Modellhafte Sanierung von Monumentalskulpturen aus Stampfbeton

Außergewöhnliche Zeugnisse der europĂ€ischen Bildhauerkunst

Sie gelten als außergewöhnliche Zeugnisse der europäischen Bildhauerkunst des frühen 20. Jahrhunderts: Die Monumentalskulpturen »Pferd« und »Kuh« des Bildhauers Gerhard Marcks an der Giebichensteinbrücke in Halle (Saale). Die ohne Armierung in Stampfbetontechnik ausgeführten Figuren wurden im Nachgang steinmetzmäßig überarbeitet. Schon kurz nach der Fertigstellung zeigten sich erste Risse, die sich im Zuge der Zeit erweiterten. Trotz einer ersten partiellen Restaurierung im Jahr 1995 wiesen »Pferd« und »Kuh« im Jahr 2010 massive Schäden auf. In einem Kooperationsprojekt der Stadt Halle an der Saale und des Instituts für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e. V. Halle (Saale) wurde ein Sanierungskonzept erarbeitet und umgesetzt.

Am Beginn der Maßnahmen stand eine umfangreiche Zustandsdokumentation, bei der neben physikalischen Verwitterungsfaktoren wie Frost und thermische Beanspruchung eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion als wesentliche Ursache für die Schäden identifiziert wurde: Bei dieser Reaktion bilden alkalieempfindliche Zuschläge im Beton mit den Alkalien des Zements quellfähige Alkali-Kieselsäure-Gele. Da sowohl die Risse in den Brückenfiguren als auch fertigungsbedingte Kiesnester große Mengen Wasser eindringen ließen, quollen die Alkali-Kieselsäure-Gele auf und führten zu Spannungen im Betongefüge und damit zu weiteren Rissen. Eine zusätzliche Schadursache war die im Chemiedreieck Leipzig-Halle-Bitterfeld besonders ausgeprägte anthropogene Luftbelastung mit Schwefelverbindungen, die über den sogenannten »Sauren Regen« in das Betonmaterial eingetragen wurden. Aus der Verbindung von Sulfat mit im Beton vorhandenen Calciumaluminaten entstand das Mineral Ettringit, das ebenfalls Treibwirkung besitzt.

 

Risskartierung des »Pferdes«

Da für alle Schadprozesse eindringendes Wasser ausschlaggebend ist, wurden die Brückenfiguren mit Holz eingehaust und konnten so über einen längeren Zeitraum trocknen. Es folgten eine Reinigung der Oberflächen und das Verfüllen der Risse. Dazu wurden kleine Löcher in die Risse gebohrt und dann über Plastikschläuche und eine Spritze ein Verpressmörtel injiziert. Tiefere Schadstellen wurden mit gröberem Restauriermörtel gefüllt und die komplette Oberfläche daraufhin mit einem feinkörnigen Mörtel überzogen. Zuletzt wurden die Figuren mit einer wasserabweisenden Schlämme überzogen.
 
VerfĂŒllung von Rissen am RĂŒcken der »Kuh« mittels PlastikschlĂ€uchen

Bei den verwendeten Mörteln handelt es sich um Materialien, die im Laufe des Projektes neu entwickelt oder modifiziert wurden. Alle Mörtel wurden an Musterflächen getestet und in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde begutachtet. Nach Abschluss der Arbeiten präsentierten sich »Pferd« und »Kuh« in einem sehr guten und einheitlichen Zustand, der in Fachkreisen ausdrücklich gelobt wurde. Damit ist das durchgeführte Projekt beispielgebend für die Sanierung derartiger Betonmonumentalskulpturen ohne Armierung, bei denen eine originalgetreue Oberfläche erhalten werden soll.

 

Das sanierte Pferd von der Stadtseite aus gesehen

Projektthema:
Sanierung der Betonskulpturen an der Hallenser GiebichensteinbrĂŒcke

ProjektdurchfĂŒhrung:
Stadt Halle (Saale)
Marktplatz 1
06108 Halle
www.halle.de

Kooperationspartner:
Institut fĂŒr Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e. V., Halle (Saale)
meinhardt@idk-info.de
www.idk-info.de

 

AZ 28615