Baltic Sea Rangers: Stewards of Marine Conservation and Resilient Seas

Keywords: Meeresnaturschutz, Marine Umweltbildung, Nachhaltige Fischerei, Ostsee

Gegenstand und Ziele des Projektes

Die Ostsee ist ein ökologisch, wirtschaftlich und kulturell bedeutender Meeresraum, dessen Zustand trotz umfangreicher Schutzbemühungen weiterhin kritisch ist. Abnehmende Fischbestände und steigende Kosten führen zudem zu einem Rückgang der kleinskaligen Küstenfischerei, was neben wirtschaftlichen Einbußen auch den Verlust traditionellen Wissens und lokaler Verantwortung für marine Ökosysteme nach sich zieht. Diesem Trend möchte das Projekt einen innovativen Ansatz entgegensetzen: Es definiert die berufliche Rolle in der Küstenfischerei neu, indem sich Fischer*innen als Sea Rangers durch Mitwirkung am marinen Monitoring, praktischen Naturschutzmaßnahmen, öffentlich finanzierten Dienstleistungen sowie Bildungs- und Forschungsaufträgen aktiv am Meeresschutz beteiligen und sich dadurch gleichzeitig alternative Einkommensquellen erschließen. Die Initiative zeichnet sich durch einen hohen Grad an Partizipation aus, in deren Zentrum Küstenfischer*innen in Lettland, Estland und Litauen stehen, und zwar sowohl als Einzelbetriebe als auch in Organisationen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Sie entwickeln in Experimentierräumen, sogenannten Living Labs, aktiv und gemeinsam mit relevanten Akteur*innen aus Verwaltung, Wissenschaft und Naturschutz praxisnahe Lösungen für regional angepasste Baltic Sea Ranger-Konzepte und entsprechende Bildungslehrpläne. Während Verwaltungsbehörden und öffentliche Stellen auf kommunaler, regionaler, nationaler und EU-Ebene hierbei wesentlich zur institutionellen Verankerung und formalen Ausbildung der Baltic Sea Rangers beitragen, stehen bei den teilnehmenden wissenschaftlichen Einrichtungen Forschung, Wissensaustausch und Weiterentwicklung der Ausbildungsprogramme im Mittelpunkt. Durch die Gründung entsprechender Vereine in den drei baltischen Ländern sollen diese Interessengemeinschaften verstetigt und die Umsetzung des Sea Ranger-Konzepts langfristig gewährleistet werden.

Innovation und Modellhaftigkeit des Projektes

Das Vorhaben zeichnet sich insbesondere durch ein praxisnahes, zukunftsfähiges Konzept aus, das auf offener Innovation, Partizipation und Co-Kreation basiert und die lokale Küstenfischerei als zentrale Akteurin aktiv einbezieht. Durch die Umgestaltung der Küstenfischerei zu einem marinen Dienstleistungssektor kann es einen Beitrag zu resilienten marinen Ökosystemen und einer nachhaltigen Fischerei leisten. Darüber hinaus soll ein Konzept entwickelt und skaliert werden, um eine ostseeweite Übertragbarkeit zu ermöglichen. Internationale marine Organisationen und Netzwerke mit Ostsee-Bezug wie ICES (International Council for the Exploration of the Sea) und HELCOM (Baltic Marine Environment Protection Commission) werden im Rahmen gezielter Kommunikations- und Verbreitungsmaßnahmen aktiv eingebunden, um Übertragbarkeit und Sichtbarkeit der Initiative zu erhöhen. Ebenso werden politische Entscheidungsträger*innen auf europäischer und nationaler Ebene adressiert, etwa durch den geplanten Policy Brief für die Europäische Kommission, mit dem Ziel, das Konzept in politische Rahmenwerke und Förderprogramme zu integrieren.

Besondere Aspekte des Projektes

Diesem Vorhaben liegt ein 2023 erfolgreich angelaufenes Pilotprojekt in Deutschland zugrunde, in dem Küstenfischer*innen aus Mecklenburg-Vorpommern eine staatlich anerkannte Zusatzausbildung zum/r „Fachwirt/-in für Fischerei und Meeresumwelt“ durchlaufen können, die neben traditionellem und modernem Fischereiwissen auch Umwelt und Recht sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit vermittelt. In diesem Zusammenhang wurde der Verein Sea Ranger e. V. gegründet, der das Fach- und Erfahrungswissen der Küstenfischer*innen mit der neuen Qualifikation verknüpft, ihre selbstbestimmte Weiterentwicklung fördert und sich zunehmend national und international als innovatives Modell für Meeresschutz und verantwortungsvolle Küstenfischerei entwickelt. Dieses erprobte Konzept wird nun auf Estland, Lettland und Litauen ausgeweitet und regional adaptiert. Es ist außerdem besonders hervorzuheben, dass das Projekt neben regionalen Küstengemeinden, die wirtschaftlich und kulturell vom Projekt profitieren können, auch Jugendliche und Frauen als potenzielle neue Zielgruppen für berufliche Qualifizierung im Fischerei- und marinen Dienstleistungssektor anspricht.

Förderthema 11: Meeresnaturschutzfonds

Projektdurchführung:

Assoziierte Partner*innen:

Wirkungsorte: Estland, Lettland, Litauen

Förderzeitraum: Oktober 2025 bis Oktober 2028

Projektkosten: Gesamtvolumen: 237 774 Euro, Förderung durch DBU: 175 000 Euro

DBU-AZ: 40378


Stand: 09.03.2026