Keywords: Klimaschutz, Nachhaltige Landwirtschaft, Pflanzenkohle, Wasseraufbereitung; Valorisierung organischer Reststoffe; Partizipation und Wissenstransfer
Gegenstand und Ziele des Projektes
Albanien ist sehr deutlich den Effekten des Klimawandels ausgesetzt, so dass hier Anpassungsstrategien zum Wasserressourcenmanagement, klimaresistenter Bewässerung sowie eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft einschließlich entsprechender Infrastrukturen angestrengt werden. Eine Belastung der Wässer durch Krankheitserreger und Schadstoffe aufgrund der Einträge ungeklärten Abwassers oder von Stoffen aus der Landwirtschaft durch steigenden Einsatz von Pestiziden ist wahrscheinlich, bislang jedoch kaum untersucht.
Gegenstand im Projekt BAAWas ist insbesondere die Erfassung und Verbesserung der Qualität des Bewässerungswassers in Albanien. Im Verbund mit der albanischen Kommune Belsh, einer albanischen NGO, der Agraruniversität Tirana, der Technischen Hochschule Mittelhessen und der MESOCOSM GmbH koordiniert die Justus-Liebig-Universität Gießen das Vorhaben, in dem zur nachhaltigen Reinigung von Bewässerungswasser in der Landwirtschaft Pflanzenkohle, die aus organischen Reststoffen gewonnen wird, in geeigneten Filtersystemen zum Einsatz kommt. Dabei erfolgt – anstelle der bislang leider üblichen Verbrennung auf dem Feld – im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgedankens eine Valorisierung dieser Reststoffe bei gleichzeitiger Reduktion der CO2-Emissionen durch deren Pyrolyse. BAAWas soll somit zur weiteren Etablierung einer Kreislaufwirtschaft, einer verbesserten Wasserbehandlung und der rückstandsarmen landwirtschaftlichen Produktion von Lebensmitteln in Albanien beitragen: Mit der Erzeugung von Pflanzenkohle und deren Verwendung in der Landwirtschaft zur Reinigung des eingesetzten Bewässerungswassers wird in diesem Zuge gleichfalls die Pestizidbelastung in Böden und Lebensmitteln gesenkt. Zu diesem Zweck wird an der THM ein Pyrolyse-Reaktor entwickelt und erprobt, mit welchem Pflanzenkohle auf Basis unterschiedlicher Biomassen erzeugt und aktiviert werden kann. Dieser Reaktor soll zukünftig an der AUT zum Einsatz kommen. Durch die direkte Zusammenarbeit mit der Gemeinde Belsh und dortigen Landwirt*innen soll die Wahrnehmung in der Bevölkerung gegenüber Kreislaufwirtschaft und Wasserbelastungen erfasst und weitergehend das Bewusstsein für die Anwendung von Pflanzenkohle zur Wasserreinigung geschärft werden. Dieser partizipative Ansatz trägt dazu bei, gesellschaftliche und naturwissenschaftliche Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und erste konkrete Schritte hin zu Praxisanwendungen im Bereich der Pflanzenkohle in Albanien zu realisieren.
Innovation und Modellhaftigkeit des Projektes
Im Vorhaben werden die Kapazitäten zur Untersuchung von Wasser- und Feststoffproben aber auch von aktivierter Pflanzenkohle an der Agrar-Universität Tirana auf ein neues Niveau gehoben und eröffnen somit neue Potenziale für Forschung, Entwicklung, Erprobung und Lehre bei Studierenden sowie in der Weiterbildung von Landnutzer*innen. Die transdisziplinäre Zusammenarbeit der Wissenschaftler*innen mit Stakeholder*innen aus Gesellschaft und Verwaltung erweitert den Rahmen und schließt die Lücke zwischen Forschung und Anwendung. Der in BAAWas verfolgte Ansatz ist für weite Gebiete mit Bewässerungslandwirtschaft im südosteuropäischen/mediterranen Raum übertragbar. Voraussetzungen dafür sind: (1) verfügbare, geeignete organische Abfälle, (2) zunehmender Bedarf an Bewässerungswasser und Dargebot desselben, (3) Bewusstsein in der landwirtschaftlichen Bevölkerung für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion, (4) politischer Wille, die Technologie umzusetzen.
Besondere Aspekte des Projektes
Spezifisch für BAAWas ist die transdisziplinäre Zusammensetzung des Konsortiums, in dem – entsprechend der komplexen Aufgabenstellung – Vertreter*innen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen (Agrar-/Umweltwissenschaften, Ökotoxikologie, Verfahrenstechnik) und nicht-wissenschaftlicher Bereiche (Verwaltung, Gesellschaft und Industrie) gemeinsam innovative Lösungen für eine nachhaltige Nutzung organischer Reststoffe mit dem Ziel einer Wasseraufbereitung durch Pflanzenkohle entwickeln. Die Zusammenarbeit zur Implementierung dauerhafter Strukturen erfolgt auf Augenhöhe und stärkt die lokale Expertise.
Die langjährige internationale Kooperation der Partnerinstitutionen AUT und JLU sichert zudem eine hohe interkulturelle Handlungskompetenz in Forschung und Umsetzung. Der im Projekt beschäftigte albanische Wissenschaftler erarbeitet in einem integrierten Promotionsvorhaben an beiden Universitäten (AUT und JLU) die erforderliche Analytik zur Abschätzung der bestehenden Umweltbelastungen und der Leistungsfähigkeit der Pflanzenkohle. Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen der THM wird ein Pyrolysereaktor für die AUT entwickelt, der in Albanien in der akademischen Ausbildung eingesetzt werden kann und die Etablierung von ersten Test-Filtern in der landwirtschaftlichen Praxis ermöglicht. BAAWas leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Regionalentwicklung in Albanien, indem es insbesondere die UN-Nachhaltigkeitsziele SDG 2 (Ernährungssicherung), SDG 6 (Sauberes Wasser), SDG 12 (Nachhaltige Produktion) und SDG 15 (Leben an Land) adressiert.



Förderthema 9: Naturschutz und Gewässerschutz
Projektdurchführung:
Assoziierte Partner*innen:
Wirkungsorte: Albanien, Deutschland
Förderzeitraum: Februar 2025 bis Februar 2027
Projektkosten: Gesamtvolumen: 198 955 Euro, Förderung durch DBU: 168 930 Euro
DBU-AZ: 39821
Stand: 09.03.2026