektideen muß in einer zweiten Projektphase erfolgen. DafĂŒr ist breite UnterstĂŒtzung aus der Region zu gewinnen. 12. Auch zu Beginn einer zweiten Projektphase ist die Beratung und Betreuung in der Region fĂŒr den Erfolg der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung unerlĂ€ĂŸlich. Regionalberater, die Kenntnisse ĂŒber die Region besitzen, Kontakte nach außen knĂŒpfen können, Finanzierungskonzepte erstellen und Fördermittel nutzen, sollen der regionalen Arbeitsgruppe beigeordnet werden. Da die Umsetzungsphase einen wesentlich lĂ€ngeren Zeitraum in Anspruch nehmen wird als der Anschub und Impuls, scheint die Einrichtung von "RegionalbĂŒros" oder BeratungsbĂŒros sinnvoll. FĂŒr alle drei Regionen sind Projekte erarbeitet worden, deren Umsetzung in der nun folgenden Stabilisierungsphase der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung erfolgen soll. Die Zielsetzungen und die bereits vorhandenen RealisierungsĂŒberlegungen werden nachfolgend fĂŒr die drei Regionen dargestellt. PROJEKTÜBERLEGUNGEN FÜR DIE REGION I: LAND KEHDINGEN: Projekt 1: Die Außendarstellung des Landes Kehdingen und seine innere Orientierung Durch die Darstellung Kehdingens und die Zusammenarbeit in Kehdingen werden nicht nur den Umgang mit den Angeboten des Fremdenverkehrs und der Naherholung bestimmt. Einen nicht exakt quantifizierbaren Einfluß haben Bekanntheit und Kooperation als weiche Standortfaktoren auf alle wirtschaftlichen Sektoren (Gewerbe und Industrie, Landwirtschaft) und auf das soziale GefĂŒge der Region (Verhinderung der Abwanderung von ArbeitskrĂ€ften, StĂ€rkung der Wertschöpfung in der Region). Daher wird der PrĂ€sentation nach außen und der Kooperation innerhalb der Region hohe Bedeutung beigemessen. Die regionale Arbeitsgruppe wird als ersten Schritt in Zusammenarbeit mit den lokalen FremdenverkehrsverbĂ€nden das Motto fĂŒr das Land Kehdingen auf allen Werbematerialien fĂŒr Kehdingen aufnehmen. Mit den Organisationen der Landwirte wird im Rahmen der weiterzufĂŒhrenden Diskussion ĂŒber die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte dies ebenfalls aufgenommen werden. Die regionale Arbeitsgruppe beabsichtigt bei der FortfĂŒhrung der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung einen Workshop durchzufĂŒhren, der weitere regionale Akteure in die Entwicklung eines gemeinsamen Markennamens "Land Kehdingen" einbezieht und so die regionale IdentitĂ€t stĂ€rkt, damit alle wirtschaftlichen und sozialen Gruppen der Region lĂ€ngerfristig durch ein gemeinsames Auftreten nach außen und innen ihre regionale Zusammengehörigekeit leben. Projekt 2: Fahrradland Kehdingen - Service und Erholung Kehdingen bietet ideale Voraussetzungen fĂŒr Fahrradtourismus, wenn die landschaftlichen Schönheiten und die StĂ€rken von Gewerbe und Handwerk der Region miteinander verbunden werden. FĂŒr den Fremdenverkehr und die Naherholung sind "Fahrrad-FĂŒhrungen", "Fahrrad-Transport und sonstige Serviceangebote", "Touren- und Wegebeschreibungen" und ein "vernetztes Verkehrssystem" wichtige Bedingungen. Eine "Anbindung an den ÖPNV", vor allem mit einem Anschluß an das Ballungszentrum Hamburg ist zu schaffen. Zu den StĂ€rken der Region zĂ€hlt, daß thematische Fahrradtouren zu attraktiven und spannenden