Etwa 500 000 Kinder nehmen an der Schulverpflegung in Ungarn teil. Diese Tatsache bietet insbesondere im Grundschulbereich die große Chance, eine Veränderung im Hinblick auf eine nachhaltigere Schulverpflegung mit Fokus auf Planetary Health Diet (PHD) zu realisieren. Hier setzt das Projekt für die Zielgruppen Kinder im Grundschulalter von neun bis zwölf Jahren, Lehrkräfte, Eltern und Schulcaterer an. Zielgruppenspezifisch und -übergreifend werden diese für die gesundheitlichen und ökologischen Folgen von Ernährungsentscheidungen sensibilisiert und durch frühzeitigen Know-how-Aufbau zu nachhaltigeren Verhaltensweisen motiviert.
Planetary Health Diet (PHD) in Schule und Alltag verankern
Bisher fehlt es insbesondere auch in der ungarischen Bevölkerung (u. a. bei Eltern) an Wissen über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Nachhaltigkeit. Viele Menschen assoziieren Umweltauswirkungen lediglich mit Lebensmitteln aus Übersee, ohne den ökologischen Fußabdruck ihrer eigenen Ernährungsweise zu kennen. Besonders problematisch ist, dass sich Essverhalten und Lebensmittelpräferenzen bereits in der Kindheit verfestigen. Daher setzt das Projekt an diesem Punkt an: Es wird die Hypothese aufgestellt, dass Menschen, insbesondere Familien, mehr auf ihre eigene Ernährung achten würden, wenn sie sich der negativen gesundheitlichen Auswirkungen einer traditionellen Ernährung gegenüber den Vorteilen der PHD-basierten Ernährung bewusst wären. Deshalb wird das Thema im schulischen Kontext erstmals aufgegriffen, da nachhaltige Ernährung und Lebensmittelproduktion bisher weder Teil des offiziellen Lehrplans noch der ergänzenden Umweltbildung in den ungarischen Grundschulen sind.
Das Projekt zielt darauf ab, nachhaltige Ernährung mit Fokus auf PHD in ungarischen Grundschulen zu fördern. Dabei sollen Bildungskonzepte und die Schulverpflegung zielgruppengerecht angepasst werden, zunächst in drei Modellgrundschulen. Im Unterricht soll ein Verständnis für nachhaltige Ernährung vermittelt und die Akzeptanz für die Umsetzung in der eigenen Schulverpflegung gesteigert werden. Zudem sollen politische Diskussionen angestoßen und bestenfalls landesweit umsetzbare Reformen initiiert werden.
Schritt 1: Leckere und nachhaltige Schulmenüs entwickeln
Im ersten Arbeitspaket des Projektes soll die Planetary Health Diet (PHD) in die ungarische Schulverpflegung eingeführt werden, um zu zeigen, dass nachhaltige Ernährung auch lecker sein kann. Geplant ist ein Rezeptwettbewerb, an dem rund 200 Familien teilnehmen und etwa 70 Rezepte einreichen sollen. Auf Basis der eingereichten Rezepte soll ein digitales Rezeptbuch für Schulcaterer mit rund 60 Gerichten sowie einer kompakten Übersicht zu den wichtigsten Aspekten der Planetary Health Diet entstehen. Zudem ist vorgesehen, für 80 Gerichte eines Schulmonats den CO₂-Fußabdruck zu berechnen und die Ergebnisse in vier Menükarten anschaulich darzustellen, die sowohl gedruckt als auch online verfügbar sein werden. Ergänzend ist die Veröffentlichung eines Fachartikels zur CO₂-Berechnung im nationalen Journal of Food Inspection Announcements geplant. Außerdem soll ein interaktiver Online-Rechner „CO₂-Fußabdruck unserer Gerichte“ auf der Projektwebsite Schulcaterern ermöglichen, die Klimawirkung ihrer Menüs direkt zu ermitteln.
Schritt 2: Nachhaltige Ernährung mit der Planetary Health Diet im Unterricht verankern
Im zweiten Arbeitspaket soll die nachhaltige Ernährung mit Fokus auf die Planetary Health Diet (PHD) in den Unterricht an ungarischen Grundschulen eingeführt werden. Geplant ist ein Rezeptheft mit 72 Gerichten aus DBU-geförderten Projekten, das für den Kochunterricht aufbereitet und sowohl gedruckt als auch online verfügbar sein wird. Zusätzlich wird ein neues Qualifizierungsangebot für Lehrkräfte entwickelt, das die Methodik vermittelt; mindestens neun Lehrkräfte in drei Pilotschulen sollen daraufhin qualifiziert werden. Ergänzend entsteht methodisches Material für rund 30 Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis für Sach- und Naturkunde, das online bereitgestellt und im Unterricht mit insgesamt 225 bis 288 Schüler*innen getestet wird.
Weitere Schritte: Von der Schule bis zur Politik: Wissen vermitteln und Wirkung entfalten
In den weiteren Arbeitspaketen liegt der Fokus auf der Sensibilisierung der Schülerinnen und Eltern, der Einbindung politischer Entscheidungsträgerinnen sowie der Vermittlung der Projektergebnisse. Geplant sind unter anderem kreative Aktionen wie Malwettbewerbe und die Teilnahme von Schulklassen an Kochwettbewerben, thematische Informationskampagnen, eine Fachveranstaltung mit zentralen Akteur*innen inklusive Policy Brief mit Empfehlungen sowie die kontinuierliche Bereitstellung von Informationen und Materialien auf der Projektwebsite.
Innovation und Modellhaftigkeit des Projektes
Das Projekt zeigt modellhaft, wie die Planetary Health Diet schrittweise in ungarische Schulverpflegung und Unterricht integriert werden kann, ohne bestehende Gesetze zu verletzen. Innovativ sind dabei das digitale Rezeptbuch mit CO₂-Bewertung der Gerichte, der Online-Rechner zur Klimawirkung von Menüs sowie die aktive Einbindung von Kindern, Eltern und Lehrkräften. Durch praxisnahe Tests in Pilotschulen entsteht ein übertragbares Konzept, das Ernährung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf allen Ebenen verbindet.
Projektdurchführung:
Wasteless Foundation
Harminckettesek tere 6 C
H-1081 Budapest
DBU-AZ: 40229/01
Förderzeitraum: 01.10.2025 – 31.03.2028
Assoziierte Partner*innen:
Nationaler Verband der Catering-Dienstleister im öffentlichen Sektor (KÖZSZÖV)
Dezső Pais (Grundschule)
Aquincum Englisch-Ungarische (Zweisprachige Grundschule)
Imre Németh (Grundschule)


