Projekt 03622/01

√Ėkologischer Mietwohnungsbau Duderstadt

Projektträger

NILEG, Nieders√§chsische Gesellschaftf√ľr Landesentwicklung und Wohnungsbau mbH
Walter-Gieseking-Str. 6
30159 HannoverZielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des √∂kologischen Wohnungsbauprojektes in Duderstadt war es, neben der Realisierung bereits bekannter energetisch optimierter Bauweisen auch die Kombination neuartiger Heiz-, L√ľftungs- und Regelungstechniken im Gescho√üwohnungsbau einzusetzen und dies im Rahmen der Landesausstellung Natur im St√§dtebau in Duderstadt einer breiten √Ėffentlichkeit zu pr√§sentieren. Der Erfolg aller angewandten Techniken wurde durch wissenschaftliche Begleitung und ein 3-j√§hriges Me√üprogramm der wichtigsten Verbrauchs- und Kenndaten des Nutzerverhaltens √ľberpr√ľft. Angestrebtes Ziel war eine deutliche und nachhaltige Reduzierung des Energieverbrauchs bei der Nutzung von Mietwohnungen im Vergleich zum damaligen Standard. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1. Planung und Durchf√ľhrung: In der Planung wurde die H√ľllfl√§che des Geb√§udes optimiert und optimal zur Sonne ausgerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Fachingenieurb√ľro Theurich & Klose wurden folgende Technikkomponenten geplant und realisiert: 1. Kontrollierte Wohnungsl√ľftung mit W√§rmer√ľckgewinnung; 2. Stromspartechnologie und Photovoltaik; 3. Warmwassererzeugung durch Vakuumr√∂hrenkollektoren; 4. Transparente W√§rmed√§mmung an der S√ľdfassade; 5. Gasbrennwertheizung; 6. Wohnungsweises Energieerfassungs- und Regelsystem. Bei der baulichen Ausf√ľhrung wurde besonders auf die Winddichtigkeit der Geb√§udekonstruktion geachtet, um W√§rmeverluste durch unkontrollierte L√ľftung zu vermeiden. Geometrische und konstruktive W√§rmebr√ľcken wurden bei der Planung und der Durchf√ľhrung weitgehend ausgeschlossen. 2. √Ėffentlichkeitsarbeit und Schulung der Mieter W√§hrend der Landesgartenausstellung wurden in einer Musterwohnung die Energiespar-Techniken und Erfassungsmethoden fachkundig vorgestellt. (Vortr√§ge, Brosch√ľren, Schautafeln...). In regelm√§√üigen Schulungsveranstaltungen wurden die Mieter mit den neuen Techniken vertraut gemacht und auf die Bedeutung der richtigen Rauml√ľftung und die M√∂glichkeiten zus√§tzlicher Energieeinsparung hingewiesen. 3. Me√ü- und Auswertungsphase Neben den Verbrauchswerten f√ľr Heizung und Warmwasserbereitung wurden 3 Jahre lang Au√üentemperaturen, Raumtemperaturen, √Ėffnungszeiten der Fenster, Betriebszeiten der L√ľftungsanlage und der Verbrauch von Kaltwasser, Gas und Strom gemessen und gespeichert. Ergebnisse und Diskussion Die Winddichtigkeitspr√ľfung (Blower-Door-Test) eines Referenzgeb√§udes hat bis auf kleine Luftleckstellen ergeben, da√ü das gepr√ľfte Geb√§ude als sehr dicht (n50 = 1,04 h-1) einzustufen ist. Die kleinen Leckstellen an Fenstern und Rohranschl√ľssen waren mit geringem Aufwand zu beheben. Die Brennwertheizanlage erbrachte anf√§nglich nicht die m√∂glichen Nutzungsgrade, was aber im Laufe des Kontrollverfahrens einreguliert werden konnte. Generell mu√ü bemerkt werden, da√ü theoretisch hohe Normnutzungsgrade in der Praxis der Niedrigenergieh√§user nicht erreicht werden k√∂nnen. Dieses gilt jedoch nicht nur f√ľr Brennwerttechnik, sondern im gleichen Ma√üe auch f√ľr den Einsatz herk√∂mmlicher Niedertemperaturkessel. Grund hierf√ľr ist, da√ü die ben√∂tigten Nutzw√§rmemengen im Niedrigenergiehaus geringer werden, die Verluste des Kessels und der W√§rmeverteilung jedoch nicht im gleichen Ma√üe sinken. Hier ist es besser, mit absoluten Werten f√ľr die Verluste zu rechnen. Die Ergebnisse der solaren Trinkwssererw√§rmung zeigen, da√ü nur standardisierte und praxiserprobte L√∂sungen hydraulischer und regelungstechnischer Einbindung von Solaranlagen in die konventionelle Heizungsanlagentechnik ausreichend hohe solare Deckungsanteile erbringt. Die L√ľftungsger√§te mit W√§rmer√ľckgewinnung wurden von den Bewohnern selten - und dann meist nur als Dunstabzug f√ľr die K√ľchenluft - genutzt. Die