Ausflugszielen fĂŒhren können (beispielsweise Kirchen oder DenkmĂ€ler, Ab-Hof-Verkauf und HoflĂ€den von Biobauern). Mit PrioritĂ€t sind zwei Ansatzpunkte zu verfolgen: Touren zusammenstellen und anbieten sowie die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und dem Landkreis Stade verbessern. Diese vorrangige Aufga-be wird der Fremdenverkehrsverband koordinieren und mit den Gastronomiebetieben abstimmen. Die Gastronomen haben sich zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen, um weitere innovative Schritte in diese Richtung zu entwickeln. Die neuen Fahrradwanderkarten mĂŒssen leicht lesbar und gut verstĂ€ndlich sein. Die vorhanden Grundlagen sind durch einen Insider aus der Region zu ĂŒberprĂŒfen, wodurch z. B. gleichzeitig thematische Wanderwegekarten entstehen könnten. Projekt 3: Ochsenfleisch vom Außendeich Die Beweidung der ehemaligen AußendeichsflĂ€chen mit Ochsen (eingeschlossen werden kann hier auch Bullenweidemast) ist fĂŒr die Landwirtschaft und den Naturschutz gleichermaßen von Interesse, wenn die Vermarktung des Viehs zu akzeptablen Preisen gesichert werden kann. Sowohl fĂŒr die Schlacht- als auch die Lagerhaltung des Fleisches mĂŒssen die Bedingungen in der Region und ĂŒber die Region hinaus geklĂ€rt werden. Die QualitĂ€t des "Kehdinger Ochsens" gestattet ein eigenes Angebot fĂŒr den Fremdenverkehr und fordert Wege der direkten Vermarktung. QualitĂ€tsfleisch, das ggf. ĂŒber einen Verband wie Neuland vermarktbar wird, kann mit der UnterstĂŒtzung des Naturschutzes (als FlĂ€chenschutz) dieses besondere Merkmal beim Vertrieb nutzen. Festgehalten wurde, daß das "Ochsen-Bullenfleisch-Projekt" das Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft för dern könnte. Es muß ein eigener Markt mit eigenem Markenzeichen entwickelt werden, ohne daß eine Inflation und Entwertung schon vorhandener Markennamen erfolgt. Der Absatz sollte ab Hof und in der Region Hamburg dennoch möglichst saisonunabhĂ€ngig stattfinden. Hierzu wird im Herbst (nach erneuter Mittelerschließung) mit den Landwirten flĂ€chenbezogen ein Entwicklungskonzept entworfen sowie Vermarktungschancen geprĂŒft vorrangig mit Schlachtmöglichkeiten und Vermarktung in der Region selbst, aber auch darĂŒber hinaus. Dieses Projekt wird mit einzelnen Bauern und FlĂ€chen beginnen können. Die derzeitig schwierige Diskussion um das Konzept Natura 2000 (Umsetzung der FFH-Richtlinie) belastet allerdings erneut die vorsichtige AnnĂ€herung von Landwirtschaft und Verbandsnaturschutz. Projekt 4: Direktvermarktung Kehdinger Produkte in der Hotellerie und Gastronomie und Veredeln und Vermarkten landwirtschaftlicher Produkte aus Kehdingen Die Bereitschaft beim Verbraucher und Erzeuger zur Direktvermarktung ist hoch. Hingegen muß die Bereitschaft der Gastronomie zur Direktvermarktung noch geweckt werden. Ein gemeinsam erarbeitetes Konzept fehlt bislang. Die "Startphase" eines solchen Projektes, so die Erfahrungen anderer Regionen braucht zwischen 3 bis 5 Jahren, wobei die Kooperation von unten wachsen muß. AnstĂ¶ĂŸe von außen, z. B. durch ein "InnovationsbĂŒro" können das Projekt unterstĂŒtzen und beratende Aufgaben ĂŒbernehmen. Die Region Kehdingen bietet fĂŒr die Erzeugung unter den Bedingungen des Vermarktungszusammenschlusses "NEULAND" gute Voraussetzungen. Die Futtermittelproduktion ist regional möglich, auch Stroh fĂŒr artgerechte Stallhaltung ist vorhanden. Es sind derzeit noch GebĂ€ude vorhanden, die möglicherweise genutzt werden können. Das Oberzentren fĂŒr den Absatz der Produkte Hamburg und das Mittelzentrum Cuxhaven sind nicht weit entfernt (bis zu 70 km), so daß keine Probleme mit weiten Wegen entstehen. Der "regionale Absatz von Erzeugnissen" bietet den Vorteil, daß höhere Erzeugerpreise realisiert werden können. Dies erfordert ein offensives Marketing, das die Vorteile der ProduktqualitĂ€ten deutlich macht ("regionale QualitĂ€t hat ihren Preis"). Die QualitĂ€tsanforderungen mĂŒssen ĂŒber die "regionale" Erzeugung hinausgehen (z. B. Anbausicherheiten, FuttermittelqualitĂ€ten, etc.), aber "RegionalitĂ€t" muß fĂŒr den Kunden erkenn- und wiedererkennbar sein. Eine Arbeitsteilung zwischen einer Direktvermarktung und der Regionalvermarktung (in die Oberzentren) kann sinnvoll werden. Das Projekt der "Vermarktung und Veredlung" muß (in kleinen Schritten) entwickelt werden und ist als Aufgabe und Chance fĂŒr eine Region zu verstehen. Konkret kann angeregt werden, daß sich die "Marktfahrer" zusammenschließen und mit einer Direkt- und Regionalvermarktung beginnen. Projekt 5: StadeBahn fĂŒr das Land Kehdingen Die SchĂŒler der Hauptschule "Am Hohenwedel" haben im Vorfeld der Regionalkonferenz Überlegungen fĂŒr eine WeiterfĂŒhrung der StadeBahn nach Kehdingen angestellt, die in der Regionalkonferenz vorgestellt wurden. Deutlich hervorgehoben wird, daß das Projekt StadeBahn auch fĂŒr Kehdingen ein integriertes sozial- und umweltvertrĂ€gliches Verkehrskonzept mit Bahn, Bus, Rad, Schiff und PKW anbieten kann. Derzeit ĂŒberwiegt der Straßenverkehr (PKW), teilweise gekoppelt mit Schiffsverkehr. ÖPNV und IPV (individueller Personenverkehr) haben noch geringere Bedeutung fĂŒr die Anbindung Kehdingens an die Ober- und Mittelzentren und fĂŒr seine Erreichbarkeit. Das Auto ist noch alternativlos, auch fĂŒr den Wirtschaftsverkehr. Aber gerade fĂŒr die Ziegelei und verschiedene landwirtschaftlichen Produkte sind andere Lösungen zu favorisieren. Damit zu koppeln ist die (Wieder-)entwicklung der HĂ€fen, auch fĂŒr den Tourismus (Segeln u.a.). Dieses bereits sehr weit vorangeschrittene Projekt wird 1997 mit einer ersten Straßenbahn in Stade an den Start gehen. Der BUND wird sich mit weiteren regionalen Akteuren bemĂŒhen fĂŒr dieses Projekt eine eigene TrĂ€gerschaft bemĂŒhen. PROJEKTÜBERLEGUNGEN FÜR DIE REGION II: JESSENER LAND Die ausgewĂ€hlten Projektbereiche wurden zu fĂŒnf konkreten ProjektvorschlĂ€gen zusammengefĂŒgt und konkretisiert. Diese Projekte - Jessener Marktstand, Veredelung Pfirsich, Veredelung Wein, Kulturlandschaft Schweinitzer Berge, attraktives Wegenetz - bilden einen ersten Ansatz zur Vernetzung innerhalb eines in sich schlĂŒssigen Gesamtkonzepts. Die Projekte können dementsprechend fĂŒr sich allein stehen, in der Kombination ergĂ€nzen und unterstĂŒtzen sie sich gegenseitig. Zum Beispiel erfĂ€hrt ein attraktives Wegenetz als eine Grundlage touristischer Entwicklung durch eine vielfĂ€ltigere Kulturlandschaft eine Aufwertung und fĂŒhrt Erholungssuchende an Punkte, an denen Veredelungsprodukte aus Pfirsich verkauft werden