Mikrostrukturen und Ultraschall – eine vielversprechende Kombination

Für den optimalen Einsatz von Mikroreaktoren in der Industrie gilt es, „Prozessfenster“ zu finden, in denen die Verwendung solcher Mikrostrukturen gegenüber herkömmlichen „Rührkesseln“ deutliche Vorteile hat. Gegenstand dieses Projekt war es, einen neuartigen, ultraschallgestützten Multiphasenprozess am Beispiel der industrierelevanten Aminierung von Kohlenwasserstoffen zu untersuchen und zu entwickeln.

Mikrostrukturreaktoren verfügen über ein kleines internes Volumen sowie über ein großes Verhältnis von Oberfläche zu Volumen. Kurze Diffusionswege und große Phasengrenzflächen können zudem den Stoff­transport erhöhen. Diese speziellen Eigenschaften sorgen in Mikroreaktoren für eine rasche und effektive Durchmischung in Mehrphasensystemen. Durch eine Kombination mit der Ultraschalltechnik kann dieser Effekt intensiviert und eine Mehrphasenreaktion schneller und mit höheren Ausbeuten durchgeführt werden.

Ziel dieses Projektes war deshalb die Entwicklung eines neuartigen ultra­schall­ge­stütz­ten flüs­sig/flüssig-Zweiphasenprozesses, der durch intensiveren Energie­ein­trag höhere Durch­sätze erlaubt. Darüber hinaus wurde der Einfluss von Mikro­struk­tur­para­me­tern (z.B. Kanal­innen­durch­messer, Mate­rial) auf den Ultra­schall­eintrag untersucht.

Bild 1 - Zunahme der Phasengrenzflächen eines Zwei-Phasen-Systems durch Verwendung eines Mikrostrukturreaktors (Mitte) und bei Ultraschalleintrag (rechts)

Dazu wurde eine Anlage mit Mikrostrukturen und Ultraschalleintrag entwickelt, gebaut und getestet. Wesentliche Merkmale sind dieser Anlage sind:

Bild 2 - Modellreaktion

Laser­mes­sungen wurden durch den Projektpartner JTT durchgeführt, um die Position der Mikro­struk­tu­ren im Druckbehälter zu opti­mie­ren. Anschließend haben wir den Einfluss des Ultra­schall­ein­trags auf ein zweiphasiges System (Tolu­ol/Was­ser) in einem Mikrokanal mit einer Hoch­ge­schwin­dig­keits­kamera beobachtet: Blasen mit schwing­en­der Ober­fläche sorgen für die Bil­dung nicht stabiler Emulsionen (Bild 1).

Als Mo­dell­reak­tion zur Quanti­fi­zie­rung des Ultra­schall­ein­flus­ses diente die Hydrolyse von p‑Nitro­phenyl­acetat (Bild 2). Diese Esterspaltung wurde bereits von Wirth et al.[1a] im Ultra­schall­bad bei einem maximalen Durchsatz von 0,0004 mmol/min untersucht. Für die konti­nuier­liche Pro­zess­führung ohne und mit Ultra­schall­eintrag wurden Mikro­struk­turen aus ver­schie­de­nen Mate­rialien (PTFE, PEEK, Glas) mit vari­ieren­den Kanal­innen­durch­mes­sern (ID) eingesetzt (Bild 3) PTFE-Schläuche eig­ne­ten sich am besten. Als Ergebnis der Ultraschalluntersuchungen zeigte sich: Ge­gen­über der Pro­zess­führung ohne Ultra­schall konnte die Ausbeute bei einem Durch­satz von 0,0125 mmol/min um einen Faktor von 7 ge­stei­gert wer­den (250 s Verweilzeit, ID 2,4 mm) (Bild 4). Pro­jekt­begleitende ökobilanzielle Bewertungen der Universität Jena ergaben ein verringertes Um­welt­be­lastungs­po­ten­tial: Zwar erhöht sich durch den Ener­gie­ein­trag mittels Ultra­schall der Energiebedarf, gleichzeitig resultieren aber hö­he­re Reaktionsausbeuten.

Bild 3 - Experimenteller Aufbau

Numerische Strö­mungs­simulationen des Projektpartners ASD GmbH haben zum Ver­ständ­nis der ablaufenden Pro­zesse im Mikrokanal beigetragen. Mo­delle und Ex­pe­ri­mente lieferten stets gute Über­ein­stim­mungen. Auf Basis der Modelle konnte die Pha­sen­grenz­fläche zwischen Wasser und To­lu­ol in ver­schie­de­nen Mikro­strukturen be­stimmt werden.

Bild 4 - Produktausbeuten der kontinuierlichen Esterspaltung in PTFE-Schläuchen mit verschiedenen Innendurchmessern ohne und mit Ultraschall.

Projektpartner:
Leibniz–Institut für Katalyse e.V. an der Universität Rostock (LIKAT)
Außenstelle Berlin
Richard–Willstätter–Str. 12
12489 Berlin
Dr. Sandra Hübner
Dr. habil. Klaus Jähnisch
Tel.: (030) 6392 4330
Fax: (030) 6392 4454
sandra.huebner@catalysis.de
www.catalysis.de

Little Things Factory GmbH
Ehrenbergstr. 1
98693 Ilmenau
Alexander Schilling
Tel.: (03677) 465 156
a.schilling@ltf-gmbh.de

ASD Advanced Simulation & Design GmbH
Erich–Schlesinger–Str. 50
18059 Rostock
Dr. Catrin Bludszuweit–Philipp
Tel.: (0381) 4403 270
epost@asd-online.com

JTT – ingo jänich ultraschall+technologien
Goethestr. 22f
16356 Ahrensfelde
Dipl.–Ing. Ingo Jänich
Tel.: (030) 2023 5025
ingo.jaenich@jtt-ultraschall.de

Friedrich–Schiller–Universität Jena (Uni Jena)
Institut für Technische Chemie und Umweltchemie (ITUC)
Lessingstr. 12
07743 Jena
Dr. Dana Kralisch
Tel.: (03641) 948457
dana.kralisch@uni-jena.de

AZ 25836