Nachhaltige Dachbegrünung aus Paludikultur

Mit dem DBU-geförderten Projekt des Startups „Planterial“ wird eine innovative Lösung für die nachhaltige Dachbegrünung entwickelt. Ziel des Vorhabens ist es, konventionelle Dachbegrünungsysteme aus mineralischen und erdölbasierten Rohstoffen durch klimafreundliche Alternativen aus nachwachsenden Materialien zu ersetzen.

Die Testproduktion des Paluboards konnte erfolgreich abgeschlossen werden.
© Mika Siponen

Paluboard für klimaresiliente Städte

Kern des Projekts ist das sogenannte „Paluboard“ – eine leichte Nährbodenplatte auf Basis von Paludi-Biomasse, also nachwachsenden Rohstoffen aus wiedervernässten Moorflächen, etwa aus Schilf. Die Herstellung erfolgt energieeffizient in einem Heißpressverfahren unter Verwendung eines pflanzlichen, vollständig biologisch abbaubaren Bindemittels. Neben Schilf können auch weitere landwirtschaftliche Reststoffe eingesetzt werden, wodurch zusätzliche Potenziale für eine ressourcenschonende Produktion entstehen.

Das entwickelte System adressiert zentrale Anforderungen an klimaresiliente Städte. Mit einer Wasserspeicherkapazität von 20 bis 26 Litern pro Quadratmeter trägt das Paluboard dazu bei, Regenwasser lokal zurückzuhalten, die Verdunstungskühlung zu erhöhen und Überflutungsrisiken bei Starkregen zu mindern. Gleichzeitig verbessert die Dachbegrünung mit dem Paluboard das Mikroklima und schafft durch den Einsatz von beispielsweise Schilfhalmen neue Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere.

Ein weiterer Vorteil liegt im geringen Gewicht des Materials: Mit etwa sechs Kilogramm pro Quadratmeter im trockenen Zustand eignet sich das Paluboard auch für Gebäude, deren Statik eine konventionelle Dachbegrünung nicht zulässt. Damit trägt das Projekt dazu bei, Dachbegrünung breiter zugänglich zu machen und deren positive Effekte für das Stadtklima auf weitere Gebäudetypen auszuweiten.

Klimaschutz durch Paludikultur und Moorwiedervernässung

Darüber hinaus leistet das Projekt einen doppelten Beitrag zum Klimaschutz: Zum einen werden durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe fossile bzw. mineralische Materialien ersetzt. Zum anderen unterstützt die Nutzung von Paludi-Biomasse die Wiedervernässung von Mooren und damit eine der effektivsten Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Paludikulturen ermöglichen die Nutzung wiedervernässter Moorflächen, ohne deren Funktion als Kohlenstoffspeicher zu beeinträchtigen. Entwässerte Moore zählen zu den bedeutenden Emissionsquellen, während intakte Moorökosysteme große Mengen Kohlenstoff speichern. So vereint das Paluboard wirksamen Klimaschutz mit urbaner Klimaanpassung.

Aus dem Labor in die Praxis:

Das Team von Planterial hat im November 2025 erfolgreich die Industrieversuche für die serielle Herstellung des Paluboards abgeschlossen. Die technischen Voraussetzungen sind geschaffen, die Bindemittelaufbereitung in entsprechenden Mengen getestet und die Materialverfügbarkeit gemeinsam mit der Klimafarm Schleswig-Holstein sichergestellt. Wir können nun in den Verkauf starten“, erklärt Mitgründer Hannes Stuhr.
Parallel dazu wird die Forschung weiter vorangetrieben. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut WKI werden neue wasserfeste und zugleich biologisch abbaubare Bindemittelsysteme entwickelt, die künftig auch im Möbelbau Anwendung finden sollen.

Projektdurchführung 
Planterial GmbH
Klosterstr. 21
24211 Preetz

DBU-AZ: 35509/41

Förderzeitraum: 14.07.2025 – 14.07.2027