usw. Projekt 1: Jessener Marktstand Mit Hilfe dieses Projektes soll durch eine Kombination typischer Jessener Produkte die Außenwirkung der Region verbessert werden. Zweck ist auch die Schaffung einer Erfahrungsbasis fĂŒr welche Produkte, Einzugsbereiche und QualitĂ€tsstufen AbsatzmĂ€rkte bestehen. Gleichzeitig kann damit ein Baustein fĂŒr den Tourismus und die Naherholung durch den höheren Bekanntheitsgrad Jessener Produkte geschaffen werden. Die nĂ€chsten Schritte sind die Ermittlung der Beteiligten, den Marktstand selbst zu entwickeln und zu realisieren, die Produktpalette abzustimmen, eine mögliche Arbeitsstruktur festzulegen und nach ersten Erfahrungen eine Produktdiversivizierung und QualitĂ€tsprĂŒfung vorzunehmen. Vorab sind mögliche Standorte zu ermitteln und ein Wirtschaftlichkeitskonzept zu erarbeiten. Die Erarbeitung Ă€hnlicher Projektideen kann dazu parallel anlaufen. Projekt 2: Wein und Pfirsich aus dem Land zwischen Busch und Aue Mit Hilfe dieses Projektes sollen typische Produkte wieder auf grĂ¶ĂŸerer FlĂ€che angebaut und vermarktet werden. Dabei soll die Produktpalette diversifiziert, die Kulturlandschaft gepflegt und so neue regionale IdentitĂ€ten geschaffen werden. Hierbei sind regionale, aber auch ĂŒberregionale MĂ€rkte zu erschließen. Voraussetzung ist die KlĂ€rung der BesitzverhĂ€ltnisse und vorhandener Vermarktungsstrukturen. Die Diskussion quantitativer und qualitativer Verbesserungen (Neupflanzungen, schonende Anbaumethoden etc.) und die PrĂŒfung möglicher UnterstĂŒtzung durch Fördermittel, GĂŒtesigel und Anbau- und Vermarktungsorganisationen unterstĂŒtzen das erforderliche wirtschaftliche Gesamtkonzept. Die Diskussion ĂŒber Arbeits- und Organisationsstrukturen ist mit allen an diesem Projekt Beteiligten konkret zu fĂŒhren. Projekt 3: Wie zur Zeit der Mönche: Kulturlandschaft Jessener-Schweinitzer Berge Mit Hilfe dieses Projektes sollen die Charakteristika der Jessener Landschaft entwickelt werden. Neben dem Erhalt der Kulturlandschaft und der Schaffung eines touristischen Bausteins (integriertes Angebots- und Nachfragesegment), ist die regionale IdentitĂ€t zu stĂ€rken. Nutzungskonflikte sind zu vermeiden. Auch hier sind die nĂ€chsten Schritte die KlĂ€rung der BesitzverhĂ€ltnisse und der derzeitigen Nutzungsstruktur, um daraus ein Nutzungskonzept und eine Konzeption fĂŒr das Pflegemanagement zu erarbeiten. Die Gestaltung von "Öko-Zellen", die sich im Stadtbesitz befinden, gehört dazu. Eine mögliche UnterstĂŒtzung (auch finanzieller Art) durch den Fremdenverkehrsverein und das Amt fĂŒr Wirtschaftsförderung sowie durch private Investitionen einzelner Gastronomen wird derzeit geprĂŒft. Auch hier ist die Diskussion ĂŒber Arbeits- und Organisationsstrukturen zu fĂŒhren. Projekt 4: Verborgene Reize: Erlebnispfade Jessener Land Mit Hilfe dieses Projektes soll ein Baustein fĂŒr eine touristische und Erholungsnutzung geschaffen werden. Dabei ist auf die AnsĂ€tze des Jessener Tourismusvereins aufzubauen. Nutzungskonflikte sind zu vermeiden. Gleichzeitig soll hiermit die regionale IdentitĂ€t verbessert werden. Voraussetzung dafĂŒr ist die weitere Abstimmung der bisherigen Arbeiten aufeinander (z.B. Jessener Weinpfad, Elbewanderweg) und die Erarbeitung eines geschlossenen Wegekonzeptes, das