Nachhaltigkeitsbewertung von Lebensmittelverpackungen

Die Herstellung von Lebensmitteln ist oftmals mit potenziellen Umweltauswirkungen wie der Freisetzung von Treibhausgasen, Stoffeinträgen in die Umwelt oder der Gefährdung der Artenvielfalt verbunden. Um diese Umweltbelastungen zu reduzieren, bietet die möglichst verlustfreie Nutzung der produzierten Lebensmittel einen wirksamen Hebel: Durch die Vermeidung von Lebensmittelabfällen sinkt der Bedarf an insgesamt zu erzeugenden Rohstoffen und Endprodukten – mit unmittelbarer Auswirkung auf die entlang der Wertschöpfungskette auftretenden potenziellen Umweltauswirkungen. Zudem lassen sich auch soziale sowie ökonomische Herausforderungen, die insbesondere mit der Urproduktion von Lebensmitteln einhergehen können, auf diese Weise angehen.

Ein wesentlicher Ansatzpunkt zum Werterhalt von Lebensmitteln und damit zur Reduktion von Abfällen ist eine adäquate Verpackung, da sie durch ihre Schutzfunktion die Frische und Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern kann. Auch wenn Lebensmittelverpackungen zweifellos ebenfalls mit Umweltfolgen verbunden sind, verursachen sie häufig einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck als das verpackte Lebensmittel, was ihren Einsatz in der Regel sinnvoll macht. Bisher wird dieser Zusammenhang in den meisten gängigen Methoden zur Nachhaltigkeitsbewertung von Verpackungen jedoch nur unzureichend berücksichtigt.

Nachhaltigkeit von Lebensmittelverpackungen unter der Lupe

Diese Lücke schließt ein von der DBU gefördertes Projekt der  Hochschule Albstadt-Sigmaringen in Kooperation mit der Universität Stuttgart und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e. V. Das Projektkonsortium erarbeitete eine Methodik, um die ökologischen, ökonomischen sowie sozialen Auswirkungen von Lebensmittelverpackungen unter Einbezug ihrer Funktionalität und deren Einfluss auf Lebensmittelabfälle  ganzheitlich zu bewerten. Verpackungsbedingte Lebensmittelabfälle hängen unter anderem von den Barriereeigenschaften der Verpackung und deren Einfluss auf die Produkthaltbarkeit sowie von der Restentleerbarkeit der Verpackung ab, also davon, wie vollständig sich der Inhalt aus der Verpackung entnehmen lässt.

Die ökologische Bewertung erfolgt mithilfe eines Life Cycle Assessment (LCA) in Anlehnung an die internationalen Standards ISO 14040 und ISO 14044 sowie gemäß der EU-Empfehlung 2021/2279 zur Berechnung des Umweltfußabdrucks von Produkten. Die ökonomische Bewertung wird über ein Life Cycle Costing (LCC) durchgeführt, das sich ebenfalls an der Struktur der ISO 14040 und ISO 14044 orientiert. Die soziale Nachhaltigkeit wird mithilfe eines Social Life Cycle Assessment (sLCA) in Anlehnung an ISO 14075 und unter Verwendung der Social-Hotspot-Database-Methodik bewertet.

In allen drei Dimensionen – Ökologie, Ökonomie und Soziales – werden auch die potenziellen ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen von verpackungsbedingten Lebensmittelabfällen berücksichtigt. Deren Menge wird für jedes Lebensmittelverpackungssystem auf Basis des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) bzw. Verbrauchsdatums (VD) abgeschätzt und zusätzlich anhand der Restentleerbarkeit der Verpackung bestimmt.

Label soll die nachhaltigere Wahl erleichtern

Die Bewertungsmethodik wurde bereits durch Fallstudien getestet, um ihre Validität und Anwendbarkeit zu gewährleisten. Durch die Anbindung an bereits bestehende Bewertungs- und Zertifizierungssysteme kann der Ansatz von Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette leichter angewendet werden. Zur Darstellung der Bewertung wurde ein Konzept für ein Label entwickelt, das Verbraucher*innen informiert und bei der Wahl der nachhaltigeren Verpackungsoption unterstützen soll. Dazu führte das Projektkonsortium eine Befragung von Konsument*innendurch, um Erwartungen an ein solches Verpackungslabel zu ermitteln. Die Befragung zeigt, dass Verbraucher*innen Nachhaltigkeit bei Verpackungen vor allem mit ökologischen Aspekten des Materials verbinden, gleichzeitig aber auch den Schutz des Lebensmittels als wichtiges Kriterium ansehen.

„Die Methodik und das Konzept für das Verpackungslabel sind darauf ausgelegt, eine verständliche und glaubwürdige Orientierung zu bieten, den öffentlichen Diskurs zu Lebensmittelverpackungen zu versachlichen und Verbraucher*innen bei nachhaltigeren Kaufentscheidungen zu unterstützen.“

Mara Strenger, Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Nach Projektende: Pilotphase mit Unternehmen

Die in Sustainable Packaging Assessment (SPA = systematisches Verfahren zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Verpackungen) entwickelte Methodik wird in zukünftigen Projekten angewandt, um die Nachhaltigkeit von Lebensmittelverpackungen ganzheitlicher zu bewerten. Darüber hinaus soll im Anschluss an SPA ein Folgeprojekt beantragt werden, in dem die entwickelte Methodik automatisiert und die Zertifizierung von Verpackungen sowie die Vergabe des potenziellen Labels in einer Pilotphase mit Unternehmen der Verpackungsindustrie erprobt wird.

Projektdurchführung:
Hochschule Albstadt-Sigmaringen
Fakultät Life Sciences
Sustainable Packaging Institute (SPI)
Anton-Günther-Str. 51
72488 Sigmaringen

Förderzeitraum: 01.01.2023 – 31.12.2025

Wie wir Nachhaltigkeit messen: LCA, LCC & sLCA

Ein Life Cycle Assessment (LCA) ist eine Methode zur Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produkts oder Prozesses über seinen gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung.

Im Life Cycle Costing (LCC) bewertet die Gesamtkosten eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus, inklusive Herstellung, Nutzung, Wartung und Entsorgung.

Social Life Cycle Assessment (sLCA) bewertet die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen eines Produkts oder Prozesses über den gesamten Lebenszyklus, z. B. Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Bildung oder Menschenrechte.