Die Hopfenblattlaus – Kulturschädling im Hopfen

Nachhaltige Optimierung der Bekämpfung von Blattläusen (Phorodon humuli) im Hopfen (Humulus lupulus) durch Bekämpfungsschwellen und Züchtung Blattlaus toleranter Hopfensorten

Kleines Tier, großer Effekt – So lässt sich die Auswirkung des Blattlausbefalls auf den Hopfen umschreiben. Der Kulturhopfen wird auf der nördlichen Hemisphäre alljährlich von Blattläusen befallen. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen würde der damit verbundene Schaden im Schnitt jedes zweite Jahr zu Ertrags- und Qualitätseinbußen von bis zu 100 % führen.

In Deutschland werden für den Einsatz von Pestiziden zur Hopfenblattlausbekämpfung derzeit knapp 1 Million Euro pro Jahr aufgewendet. Die Behandlungen erfolgen weitgehend prophylaktisch, da es noch keine wissenschaftlich abgesicherte Bekämpfungsschwelle gibt. Das Hopfenforschungszentrum der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft hat jetzt ein Bekämpfungskonzept erarbeitet, das den Insektizideinsatz zur Blattlauskontrolle im Hopfen optimiert und möglichst reduziert.

Die Wissenschaftler am Forschungszentrum haben geprüft, unter welchen Voraussetzungen eine bestimmte Anzahl Blattläuse pro Blatt bzw. Dolde geduldet werden kann, ohne dass das Erntegut qualitativ und quantitativ negativ beeinflusst wird.

Im größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt, der bayerischen Hallertau, wurden dafür jährlich 60 Praxis-Hopfengärten nach drei Varianten bearbeitet: eine ohne Insektizideinsatz, eine mit einmaligem Insektizideinsatz sowie eine mit praxisüblicher Behandlung.

Alle Parzellen wurden regelmäßig auf Blattlausbefall untersucht. Mithilfe einer speziellen »Berlese«-Apparatur konnten auch die in den Hopfendolden versteckten Blattläuse und andere Arthropoden erstmals überhaupt quantitativ erfasst werden. Jedes Jahr wurde in 12 der Projektgärten eine groß angelegte Versuchsernte durch-geführt, in deren Rahmen die Erträge der drei Einzelparzellen statistisch gesichert verglichen wurden. Aus jeder Parzelle wurden zudem die wertbestimmenden Inhaltsstoffe analysiert und verglichen.

Modifizierte Berlese-Apparatur zur quantitativen Extraktion von Blattläusen aus grünen Hopfendolden

Das neue Bekämpfungskonzept zur Blattlauskontrolle in der Sonderkultur Hopfen beinhaltet folgende wichtige Strategien: Blattlaustolerante oder -resistente Sorten können jedes Jahr gefahrlos ohne jeglichen Insektizideinsatz auskommen. Bei mäßig und stark blattlausanfälligen Sorten sollte möglichst nur eine Behandlung erfolgen diese aber mit einem Insektizid mit sehr hohem Wirkungsgrad.

Maßgebliche Vorgaben für den Einsatzzeitpunkt sind:

  1. Unabhängig von der Blattlauszahl im Früh- jahr grundsätzlich keine Behandlung vor Ende des Blattlauszufluges. Ausnahme: Wenn der Befall während des Längenwachstums so stark wird, dass sich Blätter eindrehen und Wachstumsstillstand droht.
  2. Wenn dann bis zu Beginn der Blüte durchschnittlich mehr als eine Blattlaus pro Blatt zu finden ist, folgt eine Behandlung möglichst bis Ende der Blüte.
Für Pestizide zur Hopfenblattlausbekämpfung werden in Deutschland rund 1 Million Euro pro Jahr ausgegeben.

Projektthema:
Nachhaltige Optimierung der Bekämpfung von Blattläusen (Phorodon humuli) im Hopfen (Humulus lupulus) durch Bekämpfungsschwellen und Züchtung Blattlaus toleranter Hopfensorten

Projektdurchführung:
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Hopfenforschungszentrum

Hüll 5 1/3
85283 Wolnzach
Telefon    08442|9257-0
www.lfl.bayern.de/ipz/hopfen/poststelle@LfL.bayern.de

AZ 25746