touristische Angebote einschließt. Auch hier sind die BesitzverhĂ€ltnisse zu prĂŒfen und mögliche finanzielle UnterstĂŒtzer zu gewinnen. Die Diskussion um Arbeits- und Organisationsstrukturen ist parallel mit zu fĂŒhren. PROJEKTÜBERLEGUNGEN FÜR DIE REGION III: ZWISCHEN MEISSEN UND PIRNA Die Projektentwicklungen sind in dieser dritten Region nicht so weit fortgeschritten wie in den beiden vorher beschriebenen Teilbereichen. Die GrĂŒnde dafĂŒr wurden bereits benannt. Dennoch sind einige konkrete Vereinbarungen möglich geworden. Projekt 1: Regionaler Stammtisch Ein regionaler "Stammtisch" versucht den Aufbau eines Kommunikaitonsnetzes zwischen den verschiedenen Organisationen, die sich mit Tourismus und der Förderung des Elbradeweges befassen, zu stabilisieren. Damit können Erfahrungen gesammelt werden im konstruktiven Umgang miteinander und gemeinsame AktionsbĂŒndnisse fĂŒr die weitere Entwicklungswege der Region geschlossen werden. Die TrĂ€gerschaft hat der regionale Fremdenverkehrsverband SĂ€chsische Schweiz ĂŒbernommen. Eine Ausweitung auf die Gesamtregion muß noch erreicht werden. Projekt 2: Sicherung der SĂ€chsischen Kulturlandschaften Die TU Dresden wird durch weitere studentische Arbeiten vorhandene Ideen und UmsetzungsvorschlĂ€ge prĂŒfen und entwickeln, um so zu versuchen zur Erhaltung und Entwicklung der SĂ€chsischen Kulturlandschaft beizutragen. DafĂŒr liegt auch die UnterstĂŒtzung des zustĂ€ndigen Ministeriums vor. Projekt 3: Stabilisierung der Überlegungen zur eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung Die BUND-Regionalgruppe wird mit ihren noch schwachen KrĂ€ften vor Ort das Projekt soweit möglich weiter zu verfolgen und die Ideen und Zielsetzungen nutzen, auch als zukunftsfĂ€higer Partner in der Region Anerkennung zu finden. Dies ist insbesondere geboten, da damit erste Möglichkeiten gegeben sind, aus der Position des Nein-Sagers in eine kooperative und konstruktive Auseinandersetzung einzutreten. Die sofortige Umsetzung entwickelter VorschlĂ€ge zur Förderung des Elbradweges als Beitrag einer umweltschonenden touristischen Konzeption und zur eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung scheint nicht möglich und verfrĂŒht. Dazu mĂŒssen die Akteure die Bereitschaft zur lĂ€ngerfristigen Zusammenarbeit erst noch weiter entwickeln. Öffentlichkeitsarbeit und PrĂ€sentation Die Regionalkonferenzen am Ende dieser Arbeitsphase wurden von den regionalen Arbeitsgruppen genutzt, ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen und in die kommunalpolitische Diskussion einzubringen. Die Ergebnisse der Arbeiten wurden in der Regel in der Presse der Regionen ausfĂŒhrlich dargestellt. Fazit 1. EigenstĂ€ndige Regionalentwicklung ist geeignet, die Anforderungen an eine zukunftsfĂ€hige Entwicklung, wie sie die lokale Agenda 21 fordert, einzuleiten, diese konkret auszufĂŒllen und umzusetzen. 2. Ein Teil der Voraussetzungen fĂŒr eine erfolgreiche Umsetzung der Zielsetzungen, kann durch die Auswahl und Abgrenzung der Regionen geschaffen werden. Dazu gehören vor allem folgende Kriterien: - Die Regionen sollten zu den strukturschwachen Regionen der Bundesrepublik gehören. - Es sollten bereits regionale AnsĂ€tze fĂŒr eine eigenstĂ€ndige Regionalentwicklung vorhanden sein und die SchlĂŒsselpersonen sollten leicht identifiziert werden können. 