Der Umbau hin zu mehr Nachhaltigkeit ist notwendig – aber vor Ort oft umstritten. Wo Windräder geplant oder Moore renaturiert werden oder der Wolf zurückkehrt, treffen unterschiedliche Interessen, Sorgen und Erwartungen aufeinander. Gerade in ländlichen Regionen, in denen politische Debatten und öffentliche Infrastruktur vielerorts unter Druck stehen, können solche Vorhaben schnell zu Konflikten werden. Desinformation, Verschwörungserzählungen und rechtspopulistische Zuspitzungen verschärfen Transformationskonflikte zusätzlich.
Menschen, die Gespräche möglich machen
Hier setzt das Projekt an: Es stärkt Menschen aus dem ländlichen Raum, die in ihrer Region vermitteln, moderieren und Gespräche möglich machen können. Dafür werden Akteur*innen aus mittelständischen Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, dem Ehrenamt und der Bildungsarbeit in einem Train-the-Trainer-Format zu Brückenbauer*innen qualifiziert. In Schulungen und praxisnahen Formaten lernen sie Konflikte einzuordnen, Gespräche zu strukturieren und mit Widerständen konstruktiv umzugehen. Ein Schwerpunkt liegt darauf, auf Wissenschaftsskepsis und Desinformation angemessen zu reagieren. Die Teilnehmenden trainieren, Unsicherheiten aufzugreifen, Polarisierungen zu entschärfen und Gesprächsräume offen zu halten. So entstehen vor Ort Ansprechpersonen, die auch in angespannten Debatten handlungsfähig bleiben. Damit trägt das Projekt dazu bei, die demokratische Dialogkultur vor Ort zu stärken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Transformationsprozessen zu fördern.
Werkzeuge für den Dialog
Das Vorhaben leistet so einen Beitrag dazu, Nachhaltigkeit nicht nur als fachliche Aufgabe, sondern als gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zu begreifen. Indem regionale Akteur*innen gestärkt und Dialogräume eröffnet werden, entstehen vor Ort Strukturen, die Konflikte bearbeitbar machen und die sozial-ökologische Transformation demokratisch absichern. Neben der Ausbildung von 25 Personen in Konfliktmanagement, Moderation, Dialogführung und Demokratieförderung werden praxisnahe Bildungsmaterialien für verschiedene Zielgruppen erstellt. Die Handreichungen behandeln konkrete Konflikte (z. B. Moorrenaturierung, Windkraft, Wolfsrückkehr) und zeigen alltagstaugliche Lösungsansätze. Wissenschaftliche Fundierung und medienpädagogische Aspekte zum Umgang mit Desinformation sind integriert. Zudem werden die Teilnehmenden in der Umsetzung eines konkreten Dialogformats in ihrer Region unterstützt, um den Praxistransfer der erworbenen Kompetenzen zu gewährleisten.

Projektdurchführung: Naturfreundejugend Deutschlands, Fachstelle FARN
DBU-AZ: 40301, Förderzeitraum: Oktober 2025 – September 2027