Verbraucher*innen haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie viele Lebensmittel, die vorher mit hohem Ressourcenaufwand produziert wurden, letztlich ungenutzt im Abfall landen. Daher setzte das DBU-Projekt der Tafel-Akademie und der tschechischen Partnerorganisation Zachraň jídlo vor allem bei jungen Konsument*innen an, um zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und -verlusten beim letzten Glied in der Wertschöpfungskette beizutragen.
Ziel des grenzüberschreitenden Projekts „Jeder kann die Lebensmittelverschwendung vermeiden“ war es, dass weniger noch verzehrfähige Lebensmittel – ungenutzt und oftmals im einwandfreien Zustand – weggeworfen werden. Mit einem dreigeteilten Ansatz sensibilisierte das deutsch-tschechische Projektteam für das Thema, ging den Ursachen des Problems auf den Grund und schuf zugleich konkrete Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden – und konnte damit in allen Teilbereichen Erfolge verzeichnen.
Junge Zielgruppe im Fokus
Im Fokus der Informationskampagne stand die junge Generation im Alter von 13 bis 35 Jahren. Um diese Zielgruppe zu erreichen, wurden Informationen, Tipps sowie Rezepte in sozialen Medien (YouTube, Facebook und Instagram) und auf den Webseiten veröffentlicht, teilweise in Kooperation mit tschechischen Influencer*innen. Im Rahmen eines Instagram-Wettbewerbs wurden User*innen aufgefordert, symbolische Fotos zum Thema Lebensmittelverschwendung zu posten. Die Aktion schuf in der jungen Zielgruppe Bewusstsein für die Verschwendung von Lebensmitteln und vermittelte Tipps wie diese verhindert werden können.
Mehr Informationen und Mitmach-Aktionen für alle
Für eine ältere Zielgruppe wurden Rezepte zur Verwendung von Lebensmittelresten zunächst online veröffentlicht und begleitend in Videos dargestellt. Ergänzend wurden Kochbücher mit einer Gesamtauflage von 4.600 Stück gedruckt über einen eigens dafür eingerichteten Online-Shop vertrieben.
Besonders gut kamen Mitmachaktionen für einen guten Zweck an. Bei insgesamt 74 Nachernten retteten 250 Freiwillige rund 39 Tonnen Obst und Gemüse, die bei der regulären Ernte übriggeblieben waren. Ackerfrüchte, die nicht der Handelsnorm entsprechen, verbleiben normalerweise auf dem Feld und werden untergepflügt. Durch die Nachernten konnten diese Lebensmittel gerettet werden und anschließend an caritativen Einrichtungen weitergegeben werden. Darüber hinaus wurden Landwirt*innen über die Möglichkeit der Nachernte informiert und weitere für zukünftige Ernten gewonnen.
Austausch mit Lebensmittelproduzent*innen
Inwieweit die Kennzeichnung der Haltbarkeit einen Einfluss auf die Verschwendung von Lebensmitteln hat, wurde in der Tschechischen Republik anhand einer Marktanalyse untersucht. Mittels Meinungsumfragen und anschließenden Diskussionsrunden wurde das Verständnis der Verbraucher*innen gegenüber dem Haltbarkeitsdatum sowie der Verwendung bzw. Entsorgung von Lebensmitteln erhoben. Dabei wurde deutlich, dass die Kennzeichnung von Lebensmitteln (z.B. Mindesthaltbarkeitsdatum) sowie andere gesetzliche Vorgaben den Umgang mit Lebensmitteln maßgeblich beeinflussen.
Auf Basis dieser Erkenntnisse fanden Round-Table-Gespräche mit Teilnehmer*innen aus Politik, Produktion und Handel statt. Dabei wurde deutlich, dass die Kennzeichnung der Lebensmittelhaltbarkeit ein zentrales Thema darstellt und eine Vernetzung der Akteur*innen erforderlich ist. Die Beteiligten hatten so die Gelegenheit miteinander in den Austausch zu treten und künftig gemeinsam an Lösungen für das Problem zu arbeiten.
Projektdurchführung
Tafel-Akademie gGmbH
Germaniastr. 18
12099 Berlin
DBU-AZ: 34015/01
Förderzeitraum: 16.10.2017 – 29.02.2020