3. Der BUND ist als Initiator und Impulsgeber eigenstĂ€ndiger Regionalentwicklung geeignet, wenn er in der Region als Partner anerkannt ist, um mit den regionalen Akteuren auf der Basis konsensfĂ€higer Projekte dieser Entwicklungsprozeß gemeinsam getragen wird. 4. Die beratende UnterstĂŒtzung der Hochschulen ist fĂŒr den Blick von außen, um neue Ideen und Vorstellungen in die Regionen zu tragen, hilfreich. Auch die umfassende Kenntnis anderer Beispiele und Vorgehensweisen in anderen Regionen wirkte unterstĂŒtzend, wobei ihr objektiver Blick auf die Regionen Entwicklungswege und -chancen ausloten hilft. 5. Der BUND als TrĂ€ger des Prozesses der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung kann mit seinem Engagement in diesem Bereich einer umweltschonenden Wirtschaftsentwicklung auch die Akzeptanz von Naturschutzstrategien vor Ort erhöhen. Daß dafĂŒr auch ein Umdenken bei den eigenen Mitgliedern erforderlich und dieser Prozeß zum Teil noch nicht weit fortgeschritten ist, kann zu innerverbandlichen Differenzen fĂŒhren, die bewĂ€ltigt werden mĂŒssen, um das gewonnene Vertrauen in der Region nicht zu gefĂ€hrden. Dieser Umdenkungsprozeß innerhalb des BUND ist vermutlich auch innerhalb anderer Umweltorganisationen erforderlich und wĂŒnschenswert, sollen die vom SRU (1996) formulierten VerĂ€nderungen im Umgang von Umweltorganisationen, Politik und staatlicher Verwaltung erreicht werden. Da sich die UmweltverbĂ€nde in einem Kontext behaupten mĂŒssen, der von staatlichen Institutionen und hoch professionalisierten VerbĂ€nden bestimmt ist und durch wechselnde umweltpolitische Konfliktlinien gekennzeichnet ist (SRU 1996:642), wird die Bereitschaft zum Dialog, zu thematischen und strategische Arbeitsteilungen zunehmend wichtig. Dazu gehört nach Auffassung des SRU auch ein verbesserter Informationsfluß innerhalb ihrer TĂ€tigkeitsfelder sowie die Bereitschaft Erfolge zu teilen. EigenstĂ€ndige Regionalentwicklung fordert die Natur- und Umweltschutzorganisationen an der kommunalpolitischen Gestaltung der Gemeinde verantwortlich mitzuwirken und zu ge-stalten. Diese Herausforderung wurde von den beteiligten BUND-Gruppen erkannt und angenommen 6. Die gewĂ€hlte Zweiteilung des Prozesses der eigenstĂ€ndigen Regionalentwicklung in eine erste Phase des Anschubs oder der Initiierung in der Region und in eine zweite Phase der Umsetzung hat sich als sinnvoll erwiesen. 7. Die Einleitung bewußter Kommunikationsprozesse, die FĂ€higkeiten gleichberechtigter Kommunikation, scheint eine wichtige Aufgabe dieser Projektinitiativen. Als Erfolg in den Regionen kann gewertet werden, daß die Notwendigkeit gemeinsamer AktivitĂ€ten und Initiativen erkannt wurde und ein lĂ€ngerer gemeinsamer Umsetzungsprozeß gegangen werden soll. Eine kurze Anfangsphase kann klĂ€ren, ob in der gewĂ€hlten Region die Voraussetzungen, fĂŒr den Erfolg gegeben sind oder nicht, ohne daß unnötig viel Zeit und finanzielle Mittel investiert werden.

Übersicht

Telefon

0511/96569-0

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Bundesland

Bundesrepublik Deutschland

Fördersumme

91.375,02 €

Förderzeitraum

01.01.1996 - 05.11.1997

Internet

www.BUND-Niedersachsen.de