Um Umweltbelastungen zu reduzieren, Ressourcen zu schonen und nachhaltige Ernährungssysteme zu sichern, fordert Ziel 12.3 der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) eine deutliche Verringerung von Lebensmittelverlusten entlang der Produktions- und Lieferketten sowie in privaten Haushalten. Das Projekt der Deutschen Umwelthilfe (DUH) leistet einen Beitrag zur Umsetzung dieses Ziels, indem es institutionelle und rechtliche Hemmnisse bei der Reduktion von Lebensmittelverschwendung identifizierte, konkrete Empfehlungen zu deren Abbau sowie Dialogformate entwickelte.
Hemmnisse und Chancen ermitteln
Im ersten Schritt erstellte eine Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag der DUH ein Rechtsgutachten, um die nationalen und europarechtlichen Handlungsmöglichkeiten, u. a. im Bereich Lebensmittelweitergabe, juristisch belastbar auszuloten. Die ermittelten Stellschrauben für den Abbau rechtlicher Hindernisse wurden anschließend mit Expert*innen relevanter Stakeholder diskutiert. Daraus leiteten sich die Schwerpunkte “Optimierung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD)” und “Neuer Rechtsrahmen auf Basis der gesetzlichen Abfallhierarchie für Lebensmittel” ab, die in einem Positionspapier veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse des Rechtsgutachtens sind darüber hinaus wiederholt in politische Gespräche und Prozesse auf EU- und nationaler Ebene eingebracht worden.
Vernetzung auf EU-Ebene
Im nächsten Schritt erfolgte die Recherche von Good-Practice-Beispielen im EU-Ausland und der Austausch mit relevanten Organisationen, Initiativen und Institutionen wurde initiiert. Darüber hinaus bewarb die DUH sich erfolgreich als eine von zwei deutschen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) als Mitglied für die EU-Plattform für Lebensmittelverluste und Lebensmittelverschwendung. Über dieses Gremium konnten die Erkenntnisse des Projekts einerseits an Entscheidungsträger*innen herangetragen, andererseits aber auch systematisch und effektiv in den Gesetzgebungsprozess, z. B. zur geplanten Überarbeitung des MHD, eingebracht werden.
Dialogformate zum MHD
Im Rahmen des Vorhabens fanden darüber hinaus verschiedene Austauschformate zur praktischen Umsetzung der erzielten Erkenntnisse statt. Um einen Überblick über geplante oder bereits implementierte Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen zu gewinnen, erfolgte eine Abfrage bei Einzelhandelsketten. Die ermittelten Ergebnisse wurden anschließend in Fokusgesprächen vertiefend diskutiert. Ergänzend fand eine intensivierte Vernetzung mit relevanten Vertreter*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik statt. So wurden im “Dialogforum Groß- und Einzelhandel” sowie zwei Marktdialogen die Themen “Mindesthaltbarkeitsdatum” und “Rechtssicherheit bei Lebensmittelspenden” mit den Stakeholdern diskutiert.
Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Arbeitspaketen wurden schließlich in einem Leitfaden für Lebensmittelunternehmen und Politik gebündelt und im Rahmen einer Abschlussveranstaltung Repräsentant*innen von Handel, Politik und Zivilgesellschaft vorgestellt.
Sensibilisierung von Verbraucher*innen
Um ebenfalls die privaten Haushalte mit der mengenmäßig größten Quelle der deutschen Lebensmittelabfälle (Food Waste) zu erreichen, wurde zudem eine öffentlichkeitswirksame Kampagne organisiert. Diese beinhaltete Informationen zu den Projektergebnissen und Tipps zur Vermeidung von Food Waste. Im Rahmen der Kampagne wurden Postings über die gängigen Social-Media-Kanäle, Beiträge im DUH-Newsletter sowie der hauseigenen Zeitschrift “DUH-Welt” genutzt. Aber auch Vorträge, Interviews und Aktionen wie beispielsweise eine Petition gegen Lebensmittelverschwendung sollten für das Thema sensibilisieren.
Projektdurchführung
Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)
Naturschutz und Biologische Vielfalt
Hackescher Markt 4
10178 Berlin
DBU-AZ: 35247/01
Förderzeitraum: 16.03.2020 – 15.09.2023