geringe Akzeptanz der Nutzer l√§√üt sich mit dem relativ hohen Stromverbrauch, auf den in den Mieterinformationsveranstaltungen hingewiesen wurde und der Ger√§uschentwicklung erkl√§ren. F√ľr die aus hygienischen und bauphysikalischen Gr√ľnden n√∂tige kontrollierte L√ľftung sind in den letzten drei Jahren bereits bessere L√∂sungen mit und ohne W√§rmer√ľckgewinnung entwickelt worden. Die gemessenen Heizw√§rmeverbrauchswerte stimmen f√ľr die Geb√§ude als Gesamtheit gut mit errechneten Werten nach der W√§rmeschutzverordnung von 1995 √ľberein. Die Einzelverbrauchswerte der Wohnungen weichen untereinander jedoch im Verh√§ltnis 1:6 voneinander ab; im wesentlichen begr√ľndet durch unterschiedliche, vom Nutzer (Mieter) verursachte L√ľftungsw√§rmeverluste und innere W√§rmegewinne. Die Einzeldatenanalyse zeigt deutlich, da√ü zuk√ľnftiges Einsparpotential im Niedrigenergiehaus wesentlich vom Nutzerverhalten im Zusammenspiel mit der Regelungs- und Anlagentechnik abh√§ngt. Ansatzpunkte f√ľr niedrige Verbrauchswerte sind: ¬∑ Konsequente Aufkl√§rung der Nutzer √ľber den starken Einflu√ü ihres L√ľftungsverhaltens, vor allem in den √úbergangszeiten (Fr√ľhling, Herbst) auf den Heizw√§rmeverbrauch. Die Schwierigkeit hierbei liegt darin, das Interesse an der Thematik bei den Mietern zu wecken, um so ein bewu√ütes L√ľftungsverhalten zu erreichen. In Duderstadt mu√üte leider festgestellt werden, da√ü h√∂chstens 50 % der Nutzer an den angebotenen Infoveranstaltungen teilnahmen. ¬∑ Begrenzung des Verschwendungspotentials der W√§rmeabgabe durch sorgf√§ltige Planung, Auslegung, Inbetriebnahme und Durchf√ľhrung eines hydraulischen Abgleichs sowie der Reglereinstellung. ¬∑ Verst√§rkter Einsatz zentraler und dezentraler Regeleinrichtungen, die bei √úberschreiten zeitlich gemittelter Au√üentemperaturen (Heizgrenztemperaturen im Bereich zwischen 10¬įC-14¬įC) die Heizenergiezufuhr unterbrechen und bei Unterschreiten durch manuelle Anforderung wieder zulassen. Weiterhin ist die Erfassung der Fenster√∂ffnung zur Unterbrechung der dezentralen Heizenergiezufuhr eine aussichtsreiche technische M√∂glichkeit zur Reduzierung des L√ľftungsw√§rmeverbrauchs. Einzelraumregler mit Fensterkontaktfunktionen k√∂nnen dies erf√ľllen.. Das wohnungszentrale Raumtemperaturregelungs- und Energieerfassungssystem erwies sich in der Praxis f√ľr die Mehrzahl der Mieter als zu kompliziert und sollte in Zukunft durch einfache, bedienerfreundliche Ger√§te ersetzt werden. √Ėffentlichkeitsarbeit und Pr√§sentation 1. Vortr√§ge und Pr√§sentation auf der Landesgartenschau 1995 2. Brosch√ľre NILEG/DBU: Modellprojekt √Ėkologischer Wohnungsbau in Duderstadt 3. Fachartikel in Zeitschrift GAS Heft 1/96 S. 25 ff Technik im Niedrigenergiehaus, Zwischenbericht des Modellprojektes √Ėkologischer Mietwohnungsbau in Duderstadt Dieter Wolff, Peter Teuber, Martin Krohm und Burkhard Alkemeier. Fazit Durch die lange und intensive Me√üphase konnten wichtige Erkenntnisse √ľber die Wirksamkeit der verschiedenen eingesetzten Techniken im Mietwohnungsbau gewonnen und daraus L√∂sungen f√ľr zuk√ľnftige Verbesserungen abgeleitet werden. Die tats√§chlich erzielten W√§rmeverbrauchswerte liegen etwas √ľber den nach der WSVO errechneten Vorgaben. Hier zeigt sich bei genauer Ursachenforschung, da√ü das Heiz- und L√ľftungsverhalten der Mieter einen gravierenden Einflu√ü auf das Gesamtergebnis hat. Einsparpotentiale, die durch bewu√ütes Nutzerverhalten v.a. bei der L√ľftung erreicht werden k√∂nnen, sind wesentlich h√∂her als die durch verbesserte Technologien erzielbare Reduzierung des Heiz- und Elektroenergieverbrauchs. Die eingesetzten technischen Ger√§te m√ľssen bedienerfreundlicher und in ihrer Wirkungsweise f√ľr den Nutzer akzeptabler werden. Die Niedrigenergiehaus-Techniken erfordern eine intensive Planung und genaue Abstimmung aller geplanten beteiligten Gewerke.

√úbersicht

Telefon

0511/8116-0

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Bundesland

Niedersachsen

Fördersumme

251.527,48 ‚ā¨

Förderzeitraum

15.11.1993 - 04.02.1999