Das Startup Optocycle aus Tübingen entwickelte im DBU-Projekt ein KI-basiertes System für ein Echtzeit-Monitoring von Recycling-Baustoffen. Ziel ist es, die Qualität von Bauschutt direkt im Aufbereitungsprozess automatisch zu erfassen und damit hochwertiges Recycling im Bauwesen zu ermöglichen.
Hohe Abfallmengen, begrenzte Qualitätskontrolle
Bau- und Abbruchabfälle werden in Deutschland häufig deponiert oder nur unzureichend hochwertig verwertet. Die Qualitätsprüfung von Recyclingmaterial erfolgt bislang überwiegend stichprobenartig im Labor und basiert oft auf subjektiven Einschätzungen im laufenden Prozess. Dadurch schwankt die Qualität der Sekundärrohstoffe, was sowohl wirtschaftliche Risiken birgt als auch dazu führt, dass wertvolle Materialien nicht im Kreislauf gehalten werden.
KI-basierte Klassifizierung von Bauschutt in Echtzeit
Das System von Optocycle kombiniert Kamera- und Sensorsysteme mit einer KI-gestützten Auswertung auf Basis neuronaler Netze und ermöglicht so die digitale, maschinenlesbare Erfassung und Klassifizierung mineralischer Fraktionen. Dadurch können Bauabfälle transparent bewertet und gezielte Entscheidungen für ihre hochwertige Verwertung im Stoffkreislauf abgeleitet werden. In Tests und Pilotprojekten mit Partnern der Entsorgungswirtschaft wurde eine Klassifizierungsgenauigkeit von über 90 Prozent erreicht, die durch kontinuierlich wachsende Trainingsdaten weiter verbessert wird. Erste Anwendungen zeigen zudem ein erhebliches Potenzial für Klima- und Ressourcenschutz durch weniger Deponierung, effizientere Logistik und die Substitution von Primärrohstoffen. Eine konkrete CO₂-Bilanzierung ist ab 2026 vorgesehen.
„Unsere Technologie leistet einen relevanten Beitrag für Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Die durch uns gelieferte Transparenz hilft unseren Kunden und Partnern letztendlich, die Qualität von Sekundärrohstoffen zu verbessern, die aus dem Bauschutt gewonnen werden. Diese Lösung lässt sich zudem perspektivisch auf alle Abfallströme übertragen. Denn nur wenn das Recycling auch wirtschaftlich ist, kann die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche Erfolg haben.“
Max-Frederick Gerken,
Gründer & Geschäftsführer, Optocycle GmbH
Weiterentwicklung zum industriellen Prototypen
In einem aktuell laufenden Folgeprojekt (DBU-AZ 40244) entwickelt Optocycle einen voll funktionsfähigen und im industriellen Umfeld validierten Prototypen, der die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Ansatzes nachweist. Kooperationspartner in beiden Projekten ist die Heinrich Feeß GmbH – das Unternehmen des Umweltpreisträgers 2016, Heinrich Feeß.


Projektdurchführung
Optocycle GmbH
Am Markt 12
72070 Tübingen
DBU-AZ: 35506_19
Förderzeitraum: 18.06.2023 – 18.06.2025