Handwerkskammer Hamburg
Kompetenzzentrum Handwerkskammer Hamburg
Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik
Zum Handwerkszentrum 1
21079 Hamburg
Der fortschreitende Klimawandel und die aktuelle politische Lage bedingt durch den russischen Angriffskrieg auf (die) Ukraine zwingen Deutschland zur beschleunigten Umsetzung konkreter Anpassungsprozesse im Rahmen der Energiewende. Für die Realisierung der erforderlichen Energieeinsparungen und den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien fehlen aber insbesondere im Handwerk die Fachkräfte. Das Projekt „Energiesicherheit und Energiewende: Fachkräfteweiterbildung für Klimaschutz und Erneuerbare Energien - Innovative Qualifizierungsmodule auch für geflüchtete Ukrainer*innen“ trägt als ein kleiner weiterer Beitrag zu einer klimafreundlichen und krisensicheren Energieversorgung bei. Da zeitgleich zum Fachkräftemangel aktuell ein hoher Zustrom von Geflüchteten aus (der) Ukraine herrscht, setzt sich das Projekt außerdem zum Ziel, dieses Potential zu nutzen und besonders Ukrainer:innen mit passender Vorerfahrung aber auch Menschen aus anderen EU-Beitrittskandidatenländern in die Pilotphase zu integrieren.
Vor Entwicklung der neuen Qualifizierungsmodule wurden in einer dreimonatigen Bedarfsanalyse zunächst prioritäre Qualifizierungsbedarfe mittels qualitativer Stakeholder Interviews erfasst und präzisiert. Mithilfe der Ergebnisse wurde ein eigenständiger Lehrgang zur Kompetenzentwicklung im Bereich Klimaschutz und Energiesicherheit entwickelt. Als weiterer Projektbaustein wurden mögliche Anpassungserfordernisse an bestehende Meistervorbereitungen identifiziert und entsprechende Ergänzungsmodule entwickelt. Im Anschluss wurde eine Schulung für Multiplikator:innen konzipiert, wodurch die zuvor entwickelten Konzepte bundesweit an andere Bildungs- und Umweltzentren des Handwerks verbreitet werden konnten. Alle Qualifizierungsmodule wurden 2024/25 modellhaft erprobt und evaluiert.
Das Projekt hat seine Ziele im vorgesehenen Arbeits-, Zeit- und Kostenrahmen erreicht. Die Bedarfsanalyse zeigte einen hohen Qualifizierungsbedarf in den Bereichen Elektro, Wärme, energieeffizientes Bauen, Energieberatung und IT. Neben technischen Kenntnissen wurden digitale Kompetenzen, Schnittstellenwissen, systemisches Denken und Hintergrundwissen zur Energiewende als zentral identifiziert. Auf dieser Basis entstand der Lehrgang „Energiemanagement Photovoltaik“ mit zwei Modulen: Modul 1 vermittelt Grundlagen zu Energiewende, Klimaschutz und nachhaltiger Energieversorgung, Modul 2 fokussiert auf Analyse, Planung, Projektierung und Beratung von Energiemanagementsystemen. Die Zielgruppe umfasst Elektro- und SHK-Fachkräfte sowie technikaffine Quereinsteigende. 15 Teilnehmende schlossen die pilothafte Durchführung erfolgreich ab. Ergänzend wurden Energieeffizienz-Andockmodule für Meistervorbereitungskurse in sieben Gewerken entwickelt: Feinwerkmechanik, Kälteanlagenbau, Maurer- und Betonbau, Metallbau, Tischlerei, Zahntechnik und Zimmerei. Diese Module vermitteln praxisorientierte Kompetenzen zur Analyse und Optimierung von Energieverbräuchen sowie zur Sensibilisierung für Ressourcenschonung. Insgesamt nahmen 131 angehende Meister:innen teil. Zur bundesweiten Verbreitung der Ergebnisse fand eine Online-Multiplikator:innenschulung mit 30 Teilnehmenden statt. Sie diente der Vorstellung der entwickelten Konzepte, dem Austausch und der Vernetzung der Akteur:innen und unterstützte den Transfer der Projektergebnisse.
Die Entwicklung und Durchführung der Bildungsformate erfolgte planmäßig und stieß auf hohe Akzeptanz. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund wurde erfolgreich umgesetzt. Die Evaluationsergebnisse bestätigten die Praxisrelevanz. Die entwickelten Bildungsformate gehen über gesetzliche Vorgaben hinaus, indem sie nicht nur technische Qualifikationen vermitteln, sondern auch nachhaltigkeitsorientierte Kompetenzen und ein „Energiewende-Mindset“ fördern. Ökologisch betrachtet leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Umweltentlastung durch die Qualifizierung von Fachkräften, welche zum Vorantreiben der Energiewende nötig sind. Die vermittelten Inhalte befähigen Fachkräfte, Energieverbräuche zu analysieren und zu optimieren, was langfristig zu einer Reduktion von CO₂-Emissionen und Ressourcenschonung führt. Ökonomisch stärkt das Projekt die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe durch Effizienzsteigerungen und Fachkräfteintegration.
Die Verbreitung der Projektergebnisse erfolgte durch vielfältige Maßnahmen während der gesamten Projektlaufzeit. Highlights waren die Teilnahme an der Woche der Umwelt 2024 sowie der Gewinn des 3. Preises des Harburger Nachhaltigkeitspreises 2024. Die Abschlussveranstaltung am Elbcampus und die Online-Schulung für Multiplikator:innen erreichten eine breite bundesweite Beteiligung von Expert:innen, Bildungsträgern und Handwerkskammern. Ein Graphic Recording fasste die wichtigsten Ergebnisse der Abschlussveranstaltung anschaulich zusammen und wird in Ausschnitten zur weiteren Verbreitung der Ergebnisse genutzt. Zudem wurde ein Nachbericht im NordHandwerk veröffentlicht und eine Pressemitteilung auf der Projekt-Homepage bereitgestellt.
Das Förderprojekt hat erfolgreich innovative und praxisnahe Weiterbildungsformate entwickelt, die den Anforderungen der Energiewende im Handwerk gerecht werden. Die Kombination aus technischem Fachwissen, betriebswirtschaftlichen Aspekten und nachhaltigkeitsorientierten Kompetenzen stellt einen ganzheitlichen Ansatz dar, der über herkömmliche Qualifizierungsangebote hinausgeht. Besonders die gelungene Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund ist ein wesentlicher Beitrag zur Fachkräftesicherung. Die eingesetzte Vorgehensweise, die enge Zusammenarbeit mit Fachexpert:innen sowie die systematische Evaluation haben zur hohen Qualität der Angebote beigetragen. Herausforderungen wie die Komplexität der Inhalte in begrenzter Zeit und die Akquise qualifizierter Dozierender wurden erfolgreich ge-meistert, erfordern jedoch weiterhin Aufmerksamkeit. Für zukünftige Vorhaben bieten sich eine verstärkte Ausweitung auf weitere Gewerke und Ziel-gruppen sowie eine intensivere Vernetzung mit Betrieben an. Insgesamt stellt das Projekt ein wertvolles Modell für die Qualifizierung im Kontext der Energiewende dar und leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Handwerks.